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In einem weiteren Stadium platzt die Kugel.

in Mitt b. t bestimmten Stelle ist eln Schimmelpilz gewachsen, der durch

die Luft, durch die Milch, durch irgend etwas in die Butter gelangte. Wir sehen an der Stelle, an der er sich angesiedelt hat, feine, dünne, überaus zarte Fäden, mittelst deren er aus der Butter die Kraft zum Leben schöpft. Um nun die Butter rationell zu umgarnen, schlebt er nicht bie Fäden einfach weiter und weiter. Er macht dies viel geschickter. An bestimmten Stellen der auf der Butteroberfläche

kriechenden Fäden baut er sich Stangen in die Höhe. Diese Stangen

stehen in ständigem Zusammenhang mit den Schienen. Die Schienen örlicken die Nahrung in die Stangen. Diese wachsen in die Höhe, und haben sie eine bestimmte Höhe erreicht, so beobachten wir plötz⸗ lich an den Enden der Stangen runde Gebilde. Jede Stange wächst in der Höhe zu einer großen Kugel aus, die größer und größer wird. Es treten aus ihr mikroskopisch kleine Kügelchen heraus, die ber leiseste Windzug fort⸗

f weht. Sie fallen dadurch auf entferntere Stellen der Butter nieder

glückliche Idee ein Mittel geschaffen, Schnelligkeit ein Netz um den Nahrungsstoff zu legen. Die Spo⸗ ren, so werden die kleinen Kügelchen genannt, haben außer ihrer

und wachsen und werden, wo ste auffallen, zu Schienen, die wiederum Stangen mit Kugeln bilden. Der Schimmelpilz hat sich durch diese mit der denkbar größten

Eigenschaft, außerordentlich leicht zu sein, andere für den Schimmel stagt wichtige Eigenschaften. Erhitzen wir nämlich ein Gebilde, das die Schienen trägt, trocknen wir es aus, so werden die Schienen die Eigenschaft verlieren, weiterzuwachsen. Sie sind tot. Die kleinen Kügelchen sind viel, viel widerstandssähiger gegen solcheklimatische Einflüsse. Ein Bau, dessen Feinheit, dessen Struktur wir kaum ahnen, ermöglicht es ihnen, lange, lange Zeit ohne Beziehungen mit der Außenwelt zu bleiben. Jede dieser Sporen ist eine Art Tief⸗ seeboot, doch unendlich verwickelter konstruiert und nicht allein für das Wasser geschaffen, für die Luft ebenso. Vom Winde fortgeweht, kann es tagelang in der Luft bleiben, auf Stein fallen, immer bleibt es ein kleines Kügelchen, in dem die Eigenschaften des ganzen Staates lokalisiert sind. Wie ein Eroberer der Welt deucht es uns, der hinausgesandt wird von seinem Volk, versehen mit den Er rungenschaften jahrttusendelanger Entwicklung von keinem andern Willen beseelt, als diese Errungenschaften zu erhalten, sein Volk auf andere Erden zu pflanzen. In sich führt er die notwendige Nahrung in der denkbar konzentriertesten Form, um sich her hat er eine Hülle, allen möglichen Verhältnissen angepaßt, und dazu noch einen Drang

zum Leben, Nachkommen zu erzeugen, wie wir uns nicht vorstellen können. Wo ein bißchen Nahrung gefunden wird, wirft er die Hülle ab, baut Schienen und Stränge, und binnen kurzer Zeit sehen wir

wieder Kugeln mit Tausenden von kleinen neuen Eroberern, die, wie ihr Ahnherr gewappnet, sich der Reife und des Windes freuen. Dlese Schimmelpilze verfärbten meine alte Butter beträchtlich. Sporen, Stränge und Stangen können nämlich in ihrem Innern auch Farbstoffe beherbergen. Wir sehen Rot, Grün, Schwarz, Pur⸗ pur, Weiß. Die Bausteine zu diesen Farben bilden sie aus den Bestandteilen der Butter. Die Schienen sind, obwohl sehr dünn, Werkstätten, in denen tlichtig gearbeitet wird. Stoffe werden auf⸗ genommen, zersetzt, Material für die Wände weiterer Schienen aus ihnen hergestellt. Die Abfälle sind zum größten Teil gasförmig. Diese werden ausgepustet durch feine Poren der Schienen. Ja, es

sind grandiose Fabriken. Meine alte Butter ist ein Industrie⸗

zentrum geworden, das im Besitz von technischen Hilfsmitteln ist, die die Menschen vielleicht nach Jahrtausenden noch nicht ihr Eigen⸗ tum nennen.

Außer den Schimmelpilzen sind noch andere Organismen in der Butter: Spaltpilze, Bakterien, Buttersäurebakterien, Milch⸗ säurebakterien, Hefenpilze. Eine Pracht ists, wie die alle arbeiten. Da gibts keine Ruhe, keinen Streik. Der Gedanke, daß Entwicklung in weitgehendem Maße von der Organisation der Einzelindividuen abhängt, ist bei ihnen schon längst verwirklicht. Denn ein Bakte⸗ rium ist nichts, erst die Menge, die sich eng aneinanderschließt, die beseelt ist von einem einzigen großen Gedanken, die hat ihnen die Stellung in der Welt gegeben. Und sie haben eine Stellung in der Welt. Vielleicht die größte. Wo Leben ist, ist Tod, sind Leichname.

Diese Leichname mlissen nutzbar gemacht werden. Ihre Stoffe

imüssen wieder zurückgeleitet werden in das große Becken, aus dem bdie Lebenden steigen, immer und immer. Der Bakterien Leben ist wastlose Arbeit. Sie kennen ihre große Rolle. Und sie erfüllen diese ganz. Sie wissen, was sie der Welt, sich selber schuldig sind. Ihr Geschlecht zu erhalten ist deshalb ihr Höchstes. Nachkommen zu er⸗ zeugen, viel, viele Stammesgenossen in die Welt zu entsenden. ist

ihre größte Aufgabe. Diese Aufgabe wird ihnen durch den bel ihrem Geschlecht üblichen Modus des Gebärens nicht schwer. Vater und Mutter, Mann und Weib kennen sie nicht. Sie sind beides in einer Person. Sind sie stark geworden, so teilt sich ein Individuum in der Mitte in zwei Teile, nachdem durch seinsinnige Art vor der Teilung in beide Hälften die notwendigen Stoffe lokalisiert sind. Aus einem Geschöpf sind zwei geworden. Einfach, ohne Schmerz, schnell. Welches ist das jüngere, welches das ältere? Wir wissen es nicht. Beide sind gleich alt, gleich jung. Beide haben dieselben Kräfte, weiter zu zeugen, ihren Stamm zu erhalten. Stirbt eines, so ist es kein natürlicher Tod. Es gibt kein Altwerden bei ihnen. Wenn die Nahrung ausgeht, wenn hohe Wärme, wenn Gifte auf sie einwirken, gehen sie zugrunde. Stehen diese Bakterien jedoch unter normalen Verhältnissen, so sind sie in gewissem Sinne unsterblich. Durch fortgesetzte Teilung erhalten sie sich jung.

Meine alte Butter ist mir ein Eldorado. Ideen stlürzen auf mich ein, wenn ich sie sehe. Mir ists, als höre ich das gewaltige

Rauschen der Welt, und der widerwärtige Geruch, der dem alten

Nahrungsmittel entströmt, wird ein rätselhafter bitterer Duft. Bakterienhauch.

In meiner Raritätenkammer ist auch altes Fleisch. Die Ver⸗ änderungen des Fleisches beim Altwerden gehören zum schönsten, was man beobachten kann. Ich hatte eine verdünnte Kochsalzlösung über das Fleisch geschüttet, um das Altwerden langsam voran schreiten zu lassen.

Als ich im Dunkeln nach wenigen Tagen in die- Kammer kam, lag ein matter Schein auf dem Fleisch, der stärker und stärker wurde, je länger ich im Zimmer stand. Winzige leuchtende Pünkt⸗ chen waren über dem Fleische zerstreut.

zoher dieses Leuchten? Auch von Bakterien, auch von jenen idealen Staatenbilönern, deren Künste in unübersehbarer Fülle die Welt des Kleinsten zieren. Es ist die reizendste ihrer Künste, das Leuchten. Winzige Körperchen, einen Tausendstel Millimeter groß, schaffen in ihrer Zelle, in der sich ihr Leben abspielt, leuchtende Stoffe. Und wenn ihrer viele zusammen sind, sind sie ein strahlen des Volk, das dem groben menschlichen Auge sichtbar wird, als ein stilles Flimmern im Dunkeln. Ist dies nicht grandios, nicht einzig⸗ artig? Nehmen wir geringe Teile eines leuchtenden Pünktchens weg und bringen sie in einer salzige Gallerte, so leuchtet diese Gallerte. Denn nun sind die Leuchtbakterien in ihrem Wachstum, in ihrer Freude zu blenden, nicht mehr behindert. Lege ich sorgsam mit der Platinnadel einige dieser Mikroogranismen in eine mäßis warme flüssige Gallerte und befeuchte mit ihr die Innenwand eines großen Kolbens, das heißt, schaffe ich für das nette Bakterienvölk- chen eine möglichst große Oberfläche, so beginnen sie überall zu wachsen, wo die Gallerte das Glas berührt hat. Aus ber Flasche ist eine Laterne geworden, eine Bakterienlampe, mit der ich gut bei Nacht meine Taschenuhr ablesen kann. Zwar keine dauerhafte Laterne, denn merkwürdigerweise hört ihr Leuchten nach einiger Zeit auf, obwohl die Bakterien noch nicht tot sind.

Ich habe das leuchtende Stückchen Fleisch sich selber überlassen Das Leuchten wird schwächer und swächer. Andere sind im Fleisch⸗ groß geworden, groß geworden durch die Stoffe, welche die Leucht- bakterien erzeugten. Und die neuen treten an bie Stelle der alten, Langsam saugen die alten das Gift der jungen ein und sterben. Ihr unabänderliches Schicksal. So stark ihr Lebensdrang ist, so sehr sie diese Welt lieben, der Tod ist ihrem Geschlecht eln bekannter Gesell. Sie haben ihre Pflicht getan, um ihren Stamm braucht es ihnen nicht bange zu sein. Draußen in der Luft, im Wasser, im Boden sind viele, viele Brüder. Die leben weiter, die leuchten weiter, wenn sie auf Fleisch gelangen. Was tuts? So schnürt sich ihr kleiner Leib zusammen. Immer schwerer wird ihnen das Atmen. Dann fäll⸗ ihr Körper zusammen. Die neuen stürzen über die Leichen. Bald sind sie eine schöne Märe in der Geschichte des Fleischbröckelchens.

Die neuen wachsen rasend. Die rote Farbe des Fleisches ver⸗ schwindet. Es wird blaß, schleimig. Die Bakteriengase häufen sich zu großen Blasen, die mit widerlichem Geruch zerplatzen. Jeder Tag bringt Milliarden neugeborener Individuen, die mit dem Leben auch die Fähigkeiten der ältesten Generationen besitzen. Kein Zögern gibt's kein Lernen. In den vorderen Reihen arbeiten sie und zeugen und zeugen. Wehe dem Menschen, wenn sein Körper Teile des Fleisches aufnähme! Es ist ein Giftklumpen geworden, intenstver wirkend, als manche der berüchtigsten Substanzen,

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