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1.7.1913
 
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Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung

fNummer 13

Dienstag, den 1. Zuli 1913

2. Jahrgang

Ein Wendepunkt der Naturwisseuschaft. Von H. Falkenfels. 35

Eine jener unverbürgten Anekdoten, die am besten die großen Ereignisse der Weltgeschichte beleuchten, erzählt, daß Louis XVI. bei der ersten Nachricht von den Vorgängen, die den großen Umsturz seiner Zeit einleiteten, ausgerufen haben soll:Das ist doch keine Revolution, das ist nur eine einfache Brotrevolte!

Von einer solchenBrotrevolte melden in unseren Tagen die wissenschaftlichen Schriften, und erst das kom mende Jahrzehnt vermag es zu sagen, ob sie nicht auch der Anfang der größten Umwälzungen war, welche die Wissen schaft je erlebte.

In der Sprache der Gelehrten sind es ganz geringfügige, anscheinend durchausakademische, von der Welt und ihren täglichen Bedürfnissen weitabgewandte Dinge, um die man streitet. Die Zeit ist erfüllt von den gewaltigsten Ereig⸗ nissen der Weltgeschichte und Politik, uralte Kulturen, die man dem Absterben nahe glaubte, erstehen auf einmal mit jugendlicher Frische, ein neues Zeitalter klopft an alle Türen, eine Hochspannung aller Arbeits- und Genußkraft legt Be schlag auf jede Minute des modernen Menschen und nie waren die tatkräftig und bis zum äußersten angespannt im Leben stehenden Männer weniger geneigt zu metaphysischen Grübe leien, zu stiller Nachdenklichkeit und Weltanschauungstüfte⸗ leien als jetzt. Sie horchen nicht auf die Diskussion der ab seits stehenden gelehrten Welt und haben nur ein Lächeln für dieRevolution in den Studierstuben. Erst wenn der Gelehrte sich mit dem Techniker in Verbindung setzt, horchen sie auf. Jene abstrakten Grübeleien und Rechnungen wer den erst dann interessant, wenn auf ihr Geheiß den Werk stätten und Fabriklaboratorien neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnet sind. Ueber das Studium der Vogelknochen und Muskeln zuckte man lächelnd die Achseln, als aber dieses Studium in den ersten Gleitflieger umgesetzt war, unter brachen Hundertausende ihre Arbeit, um das neue Wunder zu bestaunen, das freilich nur deshalb als ein Wunder, ein fast Unbegreifliches erschien, weil man seine Voraussetzungen und Vorarbeiten übersah und nicht kannte.

Von solchen Vorarbeiten neuer technischer Wunder und Denkfortschritte soll hier die Rede sein.

In Kürze gesagt: in den physikalischen Hörsälen und Laboratorien disputiert man seit einiger Zeit über die Frage, ob eins denn immer und überall eins sei?

So lautet, auf die höchste Vereinfachung gebracht, eine wissenschaftliche Frage, die der Physiker als Lorentz⸗ Einsteinsches Relativitätsprinzip bezeichnet.

Alles was damit zusammenhängt, wandelt in solchen abstrakten Denkregionen, setzt so viel Uebung in schärfstem logischem Denken voraus, erfordert so viel Mathematik, daß man fast verzagt, zu Nichtphysikern davon verständlich reden zu können. Wenn man es dennoch versucht, muß man sich darauf beschränken, gerade nur zu erzählen, statt zu be weisen; man muß sich dann zufrieden geben, seine Leser ver⸗ blüfft zu haben, statt sie zu überzeugen.

Im Wesen entsprang das neue, das die wissenschaftlichen Gemüter beschäftigt, dem Bedürfnis, einen Widerspruch auf⸗ zuklären, der zwischen den Ergebnissen zwdeier nach den gleichen Prinzipien angestellter Versuche aufklaffte. Die

ten die Zeit, die ein Lichtstrahl braucht, um von der Sonne auf die Erde und zurück zu gelangen, wenn man ihn spiegelt. Dem Versuch lag die Erwägung zu Grunde, daß diese beiden Wege sehr ungleich sind, da sich inzwischen die Erde gegen die Sonne zu mit einer Geschwindigkeit bewegt, die etwa ein Zehntausendstel der des Lichtes beträgt. In dem einen Fall ist der Weg um sie verlängert, wenn der Lichtstrahl in der Richtung der Erdebewegung läuft, im entgegengesetzten Fal ist er um den gleichen Betrag verkürzt. Trotzdem man mit Sicherheit hierbei Maße von ein Hunderttausendstel Millimeter feststellen konnte, ergab sich keine Veränderung in den Längen.

Dieses Ergebnis stellte wohl zufrieden, denn es war im Einklang mit dem Relativitätsprinzip, auf dem Newton und Galilei vor Jahrhunderten die Mechanik begründet hatten, und das im Kern besagt, daß ein mit einem Be⸗ wegungssystem mitbewegter Beobachter auf keine Weise seine Bewegung feststellen kann, so lange diese gleichförmig bleibt.

Da ersann nun der französische Ppysiker Fizeau einen sehr scharfsinnigen Versuch, um die gleichen Vorgänge unter Umständen zu messen, bei denen der Beobachter nicht mitbewegt wird. Er ließ das Licht sich fortpflanzen in der Richtung einer mit gleichmäßiger Geschwindigkeit strömen⸗ den Flüssigkeit. Es war nach dem obigen Versuch zu erwar⸗ ten, daß der außenstehende Beobachter die Geschwindigkeit des Lichtes um die volle Geschwindigkeit der Flüssigkeit ver⸗ mehrt finde. Das war aber nicht der Fall, sondern es kam nur ein Bruchteil der berechneten Summe hinzu.

Das ist natürlich einem Menschen aus der Lebenspraxis so gleichgültig, wie jeder andere physikalische Versuch, für den wissenschaftlich denkenden Menschen bedeutet es aber nicht weniger, als wie wenn die Erde ihren Halt verlöre. Ange⸗ sichts dieses Ergebnisses wankt die Mathematik. Und weil auf ihr die Logik und das menschliche Denken überhaupt aufge⸗ baut ist ist dadurch die ganzeMechanik unseres Weltbildes bedroht.

An der Tatsache, die man seitdem oft mit staunendem Auge sah, ließ sich nicht mehr zweifeln. Nach den Versuchen, die in der Art des Fizeauschen angestellt werden, gilt das Relativitätsprinzip nicht, nach den übrigen gilt es.

Hier liegt ein unlösbar scheinender Widerspruch vor, den man nur dadurch beseitigen kann, wenn man in der Physik, in der Mathematik, in dem Denken überhaupt sozu⸗ sagen eine doppelte Buchführung anwendet.

Das tat die Wissenschaft, als sie das Lorentz⸗Ein⸗ steinsche Relativitätsprinzip annahm; denn dieses auf seine verständlichste Form gebracht, sagt nichts anderes, als daß dieselbe Zeit, gleichzeitig ver⸗ schieden sein kann, je nach dem Standpunkt, den der Be⸗ obachter einnimmmt. Umgekehrt gilt es auch: wenn der eine Beobachter mitbewegt wird und der andere ruht, so sind es verschiedene Zeitintervalle und Längen, welche die beiden für identisch halten.

Michelson hat einen verblüffenden Apparat kon⸗ struiert, der es uns vordemonstriert, daß 90 Zentimeter auf der Sonne nur 60 Zentimeter lang sind, daß ein Ereignis, das sich an einem bestimmten Punkt der Erde abspielt, und dessen Dauer dort mit 7 Stunden gewertet wird, für einen nicht mit der Erde bewegten Beobachter 10% Stunden dauert. Mit kurzenn Worten auf ein Schlagwort gebracht:

Eins ist nicht absolut eins, immer und überall eins, sondern

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