Ausgabe 
24.9.1912
 
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wöchentliche Beilage der Oberhessischen PDolkszeitung

Nummer 25

Diensfag, den 24. September 1912

1. Jahrgang

Timon von Athen oder die Macht des Geldes.

Von Franz Laufkötter in Hambrg.

(Nachdruck verboten.) *

Es ist eine seltsame Geschichte, die uns der alte griechische Dichter Lucian erzählt von jenem Athener Timon, der als reicher Mann wie als armer Schlucker eine gleich originelle Rolle gespielt hat.Eine Tragikomödie des Reichtums hat man diese bittere Satyre gegen die kapitalistische Moral ge nannt, und deutlich macht sich beim Durchlesen der Dichtung die Empfindung bemerkbar, als ob der Stoff heute, nach fast zweitausend Jahren, noch nichts von seiner Aktualität(von seinem augenblicklichen Interesse) eingebüßt habe. Der Satz, daß ein Mensch, der Geld hat, ein feiner Mann ist, und daß ein Mensch ohne Geld als Lump betrachtet wird, gilt in der modernen kapitalistischen Gesellschaft noch ebensogut wie im Zeitalter des untergehenden Altertums. Wohl tun sich die Vertreter des Christentums viel darauf zugute, daß nach christlicher Auffassung der Wert des Menschen nicht in äußeren Gütern zu suchen sei, sondern in seinem Innern, daß man also einen Menschen nicht danach beurteilen dürfe, was er habe, sondern danach, was er leiste, aber wo finden wir diese Beurteilung im wirklichen Leben und in der kapi⸗ talistischen Praxis? Allerdings rühmt sich das Christentum, s habe die Arbeit zu Ehren gebracht und dem Nichtstun den Stempel der Schande aufgedrückt, aber wer glaubt noch an diese Redensart? Heute wie damals wird der Mann im Arbeitskittel, der der Gesellschaft die wichtigsten Dienste leistet, von den Angehörigen der Mittel- und Oberschichten verachtet und über die Achsel angesehen, während der reiche Nichtstuer, der als menschliche Drohne ein Schlemmerleben führt, mit Ehren und Würden überhäuft wird. Man denke nur um ein paar bekannte Beispiele der letzten Jahre heranzuziehen an die Ehrenbezeugungen, die im Auftrage des deutschen Kaisers dem amerikanischen Milliardär Vanderbalt, einem 32jährigen jungen Menschen, zuteil wur⸗ den, als er mit seiner Lustjacht an der deutschen Küste an⸗ legte, oder an den ehrenvollen Nachruf, der dem Kanonen⸗ könig Krupp ins Grab nachhallte, desselben Krupp, der als Wohltäter seiner Arbeiter gepriesen wurde, während in Wirklichkeit seine Arbeiter ihm die Millionen gehäuft haben, ohne daß er selbst den Finger naß zu machen brauchte. Es läßt sich also wohl nicht bestreiten, daß das Christentum trotz aller hochtrabenden Phrasen an der moralischen Bewertung des Reichtums und der Armut nicht das geringste geändert hat. Der altgriechische Dichter Theognis richtet an Plutos, den Gott des Reichtums, folgende Worte:Nicht umsonst verehren Dich die Menschen am meisten, o Plutos, denn Du erträgst auch die gemeine Kennaung deckst sie mit dem Mantel der Liebe zu; mit Dir, Du begehrtester aller Götter, wird auch der gemeinste Kerl ein edler Mann. Nur das Geld ehren sie und seinetwegen freit der Adlige die Tochter des Geldmannes und der reiche M ann bewirbt sich um die Tochter des Adligen. Edelleute verschmähen es nicht, die Tochter eines gemeinen Mannes zur Gattin zu erheben, wenn sie nur einen Sack voll Geld mitbringt. Wenn wir ehrlich sein wollen, so müssen wir sagen, daß diese Worte auch noch heute zutreffend sind.

i Die Bedeutung des Geldes für die soziale Wertung eines Menschen schildert uns nun Lucian in unübertrefflicher Weise in einer dramatischen Skizze, die uns die Lebensschick⸗

sale des Atheners Timon drastisch und plastisch vor Augen führt. Der Spötter und Satyrenschreiber Lucian, den man den Heinrich Heine des Altertums genannt hat, wurde um das Jahr 130 nach Christi Geburt zu Samosata in Thrakien geboren, lebte aber meistens in Athen, wo seine zahlreichen Schriften entstanden sind. In seinen berühmtenGötter gesprächen läßt er die heidnischen Götter gewissermaßen in Schlafrock und Pantoffeln auftreten und sich gegenseitig Possen spielen. SeinTimon von Athen ist ein wahres Meisterstück voll beißendem Witz und schlagfertiger Ironie: der Stoff ist später von verschiedenen Dichtern, u. a. auch von Shakespeare, behandelt worden...

Der schwerreiche Athenische Bürger Timon führt ein großes Haus und hält für alle seine Freunde offene Tafel; wie Schmeißfliegen umschwärmen ihn die 5 und in schamloser Frechheit mißbrauchen sie 5 5 Gutmütigkeit. Da wird er durch einen unglücklichen Zufall über Nacht ein armer Mann und nun meiden ihn seine früheren Freunde wie einen Aussätzigen. Gekränkt und verärgert verläßt er seine Vaterstadt und begibt fich aufs Land, wo er am Fuße des Hymettosgebirges in ärmlicher Kleidung und für er bärmliches Geld die Erde umgräbt. Bei dieser ungen 880 Arbeit stellt er philosophische Betrachtungen an über den Wechsel des menschlichen Schicksals und er schleudert Ver⸗ wünschungen empor zu dem Göttervater Zeus, der hinter den Wolken thront.Wie ist mir mitgespielt worden, schimpft er,mir, der ich so vielen Athenern half, so manchen armen Schlucker zum reichen Manne machte, allen, die meiner Hülfe bedurften, unter die Arme griff, ja, wie ich wohl sagen darf, meinen unermeßlichen Reichtum bloß durch die Leidenschaft, meinen Freunden Gutes zu tun, verschleu⸗ dert habe. Seitdem ich infolge meiner Gutmütigkeit arm geworden bin, will mich niemand mehr kennen, und dieselben Leute, die einst aus Ehrfurcht die Augen vor mir nieder schlugen, die sich beinahe vor mir auf die Erde legten und jedem meiner Winke folgten, dieselben Leute 3 mich keines Blickes mehr. Begegnen sie mir zufällig auf der Straße, so gehen sie an mir vorbei, als ob sie mich nicht kennten, ja manche machen einen Umweg, wenn sie mich von ferne sehen, N N Mann, den sie noch vor kurzem ihren Wohltäter und B eschützer nannten. In hohnvollen Worten fordert er den 1 Zeus auf, mit seinen Donnerkeilen zwischen das Gesindel zu fahren und dem Frevel ein Ende zu machen.Aber die Götter halten es ja selbst mit den die Geld haben, so fährt er fort.Als ich reich war, und Euch wert tolle Opfer brachte, waret 75 mir freundlich gesinnt, jetzt aber, 4 ich arm geworden bin, küm⸗ mert sich kein Gott und kein 9 um m

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