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mummer 44
Dienstag, den 4. februar 1913
I. Jahrgang
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Die ländliche Leutenot in Hessen.
g Nachdem der Parteitag der preußischen Sozialdemo⸗ kratie beschlossen hat, die Landarbeiterschaft in die plan- mäßige Agitation einzubeziehen, und nachdem die Gründung einer gewerkschaftlichen Landarbeiterorganisation bereits erfolgt ist, dürfte das brennende, bisher aber in der größten Unklarheit schwebende Problem der ländlichen Ar⸗ beiterfrage in ein neues und zwar entscheidendes Stadium getreten sein, an dem die Wirtschafts⸗ und Sozial⸗ politiker nicht vorüber gehen können. Die gewaltige Um- wälzung in unserer Vevölkerungsstruktur, die durch die letzte Berufszählung festgestellt worden ist, hat besonders in der Landwirtschaft tiefe Spuren hinterlassen. Die deutsche Be⸗ völkerung war seit 1882 um 17 Millionen gewachsen, die landwirtschaftliche aber um 2 Millionen zurückgegangen, N i. von 41 auf 27 Prozent. Leider versagt bei einer genaueren Verfolgung der Frage die Reichsstatistik insofern, als die Zählmethoden bei den verschiedenen Aufnahmen nicht ein⸗ heitlich gewesen sind und besonders die Erfassung von Fa⸗ milienangehörigen als„Arbeiter“ bei der letzten Zählung offenbar in einer recht weitherzigen Weise erfolgt ist. Wie sollte man es sich angesichts der notorisch zunehmenden länd⸗ lichen Arbeiternot sonst erklären, daß in der Periode 1882 bis 1895 die landwirtschaftlichen Arbeiter um 320 000 abge- nommen, dagegen in der nächsten Periode 1895-1907 um 16 Millionen wieder zugenommen haben sollen? Dieses Resultat ist nur dadurch entstanden, daß man Hund erttausende von Familienangehörigen, besonders weibliche, die schon früher immer in der ausgiebigsten Weise als Hilfskräfte in der Landwirtschaft tätig gewesen sind, nun einfach als haupt⸗ beruflich Erwerbstätige gezählt hat. Die Vermehrung war also nur nominell, zwar hat man die Zahlen größer gemacht, der Personalbestand ist aber im Gegenteil zurückgegangen. Das erkennt man ganz deutlich daran, daß die sog, fremden Arbeitskräfte, die Knechte und Mägde, seit 1895 um 386 90 abnahmen, und es ist charakteristisch, daß darunter nur 26 000 Mägde sind. Während die Knechte sich um 34 Prozent ver⸗ minderten, war das bei den weiblichen Landarbeitern nur zu 4 Prozent der Fall. Am schlagendsten wird die ländliche Leutenot durch den rapiden Rückgang der landwirtschaftlichen häuslichen Dienstboten gekennzeichnet.
Für Hessen ergeben die beiden letzten Berufszäh⸗ lungen folgende Sammelziffern der hauptberuflich Erwerbs⸗ tätigen, der speziell weiblichen Arbeitskräfte und außerdem der häuslichen, ebenfalls meist weiblichen Dienstboten in den landwirtschaftlichen Betrieben:
Erwerbstätige darunter häusliche im Hauptberuf weibliche Dienstboten 1895 103 804 42 720 6730 1907 100 076 49 158 1191
Die 15prozentige„Zunahme“ der weiblichen Erwerbs⸗ tätigen in den letzten zwölf Jahren rekrutiert sich fast ganz aus den schon früher tätigen Familienmitgliedern; der Dienstbotenverlust in derselben Periode ist ein ganz auf⸗ fallend schroffer Absturz, wie kaum in einem anderen Lande.
Insgesamt wurden 1907 in der hessischen Landwirtschaft 337 386 Personen beschäftigt. Ueberwiegend, nämlich 55 Prozent, waren es weibliche Kräfte. Weil Hessen ein aus⸗ gesprochen bäuerliches Gebiet ist, spielen die nicht zur Familie
gehörenden Fremdarbeiter nicht ganz die große Rolle,
wurden 70 000 fremde Arbeitskräfte gezählt. Das sind nur 21 Prozent, aber z. B. in Ostprenßen und Pommern 43 Pro- zent. Nichtsdestoweniger ist die landwirtschaftliche Leutenot in Hessen eine äußerst fühlbare. Der intensive bäuerliche Be⸗ trieb ist ganz auf der Familienarbeit aufgebaut; aber die er⸗ wachsenen Familienmitglieder strömen besonders aus den Kleinwirtschaften bei dem ungeheuren Aufschwung der hessi⸗ schen und benachbarten Industrie zu dieser in Massen ab. Darum werden schon die jüngsten Arbeitskräfte zur Land⸗, Hof⸗ und Stallarbeit herangezogen, nicht nur nebesbei, son⸗ dern so erheblich, daß sie von der Statistik offiztell mitgezählt werden mußten. Wurden doch im Jahre 1907 im Groß- herzogtum Hessen nicht weniger als 5500 Kinder unter 14 Jahren(von Familienangehörigen und fremden Ar- beitskräften) als Landwirtschaftspersonal aufgeführt. Von ihnen entfielen allein 3000 auf Oberhessen, 1800 auf Starken⸗ burg und nur 800 auf Rheinhessen. Das rheinhessische Pro⸗ zent der jugendlichen Landarbeiter(0,9) ist eins der günstig⸗ sten im ganzen Staate; in Oberhessen steigt diese agrarische Kinderarbeit auf 2,4 Prozent an, in Oberschlesien und dem Bezirk Posen leider sogar auf 6 und 7 Prozent.
Die deutsche Landwirtschaft deckt ihren Bedarf an Ar- beitskräften mit nahezu drei Vierteln des ermittelten Perso— nals aus den Familien der Wirtschaftsinhaber selbst; mit dem restlichen Viertel ist sie auf fremde Hilfe angewiesen. Diese fremden Arbeitskräfte belaufen sich in Deutschland immerhin noch auf 4½ Millionen Köpfe und stellen die eigentliche landwirtschaftliche Arbeiterfrage dar. Sie ist natürlich bei den einzelnen Größenklassen verschieden. Bei den kleineren Betrieben kommt die Mitarbeit Fremder nur wenig in Betracht. Sie beträgt aber schon bei den mittel⸗ bäuerlichen Wirtschaften 26 Prozent, bei den großbäuerlichen 60 Prozent und bei dem Großgrundbesitz sogar 97 Prozent. Neben Klima und Bodenart entscheiden noch Kulturart
(Ackerland, Weidewirtschaft, Viehzucht) und Wirtschafts⸗ organisation(Hackfruchtbau oder reine Körnerwirtschaft)
über den mehr oder weniger großen Arbeiterbedarf, und nicht zuletzt die Möglichkeit der Maschinenbenutzung. Die Ma⸗ schine kann in der Landwirtschaft nie eine ähnliche vevolutio⸗ näre Bedeutung bekommen, wie in der Industrie. Die menschliche Arbeitskraft wird auf dem Lande immer unent⸗ behrlich sein. Darum sind die Bemühungen, die Landarbeiter auf dem Lande festzuhalten, fortzusetzen. Auf diesem Stand- punkt stand z. B. unbedingt auch der letzte Parteitag der preußischen Sozialdemokratie. Man ist sich im allgemeinen schon heute über die tauglichen und die untauglichen Mittel klar. Zu den tauglichen gehört in erster Linie die Reform der ländlichen Wohnungsfrage, des Landarbeiterrechts und der Entlöhnungsart. Alle anderen Versuche, namentlich so⸗ weit sie auf eine Befestigung patriarchalischer, und darum unmoderner Zustände hinzielen, haben sich als verfehlt er⸗ wiesen.
2 a 85 Der Untergang der großen Armee. Von Kurt Eisner. 4. Kapitel. Die Wendung von Moskau. 2 Im Brande von Moskau wurde die einheitliche Organisation Europas mitzerstört, wie sie Napoleon in Vollzug der französischen Revolution begonnen hatte, und aus der Asche erhob sich die eng⸗
wie im deutschen Osten; neben 207 000 Familienzugehörigen
lisch⸗russische Weltherrschaft. Die Funken jener weltgeschichtlichen
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