Als nächster Redner sprach der bekannte Anthropologe
Dr. Ludwig Wilser⸗ Heidelberg über Rasse und Herkunft der amerikanischen Eingeborenen, deren Wiege er im Gegen-
satz zu Ameghino, dem argentinischen Gelehrten, nach dem äußersten Norden und nach Grönland verlegt.
2 ng der Deutschen Naturwissenschaftlichen Ge⸗ ein Referat über die gesamten Reformbe⸗ strebungen auf dem Gebiete des Unterrichts, zu welchem zu⸗ nächst Professor Dr. Eduard Spranger ⸗ Leipzig das Wort ergriff. Der Redner führte aus, daß eine Betrachtung der Bildungswege von dem stofflichen Universalismus und dem Intellektualismus zu einer nen Form, Bildung der Kräfte durch Selbsttätigkeit führe. Er fordert für die Er⸗ reichung eines Gleichgewichtes die Ausbildung der psychischen, physischen und moralischen Kräfte in allen Arbeitsmethoden an sich und den Arbeitsgemeinschaften. Praktische Belege hierzu boten die beiden Korreferenten Dr. Bastian Schmid⸗ Zwickau und Oberlehrer Frey-Leipzig. Der erstere zeigte in wohlgelungenen kinematographischen orführungen seine Arbeitsweise am Realgymnasium in Zwickau, die Plankton⸗ untersuchungen, anatomische und physiologische Uebungen und tierpsycholische Beobachtungen zum Gegenstand hatten und von der Vielseitigkeit des praktischen, biologischen Unterrichts Zeugnis ablegten. Seminaroberlehrer Frey dagegen führte durch Lichtbilder den Arbeitsunterricht auf physikalisch⸗ chemischem Gebiete in seinen verschiedenen Formen vor und zeigte durch praktische Beispiele, wie sich selbst mit den ge⸗ ringsten Mitteln und durch einfachste Versuche ein Quer- schnitt durch die ganze Physik darstellen läßt.
Die gesamten Darbietungen der Tagung sind durch Ver⸗ öffentlichung in einem besonderen Hefte der Zeitschrift Natur allgemein bekanntgegeben. Interessenten steht dieses Heft kostenlos zur Verfügung. Ein Beitritt zu dieser Gesellschaft steht jedermann offen. Für den geringen Jahresbeitrag von 6 Mk. werden die Zeitschrift Natur und jährlich 5 Bücher erster Autoren geliefert. 7 schäftsstelle befindet sich in Leipzig, Königstr. 3. B seldungen nimmt auch jede
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Neue Nordlichtsorschungen. Im hohen Norden erstrahlt jetzt die Nacht wider von den herrlichen Erscheinungen, die dort neben Mond und Sternen als einzige Lichtentfaltung den langen Winter erhellen. Daß die Polarlichter mit dem Magnetismus der Erde in Zusammenhang stehen, ist seit langem angenommen worden, und später ist dann eine Beziehung zu den Kathodenstrahlen hinzugekom⸗ men. Eine völlige Aufklärung dieses gerade in seiner Mannig⸗ saltigkeit unendlich wundersamen Phänomens ist aber bis auf den heutigen Tag noch nicht gewonnen worden. In den letzten Jahren hat sich Professor Karl Störmer mit Unterstützung des Fridtjos⸗ Nausen-Fonds in hervorragender Weise mit der weitern Ersorschung des Nordlichts beschäftigt und hat zum ersten Male die Photo⸗ graphie planmäßig dabei verwertet. Vor ihm waren höchstens eine oder zwel photographische Aufnahmen von Polarlichtern gelungen, während Störmer zunächst im Jahre 1910 seinen photographischen Apparat in die Organisation seiner Nordlichtsorschungen einführte. Er weilte damals mehrere Monate in Bossekop im nördlichsten Nor⸗ wegen, einem Platz, der schon früher mehrfach zu gleichem Zweck ausgewählt worden war. Er legte dort zwei Stationen an, deren Entfernung von etwa 4½ Kilometern zuvor genau ausgemessen worden war. Von beiden Stellen aus wurden die Nordlichter photographiert, indem durch ein telephonisches Signal dle völlige Gleichzeitigkeit der Aufnahmen gesichert wurde. Durch Benutzung besonderer Platten gelang es, gute Bilder schon in einer Belich⸗ tungszeit von wenigen Sekunden zu erhalten. Außerdem wurde darauf Bedacht genommen, daß stets einige große Sterne auf der Platte waren, um den Himmelsort festzustellen. Dies Verfahren führte zu einer ziemlich genauen Bestimmung der Lage der einzel⸗ nen Nordlichter mit Bezug auf die Himmelsrichtung und die Höhe über dem Horizont, sowie auch die Erdoberfläche. Auf demselben We ch seit langem auch die Döhe von Sternschnuppen
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metern. Weller hat sich Störmer mik der Frage der Nordlichter beschäftigt. Daß sie durch Kathoden ⸗ und strahlen, die unmittelbar von der Sonne ausgehen, erzeugt hält Störmer für unmöglich, weil nach seinen Untersuchungen elektristertes Teilchen, das von der Sonne kommt, die N iu einem andern Teil als in der unmittelbaren Nachbarschast c magnetischen Pols erreichen könnte. Unter dieser Annahme es sich nicht erklären, daß die Polarlichter zuweilen so wei niedere Breiten vordringen. Störmer nimmt vielmehr au, daß zeitweise in der Ebene des magnetischen Aequators der Erde ungeheurer Ring von Kathodenstrahlen bildet und bestehen de und daß dadurch der Zugang der die Polarlichter hervo Strahlen noch zu niedern Breiten ermöglicht wird. Der dieses Ringes würde den Erdradius 140 mal Übertressen, un Ring selbst würde einen Strom von ungefähr 60 Willtonen enthalten. Die Vermutung des Vorhandenseins eines Gases, des Geokoronium in der Erdatmosphäre, das noch fünf dünner sein soll als Wasserstoff, lehnt Störmer ab.
. Die Entdeckung eines errechneten Urstosses der Während die ältere Generation sich damit beschied, daß die Zahl chemisch nicht mehr zerlegbaren Stoffe des bekannten Weltall betrage, lernt die Gegenwart hierüber so rasch um, daß febes 0 neue Elemente die Liste der bekannten Grundstosse bereichern das Problem: die Welt des Stofflichen auf eine Ursubstang zuführen, immer schwieriger wird. Um so mehr, als gegen dit wenigen Jahren solches Aussehen erregenden Forschungen Ramsay über die Umwandlung der Elemente, sich in zw mehr Zweifel als Bestätigungen angesammelt haben. mme ist es gelungen, nach den Atomgewichten der Elemente einen i Zusammenhang, eine Art innerer Beziehungen zwischen den stoffen festzustellen, welche die Hoffnung nicht einschlasen lassen, es auch noch gelingen wird, den Traum des modernen Chemin von der Einheitlichkeit des Stosses doch noch zu verwirklichen. 2 dieses sogenannte„periodische System der Elemente“ keine wi liche Kombination, sondern eine Wiedergabe der Naturgest darstellt, hat sich nun soeben an einem Beispiel erwiesen, daß glänzender Beleg dienen kann, wie sehr die Wissenschaft der sich bereits jener exakten Mathematik nahe kommt, in die sie Ehrgeiz des Menschengeistes zu verwandeln bestrebt.
Der russische Chemiker Mendelejeff, der Begründer periodischen Systems der Elemente hatte gewisse Lücken darin a, erklärt, daß es einfach noch nicht gelungen sel, gewisse Element bestimmt errechnetem Atomgewicht und sonstigen Eigenschasten den chemischen Substanzen herauszulösen, und er sprach die Erwartung aus, daß es der Chemie noch beschieden wird, in barer Zeit diese Lücken auszufüllen. J
Wie nun A. Wegener in seinem neuen Werk über„die modynamik der Atmosphäre“ berichtet, ist es ihm tatsächlich ges diese Prophezeiung zum Teil wahr zu machen. Er sand in höchsten Schichten der irdischen Lufthülle ein neues ga Element, das er Geocoronium nannte und das noch leichter Wasserstoff, mithin eines der von Mendeleseff vorhergesagten thetischen Elemente ist.
Es ist der Wissenschaft hier also wieder Erfolg beschieden gewesen, wie im Jahre 1840, als 64110 ö genau an einem vorher errechnetem Punkte den Planeten entdeckte, den der französische Astronom Leverrler mert
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Störungen der Merkur- und Uranusbahn hypothetssch und sogar in seiner Bahn genau bestimmt hatte.
Das Leuchtgas der Tiese. Nur wenig bekannt ist es, welch geheure Mengen von Kohlenwasserstossgas oder natürlichem 8 gas den Bohrlöchern der Erdölselder entströmen. Obgleich Naturgas selbst in dem Lande der praktischen Dankees noch! nicht in dem Maße, wie es möglich wäre, nutzbar gemacht wurden doch von ihm im Jahre 1010 schon 14½ Millarden meter zur Wärme- und Lichterzeugung sowse zu den verschlebe industriellen Zwecken verwandt. Denkt man sich dieses Wecn Kohlenwasserstoffgas über das 63,40 Quabratkilometet große bild von Berlin ausgegossen, so würde es die Riesenstabt 1 220 Weter hohe Atmosphäre von Leuchtgas eluhllllen.* in Amerila nach einer Notiz im Kosmoshandweiser für das! wie bei uns nach Kubikmetern, sondern nach„Millionen-Kntt“ als Verbrauchseinheit berechnete Gas durchschnittlich nut Mark für 28 317 Kubikmeter(= 1000 000 Kubikfuß), obg
ermittelt. Der Abstand der Nordlichter von der Erdoberfläche wechselt nach den Ergebnissen dieser Beobachtungen in noch größerm Umfange als bei den? iten, nämlich zwischen 36 und 461 Kilo
Aa das künstliche Leuchtgas an Heizeffekt übertrisst.
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