Ausgabe 
24.4.1912
 
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bas schräg einfallende Oberlicht hinein, strömt der Glutschein in ganzer Macht, und in der tausendstrahlig zerschlissenen Lichtmasse entwickelt sich ein großartig goldiges Gespinst aus Fäden von Rot und Geld und duftigem Blau. Die Wirkung dieser Lichtvorgänge unten und oben ist mächtig: der Raum dehnt sich empor, erfüllt von unermeßlicher Bewegung.

An diesem Bilde wird so recht offenbar, welch eigenartig neuen Reichtum die Innenwelt der großen Industriewerke für den künst⸗ lerischen Geist birgt. Märchenwunder der höchsten Kraft und Herr lichkeit harren in diesen Schatzkammern auf Erlösung. frd.

8 5 Helden der Autarktis.

Der Südpol ist in den letzten Jahren zum Mittelpunkt des größten geographischen Interesses geworden; durch Shackletons Tat war die Möglichkeit einer Erreichung des Ziels nahegerückt, und so begann denn ein wahresRennen nach der Autarktis, an dem sich hauptsächlich Amundsen, der eigentlich zunächst eine Expedition nach der Nordpolarregion geplant hatte, Kapitän Scott, Oberleut nant Filchner, der Franzose Charcot beteiligten; andere Expedi tionen, so von Mawson und von Bruce, standen bevor. Sie alle aber, unter denen sich nun der glückliche Sieger zu befinden scheint, standen auf ben Schultern ihrer Vorgänger, und der stolze Er oberer des Südpols wird dankbar jenerHelden der Antarktis ge denken müssen, die länger als ein Jahrhundert hindurch für das Gelingen des großen Unternehmens Gut und Leben eingesetzt haben. Bis tief in das 18. Jahrhundert hinein spukten auch in den Köpfen der Gelehrten die seltsamsten Phantasien fiber die geheimnisvolle Südpolarzone. Seit Ptolemäus die Vermutung von dem Vor⸗ handensein eines großen unbekannten Erdteiles dort ausgesprochen hatte, fabelte man immer weiter von jenem exotischen Südland, das bald als Brasilla inferior oder Terra Magellanica, bald als das unbekannte oder nochnicht bekannte Land Australien in unge⸗ heurer Ausdehnung auf die Karten gezeichnet wurde. Durch die umfahrung A ustraliens, die Abel Tasmann vollbrachte, verlor dieses fabelhafte Land immer mehr an Umfang; durch Cooks berühmte Umsegelung der Slidpolarregion(1772 bis 1775) ward es in seine wahre Gestalt aufgelöst. Wie Professor Hassert in seiner Geschichte der Polarforschung ausführt, beginnt mit Cooks epoche⸗ machender Expedition die eigentliche Entdeckung der Südpolar gebiete. Freilich, wenn man hier fruchtbare Wunder und reiche Schätze erwartet hatte, so mußte die Enttäuschung groß sein, denn Cook wies unumstößlich das Ueberwiegen eines ungeheuren Meeres auf der Südhalbkugel nach, verwies das große Südland in das Reich der Fabel und wußte nur von der Armut und Ungastlichkeit der Antarktis zu erzählen. Einen neuen Anstoß gab erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts der hler herrschende Reichtum wertvoller Robbenarten; kühne Robbenschläger wagten sich immer weiter vor wärts, um neue Jagdgebiete aufzusuchen, und diesen zufälligen Ent deckungen der wagemutigen Langschiffer verdanken wir zahlreiche geographische Ergebnisse, die zur Sichtung einer ganzen Reihe von Küsten und Inseln führten. Wissenschaftliche Forschungen lagen diesen Pelzjägern natürlich fern; sie wurden erst wieder in den Vordergrund gestellt von der großen russischen Regierungsexpe⸗ dition unter Vellinghausen und Lazarew(181921), die zum ersten Male die unter Schnee und Eis begrabenen Peter I.-Inseln sowie das unnahbare Alexander I.-Land, das erste jenseits des südlichen Polarkreises festgestellte Südpolarland, berührte. Eine neue Epoche, die man diegroße Periode der Slidpolarforschung genannt hat, wurde durch die bahnbrechnden Arbeiten von Gauß über den Erd magnetismus und die wahrscheinliche Lage der Magnetpole herauf geführt. Auch Gauß und Alexander von Humboldt, der die mag⸗ netischen Beobachtungen auf der Südhalbkugel ins Leben rief, sind Helden der Antarktis, obwohl sie nie die Südpolarregion betreten. Drei große wlssenschaftliche Expeditionen wurden damals ausge- rüstet, die nordamerikanische unter Wilkes, die das Wilkesland ent deckte, die französische von Dumont d'Urville, die das von zahlreichen Gletschern eingenommene Louis⸗Philippe⸗Land auffand, und als größte und bedeutendste die englische, deren Held James Clarke Roß alle bisherigen Resultate der Südpolarforschung in den Schatten stellte. Ihm gelang es, bis zu der vor ihm nie erreichten Breite von 78 Grad 10 S. vorzudringen und dem magnetischen Südpol so nahe zu kommen, daß die Magnetnadel eine Neigung von 89 Grad zeigte. Drei gewaltige Hauptgruppen von Küsten und Inseln, die ungefähr den drei südlichen Festländern Amerika, Afrika und Austra⸗ lien, gegenüberliegen und durch eine gewaltige Eismauer mit⸗ einander verbunden sind, waren durch diese drei Expeditionen fest⸗ gestellt. a

Dann aber ward die antarktische Forschung fast fünfzig Jahre lang nur wenig gefördert, bis wieder ein Deutscher, Georg Neu mayer, durch unermüdliches Wirken in Wort und Schrift weiteste Kreise auf die hohe wissenschaftliche Bedeutung der Südpolargebiete hinwies. In den 9er Jahren, als der Gedanke einer deutschen Südpolarexpedition greifbare Gestalt gewann, waren es zugleich die belgische Expedition unter Adrian de Gerlache und dle kühne Fahrt des ausgezeichneten norwegischen Gelehrten Vorchgrevink, die neue Entdeckungen in der Antarktis machten. Borchgrevink drang bis zu 78 Grad 50 S. vor und überholte damit nach 57 Jahren äußersten von Roß erreichten Punkt. Am 11. August 1901 trat nun die deutsche Expedition unter Erich von Drygalski auf dem Schiff Gauß ihre Reise an und erforschte den unbekanntesten Teil der Antarktis, wobei das Kaiser Wilhelm II.-Land entdeckt wurde. Während die Landentdeckungen sonst bei dem deutschen Unternehmen zurücktraten, waren die wissenschaftlichen Resultate von größter Be deutung, indem ein Jahr lang systematisch die verschiedensten geo physischen Erscheinungen beobachtet und planmäßige Lotungen vor genommen wurden. Kurz darauf brachen fast zu gleicher Zeit die englische Expedition unter Kapitän Scott, die schwedische unter Otto Nordenskjöld und die schottische unter Bruce auf, von denen die Scotts die großartigsten Resultate zeitigte. Scott gelangen kon tinentale Entdeckungen auf siebzehn Schlittenreisen von durchschnitt lich 25tägiger Dauer, wie sie vorher keinem Helden der Antarktis gelungen. Während der drei Jahre dauernden Expedition, die 1904 ihr Ende erreichte, unternahm er drei große Schlittenreisen, von denen die erste ihn bis zu einer Breite von 82 Grad 17 S. führte. Die schwedische Expedition konnte, obwohl sie in drei Abteilungen zerrissen wurde, doch bedeutende wissenschaftliche Leistungen voll bringen, und ebenso glückte es Bruce, besonders wichtige ozeano graphische Ergebnisse zu sichern. Der schwierige, große Befürch tungen erregende Verlauf der Nordenskjöldschen Expedition rief drei Hilfsexpeditionen hervor, die 1903 abgingen und von denen nur die argentinische unter dem Kapitän Jrizar zurechtkam, während die schwebische unter Lorsen und die französische unter Charcot zu spät eintrafen. Die folgenden Jahre haben dann neue große Vorstöße nach dem Südpol gebracht, die in lebendiger Erinnerung sind. An ihnen waren im wesentlichen jeneHelden der Antarktis beteiligt, die schon vorher auf den Plan getreten waren, bis einneuer Mann, Shackleton, den größten Erfolg errang und dadurch den Ansporn zu neuen Taten gab, zum Siege.

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Mürchenforschung. Sauerländer

In der Zeitschrift Sexual-Probleme, die bei J. D. in Frankfurt erscheint, erörtert A. J. Storfer einiges aus dem Ge⸗ biete der Märchenerotik. Seine Ausführungen werden viele unserer Er schreibt: Seitdem der Wiener Nervenarzt gehend von seinen schaftlichen Deu auf ver⸗

Folkloristik eine Renaissance, eine Rehabilitierung der psychologi⸗

Märchenforschung

bei ist für den Vertreter d

wie aus den eigensten Sch

schiedenen Wegen, mit verschiedenen Methoden und

In den folgenden Zeilen soll die These, daß das Märchen wie der Traum eine durch eine besondere Darstellungstechnik verkappte Realisierung eines Wunsches wandten Märchentypen belegt werden. gruppen, in denen die einzelnen Märchen jeweilen mit der Ver⸗ einigung eines Mannes und eines Weibes dener sozialer Rangstellung schließen.

Die Königin-Witwe oder die Königstochter, um die sich un⸗ zählige Männer bewerben, und die dann in überraschender Weise die Gattin eines Outsiders wird, ist eine uralte Mythen⸗ und Märchenfigur. Bevor wir einige tupische Varianten dieses Stoffes behandeln, soll hier ein erotisches Märchen mitgeteilt werden, das ich selbst von ungarischen Soldaten(mit kleinen Abweichungen) öfters gehört habe. Ein General, ein Leutnant und ein Gemeiner reiten am Schloß vorbei öne Prinzessin zum Fenster hinausschauen. Wer an ihr den Geschlechtsakt vollziehe, sagt die Prinzessin, den nehme sie zum Mann; wer es aber vergeb⸗ lich versucht, der wird arausam bestraft. Als erster geht der Gene⸗ ral hinauf, die Prinzessin empfängt ihn in ihrem spitzengezierten Bett, auf herrlichen weichen Kissen. Der General bemüht sich ver⸗

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