Ausgabe 
1.10.1912
 
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Weimar. Sonst würde ich sicher nicht unterlassen haben, mich zu erkundigen, ob im Hausstande des Herrn Professors inmittelst nicht eine klelne Veränderung eingetreten sei.

Die Gutmütigkeit dieses Volkes hat wahrlich keine Grenzen, 3 ein württembergischer Leutnant beim Durchmarsch durch e Zeitzer Gegend,und felbst die blauäugigen und rotbackigen Mädchen glaubten aus lauter Gaftfreundschaft uns mehr einräumen zu müssen, als wir mit autem Gewissen erwarten konnten.

Ein Preuße bekennt:Der Gleichmut und die vollkommene Siegesgewißheit, die angesichts der Gefahr aus den Augen der Soldaten strahlten, bewiesen wohl deutlich genug, daß alle diese Kriegshaufen, welcher Nation sie auch angehören mochten, sich nichtsdestoweniger doch als ein großes Ganze fühlten und als solche zu handeln entschlossen waren.

Aehnlich der sächsische Premierleutnant v. Meerheim:Unver⸗ helle Freude blickte vom ersten Marschtage an aus jeder Mine, und lauter Jubel ertönte fortwährend im langgestreckten Zuge der Geharnischten.

Die Leute fühlten sich sicher. Napoleon führte nicht nur zum Siege, sondern sorgte auch für die Zukunft seiner Krieger. Nicht umsonst hatte Napoleon, einen Monat vor seiner Ankunft in Dres⸗ den, 46 Dresdener Invaliden des Feldzuges von 1809 eine Rente von 500 Frank überwiesen.

Von der Bühne herab wurden in Bremen die abziehenden Truppen gefeiert:

Euch öffnen sich des Glückes gold'ne Tore,

Mit Euch will ich den mächt'gen Feind bezwingen. Moskau ist reich an Gütern; unermeßlich

An Gold und Ebdelsteinen ist sein Schatz

Der Zaren: meine Freunde kann ich königlich Belohnen, und ich will's! Wenn ich als Herr

Und Sieger einzieh' auf dem Kreml, dann, ich schwör's, Soll sich der Aermste unter Euch, der mir

Dahin gefolgt, in Samt und Zobel kleiden,

An Gold und Silbergeld und Bankozetteln weiden.

Wirkungslos verhallte der vom Freiherrn vom Stein verfaßte russische Aufrufan die Teutschen, der vom Oberfehlshaber der rufsischen Armee unterzeichnet war. Dieunglücklichen Werkzeuge zur Erreichung ehrgeiziger Zwecke, die in dieser Urkunde ermahnt wurden, dachten nicht daran, dem Zarenruse zu folgen:Ihr, die der Eroberer auf die Grenzen Rußlands getrieben, verlaßt also die Fahnen der Knechtschaft, sammelt Euch unter denen des Vater⸗ lands, der Freiheit, der National-Ehre, die unter dem Schutz Seiner Majestät des Kaisers, meines Allergnädigsten Herrn errichtet werden.

DieTeutschen fühlten sich nicht im mindesten als unglückliche Werkzeuge.

Emile Zola.

Zu seinem 10. Todestage am 29. September 1912.

Nicht allen Menschen gewährt der Anblick der Natur gleichen Gewinn und Genuß. Dem einen ist ein Sturzbach, der von Bergeshöh ins Tal hinabschäumt, nichts anderes als sein schönes Schauspiel dem anderen ofefnbart sich darin eine Welt. Aus der Betrachtung der gleichen Naturerscheinung entnimmt jeder soviel, als seinen geistigen Anlagen ent spricht, als seine Phantasie zuläßt. So auch in der Kunst. Nicht jedem entschleiert sie ihren letzten Gehalt, ihre tiefste Schönheit. Aber daraus zu folgern, wie es die heute herr⸗ schende Nur⸗Aestheten tun, daß die Kunst in ihrem Wirkungs- gebiet auf einen kleinen Kreis der in ihre Mysterien Einge⸗ weihten beschränkt sei, daraus das Dogma vom Selbstzweck der Kunst(l'art pour l'art) herleiten zu wollen, ist blinde Torheit. Die Kunst muß als größte gelten, die auf al le wirkt, die klar und schlicht genug ist, aller Seelen zu rühren. Verderblich sind die Folgerungen aus dem vermeinten Selbst⸗ zweck der Kunst: der aristokratische Charakter, den man da⸗ durch ihr aufzwängt(der entwicklungsgeschichtlich so leicht zu widerlegen), ihre Loslösung von den übrigen Wertge⸗ bieten der Menschheit und damit ihre völlige Isolierung, end⸗ lich die Ueberschätzung des Rein⸗Aesthetischen, der absoluten Form und deren Abtrennung vom Inhalt. Dieser Forma⸗ Itismus in der Kunst führt aber notwendig zu Künstlichkeit und Spielerei. So ist es grundfalsch, ein Kunstwerk aus⸗ schließlich nach ästhetischen Werten zu bemessen. Wollen wir

deiner künstlerischen Persönlichkeit gerecht werden, wollen wir

sie in ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Menschheit

richtig werten, dann müssen wir sie als Ganzes betrachten, nach Form und Inhalt ihres Schaffens.

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Nun wird es klar, warum ich diese allgemeine Betrach⸗ tung gerade einer Würdigung Zolas vorausschicke. Es mag vom rein ästhetischen Standpunkt aus unter den Modernen größere geben als ihn. Und doch haben sie für die Mensch⸗ heitsentwicklung nicht entfernt Zolas Bedeutung, dem von allen neueren Dichtern nur zwei gleichwertig an die Seite zu stellen sind, beide wie er große Lehrer der Menschheit: Ibsen und Tolstoi.

Auf künstlerischem Gebiet liegt Zolas Bedeutung darin, daß er der Begründer und konsequente Verfechter des natu⸗ ralistischen Romans war. Als solcher hat er auf die gesamte Literatur seiner Zeit unermeßlichen Einfluß geübt, weit über Frankreichs Grenzen hinaus. Und wenn auch gegenwärtig der Roman wieder andere Wege eingeschlagen hat, Zolas Einfluß wirkt fort. Er hat uns daran gewöhnt, vom Roman strenge Beobachtung der Wirklichkeit zu fordern, so daß all das, was früher als charakteristischromanhaft erschien, ein unbekümmertes Umspringen mit der Wahrheit des Lebens, mit den Tatsachen der Psychologie, mit der Ver⸗ kettung von Geschehnissen, uns unerträglich geworden ist, daß wir den Romanen desJungen Deutschlands, und selbst zum Teil Spielhagens, keinen Geschmack mehr abgewinnen können.

Was war nun das Wesen des von Zola geforderten Naturalismus?Unter Naturalismus verstehe ich die ana⸗ lytische und experimentelle Methode, die sich auf Tatsachen und menschliche Dokumente stützt. Zwischen dem sozialen Zustand, der die Ursache, und der Literatur, die die Wirkung ist, muß Uebereinstimmung herrschen. Die enge Verbind⸗ ung, die Zola schuf zwischen seinen Gestalten und ihrem Milieu, die wissenschaftlich zu nennende Art, wie er sie als Produkt ihrer ökonomischen und sozialen Verhältnisse dar⸗ stellt, überhaupt der tiefe Einblick, den er in die Bedingtheit alles Geschehens durch die wirtschaftlichen Grundlagen besaß, das war das ganze Neue bei ihm, das gibt seinem künst⸗ lerischen Schaffen das charakteristische Gepräge. So ent⸗ wickelte er sich bei der Arbeit an seinen sozialen Romanen, an jener gewaltigen, zwanzig Bände umfassenden Rougon⸗ Macquart-Serie(18691893), in denen er ein umfassendes Kulturbild des zweiten Kaiserreichs enthüllte, immer mehr zum sozialen Reformator. Von früh an war ihm schon ein heller Blick für die sozialen Nöte der Zeit eigen gewesen, der in langen Jahren der Not, wo er ganze Tage ohne Nahrung im Bett zubrachte, weil das letzte Kleidungsstück ins Pfand⸗ haus gewandert war, noch geschärft wurde. Immer weniger erschien ihm die Kunst als Selbstzweck, immer mehr waren es Menschheitsideen soziale Pläne, die sein künstlerisches Schaffen entschieden beeinflußten. So ringt er sich zum Kämpfer gegen die Verwüstungen des Kapitalismus durch, gegen klerikale Bedrückung, gegen chauvinistische Kleinheit, gegen antisemitische Beschränktheit, kurz, gegen all die Ten⸗ denzen, die den vollen Aufstieg der Menschheit zu den Gipfeln der Kultur, an den er bis zum letzten Atemzuge in unerschüttertem Optimismus glaubte, zu verhindern trachten. Bis er endlich von schonungsloser Kritik des Bestehenden zu positivem Aufbauen fortschreitet und der Menschheit ein grandioses Bild der Zukunft aufrichtet, getragen von vier mächtigen Säulen: Fruchtbarkeit,(sozialistisch organisierter) Arbeit, Wahrheit, Gerechtigkeit. Und sein Zukunftsglaube ersteht ihm durchaus auf realem Boden. Keine müßige Ideologie ists, die er treibt. Dazu ist er viel zu wirchlich⸗ keitsgerichtet. Die Grundlage seines Glaubens ist die Wissen⸗ schaft. Sie ist die gewaltigste von allen vorwärts peitschen⸗ den Kräften der Menschheit in der Richtung auf humane Ziele. Die Methoden der Wissenschaft überträgt er auch auf seine Romane, in denen er eine Vereinigung von Kunst und Wissenschaft anstrebt. Wie der Naturforscher, wie der Arzt sucht er in Wesen von Zeit und Menschen einzudringen. Alle Wunden will er sondieren, alle Schäden im Leben des Ein⸗ zelnen wie der Gesamtheit erforschen. Aussprechen was ist, allem die heuchlerischen Schleier entreißen, alle Schönfärberei eines folschen Idealismus verachten, aber alles zu dem ein⸗ zigen Zweck, daß unablässig geforscht, gebessert, neu aufge⸗

halt und Ziel künstler ischen er den Aristokraten, den Bourgeois,

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