Ausgabe 
30.7.1912
 
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in seine Höhlung, die Alveole.

jüngeren Steinzeit bis auf unsere Tage reicht.

Das merkwürdigste an ihr ist, außer ihrer Erscheinungs⸗

dauer und ihrer Verbreitung, die vollkommene Unveränder⸗

lichkeit ihrer Form; sie hat den Schneidezahn⸗ oder Meißel⸗ typ in ihrem wesentlichen, der Schneide zunächst liegenden Teil beibehalten durch alle Zeiten und über alle Länder hin.

Ihn bewahren in späteren Zeiten die durchbohrte Steinart, die vielen Formen der Kupfer-, Bronze und Eisenäxte; und selbst die modernste und beste aller Klingen, die amerikanische Axt, hat sich von ihm nicht frei machen können.

So einheitlich die Form der Axtklinge ist, so verschieden⸗

artig und mannigfaltig sind die Methoden der Menschheit,

sie wirksam, dauerhaft und fest mit dem Stiel oder, wie man

tsechnisch sagen muß, dem Helm zu verbinden.

Noch vollständig auf dem Prinzip des Eckzahns im Tier kiefer beruht die Befestigung, bei der die Stein-, Knochen⸗ oder Muschelklinge in den Siel eingefügt ist wie der Zahn Sie ist in tropischen und ge mäßigten Breiten weit verbreitet, besonders im Herzen von Südamerika, auch im Feuerland; auch findet sie sich in den Pfahlbaufunden der Schweiz. Der Neger befestigt selbst seine Eisenklinge noch heute in dieser Weise.

Vielleicht ist das Einklemmen

noch urwüchsiger der

Klinge in das zusammengebogene Heft; es wird heutzutage

noch von den Australiern, den Salomoniern und einzelnen Amerikanern geübt.

Hauptsächlich auf Süd⸗ und Mittelamerika beschränkt ist das Anschnüren der Klinge. Aber auch die Arktis, Nordasien und Nordamerika vollführen dieses Anschnüren.

Die elementaren Formen der metallosen Zeit sind mit diesen Methoden bereits erschöpft; die nächsthöhere der Stein- zeit ist dann bereits die durchbohrte Klinge, die von der

T Sie ist nur bestimmten Teilen der Erdoberfläche eigen.

Nahezu allgemein ist dagegen der hakenförmige Stiel, der Winkelhelm. Er ist entweder ein natürlicher Ast oder ein zusammengesetztes Kunstprodukt, bei dem sich über oder durch das Helmende ein Zwischenstück als Holz, Hirschhorn, Knochen und dergleichen schiebt. Hier wird die Klinge in das Zwischenstück eingeklemmt und eingewickelt, oder eben falls angebunden. Besonders in den Pfahlbauten der Schweiz und in Melanesien gibt es zahlreiche hierhergehörige

Varianten.

Die Metallaxt ist kein Kulturelement mehr; im übrigen wiederholt auch sie mit wenigen Ausnahmen die Befestigungs weisen der Stein⸗ und der Muschelaxt. In Afrika ist die Klinge der Axt in den gradlinigen Schaft eingelassen; in Amerika und Altägypten ist sie angebunden; unsere Stahl⸗ axt endlich ist die direkte Fortbildung der durchbohrten Stein axt. Nur der bronzezeitliche Kelt nimmt einen etwas an deren Verlauf. Kelt ist die Bezeichnung, die der branden burgische Gelehrte Beger 1696 für alle metallischen Spalt⸗ klingen überhaupt vorschlug. Durch Uebereinkunft der deut schen Prähistoriker ist der Ausdruck neuerdings wieder durch

das Wort Art ersetzt worden, findet gleichwohl aber noch häufig Verwendung. Der früh und allgemein erkannten Nützlichkeit der

Steinaxt entspricht ihre ebenso allgemeine Würdigung durch dalle Lande. In Babylon, Assur und Aegypten, desgleichen fin Schweden sind, wie die Malereien und Felszeichnungen berichten, Steinäxte noch bis tief in die Metallzeit gebraucht worden. Sie werden im Hildebran⸗Liede geschwungen, und moch im 13. Jahrhundert lassen die Schotten diese Waffe wirkungsvoll auf die Köpfe der Engländer herniedersausen. Kupfer und Bronze waren in jenen Zeiten eben noch zu teuer, als daß man zum Einzelgerät so viel des kostbaren Materials hätte verwenden können, wie für das Zertrüm⸗ mern des feindlichen Schildes nötig war. Erst das Eisen⸗ alter mit seiner Möglichkeit der Materialverschwendung Hringt der Metallaxt die Allgemeinverwendung; zugleich Zuch die Befestigung mittels des beim Schmieden ausge⸗ sparten Loches. ̃

Aus einer Künstlerwerkstätte vor 20 000 Jahren.

Das Becken der Dordogne, das durch seine außerordentliche Fülle von prähistorischen Funden Frankreich bereits so manchen kostbaren Schatz beschert hat, ist auch der Fundort für zwei einzig⸗ artige urgeschichtliche Denkmäler. Es sind zwei Bas-Reliefs, die eine männliche und eine weibliche Gestalt darstellen. Bisher waren hauptsächlich Zeichnungen bekannt geworden, die auf dem Felsen oder an Höhlenwänden von einer bedeutenden Kunstfertigkeit der Urmenschen erzählten. Nun aber besitzen wir zwei plastische mensch⸗ liche Darstellungen, die uns das Bild dieser frühen Vorfahren ver⸗ gegenwärtigen und einen Einblick gewähren in die Kunstübung des Urmenschen. In der Zeitschrift Anthropologie werden die ersten Photographien dieser denkwürdigen Entdeckung veröffentlicht, und der glückliche Entdecker, der Archäologe Dr. Lalanne, erläutert sach kundig die Bedeutung der seltsamen Bildwerke. Die Funde wurden mit mehreren anderen auf dem Gebiet von Laussel an der Dordogne gemacht; sie fanden sich, aus dem Felsen herausgehauen, in einer Schicht der Aurignac-Epoche, der ältesten jungpaläolithischen Kultur, in der ja auch schon früher Zeugnisse bildkünstlerischer Tätigkeit, aber nur kleine Rundfiguren aus Elfenbein oder Stein, nicht so verhältnismäßig große Reliefs, ans Licht getreten waren.

Nach den mäßigsten Schätzungen der Prähistoriker müssen die Skulpturen ein Alter von 15 000 bis 20 000 Jahren haben, gewiß ein erstaunliches Alter, wenn man bedenkt, daß die ältesten ägyp⸗ tischen Statuen nicht mehr als 4000 bis 5000 Jahre zurückreichen

und die berühmten Metopen von Selinunt, die am Anfang der griechischen Plastik stehen, etwa 1000 Jahre vor der christlichen

Zeitrechnung geschaffen wurden. Zwar sind die Umrisse nur in großen Zügen und mit einer gewissen Roheit aus dem Stein herausgehoben, aber es sind augenscheinlich genau beobachtete und naturgetreue Bildnisse dieser uralten Vorfahren, und sie zeigen den Menschen der Steinzeit viel ähnlicher dem heutigen Typus, als man wohl geglaubt hatte.

Das eine Basrelief stellt eine nackte Frau dar, die in der rechten Hand ein Bisonhorn hält. Die Figur ist aus einem Kalk⸗ steinblock herausgehauen, in einer Reliefhöhe von etwa zwei Zen timeter und einer Gesamtgröße der Figur von 46 Zentimeter. Mit Ausnahme des Kopfes ist der ganze Körper poliert; man bemerkt an gewissen Stellen Spuren einer roten Bemalung. Nicht weit davon hat der Steinzeitkünstler einen Mann in Dreiviertelprofil dargestellt, in der Haltung eines Bogenschützen, der zum Schusse bereit ist. Der Oberteil des Kopfes und die unteren Gliedmaßen fehlen; die Größe beträgt 40 Zentimeter. Die Körperformen der Frau erinnern deutlich an das Aussehen noch heute existierender primitiver Stämme, besonders der afrikanischen Buschmänner.

Da man überhaupt nur wenige prähistorische Darstellungen des Menschen besitzt, etwa zehn Statuetten, nicht größer als 7 oder 8 Zentimeter, zum großen Teil beschädigt, und nicht mehr als 5 oder 6 Zeichnungen, die wahrscheinlich einer jüngeren Zeit angehören, so ist die Bedeutung der neuen Funde schon an und für sich außer⸗ ordentlich. Aber nicht minder wichtig ist die immerhin schon ent⸗ wickelte Technik, mit der diefe Figuren aus dem Stein herausgelöst sind. Die Art der Arbeit läßt sich erkennen, da mit den Skulpturen zusammen eine große Anzahl von Werkzeugen gefunden wurde, die bei der Kunstübung verwendet worden waren. Wir tun hier einen Blick in eine Künstlerwerkstatt vor 20000 Jahren und müssen die Geschicklichkeit bewundern, mit der dieser Mensch der Urzeit eine so wenig nachgiebige Materie wie den Flintstein so mannigfach zu formen und sein Werkzeug so wohl seiner Hand anzupassen wußte. Es besteht eine merkwürdige Aehnlichkeit zwischen dem Handwerks⸗ zeug des heutigen Bildhauers und dem seines primitiven Ahnherrn. Da finden sich zuerst Instrumente, die bestimmt sind, im Groben⸗ aus dem Stein herauszuarbeiten. Das sind Hacken, hammerartige Werkzeuge, Aexte, Sägen und Steinhobel. Alle diese Werkzeuge waren der Hand vollkommen angepaßt, und wir dürfen daraus den Schluß ziehen, daß unser Künstler ein Rechtshänder war. Sehr zahlreich sind die Stichel vertreten, kleine und große, einfache und doppelte, dicke und dünne. Die Stichel haben treffliche Steinklingen mit seingemuschelten Oberflächen. Sehr reich vertreten sind auch die Hohlschaber, von denen ja die jüngere Steinzeit bereits über die verschiedensten Formen verfügte. Aber der Künstler begnügte sich nicht damit, seine Werke aus dem Stein herauszuhauen und zu sticheln, sondern er verlieh ihnen auch Farbenpracht durch eine mit Ocker und Mangan ausgeführte Bemalung. Den Farbstoff zer⸗ drückte er auf einer Schieferplatte, und Lalanne hat eine solche auf⸗ gefunden von 27 Zentimeter Länge und 15 Zentimeter Breite in oblonger Form, die noch ganz und gar mit einem roten Farbstoff bedeckt war. So tritt das Atelier eines Urmenschen, sein Hand⸗ werkszeug und die Art seines Schaffens in anschaulichster Form vor unsere Augen, und wir können unsere Bewunderung der Geduld und Geschicklichkeit des Künstlers nicht versagen, der vor 20 000 Jahren die beiden Menschendarstellungen an der Felswand von Laussel schuf.