Ausgabe 
16.7.1912
 
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alles bei uns Frantzösisch seyn. schen Sprache war ja eine europäische Erscheinung. Deutschland griff sie weiter um sich als sonst irgendwo. uns Teutschen, sagt derselbe Thomasius,ist die Frantzösische Sprache so gemein geworden, daß an vielen Orten bereits

schriftliche Konversation, nationale Bildungssprache von vielen gelernt.

Die galante Zeit. Von Prof. Dr. G. Stein hausen.

Die Zeit des Rokoko stellt den Höhepunkt des französischen insbesondere auch für Deutschland dar: Die Französierung des deutschen Lebens wurde so vollständig, als es nur denkbar ist.Heut zu Tage, sagte Thomasius,muß Die Herrschaft der französi⸗ Aber in Bei

Schuster und Schneider, Kinder und Gesinde dieselbige gut genug reden. Das mindeste war, daß man die deutsche Sprache wie seit dem 16. Jahrhundert mit lateinischen, ge legentlich auch mit italienischen Brocken, so jetzt mit französi

schen Worten, Formeln und Wendungen vollständig durch

setzte. Bereits Lauremberg klagte über dasFranzösische Dütsch, dat vör gar wenig Jahren erst upgekamen is. Aber das Feinere war das Französisch selbst, seit langem für die Diplomatie im Gebrauch, nun auch für die mündliche und andererseits aber auch als inter⸗ Der späteren Frau Gottsched noch versicherten ihre Lehrmeister,es sei nichts gemeiner als deutsche Briefe, alle wohlgesitteten Leute schrieben Französisch. Freilich waren zunächst durchaus nicht alle Damen vom Stande des Französischen mächtig, wie manche für solche vornehmen Damen bestimmte Uebersetzungen zeigen.

Wie in der Sprache prägte sich auch in der Lebenshaltung und den Sitten die Französierung der vornehmen Welt aus. Wohnung, Kleidung und Nahrung mußten jetzt durchaus nach französischem Zuschnitt, d. h. feiner sein, wenn auch natürlich die nationalen Unterschiede selbst bei den vornehmen Leuten nicht völlig schwanden. Größere Fenster mit Tafelscheiben, Fenstervorhänge, stuckverzierte oder bemalte Gipsdecken und bem̃alte Tapeten statt der schweren Decken- und Wandtäfelung, schön eingelegte Tische und leichte, bequeme Stühle, hohe Spiegel, Glasschränke mit Nippessachen waren nun für die feinere Wohnung, zum Teil schon seit längerer Zeit, charakte ristisch geworden, vor allem für die nunmehr wichtigen Ge sellschaftszimmer. Dieselbe Verfeinerung zeigte die leichter und luftiger gestaltete Kleidung, mit der ja an sich seit Jahr⸗ hunderten ein außerordentlicher Aufwand getrieben wurde. Die Seidenstoffe spielten eine Hauptrolle, die Stickerei und der Spitzenbesatz nicht minder. Zarter und geschmackvoller wurden die Farben der Männer- und der Frauenkleidung. Das Ideal ward wie immer in französierten Zeiten eine zier liche, graziöse Erscheinung, zum guten Teil auf Kosten der Natur. Die Taille der Damen wurde eng und schmal, mit Hilfe des Schnürkorsetts und der Planchette, die beide die Gesundheit im höchsten Grade gefährdeten. Die engen Stöckel schuhe erlaubten nur ein Trippeln beim Schreiten. Die Un⸗ matur der Zeit zeigen im höchsten Grade die Perücke der Männer, der künstliche Haaraufbau der Frau und die Pude rung dieser Gebilde sowie die Schönpflästerchen der Damen. In der Nahrungsweise wurden die bereits stark geschwundenen alten deutschen Trachten(Speisen) Thomasius spricht won denaltväterischen Sudelköchen durch die französische Küche noch mehr verdrängt. Zugleich verfeinerten sich die Tischsitten, was ja allerdings seit langem als dringend not wendig empfunden war. Uebrigens zeigen die Verbote in den ffranzösischen Höflichkeitsbüchern, wie viel noch im 18. Jahr⸗ hundert an groben Verstößen vorkam. Die Eßgeräte vervoll⸗ kommneten sich, der Löffel wurde mannigfach gestaltet; vor Allem kam die zuerst in Italien(unter griechischem Einfluß) üblich gewordene, später in Frankreich langsam eingebürgerte, überall lange kritisch angesehene Gabel auch nach Deutschland, vo sie Moscherosch als alberne welsche Posse verhöhnt hatte, vo sie aber auch jetzt auf die französierten Kreise zunächst be⸗ schränkt blieb. Mit solcher französischen Färbung des äußeren

* Aus dessen neulich erschienenen höchst interessanten Buche fulturgeschichte der Deutschen in der Neuzeit. 160 Seiten.(Samm- ung Wissenschaft und Bildung.) In Originalleinenband 1,25 Mk. Verlag von Quelle& Meyer in Leipzig.

Lebens ging natürlich eine starke Einfuhr aller möglichen Ein richtungsgegenstände(Uhren, Bilder, Spiegel, Kleidungs- und Toilettenstücke, Hüte, Strümpfe, Schuhe, Handschuhe, Tassen, Parfüms, Galanteriewaren usw.) Hand in Hand. Aber nicht nur die entwickelte Industrie in Frankreich selbst sorgte dafür, sondern auch die zahlreichen, in Deutschland eingewanderten Franzosen, die derartige Industriezweige hier einbürgerten. Eins dieser begehrten Erzeugnisse war der feindurchbrochene, zerbrechliche, bemalte Faltfächer, der in den Händen der Ro kokodamen eine große Rolle spielte. Dieses lockend-schmol⸗ lende, kokette Fächerspiel mit der ausgebildeten Fächersprache war ein charakteristisches Zubehör des neuen, von den Damen beherrschten, graziösen gesellschaftlichen Lebens, dessen Sitten und Sprache, dessen zierliche Figurentänze(vor allem das ele gant⸗graziöse Menuett), dessen Spiele(so das noble jeu de billard, das königliche L'hombre) nun ebenfalls die französier⸗ ten Kreise Deutschlands eroberten.

In einem Punkte kam die neue Gesellschaftskultur keines⸗ wegs über das Mittelalter hinaus, in dem der Sauberkeit und der Hygiene, ganz abgesehen davon, daß den Franzosen ein besonderer Reinlichkeitssinn überhaupt nicht zu eigen ist. Die Sauberkeitspflege haben erst eigentlich die Engländer in die gesellschaftliche Kultur hineingebracht. In der feinen Rokoko⸗ welt war ein gründliches Waschen mit Seife nicht üblich. Ein Abwischen mit nassen Tüchern genügte oft. Die mangelhafte Körperpflege, vor allem der seltsame Wechsel der Leibwäsche, verursachte auch neben Uegeziefer einen sehr unschönen Kör⸗ per⸗ und Kleidergeruch, den man eben mittels der Parfüms zu übertönen suchte. Die Einrichtungen in bezug auf körper⸗ liche Bedürfnisse sodann waren noch lange äußerst unhygie⸗ nisch und mangelhaft. Die Wohnzimmer wurden selten ge⸗ lüftet und schlecht oder gar nicht geheizt. Endlich ist aber auch der behagliche Komfort selbst in fürstlichen und hochadligen Hausern wegen der starken Aeußerlichkeit des höfischen Lebens noch wenig zu finden. Immerhin ist doch in der Rokokozeit ein gewisser Sinn zu spüren. Wie man damals auf dasAn⸗ genehme aus ist, so soll auch in den Wohnungen allescom⸗ mode, undbequem sein. Einen bedeutsamen Erfolg hatte die neue Lebenskultur bezüglich der Zurückdrängung der alt⸗ hergebrachten Trunksucht und des damit zusammenhängenden grobianischen Wesens. Die alkoholischen Getränke mußtenin galanten Compagnien vor den nach Deutschland wieder namentlich aus Frankreich eindringenden Modegetränken, dem Kaffee, dem Tee und der Schokolade, das Feld räumen. Das schon seit längerer Zeit in Deutschland üblich gewordene, lange bekämpfte Tabakrauchen war übrigens gerade in der galanten Zeit nicht mit dem unfeinen Kaffeetrinken eng ver bunden, freilich nur im Kaffeehaus oder daheim, nicht in höfisch⸗feiner Gesellschaft. In dieser wurde dafür eine andere Art des Tabakgenusses leidenschaftlich gepflegt, auch vom weiblichen Geschlecht, das Schnupfen. Die Dose, ein beliebtes Objekt kunstvoller Arbeit, spielte seitdem eine große aristo⸗ kratische Rolle.

Ich habs gefunden!

Auf griechisch heißt es:Heureka, wörtlich übersetzt: Ich habs gefunden. Die meisten wissen, daß das Wort Archimed, den griechischen Mathematiker, zum Autor hat. Aber wenige kennen die Umstände, unter denen es ausgesprochen wurde. Die Episode wird von Vitruv, dem römischen Architekten, erzählt. Sie steht in seinem Werk über Baukunst und lautet: Hieron, der Tyrann von Syrakus, wollte den Göttern zum Dank für seine erfolgreichen Unternehmungen einen goldenen Kranz weihen. Er übergab darum einem Goldschmied das zu diesem Zwecke nötige Gold mit dem Auftrage, den Kranz anzufertigen. Das Werk fiel auch zur vollen Zufriedenheit des Königs aus; jedoch verbreitete sich bald das Gerücht, der Goldschmied habe den König in ganz raffinierter Weise betrogen; er hätte nämlich einen Teil des Goldes durch das viel weniger wertvolle Silber ersetzt, so daß das Gewicht des Kranzes zwar ebenso viel betrüge, als das des ihm von dem König anvertrauten Goldes, der Kranz tatsächlich aber nicht aus reinem Golde, sondern aus einer Mischung von Gold und Silber bestände. Als Hieron von diesem Gerücht vernommen hatte, beauftragte er einen Verwandten Archimedes, die Wahrheit des Gerüchtes zu