Ausgabe 
9.12.1913
 
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beruht, dle nicht getragen bird von dem klaren politischen Wollen der Arbeiterklasse, ergebnislos werden muß. Wir wissen, daß jedes Wissen, das nicht vom politischen Wollen begleitet ist und das nicht als Resultat ergibt den Appell an die äußerste Energie des einzelnen seiner Klasse, mit allem, was in ihm ist, daß ein solches Wissen leer ist. Heute um⸗ faßt die Arbeiterschaft eine ganze Reihe von Dingen unseres Organismus: wir haben gewerkschaftliche, politische und ge⸗ nossenschaftliche Organisationen, wir haben Organisationen, die mit der Kunst zu tun haben, in allen ihren Formen. Eine Fülle von Bildung ersteht da. Das Große unserer Bewegung ist, und darin zeigt sich ja ihre Kraft, daß sie nach und nach den ganzen Menschen in allen seinen Betätigungen erfaßt. und das zeichnet unsere Partei vor jeder andern aus. Ich sage Ihnen, Sozialdemokrat zu sein, das ist eine Beschäfti⸗ gung, das ist ein Beruf, der einen jede Minute im Tage von früh bis in die Nacht gefangen nimmt. Er hat immer etwas aufzunehmen, immer was von sich zu geben; er steht immer im Dienste. Das ist das Großartige in unserer Partei, daß sie den ganzen Menschen erfaßt, und daß sie aus dem Wissen, aus dem Einsehen in die Entwicklung die Ueberzeugung ent⸗ springen läßt, unserer Sache und dem Willen dieser Sache zu dienen, mit allen unsern Kräften.

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Mit Amundsen zum Südpol. (Schluß.)

Ich kann nicht sagen obgleich ich weiß, daß es eine viel großartigere Wirkung gehabt hätte, daß ich da vor dem Ziel meines Lebens stand. Dies wäre doch etwas zu ossen übertrieben. Ich will lieber aufrichtig sein und gerade heraus erklären, daß wohl noch nie ein Mensch in so völligem Gegensatz zu dem Ziel seines Lebens stand wie ich bei dieser Gelegenheit. Die Gegend um den

Nordpol ach ja zum Kuckuck, der Nordpol selbst hatte es mir von Kindesbeinen an angetan, und nun befand ich mich am Siidpol! Kann man sich etwas Entgegengesetzteres denken?

So waren wir also unserer Berechnung nach jetzt am Pol. Selbstverständlich wußte jeder von uns wohl, daß wir nicht gerade auf dem Polpunkt standen das wäre bei der Zeit und den In⸗ strumenten, die wir zur Verfügung hatten, unmöglich sestzustellen gewesen. Aber wir waren ihm so nahe, daß die paar Kilometer, die uns möglicherweise noch davon trennten, keine Bedeutung haben konnten. Unsere Absicht war, diesen Lagerplatz in einem Umkreis von 18,5 Kilometer einzukreisen, und wenn dies geschehen wäre, von der vollendeten Arbeit höchst befriedigt zu sein.

Nachdem wir Halt gemacht hatten, traten wir zusammen und beglückwünschten uns gegenseitig. Wir hatten allen Grund, uns für das, was geleistet worden war, gegenseitig zu achten, und ich glaube, gerade dieses Gefühl drückte sich in den kräftigen und fester Händedrücken, die gewechselt wurden, aus.

Nach dieser ersten Handlung schritten wir zur zweiten, dem Auspflauzen unserer Flagge. Liebe und Stolz leuchtete aus den fünf Augenpaaren, die die Flagge betrachteten, als sie sich bei der frischen Brise entfaltete und über dem Pol flatterte. Ich hatte bestimmt, daß das Auspflanzen selbst gleichmäßig von uns allen geteilt werden sollte. Nicht einem allein, nein, allen denen kam es zu, die ihr Leben in den Kampf mit eingesetzt und durch dick und dunn zusammengestanden hatten. Dies war die einzige Weise, auf die ich hier an dieser einsamen, verlassenen Stelle meinen Kame⸗ raden meine Dankbarkeit beweisen konnte. Ich fühlte auch, sie faß⸗ ten es in dem Geist auf, in dem es ihnen geboten wurde. Fünf rauhe, vom Frost mitgenommene Fäuste griffen nach der Stange, hoben die wehende Fahne auf und pflanzten sie auf als die einzige und erste auf dem geographischen Südpol.

So pflanzen wir dich, du liebe Flagge, am Südpol auf und geben der Ebene, auf der er liegt, den NamenKönig Haakon VII. Land!

Selbstverständlich wurde am Abend im Zelt gefeiert zwar nicht in der Weise, daß die Champagnerpfropfen knallten und der Wein in Strömen floß, nein, jeder von uns begnügte sich mit einen Stück Seehundfleisch, das freilich sehr gut schmeckte und uns auch gut tat. Ein anderes Zeichen, daß ein Fest hier geseiert wurde, gab es nicht. Aber draußen hörten wir die Flagge wehen und flattern, auch war die Unterhaltung an diesem Abend im Zelt recht lebhaft. sie drehte sich um gar vielerlei, und ohne Zweifel wurde den Lieben

Alles, war vir bei uns hatten, sollte zur Erinnerung mit Südpol, sowie mit dem Datum und der Jahreszahl gezeichnet und graviert werden. Wisting entpuppte sich als ausgezeichneter Graveur. Der Sachen, die ihm zum Gravieren gebracht wurden, waren es gar viele Tabak in Form vonRauch hatte sich bisher noch nie im Zelt bemerklich gemacht, nur ein kleines Priemchen hatte ich einzelne ab und zu einmal kauen sehen. Nun änderten sich hierin die Verhältnisse. Ich hatte nämlich eine alte kurze Pfeife mitgenommen, die von vielen Orten der arktischen Gegenden In⸗ schriften trug, und diese wollte ich nun gern mitSüdpol gezeichnet haben.

Als ich mit der Pfeife in der Hand zu Wisting trat, um sie zeichnen zu lassen, wurde mir ein ganz unerwartetes Anerbieten zuteil. Wisting bot mir nämlich für den übrigen Teil der Reise Rauchtabak an. Er sagte, er habe in seinem Sack ein paar Rollen Tabak, und es sei sein höchster Wunsch, mich diesen rauchen zu sehen. Kann wohl jemand verstehen, was ein solches Anerbieten auf einem solchen Ort bedeutet, wenn es einem Manne gemacht wird, dem ein kleinerRauch nach dem Essen ein wahrer Hochgenuß ist. Nein, das werden nicht viele vollständig verstehen können. Nun ich nahm das Anerbieten mit Freuden an und schmauchte nun auf dem ganzen Rückweg jeden Abend eine Pfeise reinen, frischen, sein⸗ geschnittenen Tabak. Ja, dieser Wisting verwöhnte mich geradezu! Er schenkte mir nicht allein den Tabak, sondern übernahm auch jeden Abend ich erlag sogar der Versuchung und rauchte auch eine Morgenpfeise die unangenehme Arbeit, meine Pseise aus- zukratzen und zu stopfen, das Wetter mochte sein, wie es wollte.

Das sozialistische Geut. Konsumgenossenschaftliche Errungenschaften.

Auf der Genter Weltausstellung, die vor kurzem geschlossen wurde, war eine Sonderausstellung zu sehen, die die stolze BezeichnungDas sozialistische Gent trug. War sie räumlich auch nur ein unbedeutender Teil der großen Weltausstellung, so verdient sie doch ganz besondere Beachtung. DasSozialistische Gent ist eine plastische Darstellung der gesamten Anlage desVooruit (Vorwärts), der berühmten sozialistischen Konsum⸗ und Produktiv⸗ genossenschaft in Gent, die eine eigene Buchdruckerei, Buchbinderei, Bäckerei, Bierbrauerei, Baumwollweberei und Spinnerei ünd Flachsspinnerei betreibt.

DerVooruit, im Jahre 1893 gegründet, ist eine der ältesten sozialistischen Genossenschaften. Der Betrieb begann mit einer kleinen Bäckerei, aus der 1881 die Sozialtstische Konsum⸗ und Pro- duktivgenossenschaftVooruit gegründet wurde. Im Jahre 1902 errichtete man die umfangreichen Gebäude, die auf der Ausstellung gezeigt werden. Seitdem ist das Unternehmen fortgesetzt vergrößert worden. DemVooruit sind heute rund 11000 Haushaltungen angeschlossen. Im Jahre 1912 betrug der Gesamtumsatz 4102 633 Francs. Die Mitglieder erhielten eine sechsprozentine Dividende. Der ‚Voorult liefert den Genossen alle Gegenstände und Waren, die zum täglichen Leben notwendig sind. In der Schuhmacherei sind 40 Perfsonen beschäftigt, in der Bäckerei sind 70 Personen tätig. der Kohlenabtellung wurden rund 17000 Tonnen verkauft; 18 eigene Pferde besorgen den Transport braucher. 20 Tabakarbeiter fabrizieren Zigarren. Sogax 7 apotheken unterhält derVooruit Die Bierbrauerei beschäftigt 30 Mann und unterhält 8 Pferde. Die Abteilung der Sozialistischen Konsum- und Produktivgenossenschaft sand auf der Weltausstellung allgemeine Beachtung. Der Maler Edmond van Beveren und der

Verdienste erworben.

Die Mitglieder desVooruit genjeßen noch andere Vorteile. Uu. a. hat derVooruit eine Pensionskasse eingerichtet, für wel Ertrabeiträge nicht erhoben werden und die solchen Mitgliedern, die das 60. Lebensjahr erreicht haben und der Genossenschaft 20 Jahre angehören, eine monatliche Unterstützung von 30 Franken gewährt. Die Mechte der Mitglieder gehen auf die Witwen Über. Im 3 1912 hat die Genofs bezahlt. Neben dieser Einrichtung hat derVooruit natürlich einen Pensions- und Invalidensonds für seine Angestellten.

stützungskasse Mogson untergebracht, die mit demVooruit ver⸗ bunden ist. Die Mitgliederzahl der Kasse beträgt rund 34000, der Wochenbeitrag 88 Centimes. Hierfür gewährt die Kasse ärztliche Behandlung, freie Heilmittel aus eigener Apotheke und wöchentliche Unterstützung von 15 Francs auf die Dauer von

rund 27 000 Mitglieder zählt und bei einem Wochenbeitrag von 2.10 Centimes ein Sterbegeld von 252000 Franes gewährt. Der . besitzt auch eine eigene chirurgische Klinik.

Die lebte Errungenschaft der Genossenschaft ist eine Bank: die Belgische Nauk der Arbeiter. Dle genossenscha Sparkaffen, die Gewerkschaften und die belgischen Geno

daheim alles mitgeteilt, was geschehen war,

aber auch zahlreiche Urivate und Beamte, legen ihre

Bank an. In den eigenen Gebäuden stehen den Genter

Buchdrucker Edward Anseele haben sich um denVooruit große

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In einem der Gebäude der Genossenschaft ist die Krankenunter⸗

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