Ausgabe 
2.9.1913
 
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ö Afsimilation der Pflanzen im Prinzip mit ultravioletten

Strahlen nachzumachen. Und die Versuche von C. Winter

und Titlest ad lassen auch die Möglichkeit der Herstellung

vonphotoelektrischen Elementen im Großen erhoffen, in

denen Sonnenenergie unmittelbar in nutzbare Elektrizität

umgesetzt wird. 5

Sind die hier angedeuteten chemischen Errungenschaften einmal erst aus dem Stadium der Laboratoriumsversuche,

die jedem technischen Fortschritt vorangehen müssen, heraus-

gekommen, wird neuerdings die Chemie die Führung im

technisch⸗wissenschaftlichen Fortschritt der Menschheit an sich reißen, denn sie wird dann die billigste aller Kraftquellen in einer Weise erschlossen haben, die eine völlige Umgestaltung

der Produktionsweise ahnen läßt.

Der Begriff der Fabrikstadt wird sich dann völlig ändern. Und ebenso wird die Industrie andere Orte aufsuchen als jetzt, wo sie die Nähe der Kohlenbergwerke magisch anzieht. Die alte Wiege der Menschheit: die heißen Länder, werden

durch ihren Reichtum an photochemischer Energie wieder mehr

zur Geltung kommen und wohl auch die Hochgebirge, in deren reiner Luft jedermann am eigenen Leib die wunderbare photochemische Energie der Höhe ermessen kann(am besten weiß dies der Hochgebirgsphotograph), und die, wenigstens unter europäischen Verhältnissen im Winter viel mehr Son⸗ nenschein genießen, als die Stätten der Ebene.

Man wird sich im kommendenJahrhundert der Photo⸗ chemie wenn eine solche Utopie erlaubt ist Europa wohl ganz verändert vorstellen müssen. Verschwunden sind die Rauchschwaden über den Städten mit ihrem Heer von Krankheiten; es gibt keine Industriezentren um die Berg⸗ werke und die Knotenpunkte der die Kohle verfrachtenden Bahnlinien mehr, denn die mitLichtkraft bedienten Fabriken der Zukunft beziehen überall unmittelbar ihren Heizstoff vom Himmel. Die einsamen Bergesgipfel sind von geschäftiger Industrie bevölkert, just die einst menschen⸗ leeren und gemiedenen Einöden erleben nun den neuen Auf⸗ schwung, während das Flachland, so weit nicht dieweiße Kohle der Wasserkraftausnutzung, der der Mensch bei ihrer Billigkeit nicht mehr entsagen wird, auch in ihm Industrie⸗ unternehmungen rentabel macht, einen vorher nicht gekannten Aufschwung des P lanzenbaues erleben kann, da die neuere Photochemie mit Recht darauf hinweist, daß dieselebenden Sonnenmaschinen für immer die billigste Art der Lichtaus⸗ nützung darstellen werden.

Die Photochemischen Fabriken würden einen Teil der Arbeitskräfte freimachen und dadurch weite Volksschichten aus den traurigen, einseitigen und ungesunden Verhältnissen der Gegenwart in eine natürlichere Lebensweise, in mehr Berührung mit der Natur bringen.

So hätten wir denn alle Ursache, diese von der Photo⸗ chemie in aller Stille vorbereitete Wandlung der Dinge her⸗ beizusehnen. Sie würde die Menschheit im vollen Sinn des Wortes zu Sonnenkindern machen; in hellen Scharen würde sie die Menschen aus den Nebeln des Norden in die gesunden fröhlichen Länder steten Sonnenscheins führen.

Sozialismus und Rassenverbesserung.

Der Traum sozial ungeschulter Naturforscher, daß in der kapita⸗ listischen Gesellschaft, vermöge des in ihr herrschenden Naturgesetzes der Aus lese durch Kampfums Dasein, das von Darwin für die Natur aufgezeigte Entwicklungsprinzip zur Geltung komme, ist längst in feiner Nichtigkeit enthüllt worden. Er vergaß nicht allein, daß, wie Darwin selbft bemerkt und namentlich Krapot⸗ kin eingehend gezeigt hat, der Kampf ums Dasein in der Natur, seine Ergänzung findet durch die gegenseitige Hilfe, das solidarische Zusammenwirken innerhalb der tierischen und mensch⸗ lichen Gesellschaften. Er übersah vor allem daß sie durch die Ver⸗ schiedenheit der körperlichen und geistigen Anlagen bedingte Auslese der besser an ihre Umwelt angepaßten Individuen unter gewissen Bedingungen zum Ueberleben und zur Fortpflanzung der zwar am besten an ungesunde Zuftände angepaßten aber eben darum minder⸗ wertigsten Individuen führt, mithin keine Erhöhung, sondern eine Ergledrigung des Rosteuchoakters mit sic bringt. Schlieblic nach

die oft über den Nutzen der Auslese der Angepaßten hinausgehende Schädigung der Masse durch ungesunde Lebensbedingungen: derart, daß z. B. nach einem Beispiel Krapotkins nach einer langen Hungersnot, bei der die Mehrzahl einer Tierart zugrunde geht, vielleicht gerade die lebenstüchtigsten übrig geblieben, aber auch sie infolge der erlittenen Not unter den durchschnittlichen Kraftzustand der Gesamtheit herabgedrückt und demgemäß zur Fortpflanzung mindertauglich geworden sind.

So wirken die Lebensbedingungen des Kapitalismus in doppel⸗ ter Weise der Entwicklung der Rasse entgegen. Einmal durch die Begünstigung der Lebensbedingungen vielfach der minderwertigsten Glieder, der auf Kosten ihrer harmonischen Entwicklung einzig auf bestimmte gewinnbringende Tätigkeiten dressierten, nicht minder der rücksichtslosesten, tückischsten, gewissenlosesten, die durch die Be⸗ dingungen der kapitalistischen Produktionsweise vielfach über die wertvollen, schön und allseitig ausgebildeten, uneigennützigen und sonstunpraktischen Individuen obsiegen und zur Fortpflanzung ihrer minderwertigen Art gelangen. Das ist derart im Wesen des Kapitalismus mit seinen Konkurrenzbedingungen wie seinen Besitz⸗ und Erwerbsmonopolen bedingt, daß man es entweder mit dem Kapitalismus hinnehmen oder mit ihm bekämpfen muß, während Palliativmittel zur Linderung dieser Schäden ohne Untergrabung des Systems, mit dem sie zusammen wuchern, nicht möglich sind. Wohl aber ist das der Fall gegenüber einer zweiten Wirkung unse⸗ rer Gesellschaftsverhältnisse: den verelendenden Wirkungen ins⸗ besondere der Wohnungsnot, des Alkoholismus, der Geschlechts⸗ krankheiten. Hier, wie durch die üblen Wirkungen ungesunder Arbeitsbedingungen, die nervenzerrüttende Arbeitshetze oder Arbeitslosigkeit usw. wird der Kräftestand der Individuen herab⸗ gemindert und eine minderwertige Nachkommenschaft erzeugt.

Hier setzen die Bestrebungen der Rassenhygiene ein. Sie bezweckt in ihrer herrschenden Auffassung die Verminderung der mindertauglichen Zeugungen, z. B. durch Eheverbot für Tuber⸗ kulöse, auf geistigem Gebiet erblich Belastete, auch durch Zerstörung der Fortpflanzungsfähigkeit gewisser Verbrecher und sonstwie minderwertiger, zudem aber von starkem Geschlechtstrieb beherrsch⸗ ter Individuen. Eine extreme Richtung wendet sich sogar, in völliger Verkennung des angeblich natürlichen, in Wahrheit höchst naturwidrigen kapitalistischen Ausleseprinzips gegen jede Milderung seiner Wirkungen, Sozialpolitik, selbst Krankenfürsorge und der⸗ gleichen. In scharfem Gegensatz zu solchen, die rassenschädlichen Wirkungen des herrschenden Systems noch steigernden Bestrebungen man denke an den Sachwalter der saarabischen Induftriehäupt⸗ linge: Alexander Tille betont Alfred Russel Wallace, der große Strebensgenosse Darwins, der unabhängig von diesem das Entwicklungsprinzip der Natur entdeckt hat, in seinem neuen Buche: Soziale Umgebung und moralischer Fortschritt, die wirklichen Zu⸗ sammenhänge der Rassenentartung und die Mittel zu ihrer Heilung.

Er erklärt, daß geistig und moralisch-die Menschheit in tausen⸗ den Jahren keinen Fortschritt gemacht habe, da das Wesen des Menschen in seiner natürlichen Anlage liege, während die Wirkun⸗ gen der Erziehung und sozialer Einflüsse nicht auf die Nachkommen übertragen würden. Wahrer Fortschritt sei daher nur durch An⸗ wendung eines auslesenden Prinzips zu erzielen. Darin stimmt er den Vertretern der Rassenhygiene(Eugenik) zu, trennt sich aber sofort wieder von ihnen in der Ablehnung der von ihnen empfohlenen künstlichen Mittel zur Beeinflussung der Nachkommen⸗ schaft. Er will völlig freie Wirksamkeit der natürlichen Auslese durch Beseitigung der sozialen Ungleichheit und zugleich Hebung des ganzen Standes der gesamten menschlichen Nasse. Zu⸗ sammenfassend sagt er:

Betrachten wir alle diese zweifellosen Tatsachen, viele davon so handgreiflich und so schrecklich, daß sie nicht beiseite zu schieben sind, so ist es nicht zu viel gesagt: Unser ganzes Gesell⸗ schaftssystem ist verrottet vom Gipfel bis zum Grunde. Die soziale Umwelt als Ganzes, im Verhältnis zu unseren Entwicklungsmöglichkeiten und ⸗Ansprüchen, ist die schlech⸗ teste, die die Welt je gesehen hat. Es ist meine feste Ueberzeugung. Wenn wir den Augiasftall unserer heutigen sozialen Ordnung ge⸗

orgt haben, daß alle ihren Teil körperlicher

beitragen und den vollen Gegenwert ihrer

d der künftige Fortschritt der RNasse ge⸗

cklung ihrer höheren Natur infolge

slese, die dann wirksam werden

wird. en: Wenn die Frauen wirtschaftlich und soz werden eine Menge

die heute leicht Frauen finden,

werden. Es ist der leuchtende St

heit, daß in dem Maße, in dem wir fortschreite

tung unseres grausamen und verderblichen Gesell

än ner aller Klassen,

eine Menge auslesende Kraft bei der Eheschließung Keisetzen die

r Wahl haben, dann

ä

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