Ausgabe 
4.3.1913
 
Einzelbild herunterladen

*

r. x

1

0

f

le mit Britannien vereinigten Völker werden sich unter einer freien Bersasung höchst glücklich fühlen, und daß durch eine solche Aal

gamation selbst die Britische Regierung an exekutiver Gewalt ge⸗

winnen würde, darf ich Ew. Exzellenz nicht erst sagen.

Wenn so der liberalste unter den militärischen Führern Preußen dachte, so ist es nicht mehr unverständlich, wie Parioten von ber reaktionären Kosakengesinnung eines York in der Ver⸗ achtung Friedrich Wilhelms zwar mit den Liberalen übereinstimm⸗ ten, aber die Befreiung, nicht von einer englischen, sondern

von einer russischen Fremdͤherrschaft erwarteten und sie be⸗

denkenlos vorbereiteten.

Wie alt ist das deutsche Volk? Von H. Falkenfels.

Wenn man sich und seinen Bekannten diese Frage vor legt, wird man sofort darauf stoßen, daß der Begriff des WortesVolk durchaus unklar ist. Denn man wird kaum

geneigt sein, die verschiedenen Stämme der Völkerwande⸗

rungszeit insgesamt alsdeutsches Volk zu bezeichnen, während doch aus diesen Franken, Alemannen, Thüringern, Friesen, Goten, Vandalen, Langobarden u. s. f. die Bevölke⸗ rung des heutigen Deutschlands hervorging. Allerdings nicht ohne einen erheblichen Bruchteil eingewanderter römi scher Kolonnen und einen noch größeren von längst ansässiger Kelten, ferner Sorben, Wenden und anderen slawischen Völkern in sich aufgenommen zu haben; saßen doch Slawen noch im Frühmittelalter bis nach Hannover und verrät doch noch heute ein erheblicher Teil der sächsischen(Leipzig, Dresden, Chemnitz) und preußischen(Breslau, Stettin, Potsdam) Ortsnamen den flawischen Ursprung. Weiß man aber auch noch, daß z. B. gar nicht geringfüige Vermischungen mit Polen im Osten bis in unsere Tage stattfinden, daß im Laufe der Geschichte immer wieder Dänen, Hunnen(die Hummelbauern im bayerischen Chiemgau), Türken(die Be völkerung der Münchener Vorstadt Au hat türkischen Ein⸗

schlag, da im 17. Jahrhundert dort eine große Zahl türkischer

Gefangener angesiedelt wurde), Franzosen und andere sich mit deutschem Blut vermischten, wird man bald einen leben digen Begriff davon haben, wie sehr jedesVolk im Flusse

begriffen ist und daß es nur einen sehr allgemeinen Sinn

hat, von einem französischen, italienischen, russischen oder deutschen Volke zu sprechen. Gegen die äußersten Grenzen der Geschichte zu verwischt sich dieser schwankende Begriff des Volkes noch mehr und schon für die Jahrhunderte vor den ersten Nachrichten, welche die Phöniker über die Bernstein⸗ küste und derenfriesische Bewohner brachten, ist es unmög lich, einzelne Völker in den vorgeschichtlichen Funden aus einander zu halten. Wir sprechen da nur mehr von einem

germanischen oder nordeuropäischen Kulturkreis, von einer

nordeurxopäischenRasse und fassen damit die gesamte Bevölkerung Frankreichs, Deutschlands, Dänemarks, Oester reichs und des westlichen Rußlands zusammen, eigentlich nur als Gegensatz zur mediterranen Rasse mit ihrer von Rom, Athen und noch früher den afrikanischen und asiatischen Städten abhängigen Kultur.

Immerhin ist es uns klar, daß der Mensch der Pfahl bauten, der vorgeschichtlichen Bronze- und Steinzeit auch ein Stück deutschen Altertums in sich birgt, ein Mensch von unsererRasse war, daher auch in seinem Empfinden, in seinen Rechts⸗ und Naturvorstellungen und Lebensgewohn heiten nicht allzu verschieden von uns sein konnte. Deutlich erkennt man aus der großen Uebereinstimmung der vorge schichtlichen Funde auf dem ungeheuren Gebiet zwischen dem Inneren Ungarns und dem südlichen Frankreich, zwischen Dänemark und den dördlichen Tälern der Alpen, daß z. B. zur sogenannten Hallstattzeit in solcher Verbreitung dasselbe Volk gehaust haben muß und kann hieraus den auch für viele soziale und politische Verhältnisse der Gegenwart wert

vollen Schluß ziehen, daß diese Ausprägung von Nationali

äten erst ein Werk fortschreitender Kultur, mehr ein künst⸗ liches Erzeugnis denn ein natürlicher Vorgang gewesen sei. Da die Hallstattkultur, die man sich nach den vorhandenen

Kunsterzeugnissen, mit ihrem Ackerbau, den Streitwagen.

eäxten, Geweben, Schmuckstücken, Bergwerken, Wohn⸗

Heänsern, Städten, Landstraßen und ausgedehnten Handels-

beziehungen nicht als gering vorstellen darf, alle Stufen von der einfachen Steinzubereitung bis zur Bronzekultur und Eisenindustrie durchlaufend bei den Fundstücken aus der Pfahlbauzeit mündet, Pfahlbauten aber sich bis in die römische Zeit fortsetzten, so läßt sich die Entwicklung des deutschen Wesens, wenn auch nur in einer allgemeinen nordeuropäischen Ausprägung mit ihr viele Jahrtausende hindurch zurückver folgen. Jedenfalls weit über die Zeit hinaus, in der nach älterer Auffassung dieMitteleuropäer aus Indien einge wandert sein sollten.

Die Untersuchungen an den in Reihengräbern, Grab hügeln und Aschenstätten gefundenen vorgeschichtlichen Knochenresten haben das Gleiche ergeben, und so ist in neuester Zeit, die durch die Sprachforscher aufgestellte Lehre, wonach Europäer und Judier als Indogermanen dasselbe Volk seien, endgültig verschwunden und unsere Wissenschaft ist der sicheren Ueberzeugung, daß seit ungezählten Jahr- tauseuden immer die Europäer von heute auf europäischem Boden saßen, freilich innerhalb dieser Grenzen sicherlich viel fach hin und her wanderten.

Es handelt sich hierbei um Zeiten, in denen Jahres- zahlen versagen, die man vielmehr mit Naturereignissen messen muß. Als sehr guter Anhaltspunkt hierfür hat sich die Ausbildung und langsame Ausgleichung jener unge heuerlichen Katastrophe ergeben, die man als die Eiszeit bezeichnet. Sie wurde in ihrer ganzen von den Forschern bis zu einer Million Jahren berechneten Dauer von der europäischen Menschheit miterlebt, denn die ältesten Funde wurden aus Schichten ausgegraben, die sich noch vor der Eis- zeit gebildet haben.

Nun reicht die Geschichte der Hallstattmenschheit, in die wir auch die Vorfahren der Deutschen einreihen müssen, noch gar nicht bis zur Eiszeit zurück. Aus Rechnungen, die hier darzulegen zu weit führen würde, die aber einen ziemlichen Grad von Richtigkeit verbürgen, ist die letzte Vergletscherung Deutschlands seit etwa 5070 000 Jahren überwunden die Gegend von Hallstatt, in der sich eine der bedeutendsten Fundstätten der nach ihr benannten Kultur fand, allerdings erst seit etwa 20 000 Jahren besiedelbar. Die frühesten Reste können daher dort nicht gut älter sein, sind aber auch anders⸗ wo nicht wesentlich älter, denn in ganz Mitteleuropa findet man nach dem Rückzug der Gletscher in den Ablagerungen nirgends Spuren menschlicher Besiedelung. Es müssen da⸗ mals viele tausend Jahre vergangen sein, ohne daß ein menschliches Wesen durch die Fluren des heutigen Deutsch⸗ land ging.(Schluß folgt.)

Gedaukeusabrik. (Schluß.)

Sehr interessant ist es, daß jener Bewußtseinsverlust, den der Arzt absichtlich bei seinen Patienten hervorruft, wenn er an ihm schwierige Operationen ausführen will, die soge⸗ nannte Narko se auch nichts anderes ist als eine Erstickung der Gehirnzellen durch Sauerstoffmangel. Der Physiologe Verworn hat nämlich durch mühselige Untersuchungen im Verein mit seinen Schülern im Laufe der letzten zehn Jahre gezeigt, daß die Wirkung der einschläfernden Mittel, wie Chlorosorm, Aether und Alkohol nichts anderes ist, als eine Behinderung der Sauerstoffatmung der lebendigen Zellen. Da die Nervenzellen, namentlich die im Großhirn, das das Denken besorgt, einen sehr regen Sauerstoffwechsel haben, so ersticken zunächst diese Zellen, und das Bewußtsein erlischt z einer Zeit, wo alle andern Zellen unseres Körpers noch regel recht arbeiten können, weil bei ihnen der Sauerstoffmangel sich noch nicht geltend gemacht hat. Es ist übrigens von einem Forscher der Sauerstoffverbrauch der Nervenzellen beim Frosch direkt gemessen worden, und es hat sich dabei gezeigt, daß der Sauerstoffverbrauch der Nervenzellen zwei- bis drei- mal größer ist als derjenige der andern Körperzellen. Auf der größeren Intensität des Sauerstoffverbrauchs der Zellen unseres Großhirnes gegenüber dem der anderen Körperzellen beruht somit die Möglichkeit, durch Gifte, wie die betäuben⸗

4

den Mittel es sind, eine Narkose hervorzurufen.

V

pĩ

.

2

r