Ausgabe 
2.9.1913
 
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22 Ew. Exzellenz mündlich auzeinanderzusetzen und die seine aturalisation und Uebersiedelung hierher so dringend wülnschens⸗ wert machen, in geeignete Erinnerung zu bringen und in dieser Rücksicht auch die Bitte um möglichst baldige Bescheidung meiner hinzuzufügen mir erlaube, habe ich die Ehre zu zeichnen mit ausgezeichneter Ehrerbietung Ew. Exzellenz ergebenster F. Lassalle, Bellevuestraße Nr. 13. Die Antwort des Ministers auf diese Denkschrift Lassalles erfolgte am 11. November 1861; sie lautete: An den Herrn F. Lassalle Wohlgeb. Bellevuestraße 13.

Auf Ihre Vorstlla. vom 20. IV. d. J. erwidere ich Ihnen, daß ich nach näherer Prüfung der Sache die Weigerung des hiesigen Kgl. Polizeipräsidiums dem Dr. C. Marx, seinem Antrag gemäß, die Eigenschaft als Preuße zu verleihen, nicht für ungerechtfertigt halten kann.

Es darf hierbei ganz dahingestellt bleiben, ob die Bedingungen, unter denen nach§ 7 des Gesetzes vom 31. XII. 1842 die Eigenschaft als Preuße verliehen werden darf, im vorliegenden Falle zu⸗ tressen, da ein Ausländer, auch wenn ihm keines der im 8 7 aufge⸗ führten Hindernisse entgegensteht, niemals einen Anspruch darauf hat, in den preußischen Untertanenverband aufgenommen zu werden. Da nun zur Zeit wenigstens durchaus keine besonderen Gründe vor- handen sind, welche für die Erteilung der Naturalisation an den p. Marx sprechen könnten, so sehe ich mich außer Stande, die Ent⸗ scheidung des hiesigen Kgl. Polizeipräsidiums vom 25. April d. J. abzuändern.

Bei der Würdigung dieses zweiten Versuches Marxens, seine Rechte als preußischer Staatsbürger wiederzuerlangen, und der Haltung der preußischen Regierung, muß wieder anerkannt werden, daß diese Haltung den Anforderungen des formalen Rechtes gegenüber durchaus Stich hält. Erstens fällt Marx vor allen Dingen nicht unter den Kreis der Personen, für welche die Amnestie vom 12. Januar erlassen worden war; er war weder flüchtig geworden, um einer Verurteilung zu entgehen, noch war er rechtskräftig von einem Zivilgericht verurteilt worden. 1845 hatte er sein Staats⸗ bürgerrecht aufgegeben und 1849 war er nur als lästiger Aus- länder polizeilich ausgewiesen worden. Er war also seit 1845 ununterbrochen in rechtlicher Hinsicht Ausländer für die preußische Regierung, und sein Gesuch um Naturalisation war von dieser zu behandeln, wie die Gesuche anderer, beliebiger Ausländer auf Grund des Gefetzes vom 31. Dezember 1842; ihr Recht der Naturali⸗ sation auszuüben, stand aber im freien Belieben der Regie⸗ rung. Dabei ist Lassalles Auslegung des 8 7 des erwähnten Ge⸗ setzes zum mindesten ansechtbar; er will unterBescholtenheit nur die sittliche Bescholtenheit verstanden haben, während der Berliner Polizelpräsident von Zedlitz und der Minister Graf Schwerin, Marx wegen feiner politischen Tätigkeit und Gesinnung als bescholten an- sehen. Es ist vom Standpunkt der preußtischen Regierung auch durchaus begreiflich, daß sie ihr formelles Recht benutzte, um sich den gefährlichen Marx vom Halse zu halten. Wie man vom Stand punkte einer höheren Gerechtigkeit über ihr Verhalten zu urteilen babe, haben wir oben schon ausgeführt; auch die Ausführungen Lassalles in der Denkschrift bieten so Vortreffliches, daß wir es besser nicht darzulegen vermöchten.

Dem Herausgeber dieser Aktenstücke, die in dem geheimen Staatsarchiv zu Berlin aufbewahrt werden, gebührt der Dank aller derer, die an der Geschichte der Arbeiterbewegung und an der Lebensgeschichte der großen Führer der Arbeiterschaft Anteil nehmen.

Eine neue Großtat der Chemie. Von H. Falkenfels.

Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch das geniale Gedankensystem von Dalton die Chemie mit Hilfe der Utomtbeorie den Ablauf der Prozesse, deren Beobachtung sie bis dorthin beschäftigte, auch zu berechnen lernte, ent⸗ wickelte sie sich binnen wenigen Jahrzehnten sprunghaft. In einer glänzenden Reihe großer Entdeckungen schuf sie die großen chemischen Industrien, in denen Deutschland die Führung der menschlichen Kultur an sich riß; der Stein-

zahlloser chemischer Pro-

kohlenteer, als der Universalstoff dukte, ohne die wir heute nicht mehr leben zu können glauben,

symbolisierte so recht diese Zeit, der man prophezeite, sie werde einst dasJahrhundert der Che genannt werden da aber kam die Wendung. Der Physiker kam dem

Elektrizitäts- elektrisches

Chemiker zuvor. Die großen Tatsachen der

lehre: die Reihenfolge von Entdeckungen wie

Licht, Telegraph, Telephon, Kraftübertragung, damit Hand in Hand die Herste und tausendfache Verwendung großer Mangera eo 14 7 We

Mengen elektrischer Kraft, daran geknüpft die wunderbaren

neuen Einsichten der Physik, Röntgenstrahlen und Radium,

vom Jahrhundert der Elektrizität und der Physik prägte. So trat die Chemie scheinbar wieder in ein bescheide⸗ neres Stadium zurück und schien das Beste, was sie zu geben verstand, bereits geleistet zu haben. 1

In Wirklichkeit ist jedoch auch sie rastlos an Neuem tätig und bereitet soeben eine Reihe großer Umgestaltungen des Wirtschaftslebens vor.

s ist das Gebiet der Photochemie, der chemischen Ausnützung des Lichtes, auf dem sie sich derzeit am erfolg⸗ reichsten betätigt und zu sehr bemerkenswerten Ergebnissen gelangt ist.

des Kulturmenschen unwürdigen Zustand, daß wir unter Einsetzung von so und so viel Menschenleben und Vergeudung von Menschenkraft die in der Steinkohle gespeicherte Licht⸗ energie aus der Erde graben und dann verschwenden, weil auch unsere besten Kesselanlagen nur einen sehr geringen Nutzungseffekt aus dem Heizmaterial herauszuholen wissen, während wir die gegenwärtig frei auf die Erde nieder- strömende Sonnenlichtenergie völlig ungenützt lassen.

Um welchen Energievorrat es sich hierbei handelt, wer⸗ den am besten einige Zahlen belegen. In einer Minute strahlt die Sonne durchschnittlich 3 Kalorien? auf den Quadratzentimeter Erde. Das bedeutet, da Europa und Amerika zusammengenommen nur 1100 Millionen Tonnen Steinkohle fördern, daß(täglich nur sechs Stunden Sonnen- schein angenommen) schon 3675 Quadratkilometer Erdober⸗ fläche dieselbe Wärmemenge von der Sonne erhalten, die wir überhaupt aus der Kohle herzustellen vermögen. Nimmt man in Betracht, daß die Wasserkräfte der Erde etwa 70 000 Millionen Tonnen Steinkohle entsprechen, so ändert dies doch an dem Gesamtergebnis nichts, wonach der Mensch weiß, daß auf der halben Million Quadratkilometer, welche die Ober⸗ fläche der Erde Ausmachen, beiläufig so viel nutzbare Energie jedes Jahr vorhanden ist, daß sie der 150fachen Menge seiner Kohlenförderung entspricht, ohne daß er sie bisher benützen kann. 5 Diesen Zustand zu ändern unternimmt nun die Photo- chemie.

Neben ihr und vor ihr experimentierte man schon in Aegypten und Peru mit Sonnenmotoren, die sich die Be · triebsenergie durch große Glasspiegel vom Himmel herunter⸗ holen, angeblich mit gutem Erfolge. Wichtiger als diese Versuche sind aber jene, über welche die chemischen Zeit- schriften neuerdings berichten, und welche nichts anderes bezwecken, als den Pflanzen ihr Kunststück der Sonnen- energieverwertung abzulauschen.

Denn die Pflanze versteht es in der Tat, die ihr vom Himmelslicht umsonst gelieferten Gaben auf das Trefflichste zu verwerten. Vom photochemischen Standpunkt aus ist sie eine vollendete Sonnenmaschine, die einfach den Vorgang der Verbrennung umkehrt, indem sie den vorhandenen Kohlenstoff unter Befreiung von Sauerstoff in Kohlen hudrate und damit in Stoffe, die sie zu ihrer Ernährung brauchen kann, verwandelt.

Für die Photochemiker handelt es sich im Prinzip um das gleiche technische Problem, nämlich die Sonnenener in irgend einer nutzbaren Form zu binden und zu speichern. Dies ist nun in den letzten Jahren tatsächlich in verschiedenster Weise gelungen. Silber hat auf diese Weise, nur du Benutzung des Lichtes, technisch brauchbare Stoffum lungen vollzogen, also durch die Sonne den Umweg über die

Dampfmaschinen der chemischen Fabrik erspart. Noch tiger erscheint der Bericht der Chemiker-Zeitung(Bd. U

über die gelungenen Versuche von D. Berthelot,

Kalorie die Bärmteinheit, d. h. die Wärmemenge, die er⸗ forderlich ist, um 1 Kilogramm Basser um 1 Grad Celsius zu er⸗ wärmen.

Leurath in der Zeitschrift für pbossk. Chemie Bb. 74. plotnftow in derselben Bd. 75 und 76. Silber in den Be⸗

richten der Deutschen chemischen Gesellschaft Od. 49.

blendeten die Menschheit, die nun rasch das neue Schlagwort 8

Der Chemiker empfand es schon seit langem als einen

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