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Die Arbeiter mülssen sich selber befreien. Und wenn die Ar⸗ Ar dies begreifen, so werden sie kämpfen. Von Wat Tyler bis lewood gingen die Blutzeugen aus dem Volke hervor.
1 Wie aber kann das Volk zu diesem Wissen und zu einheitlicher lion gelangen?
4 Durch die Proklamierung eines Ruhemonats; durch die Nieder- gang der Arbeit⸗ Man sagt uns, wir leiden an Ueberproduktion. 3% Hören wir auf zu produzieren. Die Herren werden sodann gab erfahren, daß Fülle von Gütern kein Uebel ist. Man sagt, wir 1 n an Ueberbevölkerung. Gut. Zählen wir uns; erfahren wir, 0 stark die Arbeiterarmee und wie gering die bevorrechtete Aderheit ist. Schon der Akt der Arbeitsniederlegung durch die hssen wird letzteren das Bewußtsein ihrer Macht, die Größe der fag eitlichen Aktion zeigen. Der Ruhemonat muß, um für die Ar⸗ beser nützlich zu sein, zu einem Kongreßmonat der Arbeiter werden; i Volksmonat zum Zwecke der sozialen Bilanzaufstellung; ein Mionalkonveut, um die Despotie in die Flucht zu schlagen.
Ehe der Feiermonat ausgerufen wird, müssen Vorbereitungen hürzu getroffen werden. Jede Ortschaft wählt ein Komitee, das die Atation leitet und die Massen liber Zweck und Bedeutung des Fiermonats und des Kongresses aufklärt. 8
Jede Arbeiterfamilie soll sich mit Lebensmitteln auf eine Woche besehen, auf länger ist nicht nötig. Ist die Arbeiterklasse nur eine elzige Woche einige und zielbewußt, so wird sich dann schon alles
U en. Neben den Befürwortern das Streiks, der schließlich im letzten gebnis zur Anwendung von Gewaltmitteln führen sollte, gab es 0 Y Anhänger einer sanfteren Form. So erklärte 1833 ein Glas⸗ wer Arbeitermeeting: „Nicht eine Jusurrektion wird es sein, sondern ein passiver derstand; die Arbeiter werden ihre Muße genießen; es gibt kein etz und es kann keines geben, das sie zwingen könnte, gegen ihren len in die Fabriken zu gehen. Sie können Spaziergänge machen, af der Straße oder in den Feldern; sie werden sich nicht in ge⸗ hängten Massen den Flinten und Säbeln als Opfer darbieten, und ur Verlesung der Aufruhrakte wird es nicht kommen. Passivität rd genügen; eine arbeitslose Woche oder ein arbeitsloser Monat ird eine gute Lehre sein: die Wechsel werden nicht honoriert wer⸗ ien, das Geschäftsleben wird stocken, die Londoner Gazette wird enge Listen von Bankrotten bringen, die Staatseinnahmen werden sbleiben, die ganze Regierungsmaschine wird in Konfusion ge- ten und Glied um Glied der Kette, die die Gesellschaft zusammen— bilt, wird sich loslösen durch das passive Verhalten der Armen gegen ge Reichen.“ 0 Indes, es blieb zunächst bei Erörterungen in Versammlungen denen auch besonders in London, wo die Gewerkschaften bereits uf eine gewisse Höhe angelangt waren, viel Widerspruch gegen die daktik geltend gemacht wurde. Es kam zu kleinen Geplänkeln, die taftlos verliefen und mit einer außerordentlichen Härte wurden e Arrangeure des Streiks bestraft. Mehr Bedeutung erlangte die Frage des allgemeinen Streiks ls die Chartistenbewegung auf der Höhe ihrer Entwicklung ange⸗ ungt war, ohne doch zur Erlangung des gesteckten Ziels zu kommen. Die Streitigkeiten über die Taktik in der Arbeiterbewegung shildert Beer vie folgt: 0„In der Frage des Endziels gab es drei Richtungen: eine war 1 wenigstens bis zum Jahre 1845, bis zum Zusammenbruch der betzten owenistischen Kolonie— kammunistisch und parlamentarisch; se strebte nach der politischen Macht, um Großbritannien in eine be⸗ timmte Zahl von kommunistischen Kolonien zu verwandeln, wobei bor allem die Vergesellschaftung des Grund und Bodens in Betracht dam. Diese Richtung herrschte bei den Proletariermassen Nordeng⸗ aands vor. Die zweite war zwar in ihren sozialkritischen Voraus⸗ etzungen owenistisch, aber sie strebte nach der politischen Macht, um nit ihrer Hilfe freie Bahn zu schaffen für Sozialpolitik, Gewerk⸗ schaftswosen, politische Organisation, Bildung und Aufklärung der Arbeitermassen, um diese zu befähigen, das Land im sozialistischen Sinne umzuwälzen. Um diese Gedanken scharte sich die Arbeiter⸗ utelligenz Londons und Schottlands, die höchstwahrscheinlich nicht mehr als zehn Prozent des britischen Proletariats bildete. Die dritte Richtung war eine gewerkschaftliche, die die naturrechtliche Theorie versocht, daß dem Arbeiter der volle Ertrag seines Schaffeus gobührt, und in der Praxis die Forderung stellte: einen anständigen Lohn für einen anständigen Arbeitstag. Zu einer klaren Scheidung dieser Richtungen ist es nie gekommen. Ausgenommen in den Jahren 1833 und 1834, in denen die ökonomische Aktion im syndi⸗ kalistischen Sinne mit aller Schärfe hervortrat, waren die organi⸗ sierten Arbeiter und die Chartisten der Ansicht, daß die Grund⸗ bedingungen zur Befreiung aus der Lohnsklaverei in der Eroberung der politischen Macht liegt und daß desbalb alle Energien auf dieses Mittel zu konzentrieren sind. Der parlamentarisch⸗demokratische Gedanke beherrschte die Bewegung so vollständig, daß er ihr den Namen gab. Die Bewegung erhielt den Namen Chartismus von ihrem demokratischen Programm: dem Volkcharter, der im Jahre 1837 bis 1838 vom Londoner Arbeiterverein angeregt und vom Tischer William Lovett verfaßt wurde. Der Volkscharxter war nichts weiter als ein trockener, klar geschriebener Gesetzentwurf, der folgende sechs Punkte in Form von Abschnitten und Paragraphen enthielt: 1. allgemeines Wahlrecht; 2. gleiche Wahlkreiseinteilung: 3. Abschaffung des Zensus für Parlamentskandidaten: 4. einjährige Legislaturperioden; 5. geheime Abstimmung; 6. Diäten für Parla⸗
ments mitglieder. 1
Im Jahre 1839 wurde eine Petition für diese Volksrechte in Umlauf gesetzt, die im ganzen Lande eine große Zahl von Unter⸗ schriften erlangte. Gleichzeitig trat in London ein Volksparlament, an dem Delegierte aus den Hauptsitzen der Bewegung teilnahmen, zusammen, in dem die Frage der Taktik aufs heftigste diskutiert wurde. Den besonnenen Einwänden, daß die Organisation der wichtigste Faktor der Bewegung sein muß, setzte die Wochenschrift London Demokrat folgende anarchistische Phrasen entgegen:
„Organisation wird's nicht tun. Nicht die organisierten Massen werden den Sieg bringen. Nein, Nein! Der Sieg hängt ab von den Taten jener freudelosen Wesen, die kein Heim haben, sich vor Unwetter zu schützen, keine Nahrung, um sich satt zu essen, keine Kleidung um sich warm zu halten, oder anständig auszusehen, kein Mittel, um dem Leben einen Wert zu verleihen. Der Kampf wird ausgefochten werden von denjenigen, die von den Gesetzen ausge- stoßen wurden, die Schlacht wird ausgefochtten werden durch Bri⸗ ganten, wie man diese Menschen nennt.“
Das Volksparlament verlagte sich um nach Birmingham zu gehen und hier angefeuert von O'Connor, dem Führer der Be⸗ wegung, alle Einwände gegen den Generalstreik in den Wind zu schlagen. Der Konflikt war unvermeidlich, die Arbeiterschaft von Birmingham ging auf die Straße, die aber vom Militär behauptet wurde. Der militärische Gewalthaber, Napier, der in Geruch stand, mit den Chartisten zu sympathisieren, schrieb im Hinblick auf die Beschlüsse des Volksparlaments:
„Die Chartisten sagen, sie werden den heiligen Monat halten. Grenzenlose Dummheit! Nichts werden sie halten. Die Arbeiter haben keine Mittel um in die Ferien zu gehen. Sie werden plündern und zu Hunderten gehängt werden. Die Chartisten werden sich über diese Frage spalten, oder wenn sie das Feiern dennoch ver⸗ suchen, sind sie verloren. Sie reden von physischer Gewalt. Narren! Wir haben die physische Gewalt, nicht sie. Sie erzählen, sie haben 100 000 bewaffnete Männer. Aber wie sollen sie diese in Bewegung setzen, wenn ich zwischen ihren Abteilungen mit der Kavallerie herumtanze und sie mit Kanonengeschossen überschütte? Was können die 100 000 Mann mit ihren Piken und alten Flinten ausrichten gegen meine Granaten, die heulend, sengend und zer⸗ reißend wie feurige Bluthunde unter ihnen wüten werden?“
Der Abschluß der Bewegung artete in eine wüste Revolte aus, die blutig unterdrückt wurde und zahlreiche Teilnehmer auf Jahre ins Gefängnis brachte.
Dennoch, der Generalstreik wurde in London, wohin das Volks⸗ parlament wieder übersiedelte, weiter diskutiert.
Die Delegierten Neesom, Skevington und Dr. Fletcher ver⸗ sichterten daß Bury, Loughborough, Glocester, Worcester und Somer⸗ set den Generalstreik wünschten. James Taylor(Rochdale) oppo⸗ nierte:
„Angesichts der überragenden Wichtigkeit des zur Diskussion stehenden Gegenstaudes frage ich: Was ist die Bedeutung der allge⸗ meinen Ferien? Sollen wir alle Arbeiten einstellen? Wenn ja, haben wir Brot für einen gauzen Monat gebacken? Ist das Getreide für einen ganzen Monat gemahlen? Ich bestreite das. Die Arbeiter von Rochdale sagen mir, es gibt keine Nahrungsmittel für zwel Wochen in Süd⸗Lancashire. Die Maßregel, über die wir debat⸗ tieren, ist von so weittragender Bedeutung, daß ein Mißerfolg unsere ganze Bewegung töten würden. Das Volk würde uns als Narren und Bösewichte betrachten. Wir müssen aber nicht nur die Ausführ⸗ barkeit dieser Maßregel in Erwägung ziehen, sondern auch die
Folgen. Man sagt uns, der Generalstreik bedeute eine unblutige-
Revolution. Diejenigen, die uns das sagen, wissen besser: sie wissen, daß er zu Blutvergießen und Plündern führen muß. Aus meinen Ausführungen darf indes nicht geschlossen werden, daß ich absolut gegen den Generalstreik wäre. Ich möchte nur im vorhinein wissen, ob der Schritt wohl überlegt sei und was wir gewinnen, wenn er erfolgreich ist, und was wir verlieren können, wenn er mißlingt. Obgleich ich der Ansicht bin, daß ein Generalstreik unausführbar und töricht ist, so bin ich gerne bereit, mich durch Gründe vom Gegenteil überzeugen zu lassen.“
Burns, der zu der von Dr. Taylor vorbereiteten Verschwörung gehörte, rief:
„Es hat keinen Zweck, jetzt Halt zu rufen. Was wir auch nun⸗ mehr tun mögen, setzen wir uns Gefahren aus. Der Zweck des Generalstreiks ist, den herrschenden Klassen zu Gemüte zu führen, daß, wenn wir die Arbeit niederlegen, die Regierung auch das Staatsruder niederlegen muß und allen Profitmachern die Profit⸗ quelle verstopft wird“.
Diesem antwortete William Carpenter:
„Je mehr ich von der Bedeutung des Generalstreiks überzeugt werde, desto größer wird meine Verlegenheit. Meine Kritik setzt mich zwar der Gefahr aus, furchtsam oder gar feige, wenn nicht noch schlimmere Sgenannt zu werden, aber ich glaube, es gehört jetzt mehr Mut dazu, gegen den Generalstreik zu sprechen, als ihm zuzu⸗ stimmen. Es ist besser, sich Beschimpfungen aus zufetzen, als sich blindlings von der Strömung mitreißen zu lassen.“
Die schärfere Tonart fand in den Massen sehr viel Anklang und so fanden am 12. August große Umzüge und Versammlungen statt, die in einigen Ortschaften mit Tumulten endeten. Das schärfere Zugreifen der Justiz und Behörde ließ indes eine weitere Kraft⸗ entsaltung nicht aufkommen. Das Volksparlament löste sich schließ⸗ lich selbst auf. 5(Schluß folgt.)
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