Ausgabe 
25.12.1895
 
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Dritte Probenummer.

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Gießen, Mittwoch

den 25. Dezember

1895.

Ausgabe Gießen.

Hessische Landeszeitung.

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Redaktion: Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. S Expedition: vorläufig Schloßgasse 13. 8. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Fspaltige Petitzeile.. vorläufig Schloßgasse 1

Der Weihnachtsfeiertage wegen erscheint die nächste Nummer am Freitag Nachmittag.

Gießener Neu⸗ und Umbauten im Jahre 1895.

Die Bausaison ist beendet. Wir wollen daher von den Bahnhöfen einen Spaziergang durch die Stadt machen, um die Neu- und Umbauten in Augenschein zu nehmen. Da fällt uns zuerst Ecke Bahnhofstraße und Westanlage der Umbau das Merz'schenHauses vorteilhaft auf. Nach Zeich⸗ nungen der Architekten Stein und Meier hat man den alten unsicheren Bau an der Ecke mit einer stolzen von weither sichtbaren Kuppel ge⸗ krönt, neu angelegte Balkone, sowie des an der 1 55 Facade angebrachte reiche ornamentale

ildwerk haben es vermocht den Bau in eine Zierde für die Gegend umzuwandeln. Weiter⸗ bern gelangen wir bei Aufsuchung von Neu⸗ auten in die Marktstraße. Da am Anfang derselben, wo noch vor Jahresfrist eine alte bau⸗ fällige halb aus Stein, halb aus Holzfachwerk gebaute Scheuer sich befand, steht heute der Geil⸗ 1 1 Prachtbau, welcher nach Plänen es Architekten G. Hamann in deutscher Re⸗ natssance als roter Backstein⸗Giebelbau sich dar⸗ stellt. Das Verblendmaterial(Fabrikat der Gail'schen Dampfziegelel) ist wirkungsvoll gehoben durch Felder, welche der Dekorationsmaler Eugen Groß in Farben mit Wasserglasmanier auf rohem Putz künstlerisch behandelt hat. Es war schwierig, auf diesem verhältnismäßig kleinen Bauplatz unter Freilassung des von der Bauordnung geforderten Hofraumes ein einiger⸗ maßen rentables Gebäude zu errichten, und mehr⸗ fach beschäftigte das Geilfus'sche Bauprojekt die bezügliche Behörde, bis alle Schwierigkeiten be⸗ hoben waren und dasselbe beiden be fand.

Ueber den Marktplatz schreitend, biegen wir in die Schulstraße ein. Unser Blick streift links die Trümmer des dort vor Kurzem abge⸗ rissenen unschönen alten Schulgebäudes, an dessen Stelle im kommenden Jahre, wie man hört, nach Plänen des Architekten Seuling vom Bau⸗ unternehmer Winn ein moderner Prachtbau aufgeführt werden wird, dessen untere Räume für das Stadtpostamt II zweckentsprechend ein⸗ gerichtet werden sollen, und dessen erste Etage eventuell geschäftlichen Zwecken zu dienen haben wird. Neben dem jetzigen Postamt standen noch zu Anfang des Jahres in der Wagengasse ein⸗ gekeilt in furchterlicher Enge 2 alte schmale, stall⸗ artige Baufragmente dem Schuhmachermeister Berg und dem Kaufmann Pfeffer gehörig. Mit einer dieser Baracken allein ließ sich baulich nichts

Feuilleton. Ein Weihnachtsbild.

Ein dicker, naßkalter Nebel lagert über den Frankfurter Linden in Berlin. Ob die Leute im Tiergartenviertel, in Berlin W., wohl ahnen, wie es hier im Osten der Riesenstadt, im Viertel

der Armen und Aermsten, aussieht.

Wo sonst um die Abendstunden im Halbdunkel Männer im Arbeitskittel und mit schäbiger Eleganz gekleidete Fabrikarbeiterinnen eilig ihrem Heim zu⸗ streben, da ist heute Abend großer Trubel. Eine lange Reihe von Leinwandbuden birgt aller⸗ hand Krimskrams, der im Zentrum der Stadt nicht

abzusetzen wäre, hier aber seine Käufer findet, ja

von manchem blassen, hohläugigen Kinde als uner⸗ reichbarer Schatz sehnsüchtig betrachtet wird. Wie die Augen der Kleinen brennen! So ein Schaukel⸗ pferd oder so ein Honigkuchen, wäre es auch nur eine Schrippe oder ein Stückchen Brod: ihm hungert so! Aber Mutter ist krank und erst morgen früh giebt es bei dem Bäcker eine Schrippe, wenn es das Frühstück austrägt. Und Mutter hat auch Hunger.

Schiebend und drängend wälzt sich ein Men⸗ schenstrom zwischen den Buden entlang. Welche Physiognomien! Ein Zola oder ein Menzel fänden reiche Ausbeute. Hier drei johlende halbwüchsige

Burschen mit Ballonmützen Arm in Arm, denen

jeder aus dem Wege geht; dort ein Mann im Pelz, der den reich gewordenen Hausknecht nicht gut ver

bergen kann; hier ein altes hageres Mütterchen, das die frierenden Glieder in ein verschlissenes Tuch hüllt, und dort zweiDamen mit Lackstiefeln,

Rembrandthut, Pelzboa und ungemein lasterhaften Gesichtszügen: alle müssen dabei sein,wo wat los is. Und es ist etwas los! Kreischende, keifende,

brüllende und heisere Stimmen hallen durcheinander:

Hier die laufende Maus vor zehn Pfennige! Lauft von Wien nach Berlin, von Turin nach Dublin, döller wie'n Bankkassierer! Immer noch

anfangen, selbst im Besitze von Beiden hatte es seine Schwierigkeit, einen Neubau an dieser Stelle zu errichten, dessen Anlagekapital sich einiger⸗ maßen verzinste. Die Besitzer dieser alten Bau⸗ lichkeiten waren aber vernünftig, der eine über ließ dem Andern seinen Teil und so war es denn dem Schuhmacher Berg möglich, durch Errichtung eines einfachen Verblendsteinbaues nach Pläuen des Architekten Kokerbeck, wenn auch mit großen Schwierigkeiten wegen Freilassung des benötigten Hofraumes, einen diesen Teil der Altstadt verunzierenden Winkel zu entfernen.

In der Straßenflucht Mäusburg, Kreuzplatz, Seltersweg bis zur Plockstraße hat sich baulich im verflossenen Jahre nichts geändert. Immer sind's noch die alten Giebelhäuser, die der Weiß⸗ binder von Zeit zu Zeit frisch auftüncht und die wenn sie entfernt würden, dem Gießener fehlen würden, weil sie seiner Vaterstadt das mittel⸗ alterliche Gepräge geben.

In der Plockstraße hat die Firma Julius Bach nach einem Entwurf der Architekten Stein und Meier ein Geschäftshaus errichtet, welches in der architektonischen Formvollendung sowohl wie in der Vornehmheit seiner inneren und äußeren Wirkung sich kühn ähnlichen Bauten jeder Großstadt an die Seite stellen kann. Im Barockstyl erbaut, sind die Bildhauerarbeiten an der Außenfacade aus Savoniere⸗Stein meisterhaft ausgeführt. Eine überlebensgroße Terracotta⸗ figur, die Kunst darstellend, hebt sich wirkungs⸗ voll von der Facade ab. Das ganze Gebäude, welches wir übrigens früher schon sehr eingehend beschrieben, wird durch Niederdruckdampf nach dem System Angrick⸗Berlin erwärmt. Gegenüber diesem Bau hat die Firma Ernst Bloedner eine alte baufällige Scheuer niederlegen lassen und an deren Stelle ein modernes Waaren⸗ haus errichtet. Vorteilhaft präsentirt sich der ebenfalls nach Plänen der Architekten Stein und Meier in gelber Ziegelverblendung durch roten Sandstein⸗ und Terracottenverzierung gehobene moderne Renaissancebau. Die erste Etage dieses Hauses ist um das Gebälk nicht allzusehr zu belasten und um den Raum vorerst für Woh⸗ nungszwecke benutzbar zu machen, durch Rabitz⸗ wände in einzelne Wohnzimmer geschieden. Diese Wände sind für eine Privatwohnung, das erstemal in Gießen, hier in diesem Bau zur Anwendung gekommen.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 23. Dezember. Ueber die Wir⸗ kungen des Behring'schen Diphtherie⸗Heil⸗ serums macht dieD. Ztg. recht interessante amtliche Mitteilungen. Danach haben sich im Großherzogtum Baden die Todesfälle an

zehn Pfennige!Zehn Pfennig die Weihnachts rosen, zehn Pfennige!Zehn Pfennig kost't der Gorilla, Herr Jraf. So'n Riesenaffen kriegen Se bei Aschingern nich so billig!Hier der Mann ohne Haar un Alm! ruft ein Junge, der einen Hampelmaun mit den Gesichtszügen eines ehemaligen hohen Reichsbeamten tanzen läßt. Zehn Pfennig vor die scheene Galathee mit Seiden robe. Se kömmt eben von Spindlern! Papierketten, drei Meter'n Groschen:!Für die ganze Tempelhofer Feuerwehr, mit und ohne Unfall, immer noch zehn Pfennig!Hier dieser Artikel, unentbehrlich für Jedermann, prämiirt auf den Weltausstellungen in Paris, London, Berliu, SchwerinHalt die Schnauze, Krause! Meine Herren und Damen, stören Se mir nich prämiirt in Paris

Es ist ein tolles Bild.

Am Ende der Budenreihe, fast im Dunkel, hockt ein alter Mann, der Wachsstreichhölzer feilbietet. Er sieht starr vor sich hin und rafft sich anscheinend nur schwer aus seiner Lethargie auf, wenn jemand sich ihm naht.

Wachsstreichhölzer, Wachsstreichhölzer! Koofen Se mir'ne Schachtel ab, lieber Herr!

Schon will ich wenden, als ich auf der Brust des Alten mehrere Kriegsmünzen sehe. Das erweckt mein Interesse. Als ehemaliger Soldat, der freilich niemals in feindliche Gewehrmündungen hineingesehen hat, habe ich, so schreibt ein Mitar beiter zu derD. Tgzt., einen großen Respekt vor Kriegsdenkmünzen, zumal wenn sie die Brust eines armen Mannes zieren. Ich sehe das Düppel kreuz, die Medaillen von 64, 66 und 70/71 und die Schnalle.

Geben Sie mir eine Schachtel! die Feldzüge mitgemacht?

Ja, lieber Herr, un nu muß ick hier frieren un hungern!

Haben Sie denn niemand, der

Der Alte sah trübe auf den Fußboden. wurde die Antwort schwer.

Sie haben

Ihm

Diphtheritis außerordentlich vermindert. Auch in Hessen sind die Resultate als recht erfreu⸗ liche zu bezeichnen. Allerdings hat sich in Hessen schon ein Rückgang der Krankheitsfälle bemerklich gemacht, ehe noch das Heilserum in Anwendung kam. Jedoch hat sich der Prozentsatz der Todes⸗ fälle gegen früher ganz bedeutend verringert. Herr Prof. Bose in Gießen hat darüber in seinem jüngst erschienenen BuchDas Behring'sche Diphtherie-Heilserum und die Erfolge, welche mit demselben in der chirurg. Klinik in Gießen erzielt worden sind, recht interessanten Aufschluß geben. Während beispielsweise in der Zeit vom 1. Januar 1893 bis dahin 1894 von 186 an Dißhtheritis Erkrankten 82, also 44%, in der Gießener Klinik starben, und vom 1. Januar 1894 bis Ende Oktober von 144 Kranken nur noch 54, also 37½%, zu grunde gingen, hat sich die Zahl der Sterbefälle mit der regelmäßigen Anwendung des neuen Heilmittels auf 8% verringert. Es starben nämlich von 112 in der Zeit vom 27. Oktober 1895 bis 31. Juli 1885 Erkrankten nur noch 9. Teilweise waren bei diesen 9 Ver⸗ storbenen auch noch andere Krankheiten hinzu⸗ getreten. Alle 9 Gestorbene waren Kinder unter Jahren. Es steht demnach fest, daß sich das Heilserum bewährt hat. Wenn dieD. Zt. 11seit in der ärztlichen Praxis allgemein as Diphtherie-Heilserum, namentlich bei dem zu sehr ermäßigtem Preise ermöglichten Bezug für den minder wohlhabenden Teil der Bevölkerung in ausgedehnterem Maße in An⸗ wendung kommen konnte, ist eine weitere und ganz außerordentliche Abnahme der Dißphtherie⸗ sterbefälle zu konstatieren, so bestärkt uns das in unserer Ansicht, daß das Aerzte- und Apotheken⸗ wesen verstaatlicht werden sollte. Ist es nicht schrecklich, dem Armen sagen zu müssen: Ja, wenn Du Geld hast und das Serum bezahlen kannst, dann ist Dein Kind zu retten, sonst nicht? Arzt und Apotheke muß unentgeltlich sein.

* Darmstadt, 24. Dezember. Folgende Lehrerstellen sind in Hessen zu besetzen: die mit einem ev. Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sprendlingen, Kr. Offenbach, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalt von 1000-1600 Mk. Dem Fürsten zu Isenburg-Birstein steht das Präsentationsrecht zu. Die mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Crainfeld, Kr. Lauterbach, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mk. Organistendienst. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende

Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Flonheim, Kreis Alzey, mit einem jährl. Gehalt von 1000 Mk. Organistendienst.

Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrer⸗ stelle an der Gemeindestelle zu Unter-Abt⸗

Kommen Sie, wir wollen einen Happen essen.

O, lieber Herr, o;

Die nächste Destillation war unser Ziel. Die Stammzäste machten verwunderte Gesichter, als sie uns eintreten sahen, doch bald war ihre Aufmerk samkeit wieder auf das Auswürfeln von Weißbier gerichtet. Der Wirt brachte meinem Gaste ein Ge richt Pöckelfleisch. Unsicher sah mich mein alter Kamerad an.

Nun los; Guten Appetit!

O, lieber Herr, o!

Und habe ich jemals Freunde gehabt, so hier. Der Alte mit der Gier eines Hungernden, und wenn er zuweilen so dankbar zu mir aufsah, mußte ich mich abwenden. Ich schämte mich wohl. In wenigen Minen war die ausehnliche Portion ver schwunden.

Nun hats geschmeckt?

O, lieber Herr!

Seine Minuten kündeten mehr als es Worte hätten sagen können.

Nun erzählen Sie mir etwas aus ihrem Sol- datenleben!

Ja lieber Herr, det is halt so'ne Sache. Seh'n se ick bin'n jeborner Berliner und meine Ollen hatten'n scheenen Haudel. Aberst wie ich 1863 zu die pommerschen Fäsiliere ingetreteu bin, da bin ick nich mehr viel nach Berlin jekommen. 1864 jiug det da in Schleswig los un als ick eben wieder zu Hause bin, mußt ick wieder mit nach Oesterreich. Na, wir haben ja orndlich mauk gepfeffert un et dauerte jo ooch nich lange, aber ick kriegie die verd Cholera. Die is mich nich jut bekommen. Als ick nun wieder nach Berlin kam, war mein Oller dod und ick habe det Geschäft jemacht. Det jing ooch allens janz jut und scheen und ick verheirat'te mir. Nu jing die Geschichte 70 los. Det hat lange jedauert. Jrade wie ick bei Soissons uff Posten stehe et sind uu 25 Jahre her da schreiben se mir, det mein Aeltester jeboren is. Wie ick mir jefreut habe, det kann ick Ihnen jarnich sagen! Na, mit die

steinach, Kr. Heppenheim, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mk.; die Lehrerstelle an der ev. Schule zu Köngernheim, Kr. Oppenheim, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mk. Kirchen⸗ dienst. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rem⸗ brücken, Kr. Offenbach, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mk. Organistendienst.

h. Darmstadt, 20. Dezember. Eine gut be⸗ suchte Versammlung hiesiger Handwerk s⸗ meister nahm nach einem Vortrag des Metzger⸗ meisters Lautz eine Resolution an, die erklärt, daß eine Handwerker⸗Vertretung ohne fachgenossen⸗ schaftlichen Unterbau den die Able n des Hand⸗ werks nicht entspricht, die Ablehnung des von Bötticherschen Gesetzentwurfs durch den Reichstag erhofft und die Erwartung ausspricht, daß dem Reichstag noch in dieser Saison ein die fach⸗ genossenschaftlichegz wangsorganisation für ganz Deutschland anordnender und die Selbstverwaltung verbürgen der Gesetzentwurf vor⸗ gelegt wird und noch in dieser Saison die Hand⸗ e in diesem Sinne Erledigung findet.

H. Aus Hessen, 23. Dezember. In der Arbeiterkolonse Neu⸗Ulrichstein befanden sich am 1. Dezember 102Kolonisten. Es sind das Leute, die beim besten Willen keine Arbeit finden konnten und dann freiwillig in dieses Asyl gingen, wo sie schwer arbeiten müssen und wenig verdienen, dafür aber unter der 188 55 Aufsicht der verschiedenen Vorgesetzten stehen. Allen denen, die der Ansicht sind, daß jeder, der arbeiten will, auch Arbeit bekommen kann, ist der Besuch einer solchen Arbeiterkolonie dringend zu empfehlen. Es ist da Gelegenheit geboten, Angehörige der verschiedensten Stände und Berufe anzutreffen, die gern arbeiten wollten, aber nirgends Arbeit erhalten konnten.

Aus Hessen, 23. Dezember. Daß die bei den Stadtverordneten wahlen in Hessen fast überall zu Stande 1 8 buch ui selbst zwischen den feindlichsten Parteien doch nicht in allen Bürgerkreisen gutgeheißen werden, geht aus einer Korrespondenz derFrankf. Ztg. aus Mainz hervor. Es heißt da:Die Wahl ist bekanntlich das Werk eines Kompromisses der Parteien, in das einzutreten sich die Sozialdemo⸗ kraten weigerten. Wie unter dem gemeinsamen Vorgehen das Interesse an der Wahlhandlung leidet, zeigt die geringe Wahlbeteiligung. Wenn auch bei den Kommunalwahlen ein solches Vor⸗ gehen, das gewissermaßen die Proportionalwahlen ersetzt, nicht prinzipiell abzuweisen ist, so halten wir es doch für einen Fehler, daß die Parteien auf die Erprobung der eigenen Kraft, auf die Erfrischung, die jeder Wahlkampf mit sich bringt, und auf die Propagierung ihrer besouderen Grundsätze verzichtet haben.

Franzosen, det war ja ooch bald alle un ick kam int Frühjahr wieder nach Hause. O, wat hab ick mir jefreut über det Jöhr! Der soll uff die hohe Schule, hab ick jesagt, aus den machen wir wat, wat Olle? Meine Olle war immer so still un nickte blos immer mit'n Kopp. Un nu, un nu mein Gast sah finster in sein Glasnu kam in'n Sommer, et war in'n September, en Mächen an. Der Alte machte eine lange Pause.Nu bin ick nich mehr zufrieden jeworrn. Wir haben noch'ne Zeit lang weiter jehandelt und dann, als die Marchthallen uffkamen, da war det doch nischt mehr. Meine Olle is denn nachher dodjeblieben; ick will nischt Schlechtet von se reden. Se war immer so still und sagte keen Wort, aber den verfl Schlächtergesellen, den hab' ick furcht⸗ bar verhaun'n. Der Alte ballte die Faͤust. Ick mußte vier Wochen nach Perleberg(Zellen⸗ gefängnis an der Perleberger Straße) un er is heite Schlächtermeester angro un'n großes Tier uff'n Viehhof. Nachher bin ick zu die Pferdebahn jegangen. Da bin ick Kutscher jewesen, bis meine Jöhren groß waren un bis mich'n Pferd vor'n Bauch jeschlagen hat. Un nun handle ick mit Streichhölzer. Un nu der Alte würgte eine Thräne hinunterun nu, nu kenn'n mir meine Kinder nich mehr! Langsam lief ihm ein Tropfen über die Wange. Ich drückte ihm die Hand. Müde stand er auf.

Scheenen Dank, lieber Herr! Wenn! t Weihnachten is, wer ick mir woll uff⸗ hängen. Ick kann't nich mehr aus⸗ halten.

N Abend, die Herrn! und er war aus der Thür.

Ja, det is'n Jammer mit den alten Mann, hob der Wirt an, als er sein Geld einstrich; ich aber ging sinnend von dannen. Ich dachte darüber nach, wie sonderbar das Schicksal waltet.N Sechser

die Knarre! immer noch'n Sechser! schallte es herüber vom Weihnachtsmarkt.