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Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung
Dienstag, den
Nummer lo
10. Zuni 1913 2. Zuhrgang
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Bildung.
Von Wilhelm Ostwald. 5
Der neuesten Nummer des Monistischen Jahrhunderts ist nachstehende„Sonntagspredigt“ Professor Wilhelm Ost⸗ walds beigegeben:
Es gibt wohl kaum ein anderes Volk, welches auf das Wort und den Begriff der Bildung so hohen Wert legt wie die Deutschen. Dabei ist aber andererseits das, was man umter Bildung versteht, bei uns so überaus mannigfaltig, daß man fast verzweifeln möchte, hier einen einheitlichen Ge⸗ danken zu finden. Am schnellsten ist die Sache in einem ge⸗ wissen Kreise von philologisch erzogenen Menschen erledigt, welche erklären: gebildet ist nur derjenige, welcher ein hu⸗ manistisches Gymnasium mit Erfolg besucht und nach be⸗ standenem Abiturientenexamen verlassen hat. Gewöhnlich wird das allerdings nicht mit so dürren Worten ausge⸗ sprochen, tatsächlich aber gibt es eine Bevölkerungsklasse in Deutschland, welche diese Definition der Bildung theoretisch für richtig hält und auch praktisch durch ihr Verhalten den anderen gegenüber zu betätigen sucht. So überständig und lächerlich eine derartige Auffassung auch erscheinen mag und
so vollständig sie während einer gewissen Zeit der deutschen Entwicklung verschwunden schien, so ist sie doch noch keines- wegs eee Ja, sie macht sich gerade in jüngster Zeit wiederum mit dem Anspruch geltend, ernsthaft genom⸗ men zu werden und nicht an ihrer eigenen Lächerlichkeit zu⸗ grunde zu gehen. Tatsächlich wäre ja, falls diese Definition zutreffend wäre, die Bildung das Ueberflüssigste von der Welt, weil die Träger dieser Bildung überall von den Ange⸗ hörigen des deutschen Volkes am leichtesten entbehrt werden könnten. Nun macht sich gegenwärtig ein sehr ausgedehnter Widerstand gegen eine derartige enge Auffassung der Bild— ung geltend. Man ist bereit, einzelnen Personen, die auf keine Weise einen ähnlichen Unterricht genossen haben, den⸗ noch das Prädikat der Bildung in besonderer Richtung zuzu⸗ erkennen. Namentlich ist das, was man mit dem Worte Herzensbildung bezeichnet, anerkanntermaßen ganz unab⸗ hängig von allen gelehrten oder pseudogelehrten Studien. Es wird also nötig sein, wenn man eine einigermaßen zu⸗ treffende Begriffsbestimmung dieses Wortes geben will, den Kreis erheblich weiter zu ziehen und vor allen Dingen das Problem von einer wesentlich anderen Seite anzufassen. Zu⸗ nächst ist ja das Wort Bildung nur ein Wort wie viele andere und nicht etwa ein Begriff, wie das irrtümlich so oft aufge⸗ faßt wird. Zwar meint der Schüler im Faust in der ersten
Bestürzung über das Rezept, welches ihm Mephisto für das Erlernen der Gelehrsamkeit gibt, nämlich sich durchaus an die Worte zu halten, daß doch ein Begriff beim Worte sein müsse;
dieser Beziehung.
Worte sind, wie wir längst wissen, nur Kennzeichen für Be⸗
griffe. Wenn also ein Wort existiert und in mannigfaltigen daß ein
Mephisto beruhigte ihn aber durchaus in
Beziehungen gebraucht wird, so bedeutet das nicht,
ganz bestimmter Begriff vorhanden ist, der erschöpfend durch dieses Wort gekennzeichnet wird, sondern es bedeutet nur die
Aufgabe, aus den mannigfaltigen Tatbeständen, welche mar mit diesem Wort bezeichnet, dasjenige Gemeinsame herauszu finden, das sich in allen vorfindet, und so den Begriff anzu geben, den man am angemessensten und zweckmäßigsten die
Die Angemessenheit und Zweckmäßigkeit ist ausschließ⸗ lich dadurch bestimmt, wie weit der Umfang und Inhalt eines so festgestellten Begriffs mit dem tatsächlichen Gebrauch des Wortes zusammenfällt. Vollkommen werden sich beide nie; mals decken können, weil ja die Benutzung der Begriffs- zeichen, der Worte, in weitgehendem Maße willkürlich ist und Zusammenhängen unterliegt, welche sehr häufig mit der wesentlichsten und verbreitetsten begrifflichen Beziehung nicht viel und nichts Ernstliches zu tun haben. Ein Beispiel dafür ist ja die oben gegebene Definition der Bildung. Wohl aber pflegt sich bei solchen viel gebrauchten Worten doch ein ge⸗ wisser begrifflicher Umfang abstecken zu lassen, der in seinem größten Teil mit dem wirklichen Gebrauch zusammenfällt und dessen klare Bestimmung wesentlich dazu beiträgt, die Bestimmtheit und Genauigkeit der Sprache zu erhöhen. f Wenn ich mir in solchem Sinne die Frage vorlege, welcher, Gedanke wohl regelmäßig und allgemein mit dem Worte Bildung verbunden wird, so komme ich zu dem Ergebnis, daß man Bildung am besten als die Fähigkeit bezeichnet, sich
in gegebener Lebenslage angemessen zu verhalten. Hierbei ist allerdings wiederum ein einigermaßen unbestimmtes
Wort„angemessen“ benutzt worden, das seinerseits einer ge⸗ naueren Definition bedarf. Es ist aber dieses etwas unbe⸗ stimmtere Wort absichtlich eingeführt worden, weil es ge⸗ eignet ist, nicht nur die richtigen, sondern auch die etwas falschen und schiefen Bildungsauffassungen zu bezeichnen. Als bestes und tiefstgreifendes Ersatzwort für das Wort ange- messen werden wir später das Wort„zweckmäßig“, und wenn man noch genauere Bestimmungen haben will,„gemäß dem energetischen Imperativ“ einführen können. Dies wird aber mit dem Bewußtsein geschehen, daß dadurch zuletzt nur das Ideal des Gesamtbegriffs Bildung bezeichnet wird, welches noch keineswegs in dem Bewußtsein der gegenwärtigen Menschheit allgemein verbreitet ist.
Prüfen wir nun, ob wirklich diese Bestimmung des Be⸗ griffs Bildung oder deutlicher gesagt, diese Zuordnung einer bestimmten Begriffsgruppe zu dem Wort Bildung mit dem üblichen Gebrauche dieses Wortes übereinstimmt. Jene philologisch Gebildeten wären dieser Definition gemäß Leute, welche sich in philologischen Dingen angemessen zu verhalten verstehen, d. h. welche zu Hause sind in der philologischen Denkweise und demgemäß ein nutzbares Gespräch über diese Gegenstände(soweit bei ihnen von Nutzbarkeit die Rede sein kann) zu führen imstande sind. Man wird in dieser beson⸗ deren Anwendung keine Schwierigkeiten finden, sondern gern zugeben, daß ein Gebildeter auf diesem Gebiete in der Tat diese Eigenschaften haben muß. Nehmen wir das andere, möglichst entgegengesetzte Beispiel der soenannten Herzens ⸗ bildung, so erkennen wir wiederum die Zweckmäßigkeit der Desinition. Herzensbildung werden wir jedem Menschen zuschreiben, welcher sich in gegebener Lebenslage derartig be⸗ nimmt, daß er schmerzliche Gefühle seiner Umgebung zu schonen und freudige zu steigern weiß. Es ist also ein Mensch, welcher sich bezüglich der Gemütslage seiner Umgebung an⸗ gemessen und zweckmäßig zu benehmen weiß. Und die Prüf⸗ ung weiterer Fälle belehrt uns alsbald, daß wirklich überall die Definition sich anwenden läßt und genau das hervorhebt, „was man speziell als Bildung in dem betreffenden Gebiete „zu bezeichnen gewohnt ist. So spricht man von kaufmänni⸗ scher oder technischer Bildung, um anzudeuten, daß die ent⸗
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sem Worte zuordnet.
sprechenden Menschen sich kaufmännischer oder technischer


