lungen für gerechte und reelle Reformen einträten, Spott und Hohn ernteten. Er fährt fort:
„Ich habe nie von Sozialisten so übel nungen auf Christen anwenden hören, Tennessee sie gegen Sozi ö gebraucht, e zialisten, die in Europa geboren sind und dort nur eine anmaßende yrannische Staatskirche kennen gelernt ,Hoft ein sehr strenges Urteil über die christliche Kirche fällen. Ich erkläre im Namen mancher So⸗ zialisten, daß der Sozialismus mich geduldiger und liebe: voller macht, als ich sein würde, w glaubte, der Weg Gottes, die Menschheit besser und rker zu machen, bestehe darin, einigen Individuen ungeheure Reichtümer zu geben damit sie mittels ihrer Wohltaten üben, Universitäten, Wohl- tätigkeitsanstalten und Kirchen unterstützen könnten. Ich weiß, daß die Kapitalisten nicht ihre eigenen Herren sind. daß sie nur Glieder eines unbarmherzigen Wirtschaftssystems sind, das durch die Konkurrenz die Menschen wider Willen egoistisch macht alle Gedanken und alle Zeit für den Kampf um den Erfolg in Anspruch nimmt. Wir ehren die Edel⸗ gesinnten, die sich über den schmutzigen Egoismus ihrer Um- gebung erheben. Aber wir fühlen, daß die menschliche Gesell- schaft erst dann dem göttlichen Willen gemäß organisiert sein wird, wenn die Gerechtig keit anstelle der Woh L* tätigkeit getreten ist, wenn die genossenschaftliche Ge— meinschaft die Herrschaft der freien Konkurrenz ersetzt hat.“
Geschichte der Revolutionen.
(Vom nieberländischen Aufstand bis zum Vorabend der sranzösischen Revolution.) Von A. Conrady.“
Diese Geschichte der Revolutsonen bildet die neue Erweiterung der vom Vorwärtsverlag herausgegebenen populär⸗wissenschaftlichen Kollektlon„Kulturbilder“. Ueber die Notwendigkeit und Zweck— mäßigkeit, die Literatur der Sozialdemokratie durch eine groß⸗ zügige, einheitliche Geschichte der Revolutionen zu bereichern, kann kein Zweifel bestehen. Der Autor sagt darüber in der Vor⸗ bemerkung zu seinem Werke:„Die amtlich approbierte Geschichts⸗ lehre der deutschen Gegenwart ist den Revolutionen abhold und möchten die großen weltgeschichtlichen Umwälzungen der Neuzeit als unheilvolle Störungen des naturgemäßen Verlaufs der Dinge hinstellen, als gewaltsame Unterbrechungen der schrittweisen Ent⸗ wicklung, die im Grunde nur Schaden gestiftet hätten. In zahl⸗ reichen deutschen Geschichtswerken kann man... diese revolutions⸗ feindliche Tendenz konstatteren, die denn ebenso gut auf Kathedern von niedern, höhern und hohen Schulen sich geltend macht.“ Es wird dann noch festgestellt, daß diese Tendenz mit schärfster Deut lichkeit bei den Leitsätzen zutage tritt, die nach dem Willen der preußischen Regierung der historischen Unterweisung der Jugend zugrunde gelegt sind g
Es ist ohne weiteres klar, daß die Geschichtsschreibung der herrschenden Klasse, in deren Schoße sich selbst die soziale Revolution vorbereitet, den Vorgängerinnen dieser Revolution nicht gerecht werden kann. Es ist aber ebenso natürlich, daß bei der aufstrebenden Klasse, die als Erbin der Revolution der Zukunft in Betracht kommt, sich ein instinktives Interesse, eine gewissermaßen persönliche Anteil nahme an den großen Umwälzungen der Weltgeschichte geltend macht Die historische Aufgabe, die dem Sozialismus zugefallen, hat denn auch den sozialtstischen Geschichtstheoretikern den Blick geschärst für die Beweggründe, die bei den weltgeschichtlichen Umwälzungen, wie bei dem histortschen Geschehen überhaupt am Werke sind. Diese Fähigkeit des historischen Betrachtens, die mit dem sozialistischen Denken untrennbar verbunden ist, tritt in der vorliegenden Arbeit A. Conradys klar zutage. Mit sicherer Hand ist der wirtschaftliche Untergrund bloßgelegt, auf dem sich die gewaltigen revolutionären Geschebnisse des 16., 17. und 18. Jahrhunderts in den Niederlanden und in England vollzogen. In logischer Verbindung zeigen sich dem geistigen Auge die ökonomischen und politischen Fäden, die von diesen wirtschaftlich fortgeschrittenen Ländern aus die Entwicklung in andern Ländern beeinflußten. Den Wirkungen der großen Er⸗ indungen und Entdeckungen ist der Autor bis zu ihren letzten und seinsten Aeuße rungen gefolgt. Mit zwingender Folgerichtigkeit sind Überall die materiellen Ursachen des geschichtlichen Geschehens auf⸗ gezeigt. Wir sehen die natlürlichen Ursachen der schließlichen Ueber⸗ legenheit der Niederlande über ihre spanischen Gewalthaber, wir erkennen, daß die spätern, scheinbar, unerklärlichen Zerwlürfnisse awischen den führenden niederländischen Städten Amsterdam und Antwerpen ihren Grund in der veränderten Wirtschastslage haben. Das Verhält dieser beiden Schwesterstädte zueinander ist geradezu ein Schulbeisplel, wie Beweggrun materialistischer Art Über ethische, moralische und ds nattonale Prinzip zur Tages- ordnung übergehen zurlickeroberung von Antwerpen durch
e 2 Bände, 97 Bogen. 416 Jüustrattonen. Berlin. Buchhandlung Vorwärts.(Daus Weber, Berliu.)
die Generalstaaten wird von den volksgenössischen“ Pfessersäcken Amsterdams hintertrieben, weil man don dem Wiederaufleben der günstiger gelegenen Scheldestadt einen Ausfall für den eignen Geld⸗ fark fürchtet. Die„patriotischen“ Kapitalisten lassen den eignen General ohne Mittel und unterstüsen den Feind: 100 000 Pfund Pulver stisten sie, um dle Zurückeroberung der gefährlichen Kon⸗ kurrentin aus Feindeshänden zu verhindern. und der Gott der Schlachten ist deshalb auch mit dem Feinde— zur großen Befriedig⸗ ung der Amsterdamer Musterpatrioten. 5
Auch jenseits der Kanals haben sich inzwischen dle ökonomischen Norbedingungen für die Entfaltung gewaltiger Handelstätigkeit entwickelt. Hindernisse bereitet nut noch die royalistisch-feudale Verfassung Altenglands. Die besitzende Klasse entwickelt eine sieber⸗ hafte Wirksamkeit, dieses Hindernis, das sich seinem wirtschaftlichen Aufstleg entgegenstemmt, fortzuräumen. Imponierende revo⸗ lutionäre Tatkraft entfaltet dieses Bürgertum, König, Feudaladel und die mit ihnen verbündete Bischofskirche werden schließlich nieder⸗ gezwungen, und mit dem Kopfe des„angestammten Herrschers“ Karls I. am 30. Januar 1649 ist schließlich der Sieg der Bourgeoiste vollständig. Auf der andern Seite verwehrt aber dieselbe Klasse den proletarischen Mitkämpfern jede Anteilnahme an den Errungen⸗ schasten der Revolution; die Zehnten und Akzisen drlicken nach wie vor das Volk, mit aller Energie wendet sich die Kapitalistenklasse gegen die Besteuerung ihrer Riesengewinne, die Not des Volkes bleibt bestehen, Bestrafungen von Arbeitgebern wegen Ueber⸗ schreitung der Maximallöhne erfolgen, indes der„Natlonalreich⸗ tum“(lies: das Vermögen der Bourgeobisie! um Milliarden und Abermilliarden steigt. Die ehemaligen Revolutionäre und Königs- richter verleugnen aber nicht nur dem Proletariat der eignen Natlon gegenüber ihre Vergangenheit, sie gehen über Land und Meer und beuten die Völker aus; in Indien verbündet man sich mit den eingeborenen Volksbedrückern zu gemeinsamer Ausraubung der Indier, und dem jungen, aufstrebenden Amerika, das die Söhne englischer Emigranten aus der Karolinischen Revolutionszeit zur Bllite bringen, se man den Fuß solange auf den Nacken, bis diese endliche vermöge ihrer wirtschaftlichen Entwicklung in der Lage sind, das Joch der geliebten Stammverwandten mit der Waffe in der Hand abzuschütteln. Ein ganz spezielles Interesse gewinnen diese Kämpfe für den Deutschen noch durch den Anteil der deutschen Söldnerscharen, die von ihren angestammten Landesvätern gegen schweres Geld an England verkauft und in Amerika am Werke sind, den Bürgerkrieg für die englischen Kapitalisten niederknüppeln zu helfen. Aber nach dem endgültigen Siege der Amerikaner und nach der Unabhängigkeitserklärung vom J. Juli 1776 wiederholt sich in ewigem Kreislauf das alte Spiel der modernen bürgerlichen Nevo⸗ lution: die besitzlose Klasse wird für ihre wertvollen Dienste schlecht gelohnt, die Kapitalistenklasse läßt den Siegespreis in ihren weiten Taschen verschwinden. Im Muttexlande England schafft die Spinn⸗ maschine indessen neben andern Werten neue revolutionsre Ideen⸗ werte, deren Münzung einer spätern Zeit vorbehalten bleibt.
So ist der riesige Stoff mit seinem Geffhle für das Wesentliche gesichtet, in das schier mentwirrbare Spiel anscheinend wider- spruchsvoller Geschehnisse, in dem die bürgerlichen Geschichtsschreiber dieser lebensvollen, interessanten Epoche den Leser sich selbst füüber⸗ lassen, bringt in dem vorliegenden A erke ein ordnender Gedanke Gliederung und Sustem. Die Fülle der Geschichte wurde zu einer logischen Einheit, die trotz der Ausdehnung des geschichtlichen und geographischen Gebietes geistig zu umfassen ist.
Eine wertvolle Beigabe sind die zahlreichen Allustrationen. Sie geben den Ausführungen des Geschichtsschreibers ein kultur- blstorisches Relief von großem ästhetischen Werte und von un⸗ gemeiner Lebendigkeit und Ursprünglichkeit Der Gedanke, Geschichts⸗ werke mit guten Reproduktionen von Kunstwerken der behandelten Zeit zu illustrieren, muß als glücklich bezeichnet werden, ganz be⸗ sonders dann, wenn zwischen dem Stoff so enge Beziehungen be⸗ stehen, wie es bei den Illustrationen dieser Geschichte der Fall ist. So sind hler die Reproduktionen der zeitgenössischen Holzschnitte dem Leser in ganz vorzüglicher Weise bei seinen Bemühungen behilflich, sich in den Geist der behandelten Zeit hineinzufühlen und ihren Kulturstand zu erfassen. Das gilt z. B. von den auspruchslosen
N 5 Weise, wie von den prächtigen Proben der Arbeiten des großen englischen Sittenschilderers mit dem Zeichenstift, William HDogarth. Wir haben es in dieser Ge⸗— schichte der Revolutionen mit einer in allen ihren Teilen verdienst⸗ vollen Arbeit zu tun, die sich hoffentlich neue zahlresche Freunde erwerben wird
Weltalter.“)
Es ist ein alter Glaube auf Erden, daß dem gegenwärtigen Zeitalter elne Reihe anderer vorhergegangen sel, in denen Himmel und Erde, Menschen und Tiere, Sitten, Gebräuche und Lebensbedingungen von ganz anderer Art waren als heutzutage. Am bekanntesten ist wohl der altgriechische Mythus vom goldenen, slbernen, kupfernen und elsernen Zeitalter, dessen gläuzendste
—) Diesen Aufsatz entnehmen wir mit Erlaubnis des Verlags dem im Erscheinen begriffenen, groß angelegten Werke: Dr. B.
zindemann, Die Erde. Eine allgemeinverständliche Geologie. Band 1: Geologische Kräfte. In 8—10 Lieserungen zu je 80 1515 dl.
Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde(Frauckhsche Verlags har Stuttgart.
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