ge und Industrie der Kolloide“ eine Erklärung, die nach Richtung hin befriedigt und durch einige einfache Ver⸗ nachgeprüft werden kann. Wenn man in ein Glas er etwas Oel schüttet und beide Flüssigkeiten durchein⸗ mischt, wird man das Bilde sehen, das auch täglich der enteller gewährt: das Oel trennt sich in oberflächlich mende ausgebreitete Tropfen, die nach einiger Zeit r zusammenfließen und als besondere Schicht über dem reren Wasser stehen. Anders, wenn man statt Wasser
(Seifenlösung verwendet. Es entsteht eine milchige igkeit, in der das Oel aus Millionen feinster frei—
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bender Tropfen verteilt ist. Der Chemiker nennt sie Emulsion und hat nach den neuestens erkannten Ge⸗ der Kolloidwirkung eine befriedigende Erklärung für wonnen. 5
Dieser Versuch erklärt die Reinigung eines„schmutzigen“ ungsstückes durch Seife. Der Vorgang des Waschens be— * das„Durchschütteln“; in der dadurch entstandenen ion werden die Fette mit den daran haftenden Schmutz⸗ ltelchen in feinste Tröpfchen verwandelt, die sich nicht bereinigen, sondern nun im Waschwasser frei schweben
am aber auch die Reinigung von nichtfettigen Schmutz- r zu verstehen, muß man sich den Vorgang durch einen en Versuch erläutern. Man filtriert eine Lösung von Ruß in Wasser durch ein mliches Filter aus Löschpapier. Die Rußpartikelchen daran haften und völlig klares Wasser wird abtropfen. wiederholt man den Versuch mit einer Seifenlösung und etzt mit Erstaunen sehen, daß das Filter rein bleibt, eine völlig schwarze Flüssigkeit hindurchsickert. Es hat auch vorhin das Filterpapier nicht als Sieb die lörnchen zurückgehalten, sondern es muß ein anderer ung stattgefunden haben. Die Untersuchungen von Spring haben ihn geklärt. Sie en, daß auch bei einer Vermengung von Ruß mit Wasser mulsionsähnliche Lösung entsteht, deren Tröpfchen aber goß sind, um durch die Poren des Filterpapiers zu Nen. Mit einer Seifenlösung dagegen bildet der Ruß, much andere feste Stoffe eine so feine Emulsion, daß sie urch kein Filter zurückhalten läßt. immt man die Ergebnisse beider Versuche zusammen, man eine vollkommene Erklärung der Seifenwirkung. Seife wäscht dann, wenn sie die„Schmutzemulsion“ auf⸗ und in eine Form kleinerer, aber kaum mehr auflös⸗ Tropfen bringt. In diesem Zustand können die Fette Schmutzpartikelchen auch nicht mehr haften, sie trüben 85 d das Waschwasser und brauchen durch Nachspülen nur aus allen ihren Schlupfwinkeln vertrieben zu werden. f ist der Gebrauch der Seife dem einfachen Waschen Wasser so bedeutend überlegen.
Die Mumienfunde von Antinous Von Jenny Ris⸗Neumann, Paris.
delt 17 Jahren gräbt der französische Egyptologe Mr. Gayet enen Sande von Antinous, um die Wunderstadt freizulegen, alser Habrian zum Andenken seines toten Lieblingssklaven üs, des schönsten aller Männer, errichtet hatte. Autinoss h selbst den Tod, einem Orakelspruche gehorchend, der ver⸗ Kaiser Hadrian selbst würde sterben, wenn nicht sein c Freund freiwillig sein Leben für ihn lasse. So ertränkte untinoüs, die herrlichste Blüte des männlichen Geschlechts, und 9 bunt n valtigen Schmerze erbaute Kaiser Hadrian, da wo
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sich am Meeresfelsen erhebt, eine Stadt, die seinen ragen sollte, die an Pracht alle übrigen übertreffen würde: uus die nun im Sande Ruhende.
d alljährlich stellt Mr. Albert Gayet, der in unermüdlichem die grauen Schleier von der versunkenen Schönen wegzieht, die Ergebnisse seiner Forschungen aus. Es sind gar in⸗ „Dinge, die da zutage gefördert werden, eine versunkene eht aufs neue und teilt uns leise ihre intimen Geheim⸗ In den beiden orientalischen Museen von Paris, im Amet und im Haufe, das der verstorbene Dramendichter
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d'Ennery der Stadt vermachte, haben die Funde von Antinolle vor⸗ läufig Unterkunft gefunden und wenn sie dort wegen drohenden Platzmangels ausquartiert werden, bekommen auch die armen Mumien die ganze, moderne Wohnungs-Misere zu kosten, sie haben dann keine Unterkunft mehr. Bis jetzt gab es aber noch jedes Jahr eine interssante Mumien-Première; sie zeigte uns die neuesten Funde, die Ausbeute der verflossenen 12 Monate. Im Guimet⸗ Museum sieht man die Mumie der schönen Sünderin Thais, vor der, als sie erschien, ganz Paris defilierte. Jetzt liegt sie ziemlich verlassen da, denn der Hohepriester im Museum d'Ennery ist für uns um einige Jahre jünger und das macht in Paris selbst bei Mumien etwas aus! Thais, die ein frommer Mönch bekehrte, liegt in ihre kostbar gestickten Gewänder gehüllt, auf einem Blätterbett. Die mittels Heung blond gefärbten Haare, die gefärbten Nägel, die zierlichen, deutlich erkennbaren Formen des jungen Körpers lassen das Bild der gefeierten Courtisane neu erstehen, die ein strenger Ascetenmund aus ihrem tollen Lebensstrom wachrief.
Mit Thais erblickten auch noch andere, interessante Damen aus Antinoué nach 1700 Jahren wieder das Sonnenlicht und ste lassen uns einen tiefen Blick in das öffentliche wie das private Leben jener Tage tun, sie lehren uns die Riten des Gottesdienstes, des zum hehren Range des Osiris erhobenen Gottes Antinoüs, man steht ergriffen vor kleinen Kindergräbern mit ihrem verwitterten Spielzeug, man sieht die verführerischen, mit Wachs gemalten Masken all der jungen Mädchen und Frauen, die im Tempel wal⸗ teten, andere wieder, die untröstliche Eltern, trauernde Gatten in holder Jugendschöne bestatten mußten. Herrlich gestickte Festkleider, deren Farben in unverwüstlicher Frische leuchten, legen sich weich um die starren Mumienleiber, und das Violettrot der Purpur⸗ schnecke flammt mit sattem Gelb, mit tiefem Rot, mit kräftigem Blau und saftigem Grün um die Wette. In die Gewänder, Mäntel, Hemden, Tuniquen sind christliche Legenden oder heidnische Götter⸗ szenen eingestickt; man sieht den biederen Autonius mit seinem rundlichen Schwein, wie er fromm und tapfer den Anstürmen des Teufels widersteht, man verfolgt Episode um Episode, den Mythus der schönen Daphne oder begleitet Jupiter auf allerlei galanten Abenteuern. Daneben Blumen- wie Obststickereien und allerlei anderer Zierrat, Schmuck, Spiegel, Gehänge, ja sogar Schuhe, die uns beweisen, daß die Füße der hübschen Frauen von Antinous sich in ganz normalen Dimensionen bewegten.
Aus den Kindergräbern wurde das Spielzeug der früh dahin ⸗ gerafften Lieblinge zutage gefördert: geschnitzte Puppen und Tiere, Leinen- und Glasbälle, Puppengeschirr, und auch die mitbegrabenen Lieblingsgefährten der Kleinen, ihre Hlindchen, Affen, Katzen, deren Fell noch stellenweise erhalten, an den mumiftzierten Leibern klebt. Dann Früchte, deren Form und Art genau kenntlich blieb, andere auch, von denen nur die Kerne vorhanden und allerlei Perlenarm⸗ bänder, Halsketten und anderer Perlentand, wie ihn noch heute die kleinen Mädchen fligen, wenn sie sich, nach echter Frauenart, den ersten Schmuck schaffen wollen.
In der größten Glasvitrine des Museum d'Eunery liegt, majestätisch hingestreckt, vom symbolischen Schilde bedeckt, die mächtige Mumie eines Hohepriesters, mit den Insinlen seines Ranges. Ihn umgeben auch die Totenmasken all der jungen Frauen, die ihn beim Weihedienste unterstützten. Mit dunkel- fragenden Augen sehen sie in den Pariser Herbsttag hinaus, auf die eleganten Pariserinnen auch, deren unten so enge zusammenlaufen⸗ den Kleiderröcke so sehr an die Mumiensilhouette von elust ge⸗ mahnen. Wobei glücklicherweise jeglicher Vergleich sich auf dieses eine Gleichnis beschränken mag, denn es ist für die weiblichen Be⸗ sucher des Museums doch ein unstreitbarer Vorteil—— um zirka 1700 Jahre jlinger zu sein als dessen momentane Insassen!
Aber es sind sehr interessante Damen, die uns da empfangen. Die Musikerin Thostebent, die fleißige Stickerin Euphemiäan, die ihren Stickrahmen, ihre Schiffchen und Nadeln mit ius Grab ge⸗ nommen, als wollte sie dort die begonnene Arbeit vollenden, Leukyöne, die stolze Priesterin der Isis, Myrithis, die Magierin, mit allen Attributen ihrer geheimnisvollen Macht, Khelmis, die teure Sängerin, die auf ihrem Marionettentheater die Passions⸗ geschichte des Osiris mittels beweglichen Elfenbeinfigürchen dar⸗ stellte, die also die erste, uns bekannte, weibliche Theaterbirektorin war, Slythias, deren Aufgabe es gewesen, die heiligen Bildnisse zu bekleiden, Isidora, das Klageweib mit ihren von dicken Zöpfen verbülltem Schmerzensgesichte, und all die anderen auch, deren


