Ausgabe 
9.7.1912
 
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zusammen, die brauchen j da müsses natürlich deren Prei ent tgegen daß

zahr so viel neue Wohnungen, e steigen. Dem steht nur die Mietspreise sich gar nicht oder Wohnungsüber⸗ zohnungsmangel kommt in den Großstädten 1 nsweise vor, wie kürz⸗ lich in Köni 3 J n besondere, meist vorüber gehende Ursachen. In der Regel stehen in den Großstädten gar nicht wenig Wohnungen leer. Der Regierungsrat Dr. Fey hat im vorigen Jahr eine Schrift über die Wohnungs-

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leider die Tatsa danach richten, schuß h herrscht.

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frage veröffentlicht, worin er die Prozentsätze der leerstehen⸗ den Wohnungen für 29 deutsche Großstädte angibt. Darunter fanden sich freilich Städte mit weniger als 1 Prozent leere

Wohnungen, aber in anderen Städten steigt der Prozentsatz bis auf 7. Jedenfalls ist unter 99 29 8 nicht eine einzige, wo es nicht leerstehende Wohnungen gegeben hätte, wo also nicht das Angebot immer noch größer gewesen wäre als die Nachfrage.

Nun ist freilich mit

solch summarischen Angaben nicht viel anzufangen. Es kommt natürlich sehr darauf an, welcher Art die e Wohnungen sind. Dem Arbeiter kann es nichts nützen, wenn 5- und 6⸗Zimmer Wohnung gen leer stehen, und der Kommerzienrat kann nicht in eine Arbeiter wohnung ziehen. Aber da wird nun gerade jetzt von den Ber liner Hausbesitzern geklagt, daß dort(in Großberlin) weit über 60 000 Wohnungen leerstehen sollen. Darunter werden sich wohl zweifellos Wohnungen jeder Art befinden, große, mittlere und kleine. Und dennoch die enormen Mieten, den noch die Ueberfüllung der bewohnten Räume! (Schluß folgt.)

Fürsorge⸗Erziehungs-Tag.

Der Fürsorge⸗Erziehung hat die Theorie eine hohe und be⸗ glückende Mission zugemessen: sie soll die Jugend vor den verderb lichen Einflüssen und lauernden Gefahren einer in sozlaler, physischer und moralischer Hinsicht bedenklichen Lebenssphäre bewahren und ihr eine gesunde Erz nehung zur Lebenstüchtigkeit gewährleisten, falls die berufenen Erziehung jsfalto hren der Familie in der Er füllung ihre Pflichten versagen. Ein schöner und fruchtbarer Ge danke im edelsten Ausdrucke menschlichen Wollens und Wirkens.

Aber, nicht die Theorie die Praxis redet die Sprache der Wirklichkeit. Und sie schlägt mit der wuchtigen Unverblümtheit harten Tatsachen aller gepriesenen Theorie ins Gesicht. Während dem Edelmut und der selbstlosen Hingabe geopfert zu werden cheint, grinst dem kritischen Blicke aus dem Weihrauch, den sich ge 15 tige Selb stgerechtigkeit streut, die abstoßende Fratze einer infamen Klassenmaßregel entgegen und in quälender Nacktheit offenbart sich die F u* rge⸗ Erziehung als eine Institutlon voll empörendster Ungerechtigkeit, Volksfeindlichkeit und Härte.

Wo Milde, Frohsinn und die schöne Tugend verzeihender Liebe walten sollten, herrschen eisige Disziplin und harter Zwang. Der Zögling wird zum Sträfling gestempelt. Auf kahlen Höfen mit Glasscherben auf der Mauer oder in öden Gelassen mit Gitterfenstern bis zum vierten Stock soll sich an ihm die bessere Menschwerdung vollziehen. Neben der Peitsche liegt die Bibel; 1 dem Bllttel steht in triefender Gottseligkeit der Pfaff. Der Erzleher hat in der Fürsorge⸗Erziehung nichts zu suchen.

Im Grunde ist dieser Zustand nicht verwunderlich. In einer Gesellschaft, deren göttliche Ordnung darin besteht, daß faule Bäuche verprassen, was fleißige Hände erwerben, kann und darf die besitzende Klasse kein ernsthaftes und tatkräftiges Interesse an der Erziehung und Hebung der ärmeren Klasse haben, will ste nicht ihre soziale Existenz und den Fortbestand ihrer politischen Herrschaftsstellung aufs Spiel setzen. Für die Masse haben die Höhen der Wissenschaft, die Reichtümer der Kunst, die Schatzkammern der Kultur und die Regionen freien Menschen⸗ tums ewig unerreichbare Ideale zu sein.Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben. Auch in der Fürsorge⸗Erziehung darf es kein ernstliches Bewahren der Irrenden und Fehlenden, kein Emporheben der Fallenden, kein Heilen der an Leib und Seele Kranken geben. Alle schönen Grundsätze haben nur den Talmiwert einer hohlen Dekoration.

Was wollt ihr denn?! Der Macht, die Trotz, Verzweiflung, unter Umständen lelhen. Polizei bürge ihnen nich des 8 Prol des Schulm eister nf beamteten Autorität. Diese

Reichtum braucht Schutz vor der Selbstbesti mmung und Solidarität auch den Hirnen und FJäusten der Schwachen ver⸗ Staatsanwalt, Kerkermeister und Militär ver⸗ mehr Sicherhei genug. Denn in den Höhlen

te gesä brliche Brut heran, der der Bakel im rt wie di Jopfperücke der ire Gefahr.

Darum in sichere Verr der Besitz in Ruhe und Behag nießen kann!

So hat die Angst vor ihren eigenen Elendsprodukten der berrschenden Klasse das Fürsorge⸗Gesetz diktiert. Die Angst vor den Geistern, die die Stimme der Entwicklung vor den Ungeheuern, die der Kapitalismus selbst ausgebrüht

Nuͤn gilt es, zu bändigen anstatt zu erziehen, zu knebeln und niederzutreten anstatt aufzurichten und zu befreien... der Er⸗ innerung melden sich voller Grausen die düsteren Schatten aus Be me s Wildnis und der ODölle von Miltschien.

Nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft sollen die Gefährde⸗ ten und Verkommenen werden, das heißt in der Realität des christ⸗ lich⸗kapital istischen Ausbeuterstaates: willige Arbeitstiere und billiges Kanonenfutter. N

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Die mehr als 300 Berufsarbeiter und Freunde des deut⸗ schen Fürsarge⸗Erziehungswesens, die diese Woche ihren 5. Kongreß in Dresden abhielten, hatten es nicht leicht, das schmähliche Odium der Kollegenschaft eines Breithaupt und Colander von sich abzuwaschen und für die Oeffentlichkeit vergessen zu machen. Sie ließen es an Worten und Bemühungen in dieser Richtung nicht fehlen. Schon die kleine Ausstellung von Zöglings⸗ arbeiten, die der Tagung als beliebte e verfolgte unausgesprochen zwar, so doch nicht minder zweckbewußt, diese Tendenz. Eine für das wohlwollend⸗unkritische Auge des flüchtigen Beschauers leidlich herausgeputzte Parade, vermied sie ängstlich alles, was den düsteren und herben Geist des Anstaltslebens in das Gesichtsfeld des Fernstehenden und Unbeteiligten hätte tragen können. Und doch drängten schon die auf die landläufigste Ge⸗ dankenlosigkeit berechneten photographischen Aufnahmen, welche Zöglinge in malerischen Gruppierungen zwischen Obstbäumen und Gemüsefeldern, bei Spiel oder Posaunenblasen zeigten, zu nach⸗ denklichen Vergleichen. Von Landerziehungsheimen oder Resorm⸗ schulen kennt man ähnliche Bilder: Lehrer und Schüler bei der Arbeit auf dem Felde, in der Werkstatt, bei Tanz und Spiel. Aber welch ein Unterschied! Da ist der Lehrer Freund und Kamerad; mitten unter den Buben und Mädchen stehend, weiß er sich durch herzliche Bande der Liebe und des Vertrauens aufs innigste mit ihnen verbunden. Auf den Bildern der Fürsorge-Anstalten aber ist fast durchweg in gemessener Entfernung von den gebückten, tätigen, in ihrer plumpen Anstaltstracht den Stäflingen gleichenden

Kindern(Zöglingen, wie die offizielle Bezeichnung heißt), der

Aufseher postiert, stramm militärisch, die Amtsmiene im schnauz⸗ bärtigen Gesicht, den Daumen an der Hosennaht. Aus dieser typi⸗ schen Positur spricht der Geist, der die heutige Fürsorge charak⸗ terisiert.

Noch treffender als in diesen zufälligen Bildern fanden die ethische Sphäre und das pädagogische Niveau der Fürsorgearbeit ihren Ausdruck in den Verhandlungen des Kongresses. Oder besser noch: in dem, was nicht gesagt wurde. Daß z. B. die Fürsorge⸗ Erziehung sich als eine unverkennbare Klassenmaßregel darstellt, indem sie nur auf Kinder armer und ärmster Kreise Anwendung findet, niemals aber auf Bourgeoissprößlinge, obwohl sie da oft dringend am Platze wäre, ist selbst dem Oberpräsidenten von Hessen⸗Nassau so peinlich auffällig geworden, daß er dies in seinem amtlichen Bericht offen ausspricht der Fürsorge⸗ Erziehungs-Tag ging über diese Tatsache, die die Beurteilung der Fürsorgeinstitution in eine ganz andere Beleuchtung rücken muß, mit beredtem Stillschweigen hinweg. Weiter, daß Prügel und harte Behandlung die ungeeignetsten Erziehungsmittel für gefährdete und verwahrloste Kinder sind, ist jedem einsichtsvollen Pädagogen klar; zum Ueberfluß legte noch der zum Referenten bestellte Psychiater mit eindringlicher Warnung seinen Finger in die böse Wunde der Fürsorge⸗Erziehung; keiner der 2300 Praktiker hatte den Mut, die Prügelstrafe rund und ehrlich als unentbehrliches Erziehungsmittel zu verteidigen, und doch wird, dessen dürfen wir versichert sein, in der Fürsorgearbeit in Zukunft genau so bar⸗ barisch geprügelt werden wie bisher. Und noch ein letztes Moment: daß die widrigen sozialen Verhältnisse in erster Linie unzählige Kinder für die Fürsorge reif werden lassen, ist tausend⸗ fach bewiesen und wird jeden neuen Tag tausendfach bestätigt; der Referent des Erziehungstages aber scheute sich, dieser rauhen Wahr⸗ heit ins Gesicht zu sehen, darum schob er den Eltern der Kinder die Dauptschuld zu. Als ein Debatteredner sich damit nicht einver⸗ standen erklärte und die soziale Not als unheilvollste aller Jugendgefährdungs⸗ und Verwahrlosungs⸗Ursachen denunzierte, erstickte lautes Zischen das vereinzelte Bravo. Ja, ein berufener und besoldeter Verteidiger der heutigen Ordnung der Brave ist Bürgermeister der sächsischen Stadt Freiberg tat ein Übriges, indem er feierlichst erklärte: niemals könne den sozialen Verhält⸗ nissen eine Schuld beigemessen werden. Vielleicht achte ex dabei an die Zeit, da in dem honetten Kreisen Freibergs noch Grete Beier aus- und einging, jene angenehme Bürgermeisterstochter, die als guter Leute Kind nie in Zwangserziehung war, aber als unsagbar lasterhaftes und verworfenes Geschöpf ein unrühmliches Ende auf dem Schafott sand.

Die beweglichen Klagen darüber, daß die Fürsorge⸗Erziehung in der Oeffentlichkeit mit starken Vorurteilen zu kämpfen

habe und unter der Ungunst einerschlechten Presse leide, find angesichts der Vorkommnisse, die ihren Weg Über die Anstalts⸗ mauern gefunden haben, wie angesichts der Grundsätze, nach denen die Arbeit an der Jugend geleistet wird, nur allzu erklärlich. Nun hat der vorige Fürsorge⸗Tag in 12 e eine Preß⸗ zentrale zu schaffen, einen n II und durch Instematilche Leardeltung der Tägeszprelse

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