Ausgabe 
25.6.1912
 
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94 Schon Voltaire hat sich beklagt, daß nur wenige lesen und unter diesen obendrein die Mehrzahl schlecht liest.

Etwas über die Kunst des Lesens.

1 Von Emile Faguet.

Ein Buch zweimal zu lesen, dazu hätten die Leute in Paris über⸗ haupt beine Zeit! Lesen ist eine Kunst. Aber worin besteht diese Kunst? Darauf zu antworten verwirrt uns ein wenig.

Eine Kunst erklärt sich je nach dem Ziele, die sie sich setzt; wir haben uns zweifellos zu fragen, warum wir lesen. Wollen wir uns belehren oder wollen wir Arbeiten beurteilen? Wenn wir uns belehren wollen, so müssen wir sehr langsam lesen, mit der Feder in der Hand, um uns alles anzumerken, was das Buch uns lehrt, was es Unbekanntes für uns enthält; dann müssen wir das Buch sehr langsam wieder lesen. Dies ist eine sehr ernste, sehr gewichtige Arbeit, worin kein Ver gnügen enthalten ist, wenn nicht das, sich von Augenblick zu Augenblick unterrichteter zu fühlen.

Langsam lesen ist die Grundregel, die auf jede Lektüre

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leider haben wenige die Zeit dazu.

ihre Anwendung findet. Denn nicht das Lesen an sich und ebensowenig das Lesen von allem Beliebigen kann zur Bildung verhelfen. 1 Man wird einwenden, daß es Unmassen von Büchern gibt, die nicht wert sind, langsam gelesen zu werden; darauf ist nur zu antworten, solche Büchern sollte man überhaupt nicht lesen. 5 Lesen ist angenehm wieder lesen noch angenehmer; Es gibt viele Gründe Ich wähle aus der Menge drei

zum wiederholten Lesen. Beispiele.

Man liest wieder, um besser zu verstehen. Es gibt kaum einen Dichter, der klarer schriebe als La Fontaine oder La Brügre. Und doch kann es vorkommen, daß man beim zwanzigstenmal Lesen Stellen findet, die man nicht so ver anden hat, wie sie aufgefaßt sein sollten. Das Vergnügen, Hesser zu verstehen, versetzt den Geist in ein gewisses Feuer, bringt ihn in Hitze und erregt die Einbildungskraft.

Wenn man ein Buch zum zweitenmal liest, so geschieht es auch, um sich an dem Stil und den Einzelheiten der Dar⸗ tellung zu erfreuen.

Wiederholtes Lesen lehrt die Kunst, zu lesen; es ist die dun zu denken mit ein wenig Hilfe. Die gleiche Regel gilt duch für das Denken; man muß langsam denken, mit Bedacht⸗ samkeit, ohne große Gedankensprünge, und dem Autor ohne Unterlaß Einwände machen. Indessen muß man sich zuerst dem Fluge seiner Gedanken hingeben und sie erst nach einer bewissen Zeit prüfen, sonst kommt man in Gesahr, gar nicht

ehr zu denken. Man muß ein vorläufiges Vertrauen zum Gerfasser haben und die Einwände erst machen, nachdem man scher ist, richtig verstanden zu haben; nachher aber auch alle machen, die uns in den Sinn kommen, und prüfen, was er larauf antworten könnte.

Denn Lesen heißt mit einem anderen denken. Den Ge⸗ buen eines anderen und den eigenen denken, der mit dem beinen übereinstimmt oder ihm entgegengesetzt ist, mit dem er ins beeinflussen will..

Man sagt, daß man aus dem schlechtesten Buche etwas Fützliches herausziehen kann, folglich ist jedes Buch ein direund und Wohltäter. Jeder suche rechtzeitig den intimen verkehr mit ihnen, denn die Bücher sind unsere letzten kreunde, die uns nicht betrügen und uns keine Vorwürfe machen, daß wir altern.

c Es ist sicherlich wahr, daß das Lesen zur Leidenschaft zu erden vermag, zum Uebermaß betrieben schädliche Wirkungen hat, den Menschen derart einnimmt, daß es ihn am Handeln mdert. Aber mit einer gewissen Vorsicht gehandhabt, ist N e ein Mittel des erprobtesten Glückes. Das Lesen führt zum Mück, weil es zur Weisheit führt, und es führt zur Weisheit, zeil es von dorther kommt und natürlicherweise dahin leitet. Sollen alltägliche Menschen, die nicht den Anspruch er⸗

lesen? Solche, die man nicht gleich auf den ersten Blick hin begreift? Ich sage: ja; sie sollen es versuchen. Es gilt, eine gewisse geistige Trägheit zu überwinden, die zu besiegen sehr wünschenswert ist. Gegen große Schwierigkeiten ankämpfen, Hindernisse überwinden, trägt dazu bei, den Geist lebendig zu machen und der Trägheit die Macht zu verwehren, ihn auf einen tiefen Stand herabzudrücken.

Die Gedanken, die man beim ersten Lesen sozusagen gleich ganz auszuschöpfen vermag, sind sicherlich Gemeinplätze. Aber es ist andererseits auch wieder sehr wünschenswert, daß tiefe, originelle Gedanken gleich zugänglich und faßbar scheinen, um sie einer näheren, längeren Prüfung für würdig zu halten, und diese geradezu herausfordern.

Ich kannte einen Greis namens Galeése; er ist mir zum allgemeinen Stelldichein im Jenseits vorangegangen.

Er war Notar in der Provinz. Als er fünfzig wurde, verkaufte er seine Kanzlei und zog sich zurück, aber nicht an den Lauf eines Flusses, um Blumen zu ziehen, sondern nach Paris in die Nationalbibliothek. Er verbrachte dort täglich je nach der Jahreszeit sechs bis acht Stunden.

Zwei Gründe hatten ihn nach Paris gezogen; erstens: weil das geistige und künstlerische Leben dort sehr billig ist und weil man zu nichts gezwungen wird, es daher die Stadt der Armen und Stillen sei, wie er sich ausdrückte.

Ich beglückwünschte ihn zu seinem Entschluß und empfahl ihm, in der Bibliothek keine Bekanntschaften anzuknüpfen. Es gibt in der Nationalbibliothek eine Unmasse liebenswürdiger Planderer, die die Lektüre nicht zu lieben scheinen, die ein⸗ ander ablösen, um andere bei der Arbeit zu stören und zu ver⸗ hindern, von dem eben geöffneten Buche Kenntnis zu nehmen. Er sagte mir, er habe seine Methode: sobald einer von jenen, für die der Lesesaal Konversationszimmer ist, sich mit den Ellbogen an seinen Fauteuil aufstützt, schläft er sofort ein. Da dies in einem Lesesaal oder bei öffentlichen Vorträgen zu den althergebrachten Gewohnheiten gehört, keinen beleidigen kann und auch nicht entschuldigt zu werden braucht.

Da er kein großer Schulgelehrter war, hatte er folgendes Verfahren angewendet, um ohne allzu große Mühe dazu zu gelangen, die Schriftsteller aus den ältesten Zeiten der französischen Sprache zu lesen. Erst las er die modernen Schriftsteller, allmählich kam er zu den Autoren des neun⸗ zehnten Jahrhunderts, des achtzehnten und so fort. Er ge wöhnte sich auf diese Weise fast unmerklich an die altertüm⸗ liche Sprache, durch langsame Uebergänge, und machte sich, trotzdem rückwärts gehend, eine sehr klare Vorstellung von dem Zusammenhang unserer Zivilisation. Dieser Greis Galése ist in seiner Art fleißig, beharrlich und weise. Statt Blumen zu pflücken, pflückte er mit Zartsinn die schönsten Gedanken, die herrlichsten Beschreibungen, die prächtigsten Zwiegespräche, die der menschliche Geist je hervorgebracht hat.

Im Lateinischen heißt legere lesen und auch pflücken. Wie reizend ist doch die lateinische Sprache!

DeutscheLandesväter des 16. Jahrhunderts. Von Prof. Dr. G. Stein hausen.

Die Fürsten dieser Zeit weisen wenig moderne Züge auf. Der Typus des gewandten Politikers war nicht häufiger als im 15. Jahrhundert, wo ihn schon Albrecht Achilles vertritt. Höhere oder feinere geistige Interessen traten selten hervor, etwa bei Moritz von Hessen, und dann in der Regel als gelehrte, vor allem aber als theologische Interessen, wie denn auch die fürstliche Erziehung durch⸗ aus fromm und fast theologisch war. Eine gewisse lateinische Bildung wurde auch erstrebt, dem humanistischen Charakter der Schulen entsprechend. Von der feinen Renaissancebildung ber ita⸗ lienischen Höfe ist man aber weit entfernt; von einer inneren An⸗ teilnahme an Kunst und Literatur ist selten die Rede. Man er⸗ kannte gnädig ein kaum verstandenes lateinisches Karmen, das de⸗ diziert wurde, an; man liebte Musik und Gesang; man ließ sich malen und hing die Porträts in die Schlösser oder schenkte sie an⸗ deren Fürsten; aber man besaß keinen Geschmack und blieb haus⸗ backen. Wie die Romanen über die rückständigen deutschen Fürsten die Nase rümpften, so fühlten sich auch diese selbst jenen gegen⸗

* Aus dessen soeben erschienenem interessantem Buche: Kultur⸗ geschichte der Deutschen in der Neuzeit. 160 Seiten.(Sammlung Wissenschaft und Bildung.) In Originalleinenband 1,25 Mk. Ver⸗

ben, sich zu bilden. jollen diese schwer verständliche Bücher

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laa von Quelle& Meyer in Leipzig.