Ausgabe 
1.4.1913
 
Einzelbild herunterladen

vention von Tauroggen nicht ratifiziert habe, sondern Absetzung verfügt habe. Er schickte auch seinen Flügel⸗ u nach Königsberg, um die Verhaftung Norks vorzunehmen. en ließen ihn aber gar nicht zu Vork und im übrigen er⸗ General trotzig, daß er keine Verhaltungsbefehle durch entgegennehme und weiter fortfahren werde, seine Junk⸗

ulben. Frie ah Wilhelm III. hatte durchaus nicht etwa, um Napo⸗ s Zorn zu beschwichtigen, die wirkungslosen Maßnahmen gegen verfügt. Der Uebergang des preußischen Corps zur russischen war nicht nur ohne Wissen und Willen des Königs geschehen, durchkreuzte auch seine Politik, die auf Erhaltung und Be⸗ des Bündnisses mit Napoleon gerichtet war. An einen gegen Napoleon dachte weder er noch sein Staatskanzler Har⸗ 9 dessen Anschauung war, Napoleon würde in seiner gegen⸗ Lage bereit sein, Preußen Konzessionen materieller Art zu Wäre damals Napoleon bereit gewesen, Preußen etwa Ge⸗ iterungen zuzugestehen, so hätte sich Friedrich Wilhelm III. als von ihm abgewandt.

preußische König hatte keinerlei Staatsbegriffe, er faßte e Dinge ganz persönlich privatwirtschaftlich auf. So grämte ihn ach 1807 im Frieden zu Tilsit nicht sowohl die Zerstückelung des u Staates, als vielmehr das Unglück, daß nicht nur seine sondern auch seine linkselbischen Privatdomänen in Ver⸗ Damals hatte auch seine Gemahlin Luise schluchzend erzen dem Papier anvertraut:Kaiser Napoleon nimmt nen des Königs in Besitz und läßt sie für sich durch Per⸗ er dazu bestimmt, administrieren. Wir haben alles ver⸗ ben tun wir noch, und dieses Leben weniger unangenehm u, kann jetzt unser einziger Trost sein. Vor allem wollte Königspaar aus den Stimpfen Ostpreußens heraus, und lb und um die Domänen zu retten, wollte Luise durchaus nach is zu Napoleon fahren. Stein hatte sie nur mit Mühe davon ehalten. Nicht verhindern aber hatte Stein können, daß die der tränenvollen Kostümprobe in Tilsit noch nach jener De⸗ am 4. November 1807, an Napoleon einen Brief schrieb, e den kotentsprossenen Teufel anflehte, nach Berlin zurück⸗ dürfen:Ich weiß aus eigener Erfahrung und aus allen gen über mich, daß Sie sich für meine Person interessieren. estät kennen mein Vertrauen zu Ihnen; ich habe Ihnen in Tilsit gesprochen, und ich schmeichle mir, daß Sie diesmal mme Ihres Herzens folgen und Preußen, dem König und as Glück zurückgeben werden, ein Glück, dessen Wert wir elt schätzen werden, wenn wir es aus den Händen Ew. Majestät

en.(Schluß folgt.)

le sehr verbreitete naturwissenschaftliche Zeitschrift ntlichte jüngst das Resultat einer Umfrage über die risierung der Naturwissenschaften. Hervorragende

herständlicher Weise allen Kreisen des deutschen Volkes

glich zu machen, nicht gerade günstig gesinnt hielt, n sich in überraschender Weise zustimmend zu der Um⸗ e mit der Einschränkung, daß auch von wirklich berufener und auch nur wissenschaftlich festgestellte Ergebnisse der ung dem Volke mitgetilt werden dürfen. Die letzte in stattgefundene Generalversammlung der Deut Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ein mustergültiges Beispiel für die Lösung dieser be. Es hatten sich aus Nord und Süd und Ost und hervorragende Vertreter der Wissenschaft bei der Ver⸗ ng dieser Gesellschaft eingefunden, von denen jeder nem Fache in fesselnder Form die neuesten Ergebnisse hung einer stattlichen Versammlung mitteilte, die in großer Fülle gebotenen geistigen Genüsse an . Tagen mit ungeteilter Aufmerksamkeit den Vortragen⸗ folgte. Den ersten Tag der Versammlung eröffnete der rsitende der Deutschen Naturwissenschaftlichen Ge⸗ t Dr. L. Wilser⸗Heidelberg mit einem kurzen Ueber- er die Bestrebungen und Ziele der Gesellschaft und beute sodann Direktor Francs aus München das Wort nemem 9 80 über das ThemaDie Naturwissenschaften kinfluß auf den Geist unserer Zeit. Günstig und 3 9 5 so führte der Redner aus, ist der Geist der n Naturspissenschaften, denn es gibt zwei Extreme; Partei erblickt in den Naturforschern unbequeme ndere sieht in ihnen die Propheten der Zukunft. gig von der Parteien Haß und Gunst geht die ihre eigenen Wege und zeigt uns als letzten

de Harmonie des Unendlichen.

In frischer, launiger Weise führte der zweite Redner, Ge heimrat Prof. Dr. Otto Tummer Breslau, der mit einem großen Demonstrationsapparat und seinem Famulus Scholtze gekommen war, die gespannt lauschenden Zuhörer zunächst in die Grundbegriffe der Physik ein, um dann auf das eigent⸗ liche Thema seines Vortrages über den natürlichen und künst⸗ lichen Flug, besonders den Segelflug, zu kommen. An Licht⸗ bildern und verschiedenen Modellen erläuterte der Redner das Zustandekommen der verschiedenen Flugarten, als des Ruder⸗, Schwimm⸗ und Schraubenfluges. Experimentell wurde die Aufwärtsströmung der Luft gezeigt, die in der klimatischen und in der Bodenbeschaffenheit ihre Ursache findet. Hochinteressant war die Schilderung von der letzten wissenschaftlichen Ballonfahrt des Redners, in der die verti kale Luftströmung den Ballon trotz mehrfachen Oeffnens des Ventils bei einem schweren Gewitter in die Höhe von mehr als 3000 Meter emporriß, von der er dann plötzlich in der Nähe der Ostseeküste in kaum 15 Minuten wieder auf den Erdboden gelangte. Daß die ungemein anschauliche Dar- stellung die aus den verschiedensten Klassen zusammengesetzte Zuhörerschaft außerordentlich interessierte, bewies der an dauernde Beifall, der dem Redner gespendet wurde.

Mit einer großen Fülle von prächtigen Lichtbildern be gleitete der dritte Redner des Abends, Dr. Alfred Berg aus Berlin, seinen Vortrag über den Wert der Naturbeobach tungen im Freien und die Studienreisen der Deutschen Natur- wissenschaftlichen Gesellschaft. Gerade die Bilder, die sämt lich auf diesen Studienreisen aufgenommen waren, bewiesen in anschaulicher Weise die Worte des Vortragenden.

Den zweiten Tag der Generalversammlung leitete Pro fessor Dr. Lassar-Cohn aus Königsberg durch einen sehr interessanten Vortrag über die Verwendung von Holz und Zellulose am Beginn des 20. Jahrhunderts ein. Er führte aus, wie die alten Römer ursprünglich ihr Wohnge mach mit ganzen Holzscheiten heizten, so daß durch die Ent⸗ wicklung des Rauches Decken und Wände schwarz wurden. Den Namen Atrium(von ater schwarz) behielt der Prunk raum auch dann bei, als der Uebelstand durch die Verwendung der Holzkohle, die ein Bewohner Italiens bereits 600 Jahre vor Christi Geburt zuerst herstellte, behoben war. Jahrtau sende lang hat man dann die Holzkohle in den Kohlenmeilern fabriziert, ungeachtet des Umstandes, daß dabei mehr als 70 Prozent, wie sich später zeigte, sehr wertvolle Produkte ver⸗ loren gingen. Die Fortschritte der Chemie lehrten nun die Verwendung von riesigen Retorten anstatt von Meilern. Man gewann dabei als Nebenprodukte den Teer und Holzessig. Was im Laufe der letzten Jahrzehnte alles aus diesen beiden Nebenprodukten entstanden ist, die verschiedenen Desinfek⸗ tionsmittel, Creosot, Gujakol, Vanillin, Terpentin, Kolo⸗ phonium, künstlicher Kampher bis zum künstlichen Kautschuk, einer Erfindung des Professors Hoffmann bei den Elbex⸗ felder Farbwerken, führte der Redner in anschaulicher Weise aus. Er zeigte aber auch an verschiedenen Beispielen, d solche Entdeckungen von gewaltigen Schwierigkeiten begleitet waren. So kostete beispielsweise die Erfindung der Jabri⸗

kation des künstlichen Kautschuks zirka 1 Million Mark und in jedermanns Erinnerung wird noch das Schicksal der Kalle⸗ ler Trebertrocknungs⸗A.⸗G. sein, das den Sturz der Leizaiger Bank herbeiführte. Mit einem Verlust von 80 Milfionat Mark wurden damals die vergeblichen Versuche zu einet günstigen Versertung der Holzabfälle bezahlt.

Dann wandte sich der Redner der Zellulose zu, 15 nicht weniger Bedeutung in der Industrie erlangt hat. 10 ihr beruht die gesamte Papierfabrikation und wenn man erfäah 7 daß zwei Königsberger Zellulosefabriken Tag für Tag uuf Herstellung des Stoffes für Zeitungspapier allein den Fal: bestand von 12 Morgen Wald verarbeiten, so kann man ar bedenken, wieviel Schönheit unseres Vaterlandes oder derer Länder durch den Kulturfortschritt verbraucht för daß jedermann schon zum Frühstück über die Tags vorlfer stattgefundenen Schlachten am Balkan sich informieren kang! Weiter zeigte der Redner, wie sich dann aus der Zellulasę⸗ fabrikation das Zelluloid, das Kunstleder, das Kollodium, die Kunstseide und schließlich als neuester Triumph der Wissen⸗

Ischaft und Industrie, der Kunstseidetüll entwickelt hat.