Ausgabe 
8.4.1913
 
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Lebensaufgabe irgend ein miteingegrabenes Attribut, eine In⸗ schrift, dem Kundigen vecrät.

Und eine ganze Welt liegt noch, vom Nilsande dicht verschleiert, dort, eine Welt hoher Kultur, reiner Kunst, uns noch teilweise un⸗ bekannter Riten. Es wäre dringend an der Zeit, sie zu heben, denn in Egypten trägt man sich mit dem immer greifbarer wet⸗ denden Projekte, den Nilspiegel zu echöhen und dies würde mit den damit verbundenen, unausweichlichen Insiltrationen, das Ende aller Nachgrabungsarbeiten sein. Dies aber würde einen unwider bringlichen Verlust für die gesamte gebildete Welt bedeuten, denn gar vieles wäre da noch zutage zu fördern. Zunächst all die Privat⸗ gräber ceicher Männer und Frauen, die tiefer in den Felsen ge⸗ hauen, ob der geringen Kredite bisher nicht in Angriff genommen werden konnten, einen mächtigen Tempel, reichgeschmückte Gebäude, insbesondere aber das Herrlichste von allen, das Grab des Antinoüs selbst die letzte Ruhestätte des schönsten aller Männer, die mit seinem klassischen Leibe noch andere kostbare Schätze bergen soll, wie sie nuc ein mächtiger Kaiser in seinem maßlosen Grame dem toten Liebling weihen konnte.

Aus unserer Sammelmappe.

Hören mit der Zunge. Daß das Gehör nicht allein oder wenigstens nicht immer unmittelbar durch das Ohr geschieht, kann der Mensch selbst beobachten. Man hört auch durch die Schädeldecke, und nicht nur das, sondern sehr schwerhörige Personen können eine erstaunliche Verbesserung ihrer Wahrnehmungssähigkeit sür Schall- wellen herbeiführen, wenn sie einen Jächer aus Hartgummi zwischen die Zähne nehmen. Diese Zusammenhänge bedürsen noch sehr der Aufklärung, aber man kann darauf verweisen, daß höchstwahrschein⸗ lich zahlreiche Tiere durch die Zunge hören. Das ist natürlich so zu verstehen, daß die Zunge eine besonders hohe Empfindlichkeit be⸗ sitzt, die sogar zur Wahrnehmung von Schallwellen ausreicht. Namentlich die Zunge der Schlange, die wegen ihrer eigentümlichen schmalen und in zwei Spitzen gegabelten Form zur abergläubischen Vorstellung, als ob das Reptil damit stechen könnte, Veranlassung gegeben hat, dient vermutlich als Gehörsorgan. Die Ohren der Schlangen können kaum etwas leisten, denn sie sind nur verkümmert vorhanden, tief in den Schädel eingebettet und haben keine Oeffnung nach außen. Früher nahm man insolgedessen an, daß die Schlangen ganz taub wären. Die Beobachtung hat jedoch im Gegenteil ge⸗ lehrt, daß sie zuweilen recht scharf zu hören vermögen, und das ge⸗ schieht eben durch die Zunge, deren Spitzen äußerst sein und empfindlich sind. Ihre Färbung ist sehr verschieden, meist aber schwacz. Sie liegt zu ihrem Schutz in einem fleischigen Futteral und kann durch eine winzige Oeffnung des Mauls vorgeschoben werden, ohne daß die Schlange ihre Kieser zu öffnen braucht. So⸗ bald die Aufmerksamkeit des Reptils erregt wird, streckt es die Zunge vor und hält sie ständig draußen mit einer zitternden, schnellen Bewegung. Ohne Zweisel ist die Zunge ein Tastorgan, aber sie dient wahrscheinlich eben auch zur Untersuchung der Rich⸗ tung und Stärke von Schallwellen, also zum Ersatz des Ohres.

Telephonsignale von fahrenden Zügen. Die Fernsprechvec⸗ bindung mit fahrenden Eisenbahnzügen hat jetzt in England be⸗ merkenswerte Fortschritte gemacht. Versuche, einem fahrenden Zuge Signale durch Fernspruch unmittelbar zuzuführen, sind be⸗ reits im Jahre 1910 mit Ersolg angestellt worden. Die Ein⸗ richtung beruht darauf, daß ein längs der Gleise sest verlegter, von Wechselstrom durchflossener Leiter eine Induktionswirkung auf Induktionsspulen ausübt, die an den Eisenbahnwagen angebracht sind; durch Fernsprecher oder seine magnetelektrische Auslöser wird es ermöglicht, dem Zugpersonal Signale zu erteilen. Ebenso können durch Mikrophone Witteilungen vom Zug aus gemacht wecden. Jerngespräche konnten ohne Schwierigkeiten geführt werden, aber es war nicht möglich, vom Zug aus den Signalwärter anzurufen und umgekehrt vom Signalwärter Meldungen aufzunehmen; auch war es nicht möglich, wie beim gewöhnlichen Jernsprecher gleich⸗ zeitig zu sprechen und zu hören. Neuerdings hat nun, wie die Zeitschrist des Vereins deutscher Ingenieure mitteilt, der dentsche Erfinder H. v. Kramer auch eine solche Anläutevorrichtung für In⸗ duktionssignale in den praltischen Betrieb auf einer Eisenbahn⸗ linie in Stratford on Avon eingeführt. Die Zeichen konnten auch bei einer Zuggeschwindigkeit von 80 Kilometer in der Stunde übertragen werden. Die neueste Einrichtung umfaßt nicht nur

Fernsprecher, sondern eine vollständige Signalanlage, deren bestandteil ein von dem Ingenieur Gisbert Knapp gemein Herrn v. Kramer ausgearbeitetes sehr empfindliches relais ist. Dieses fängt die außerordentlich schwachen Anruf auf und läßt durch weitere Auslasser stärkere Ströme i trischen Läutewerken, Lichtsignalen und elektromagnetischen tern wirken. Die Stratford⸗Linse hat hierdurch eine völlig ständige Zugsicherungs⸗ und Blockanlage erhalten, bei der die in gefährlichen Fahrtstrecken aufgehalten werden; andererse es möglich, vom Zug aus salsch gestellte Signale zu b

Wie groß ist ein Molekül? Die Grundlage unserer Au 8

von dem Aufban der irdischen Stosse beruht auf der Anna dem Vorhandensein kleinster Teilchen, der Moleküle und Die erstern sind winzige Stoffmengen, die man bei einer weit getriebenen mechanischen Zerkleinerung der Slosse en würde; aus ihnen gehen bei der chemischen Zersetzung dar Atome hervor. Einedenkbar weite Zerkleinerung ist ein unbestimmter Begriff; würde die Trennung unendlich weit gesetzt, so müßte sie zu einem Nichts führen. Es muß ale Grenze vorhanden sein, und es ist der modernen Phystk tat gelungen, diese Grenze genau zahlenmäßig zu bestimmen. Zu vor kurzem erschienenen Schrift über die Existenz der (Leipzig 1912) faßt der schwedische Physiker Prof. Dr. Th.

in Upfala die Ergebnisse seiner Untersuchungen und die Forscher über die Existenz, Zählbarkeit und Meßbarkest ber küle zusammen und zeigt, daß man auf sehr verschiedenen mit ziemlicher Uebereinstimmung zum Ziele gelangt ist. De kleinsten Massenteilchen wirklich vorhanden sind und nicht Hirn des Theoretikers, ist heute tatsächlich erwiesen; ein

weis für die Nützlichkeit einer Hypothese, die ursprünglich au

logischen Folgerungen erwuchs. Wie gesagt, die Wege, die 11 Erkenntnis führten, waren verschledener Natur; aber das nur den Wert der Ergebnisse. Zuerst zählte der englische Rutherford an der Hand der Tatsache, daß die von manchen aktiven Stofsen fortgeschleuderten Massenteilchen sich bein tressen auf ein Hindernis in Helium verwandeln, die Za Moleküle, die sich bei 0' Celsius und 760 Millimeter Druck in! Kubikzentimeter Heliumgas befinden, auf 28,9 Trillionen;* eine Zahl, die man erhält, wenn man an die Zahl 200* Nullen hängt. Man nennt diese Zahl die Avogabrosche K. weil der 1856 verstorbene Turiner Physiker Graf A

erste war, der das für die moderne Chemie grundlegende Gesch stellte, daß gleiche Raummengen aller Gase, sowohl der einfachem der zusammengesetzten, unter gleichem Druck und bei gleicher d ratur die gleiche Menge Moleküle enthalten. Diese Molek nun in ständiger Bewegung begriffen, und Spedberg i es i. Tat gelungen, die dadurch zeitlich auftretenden K schwankungen der Moleküle in den Raummengen

zu messen. So ist es nicht überraschend, daß die Ergebnisse Zahl der Moleküle in gewissen Grenzen schwanken. Die Erdatmosphäre nimmt bekanntlich bei geringer werdendem größerer Höhe rasch ab; dasselbe Verhalten müssen auch bie r Teile, die in einer Flüssigkeit suspendiert oder gelöst sind, und Perrin berechnete, als ex diese Annahme expe cimentel be halte, die avogadroscheKonstante etwas höher als Rutherford, auf 3,05 Trillionen, während Svebberg, der mit kellolben lösungen seine Versuche anstellte, 230 Trillionen, also etwas sand. Blickt man endlich durch ein Mikrostop mit sehr siarken größerung in eine Flüssigkeit, die sehr kleine Teilchen fuse enthält, so scheinen diese in Bewegung zu sein, und wan er schon, in diesen kleinsten Teilchen die sichtbaren Moleküle vor haben. Es hat sich nun gezeigt, daß diese sogenannte wegung in ihrer Lebhaftigkeit von der Wärme abhängt aul Tatsache sand Perrin die Zahl 3,07 Trilionen und Spebber Trillionen Moleküle in einem Kubikzentimeter bel 0 Grab und 760 Millimeter Drud, während in der letzten Zelt aul! der Elektronentheorle bie Zahl 2,70 Trillionen gefunden wan einem Fingerhut, gefüllt mit einem Gase oder einer Lesun

sentt.

demnach 2.00 bis 3 Trillionen kleinster Teilchen enthalten; Zahlen, mit denen nur ein Phystker, ber sein Leben lang mt minimalen Größen rechnet, etwas ansangen kann; der 9e Sterbliche kann sich darunter ebenso wenig etwas f der Angabe Svebbergs, daß die absolnte Nasse eines Hel ein so winziges Gewicht darstellt, daß man es erst 0% Gramm durch die Zahl 1 mit 24 Nullen telt.

erhält, wers

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