Ausgabe 
2.6.1919
 
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Bekanntmachung.

Betr.: Abbeförderung, von beschäftigungslosen Arbeitern.

Nachstehendes Ausschreiben des Ministers der öffentlichen Ar­beiten an die Eisenbahndirektionen bringen wir zur öffentlichen Kenntnis. .,

Das Polizei,amt Gieren n n b d i e Bürgermei- stereien der Landgemeinden des Kreis es rverden auf seinen Inhalt hiermit besonders aufmerksam gemacht.

Gießen, den 30. Mai 1919.

Kreis amt Gießen.

Dr. Ufinger.

Berlin W. 66, Wil Helmstr. 79, den 21. April 1919.

Gemäß 8 13 der Verordnung des Reichsministeriums für lvirt- sckxfftliche Demobilmachung vom 28. März 1919 über die Frei- in a ch u n g von A r b e i t s st e l l e n während der Zeit der wirt­schaftlichen Demobilmachung erhalten Arbeitnehmer, die in den ersten 7 Tagen nach ihrer auf Grund dieser Verordnung erfolgen­den Entlassung nach ihrem Heimatsorte fahren, für ihre Person und gegebenenfalls für ihre Familie freie Beförderung bei Vor­lage des polizeilichen Anmeldescheins und einer Bescheinigung des Arbeitgebers über den Zeitpunkt und den rechtlichen Grund dieser Entlassung. Die Kosten dieser freien Beförderung werden vom Reich den zustärrdigen Eisenbahnvertvaltungen erstattet.

Für die Abfertigung der Reisenden sind die gleichen Ausweise zu verwenden, die mit obengenanntem Erlaß vorgeschriebcn sind, jedoch mit der Maßgabe, daß die Worteinnerhalb 5 Tage" in innerhalb 7 Tage" undnach Ablauf des 4. Tages" innach Ablauf des 6. Tages" zu ändern sind.

Tas hiernach Erforderliche wegen Verständigung der Dienst­stellen und Aenderung des Vordruckes für die von den Ortspolizei­stellen anzufertigcnden Ausweise ist unverzüglich zu veranlassen, gez. O e s e r.

B e t r.: Annahme von Zinssch«inen der Kriegsanleihen in Zahlung. An die Gemeinde-, Kirchen-, Stistungs- und Markrechner, sowie Rechner der isr. Religionsgemeinden des Kreises.

Nach Mitteilung der Reichsschuldenverwaltung sind -zahlreiche Fälle von Fälschungen und Verfälschungen der am 2. Januar d. I. fällig gewordenen Finsscheine der 5o/oigen Reichsschuldverschrei­bungen (Kriegsanleihen) vorgekommen. Tie Falschslücke sind nicht nur von Privatpersonen und Behörden zur Einlösung vorgelegt worden, sondern befanden sich auch unter den bereits eingelösten, der Staatsschuldelftilgungskasse von den amtlichen Einlösungsstellen zugegangenen Zinsscheinen. Unter Beifügung von 4 Merkblättern, in denen die aus den verschiedenen Werkstätten hervorgegangeneN Fälschungen gekennzeichnet sind, geben wir Ihnen hiervon Kenntnis.

Gießen, den 7. Mai 1919.

Kreisamt Gießen. I. V.: W e l ck e r.

Merkmale

des falschen Zinsscheins mit dem Aufdruck eines am 2. Januar 1919 fälligen Zinsscheins Reihe I Nr. 5 über 25 Akk. zu der 5°/o Reichsschuldverschreibung von 1916 (ük. 24) Buchstabe C Nr. 7 932 295 über 1000 Mk.

Werkstatt bisher unbekannt: sie führt bei der Reichsschulden­verwaltung die Nr. 23.

Tas Falschstück trägt den Ausdruck eines am 2. Mannar 1919 fälligen Zinsscheins Reihe I Nr. 5 über 25 Mk. zu der 5<yo Reichs- schuldverschreibung von 1916 (ük. 24) Buchstabe C Nr. 7 932 295 über 1000 Mk. Zur Herstellung ist gewöhnliches Papier ohne Wasserzeichen verwendet worden. Tie Druckausführung des Falsch- stücls ist sy dürftig, daß sie auch bei geringer Aufmerksamkeit als Fälschung erkannt werden kann. Tie Zeichnung aller Drucke (des grünen Unterdrucks, des roten Aufdrucks nnb des schwarzen Text­drucks) itfli so vergröbert und verklext, daß sie weit hinter der Ausführung der echten Ziirsscheine zurückbleibt. Der Trockenstempel ist nur angcdeutet. Im allgemeinen hat der falsche Zinsschein wenig Aehnlichtkeit mit einem echten Schein.

Merkmale

des falschen Zinsscheins mit dem Aufdruck eures am 2. Januar 1919 fälligen Zinsscheins Reihe I Nr. 5 über 12,50 Mk. zu der 5°/o Reichsanleihe von 1916 (ük. 24) Buchstabe D Nr. 4 700 947 über 500 Mk.

Werkstatt bisher unbekannt: sie führt bei der Reichsschnlden- verwaltung die Nr. 21.

Tas Falschstück trägt den Aufdruck eines am 2. Januar 1919 fälligen Zinsscheins Reihe I Nr. 5 über 12,50 Mk. zu der 5°/o Reichsschuld Verschreibung von 1916 (ük. 24) Buchstabe D Nr. 4 700 947 über 500 Mk. Zur Herstellung ist ein stärkeres Papier ohne Wasserzeichen verwendet worden. Ter Trockenstempel fehlt ganz: der grüne Unterdrück ist etwas verblaßt, der lilafarbene Aufdruck verblaßt und verschwommen. Außer den schon >ange- gebenen Merkmalen sowie den erwähnten Mweichungen in den Drucken.verdient angeführt zu werden, daß die Zeichnung sowohl

des grünen Unterdrucks als auch namentlich des violetten Auf­drucks von den auf'den echten Zinsschcinen vorhandenen ^rucken völlig abweicht. Ter violette Aufdruck ist offenbar ohne ,ede Ruck- ftckt auf das Muster, mit einem Kopierstift nur als Lime gezogen worden Auch der schwarze Textaufdruck läßt nicht dieienige scharfe in der Sckrift erkennen, welche den echten Schemen eigen rst Textwiedergabc auf der Fälschung ist vermutlich m --temdruck ausgeführt worden.

Merkmale

der falschen Zinsscheine mit dem Aufdruck eines.am 2. Iammr 1919 fälligen Zinsschems Reihe I Nr. 3 über 12a,50 u^d A Mk. zu 5"/o Reichsschuldverschreibungen vonl91^(uk2chBilchstabe A über 5000 Mk., Buchstabe B über 2000 Mk Buchstabe C über 1000 Mk Tie Nummern.der Fallchstucke ähneln sich häufig bei den verschiedenen Wertabschnitten .

Werkstatt bisher unbekannt; sie fuhrt bei der Rerchsichuldeu- verwaltung die Nr. 24. , 1O3O

Tie Falschstücke tragen den Aufdruck ernes am 2. ^anuarl91.) fälligen Zinsscheins Reihe I Nr. 3 i'lber 12a,a0 und 2a Mk. zu 5o/o Reichsschuldverschreibungen von 1917 (uk. 24) Buchftabe A über 5000 Mk, Buchstabe B über 2000 Mk. und Buchstabe C über 1000 Mk.: and)' sind die Falschstücke mit Nummern verfehen, die fidn bei den verschiedenen Wertabschnitten häufig ähneln. Tern verwendeten Papier, das bei sämtlichen Zinsfcheinen das gleiche ist fehlt das Wasserzeichen. Ter Druck läßt bei genauer Prüfung überall die Schärfe und Bestinimtheit der Zeichnung echter L-cheme vermissen. Ties gilt ebenso für den grünen Unterdrück, wie für den sckwarzen Text und den braunen, olivgrünen und roten Auf­druck Letzterer ist bei genauem Nachmessen int Rahmen bet sämt­lichen Falschstücken etwas Lu schmal. Auffällig gut gelungen rst die Nachbildung des Trockenstcmpels, obgleich auch bei ihm bet genauem Zusehen überall Abweichungen in den Einzelherten fest- zustellen sind. Auf den oben angeführten FalfclKucken ist vor allem der Trockenstempel der gleiche. Im allgemeinen muß die Fälschung der Scheine als wohlgelungen bezeichnet werden, und ist sie daher als solche nicht leicht zu erkennen Lw ist mit den Mitteln des Steindrucks hergestellt worden. Zum Druck haben, abgesehen von Text und Nuniiiiern, dieselben Platten gedient.

Merkmale

des falschen Zinsscheins mit dem Aufdruck eines am 2. Januar 1919 fälligen Zinsscheins Reihe I Nr. 7 über 12,50 Mk. zu der 5 o/o Reichsschuld Verschreibung von 1915 (ük. 24) Buchstabe D über 500 Mk. Tie Nummern sind verschieden, ähneln sich aber.

Werkstatt bisher unbekannt: sie führt bei der Reichsschulden- Verwaltung die Nr. 22.

Tas Falschstück trägt den Aufdruck eines am 2. Januar 1919 fälligen Zinsscheins Reihe I Nr. 7 über 12,50 Mk. zti der 5°/o Reicksschuldverschreibung von 1915 (ük. 24) Buchstabe D über 500 Mk. Zur Herstellung ist ein schwächeres Papier ohne Wafter- zeichen verwendet worden. Der Aufdruck, zu dem andere Typen verwendet sind, ist weniger scharf. Tie Prägung des Trocken stempels ist gleichfalls unscharf. Ter lilafarbene Unterdrück weicht in der Farbe etwas pon dem Unterdrück der echten Scheine ab: die Umrandung weist ein etwas anderes Muster auf. Tas Grün des Unterdrucks ist weniger lebhaft als bei echten Scheinen. ?luch ist der Unterdrück nicht wie bei echten Scheinen in zwei verschie­denen Tönen grün Lebruckt, sondern tuu1 in einem. Alle Fein­heiten der Zeichnung im Unterdrtlck, Ausdruck und Schrift sind durch die Wiedergabe verloren gegangen: die Ziffern der Nummer sind etwas kleiner als die der echten Scheine. Tie Fälschung ist in Buchdruck, die Platten dazu sind in photoinechauischer Zinkätzung hergestellt worden. In dem WorteHalbjährige" fehlt über dem i" der Punkt, ebenso hinter dein WorteReichsschnldenver-, Wallung".

Im allgemeinen hat aber der falsch)« Zinsschein eine groge Aehnlickikeit mit den echten Scheinen und ist als Fälschung nicht leicht zu erkennen.

B e t r.: Gemeindewahlen.

An den Oberbürgermeister zu Gießen und die Bürger- melstereien der Landgemeinden des Kreises.

Ms Wahltage für die Wahlen zuni Kreistag des Kreises Giefen uno zum Provinzialtag der Provinz Oberhessen sind Sonntag der 17. A u g u st und Sonntag der 31. A u g u st d. I. festgesetzt worden.

Wir empfehlen, daffir Sorge zu tragen, daß die genannten Tage nicht als Wahltage für etwa notwendig werdende Nachwahlen in Stadt- oder Landgemeinden festgesetzt werden.

Gießen, den 27. Mai 1919.

Kreisamt Gießen. I. V.: H e m m e r d e.

Dienstnachrichten des Kreisamtes.

B e t r.: Tie Anstellung von Nachtwächtern für die GemeindeWieseck.

KarlSeibertl. und H e r m a n n W e l l e r I. von Wieseck sind zu Nachtwächtern der Gemeinde Wieseck verpflichtet tvorden.

Druck der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.