Ausgabe 
16.7.1912
 
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Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung

Nummer 15

Dienstag, den 16. Zuli 1912

I. Jahrgang

Gedanken zur Wohnungsfrage. II.

Mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage ist hier also nichts anzufangen. Doch die letzte Betrachtung gibt uns einen Fingerzeig. Wären die Wohnungen billiger, dann würde die Ueberfüllung von selbst abnehmen z. B. würden zahllose Schlafgänger sich eigene Stuben mieten und ein großer Teil der jetzt leerstehenden Wohnungen würde vermietet werden. Alles drängt sich also auf die Frage zu sammen: wieso halten die Hausbesitzer, trotz der Kalamität so vieler 1 Wohnungen, an den hohen Miets⸗ preisen fest, und wieso werden sogar noch fortwährend neue Häuser mit ebenso kolossal teuren Wohnungen gebaut?

In Charlottenburg hat man vor Jahren ein städti⸗ sches Wohnungsamt errichtet, das nach einem Vortrage des dortigen Stadtrats Seydel zweifellos segensreich wirkt. Seine Aufgabe ist zunächst die Ueberwachung der vorhande nen Wohnungen, insbesondere der Dienstmädchengelasse, des Schlafgängerwesens, der beim Meister wohnenden Gesellen und Lehrlinge; sodann ein Wohnungsnachweis, endlich auch direktes Eingreifen zur Abstellung besonders schlimmer Uebelstände. Das alles ist gewiß sehr gut. Aber Herr Seydel sagt selbst,an die Wurzel des Uebels reichen Wohnungs aufsicht und Wohnungspflege nicht heran; eine Reform ist erforderlich, die das Entstehen der bekämpften Mängel womöglich verhindert.

In der Tat, das Wohnungsamt ist da, und gleichwohl werden in Charlottenburg so gut wie überall in den Groß⸗ städten, immer neue Mietskasernen erbaut; die bekämpften Mängel entstehen immer wieder aufs neue.

Betrachten wir, anstatt der vorhandenen Wohnungen, die Art und Weise, wie heutzutage neue Wohnungen errichtet werden. In der erwähnten Schrift des Regierungsrats Dr. Feig findet man eine Schilderung der heutigen Wohnungs⸗ produkton, die zwar nichts neues enthält, aber die Dinge klar und übersichtlich darstellt. Mitwirkende sind heutzutage beim Wohnungsbau: der Terrainbesitzer, der Bauunter nehmer, die Baubandwerker. Daß die Terrainbesitzer einen so großen Einfluß auf die Bautätigkeit gewonnen und sich meist zu großen, kapitalkräftigen Terraingesellschaften aus⸗ gewachsen haben, liegt an den eigentümlichen Bedürfnissen des großstädtischen Wohnungsbaus.Der Boden in der Um⸗ gebung des bebauten Stadtgebiets, schreibt Dr. Feig,ist ursprünglich landwirtschaftlich genutzter Boden. Seine Eigen⸗ tümer sind Landwirte; Größe und Gestalt der Grundstücke

sind bedingt durch die landwirtschaftliche Flurteilung. Um also das Gelände überhaupt erst zum Bau von Wohnhäusern

vorzubereiten, müssen viele Grundstücke zusammen angekauft und neu eingekeilt, meist auch noch durch neue Straßen zu⸗ gänglich gemacht werden. Dazu gehören riesige Kapitalien, die der einzelne Bauunternehmer nicht besitzt. Auch hätte er, sofern er sich wirklich mit Bauen befassen will, gar nicht die Zeit, solche Kapitalien zu verwalten und die zur Vorbereit⸗ ung des Terrains für den Bau nötige Arbeit zu leisten. So ist es gekommen, daß der Terrainhandel, der zugleich die so⸗ genannteAufschließung des Terrains besorgt, ein eigener Geschäftszweig geworden ist.

Im Gegensatz zu den Terrainhändlern sind die Bau⸗ unternehmer gewöhnlich sehr schwach an Kapital. Feig bringt darüber die erstaunlichsten Tatsachen bei. Wir lesen da u. g.: Ein Untersuchung von Prof. Schäfer-Dresden ergab, daß in den Jahren 81 6 85 1905 in Dresden Baugesellschaften in

größerer Zahl entstanden, von deren 127 Gesellschaftern nicht weniger als 71, d. h. 56 Prozent, den Offenbarungseid leisteten. 69 Prozent der Gesellschaften bestanden in der

Mehrzahl der Fälle ganz und im übrigen zur Hälfte aus gänzlich vermögenslosen Personen. Auch von den an der Bautätigkeit beteiligten Einzelunternehmern leisteten 25 Prozent den Offenbarungseid. Aber auch von den direkt unsoliden Unternehmern abgesehen, herrscht im Baugewerbe noch durchaus der kapitalschwache Kleinbetrieb vor, wie Feig an der Hand der Statistik ausführlich zeigt. Von 1895 bis 1907 hat die Gesamtzahl der Baubetriebe allerdings abge⸗ nommen, aber wer daraus schließen wollte, daß dies, wie in anderen Gewexben, steigende Kapitalkraft des einzelnen Betriebes bedeutet, der wird alsbald eines besseren belehrt durch die stark wachsende Zahl der Konkurse. Sie haben sich in derselben Zeit ungefähr verdreifacht, und noch stärker war dieZun ahme der besonders ungünstigen Fälle, in denen die Masse nicht einmal zur Eröffnung oder Durch⸗ führung des Konkurses genügte. Sehr auffällig ist auch, daß die Zahl der Konkurse gerade bei besserem Geschäftsgang, bei zunehmender Bautätigkeit gestiegen ist.

Halten wir also fest: auf der einen Seite die große, enorm kapitalkräftige Terraingesellschaft, auf der anderen der kapitalschwache, häufig ganz bermögenskose Bauunternehmer.

An ihr verkauft die Terraingesellschaft das Grundstück. Ein in der ganzen Volkswirtschaft sonst unerhörter Vorgang! Ueberall können sich kapitalschwache Unternehmer auf die

Dauer nicht halten und werden ausgemerzt. Hier aber, so viele auch Bankerott machen, es erstehen an ihrer Stelle immer wieder aufs neue ebenso kapitalschwache Unternehmer. Wie kommen denn da so wird man fragen die Terrain⸗ gesellschaften zu ihrem Gelde, wenn sie ständig an so un⸗ sichere Kantonisten verkaufen? Das liegt an der eigentüm⸗ lichen Geschäftsgebarun Terrainhandels.

Das Kaufgeld! wird nämlich nicht etwa in bar bezahlt, höchstens ei ie An zahlung. Der Rest wird als Hypothek auf das Grundstück eingetragen. Mit anderen Worten: Der Verkauf ist in Wirklichkeit nur ein Scheingeschäft; da der Bauunternehmer niemals bezahlen kann, oft nicht einmal d Zinsen, so bleibt das Grundstück in Wirklichkeit e. der Terraingesellschaft, die es jeden Augenblick zur Sub⸗ hastation bringen kann. Der Unternehmer ist also nur ein Strohmann, den die Gesellschaft vorschickt und der ihm das Risiko und den Behörden gegenüber die Verantwortung abnimmt. Und nun kommt die Hauptsache: Je weniger der Unternehmer hat, desto höhere Preise kann er bewilligen; er hat ja nichts zu verlieren! aber gibt den Terrain⸗ händlern die erwünschte ichkeit, den Bodenpreis ins Maßlose zu steigern und den soliden Bauunternehmer aus⸗ zumerzen, der wirklich bezahlen will und deshalb die hohen Preise nicht bewilligen kann. Daß das Terrain unverkäuf⸗ lich bleibe, ist dabei nicht zu riskieren. Denn der zahlungs⸗ un fähige Bauunternehmer bewilligt alles. Sein Interesse⸗

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