schwachen Aussällung von Nebeltröpschen bei der Abkühlung her⸗ rührt. Recht häufig kommt es auch vor, daß große Tetle des Pla⸗ neten durch einen hellgelben Schleier verdeckt werden, so daß die zahlreichen Einzelheiten auf seiner Oberfläche unsichtbar werden. ö Man ist darüber einig, daß diese gelbe Färbung von seinem gelben Wülstensand herrührt. Die auffallendsten Erscheinungen auf dem Mars sind die hell- weißen Polarkappen, deren Ausdehnung mit der Jahreszeit wechselt, so daß die südliche bisweilen im Hochsommer ganz verschwindet. Man hat schon lauge vermutet, daß dieselben, in Aehnlichkeit mit den entsprechenden Gebilden auf der Erde, von Schnee herrühren. i Wegen ihrer geringen Beständigkeit trotz der schwachen Strahlung 1 der Sonne auf den Mars ist man zu der Annahme geführt, daß die ö Schneelager äußerst dünn sind und vermutlich nur aus dickem Reif bestehen. Bei dem Schwinden der Schneedecke sieht mau, daß die Teile an ihrem Rand dunkel werden, während die Marsoberfläche mit Ausnahme der sogenannten Kanäle und Meere sonst hell rotgelb.
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b erscheint. Mau vermutete, daß die Dunkelheit von Wasser herrührte, 25 das von der Schneeschmelze stammte. Danach beobachtet man, wie
sich von dieser Grenzzone dunkle Ausläufer in vorher unsichtbaren
. Kanälen langsam zu dem Aequator hin erstrecken, mit einer Ge⸗ 5 schwindigkeit von etwa 80 Kilometer pro Tag. Die Kanäle nehmen beim Dunkelwerden erst einen tiefroten, danach einen dunklen blau⸗ grünen Ton an. Nachdem der Sommer vorüber ist, verschwinden 0 die Kanäle, speziell die kleineren, allmählich, ihr Ton wird blasser und ist zuletzt in vielen Fällen nicht von den gelbroten Umgebungen zu unterscheiden. Gleichzeitig breitet sich die weiße Polazkappe am K belresfenden Pol wieder aus, während sie am anderen Pol, der jetzt
e in das Sonnenlicht eingetreten ist, mit herannahendem Hochsommer 0 allmählich abnimmt. Die rotgelben Teile des Mars entsprechen den Wüsten auf der . Erde, wo der Sand auch meistens rotgelb ist wegen des beigemischten 5 Eeisenoxyds. Er herrscht also ein Wüstenklima, Wasser kommt nur N fehr spärlich vor. An einigen Stellen, wie z. B. den auffallendsten 0 14 Gebilden auf der Marsoberfläche, bleibt wohl immer eine dunkle 5 Färbung; die Ausdehnung dieser Partien wechselt aber in hohem Grade. Im allgemeinen haben die Meere und Seen auf dem Mars nur geringe Beständigkeit— man nimmt deshalb gewöhnlich an, N daß sie äußerst leicht sind. Ebenso sind die meisten Kanäle, die bis⸗ 9 weilen doppelt erscheinen, sehr unbeständige Gebilde.
a Aus diesen Umständen hat man geschlossen, daß die Temperatur
„ auf dem Mars niedriger sei als diejenige der Erde in den ent⸗ l sprechenden Erdteilen. Weiter war es wahrscheinlich, daß bei der . ö geringen Sonnenstrahlung— die nur etwa 42 Prozent derjenigen auf der Erde beträgt— die mittlere Temperatur auf dem Mars nledriger sei als die der Erde. Man schloß daher für Mars auf ein . sehr gleichmäßiges Klima mit einer Temperatur von etwa 10 Grad
le 1 an den wärmsten Stellen— die mittlere Temperatur der Erde be⸗ r trägt 16 Grad.
.— 6 Jedenfalls war es zu vermuten, daß Wasserdampf in der At⸗ ö ö mosphäre des Mars vorkommt. Diese Vermutung schien bestätigt . N von den Beobachtungen der vornehmsten Spektralanalytiker. Sli⸗ . 5 phers Beobachtungen jedoch lassen unter der Berücksichtigung der „5 Tatsache, daß Mars ein ausgesprochenes Wüstenklima besitzt, berech⸗ 0 14 nen, daß die Feuchtigkeit auf dem Mars der Salzseestadt Utha u ent⸗
spricht und daß die Temperatur jener beobachteten Marsgegend nicht 5 N mehr als 5,3 Grad beträgt, wenn die Sonne im Scheitelpunkt steht. 0 1„Dies war sehr unbefriedigend für diejenigen, welche an einen l 1 kräftigen Pflanzenwuchs auf dem Mars glaubten, der jedoch ebenso
wenig da ist, wie höher organisierte Wesen. Offenbar würde auch
4 im Hochsommer innerhalb der Wendekreise des Mars die Nacht⸗ temperatur im Wüstenklima unter den Gefrierpunkt sinken. Aber l. trotzdem hielten viele Astronomen dafür, daß Sliphers Schätzung in einen zu hohen Wasserdampfgehalt und damit eine zu hohe Tempe⸗ 10 ratur unseres Nachbarplansten ergab. 5 Campbell benutzte deshalb die günstige Stellung von Mars im 0 Herbst 1909, um mit den besten Hilfsmitteln diese interessante Frage el Au eutscheiden. Er wählte den höchsten Punkt in den Vereinigten e Staaten Nordamerikas, den 4420 Meter hohen Mount Whitney, zum * Beobachtungspunkt. Aus den Ergebnissen läßt sich berechnen, daß die Feuchtigkeit in den Gegenden des Mars, wo die Sonne im , Scheitelpunkt steht, höchstens 0,4 Gramm pro Kubikmeter beträgt. 1 Die entsprechende Temperatur wäre bei Sättigung der Luft mit
Wasserdampf— 28 Grad, bei einer relativen Feuchtigkeit von 31 Prozent nur—17 Grad. Diese Ziffer dürste ungesähr für das
0. 1 Tagesmittel gültig sein, und ist dann wahrscheinlich etwas zu hoch. lb 1 Die Temperatur der Luft in unsern Wüsten schwankt zuweilen um . 30 Grad im Laufe des Tages. In der durchsichtigen Luft auf dem e. ö Mars mit dem fast absolut trockenen Wüstenklima wird die Tages⸗ 2 schwankung vielleicht noch bedeutender sein, so daß es wohl denkbar
itt, daß die höchste Temperatur am Mittag im Sommer auf dem „ Mars den Gefrierpunkt des Wassers überschreitet. Dafür muß aber
die Nachttemperatur ganz bitter kalt sein und alle Lebewesen(sofern sie nicht in Form von Sporen oder Samen verharren) vollkommen abtöten. i Sich entwickelnde Lebewesen können nur da auf dem Mars ein kümmerliches Dasein fristen, wo keine Nächte vorkommen, das heißt in den eee zur Sommerszeit. Tatsächlich enthalten ja die Pole des ars wie auch der Erde zur Sonnenwendezeit sehr viel Wen nem als andere Gegenden, und wenn die Erdluft für Eisma
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ö strahlungen vollkommen durchgängig wäre und keine starken maffen die Temperatur herabdrückten, würden die Erdpole im
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Bedingungen treffen nun für den Mars zu, keine Wolken verhindern die Sonnenstrahlung, die Luft enthält sehr wenig wärmeaufnehmen⸗ den Wasserdampf. Die Polarkappen bestehen aus dinnem Reif, der bald verschwindet.— Es kommt noch dazu, daß die Jahre und damit die Jahreszeiten auf dem Mars fast doppelt solange dauern wie auf der Erde; das Marsjahr umfaßt 687 Erdtage. Eine Folge von all diesen Umständen ist, daß die Polargegenden des Mars im Hoch⸗ sommer bedeutend wärmer sind als die anderen Gegenden des Pla⸗ neten. Dies tritt auch in dem Dunkelwerden der Kanäle zutage, welches vom Pol zum Aequator hin sortschreitet. Im Hochsommer dürfte daher die Lufttemperatur in den Polargegenden des Mars den Gefrierpunkt des Wassers überschreiten. Es ist danach wohl möglich, daß in den Polargegenden des Mars ähnliche Pflanzen vorkommen, wie die irdischen Schneealgen(Sphaerella nivalis), welche überall auf der Erde im ewigen Schnee, sowohl in den Polargegenden wie auf hohen Bergen, gedeihen. Diese Pflanzen tauchen plötzlich auf, wenn der Schnee zu einer gewissen Tiefe abgeschmolzen ist, in welcher die Generation des vorigen Jahres beim Eintreten der Winterkälte ihre Sporen zurückgelassen hat.
Nun kann es ja sonderbar erscheinen, daß die dunkle Farbe der Kanäle auch in der Nähe des Aequators hervortritt, da doch die Tem⸗ peratur daselbst nur während sehr kurzer Zeit über 0 Grad steigt. Und man sagte früher, daß flüssiges Wasser nicht unter 0 Grad existieren kann. Dies ist jedoch nicht ganz richtig. Eine konzen⸗ trierte Kochsalzlösung in Wasser friert erst bei—22 Grad. Wie ge⸗ sagt, herrscht dort ein hartes Wüstenklima. Die Wüsten auf der Erde find durch seichte Salzseen gekennzeichnet. Das hauptsächlich vorkommende Salz ist Kochsalz, dabei kommen noch kohlensaure Salze vor. Denken wir uns eine solche Lösung in einer seichten Ein⸗ senkung, ungefähr wie der große Salzsee, aber vielleicht noch seichter. Die Kälte kommt. Dann friert erst Eis aus. Die Karbonate scheiden sich auch bald unter 0 Grad aus. Es friert dann immer mehr Eis aus, bis die Kochsalzlösung gesättigt ist. Das Gefrieren beginnt von den Ufern her, wo die dünnsten Wasserschichten abzukühlen sind. Der Tümpel wird immer kleiner. Zuletzt friert aus der konzentrierten Salzlösung sowohl Salz wie auch Eis aus, welch letzteres an der Oberfläche bleibt, während die Salzkristalle zu Boden sinken. Am Ende kristallisiert in der Mitte ein Brei aus Eis und Salz bei—22 Grad aus. Nachher bedeckt sich der Tümpel in den Winterstürmen mit feinem Wüstenstaub und nimmt den rotgelben Ton der Um⸗ gebung an. Er scheint verschwunden zu sein. Im nächsten Frühling taut er wieder auf, zuerst in der Mitte. Der Wüstenstaub wird(bei —22 Grad) feucht und verliert seine helle Farbe. Je höher die Temperatur steigt, um so größer wird der Tümpel. Dabei destilliert auch Wasser in der dünnen Luft von den näher am Pol gelegenen wärmeren Wasseransammlungen zu den näher am Aequator gelege⸗ nen kälteren Seen hinüber. Aehnliche Seen, die bei trockenem Wetter eine helle, trockene Oberfläche erhalten, sind die sogenannten Khevirs in Persien. Bei Regenwetter verwandeln sie sich in eine fast schwarze Schlickmasse. Auf dem Mars, wo fast keine Wolken vorkommen, wird das Wasser nicht in Form von Regen(oder Schnee) zugeführt, sondern als Dampf, aber der Effekt ist derselbe, nur daß der Dampf sich dahin kondensiert, wo der Dampfdruck am geringsten ist, das ist zuerst zu den mittleren Teilen des Tümpels, wo die Salzkristalle an der Oberfläche liegen.
Warum sind aber die Kanäle auf dem Mars meistens fast grad⸗ linig? Genaue Beobachtungen von Antoniadi und anderen haben gezeigt, daß die Kanäle wahrscheinlich aus Seen bestehen, die graden Linien entlang angeordnet sind. Solche grade Linien kennt man auch auf der Erdoberfläche. Es sind die tektonischen Erdbebenlinien, denen entlang die Erdkruste geborsten ist. Zwei zusammenstoßende Erdschollen sinken dort etwas ungleichmäßig, wodurch Verwerfungen entstehen, und dies ist die Ursache der meisten Erdbeben. Längs diefen Spalten bilden sich auch häufig Täler, in denen Wasser sich von der Seite ansammelt und längs deren auch Wasser aus dem Erd⸗ innern hervortritt. Auf dem Mars gibt es fast kein Wasser, das Berge herausmodelliert, sondern dort entstehen die Formen der Wüstenverwitterung mit Sandmassen, die die Unebenheiten aus⸗ gleichen. Die Verwerfungstäler, in denen das Wasser aus dem Innern des Planeten hervortritt, sind demnach äußerst flach, und in ihnen entstehen nur seichte Salgtlümpel, die auf graden Linien liegen. Wo solche Verwerfungsspalten einander kreuzen, werden die Risse besonders große, und bedeutendere Wasserdampfungen treten darin auf, größere Salztümpel entstehen ba, die auf der Marskarte her⸗ vortreten und als Seen oder„Oasen“ bezeichnet werden. Die dunkle Farbe der Marskanäle dürfte auch darauf beruhen, daß die Gase aus dem Marsinnern ebenso wie diejenigen aus dem Erdinnern Schwefelwasserstoff enthalten, durch dessen Einwirkung auf das Eisenoxyd schwarzes Schwefeleisen entsteht. Wir können uns auf diese Weise eine recht befriedigende Vorstellung von den auf un⸗ serem Nachbarplaneten herrschenden Verhältnissen bilden..
Die Marskruste ist dicker als die Erdkruste, weil Mars als ein viel(neunmal) kleinerer Planet sich erheblich weiter abgekühlt hat als die Erde. Deshalb ist vermutlich auch die vulkanische Tätigkeit auf dem Mars jetzt relativ schwach. Weil aber die mittlere Jahres⸗ temperatur überall auf ihm unter Rull liegt, kondensiert sich das vulkanische Wasser zu Eis in dem Marsboden, nur die heißen Quellen in den Krustenspalten führen flüssiges Wasser, das Salze aufgelöst hält. Durch die Sonnenwirkung steigt die Temperatur der Mars⸗ oberfläche bisweilen über 0 Grad, wodurch das darin befindliche Wasser bis zu einer gewissen Tiefe verdampft und zu den salzigen Wassertümpeln hinüberdestilliert. Diese bilden teilweise große
Sechsoemmer beßenzend wärmer fein, als die anderen Welttelle. Diese!
„Meere“, zum Teil kleinere„Seen“, die vorzugsweise in den Kreuz⸗
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