Ausgabe 
23.7.1912
 
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einzelnen Menschen ist verschieden: man 5 modernen Arbeiters dem eines gänz⸗ schen Landarbeiters gegenüber. Der lbe Ding ganz anders an, als der ersten ist durch Erziehung,

Auch das Weltbild der teile nur das Weltbild eine e ungebildeten hinterpommerf kuuurmensch sieht ein und dasse mebildete Mensch. Das Gehirn des un eigene Erfahrung anders geworden: jede Erfahrung, gleich obstie direkt empfangen oder auf dem Wege von Geschichtsüberliefe⸗ tu gen als gesprochenes oder geschriebenes Wort vermittelt worden verändert unser Gehirn, indem sie eine Spur in ihm hinterläßt, haftet. Je nach dem Reichtum an Er⸗ Art unserer Erfahrungen ist unser emp⸗ Gehirn verschieden und je nach Art der rfahrungen sehen wir die für uns je⸗ lt verschieden. Dr. A. Lips ch ü tz.

intem sie im Gedächtnis

farungen und je nach der endes und denkendes srher schon vorhandenen E wels neuen Dinge der Umwe

* 1 Verschwender Alkohol.

In den von Heinrich Braun herau gegebenen Annalen it soziale Politik und Gesetzgebung veröffentlicht der Wiener miversitätsprofessor Max Kassowitz einen Aufsatz über die rtschaftliche Seite der Alkoholfrage. Kassowitz geht davon 58, daß der Alkohol ein narkotisches Gift ist, das alle unter m Einfluß des Gehirns stehenden Funktionen herabsetzt und ließlich vollständig lähmt. Der Alkohol rufe auch, so setzt Fnssowitz weiter auseinander, in den übrigen Organen des Körpers Schädigungen hervor, die zunächst latent bleiben, sich aer bei häufig oder regelmäßig wiederholter Einführung des (äftes, wenn diese eine(im wirklichen Leben niemals ver⸗ nandte) unschädliche Minimaldosis überschreitet, früher oder säter in schweren Störungen der Gesundheit geltend machen daher käme es auch, daß nach der Statistik der englischen Lebensversicherungsgesellschaften die Alkoholenthaltsamen eme um 25 Prozent bessere Lebenserwartung hätten als die enderen Versicherten, die sich zu einem ihrer Ansicht nach mäßigen Alkoholgenusse bekennen. Für die Erzeugung al⸗ k holischer Getränke(Bier, Wein, Schnaps) gebe das deutsche viel als für

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* 1

(Jolk nahezu 4 Milliarden Mark aus, mal so

Heer und Flotte zusammen, sechsmal so viel als für die Ar⸗

1 eiterversicherung, siebenmal so viel als für die Volksschule.

1 Irgendwelchen Nutzen für den Körper habe der Alkohol

icht. Er werde zwar im Körper verbrannt, wodurch Wärme

1(zeugt werde, aber diese sei vollkommen wertlos. Der Al- hiholgenuß kabe eine Lähmung der Hautgefäße zur Folge, wo⸗

Wärmeausgabe herbeigeführt und die

lurch eine vermehrte W᷑ Ein Genußmittel sei

befahr des Erfrierens erhöht werde.

per Alkohol nur für jene, die sich das Verlangen nach seiner barkotischen Wirkung künstlich herangezüchtet haben. Die

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kigenschaft, nach öfter wiederholtem Gebrauch eine inch neuen und immer größeren Dosen zu erzeugen, teile der kohol mit allen narkotischen und vielen anderen Sub- banzen: mit Opium, Morphium, Chloral, Veronal und den enderen Schlafmitteln, aber auch mit Kokain und Nikotin. dur S

Stillung des Durstes brauche man alkoholische Getränke licht. Dazu reiche das Trinkwasser vollkommen aus.

Wein und Bier enthielten ja auch ungefähr 90 Prozent Wasser. Die [Dein⸗ und Biertrinker litten nur noch mehr Durst als bloße Jassertrinker, weil der Alkohol durch seine giftige Wirkung inen abnormen Protoplasmazerfall und damit einen stär⸗ eren Wasserverlust des Körpers hervorrufe. Der Brannt⸗ weintrinker, der ja nur wenig Wasser in seinem Branntwein

Hurst, sondern er opfere sie nur seiner Sucht nach dem ge⸗ pohnten Gift. Die für die

Wort zum Besten des Volkes verwendet werden könnten.

könnten Er verweist auf die riesigen Verluste, die

den Alkoholflut, auf ihr wertvollstes Kapital, den M erleiden. der Schaden, Straffälligkeit und frühzeit Familien und in den f richten. jugendli Debilität der Trinkerkinder, aber auch nur partielle trächtigung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, die

lekomme, stille mit seinen Gläschen überhaupt nicht seinen

alkoholischen Getränke aufgewandten Mil⸗ barden, so sagt Kassowitz dann weiter,werden also nicht ausgegeben, um ein natürliches und unabweisbares Bedürf Iris zu befriedigen, sondern es wird ein unnatürliches Be⸗ lürfnis künstlich erzeugt und zu dessen Befriedigung werden nesige Summen vergeudet, die zur Beschaffung von guter Nahrung, zur Herstellung von Wasserleitungen, zum Bau von Straßen und Kanälen, für Wissenschaft und Kunst, mit einem

Kassowitz wendet sich dann gegen die Behauptung, daß Staat und Gemeinden die Alkoholsteuern nicht entbehren . das Vationalvermögen der Völker durch den Alkoholismus er⸗ leide. Die Verluste des Nationalvermögens durch die Um⸗

Ernährung wertloses Produkt dürfte verhältnismäßig gering sein, im Verhältnis zu den ganz unberechenbaren Verlusten, die der Staat und die ihn durch die verderbliche Einwirkung der immer noch ansteigen⸗

zusammensetzenden Gemeinden

genschen, rechnung, so führt Kassowitz aus,spottet den Krankheit. Arbeitsunfähigkeit, Irrsinn, iger Tod der Ernährer in den ie beherbergenden Gemeinwesen an Körperliche und geistige Verwahrlosung der Kinder, ches Verbrechertum, angeborener Schwachsinn und

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sich ohne die Schädigung der ne durch chronische Vergif⸗ tung des elterlichen Organismus normal entwickelt hätten lauter Momente, die zweifellos wirksam sind, die aber un⸗ möglich auch nur schätzungsweise in Ziffern ausgedrückt wer⸗ den können. Soviel ist aber klar, daß sie alle miteinander gemein haben, daß sie die Steuerkraft der von ihnen Betrof⸗ senen auf ein Minimum herabsetzen oder vollständig auf⸗ heben; und so würde sich der Gewinn, den die Gemeinwesen aus der Besteuerung des Volksgiftes zu ziehen glauben, wenn eine Berechnung ausführbar wäre, von den ideellen Einbußen abgesehen, ganz sicher auch schon rein geldmäßig in einen effek⸗ tiven Verlust verwandeln. Was für die Volkswirtschaft gelte, gelte in noch viel höherem Grade für die Einzelwirtschaft. Und zwar hätten gerade die Lohnarbeiter oft besonders schwer unter dem Al- koholismus zu leiden, weil infolge der Verwendung eines oft beträchtlichen Teiles des Einkommens für alkoholische Ge⸗ tränke wichtige Bedürfnisse unbefriedigt blieben. Untersuch⸗ ungen hätten ergeben, daß der Alkohol gar nicht selten ein Fünftel, in Ausnahmefällen noch mehr, von dem Lohn ver⸗ zehre. Unterernährung, Wohnungselend, geringe Wider⸗ standskraft gegen Krankheiten, frühzeitige Arbeitsunfähigkeit oder vorzeitiger Tod des Ernährers und völlige Verelendung der Hinterbliebenen sind in der großen Mehrzahl der Fälle die fast unausbleiblichen Folgen einer solchen unglückseligen Konstellation, die nur scheinheiliges Pharisäertum als die ge⸗ rechte Strafe für das Laster der Trunksucht erklären kann, während der billig Urteilende einsehen muß, daß eine Gesell⸗ schaftsordnung, die die allgemeine Trinksitte nicht nur duldet, sondern in jeder Weise hätschelt und propagiert, allein für das unermeßliche Elend verantwortlich ist, das mit Naturnot⸗ wendigkeit aus der schrankenlosen Verbreitung des heimtücki⸗ schen Giftes emporwachsen muß. Zur Bekämpfung des Alkoholismus müßten wir in Mitteleuropa dieselben Mittel anwenden, die in anderen, in diesem Punkte fortgeschritteneren Ländern schon erfolgreich gewesen seien, wie Zusammenschluß der alkoholfrei Lebenden in Abstinenzvereinen, Einführung des obligatorichen Unter- richts über die Eigenschaften des Alkohols in den Volksschulen. Eine weitere Etappe im Kampfe gegen den Alkoholismus hätte dann das Gemeindebes immungsrecht zu sein, das jeder Gemeinde das Recht einräumt, von Zeit zu Zeit ihre Mit⸗ glieder(mit Einschluß der Frauen) darüber abstimmen zu lassen, ob der Verkauf von alkoholischen Getränken noch ge⸗ stattet sein solle und als letztes Ziel bliebe dann die stattliche Prohibition, die den Verkauf von alkoholischen Getränken mit denselben strengen Kautelen umgibt, wie den Verkauf von anderen Giften. Selbstverständlich wird kein haupten, und das tut auch Kassowitz nicht, daß alle Not und alles Elend auf den Alkohol zurückzuführen ist. Wir Sozial- demokraten wissen, daß der heute herrschende Kapitalismus unendliches Elend über zahllose Menschen bringt. Aber das ohnehin infolge der Herrschaft des Kapitalismus schon vor⸗ handene Elend wird verschlimmert und vermehrt durch die verkehrte Gewohnheit, ein Gift, wie den Alkohol, als Genuß⸗ mittel zu verwenden. Die Arbeiterbewegung, die die Bil⸗ dung der Volksmassen erhöht und ihnen einen Lebensinhalt

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vernünftiger Mensch be⸗

gegeben hat, hat den Alkoholismus vielfach in seinen häß⸗ lichsten und augenfälligsten Formen zurückgedrängt. Aber

Pandlung von vorzüglichen Nahrungsstoffen in ein für die

wenn man auch heute viel seltener einen Menschen betrunken