Ausgabe 
25.12.1895
 
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* Aus Hessen, 23. Dezember. wurde in Inheiden in Oberhessen einem Hau⸗ sierer aus Bettenhausen aus seiuem Wagen, der im Hofe der Wirtschaft stand, in der er über⸗ nachtete, der Betrag von 4100 Mk. Von dem Thäter fehlt bis jetzt jede Spur. Einen recht schweren Verlust erlitt ein Landwirt aus Sauerschwabenheim in Mainz. Er hatte im Stalle einer Wirtschaft auf der Gaugasse die beiden Pferde seines Wagens eingestellt; eines der Pferde war das Eigentum des Landwirts, das andere hatte er sich von einem Nachbar dazu geliehen. Das Pferd des Landwirts war nun ein boshaftes Tier, wie es die Pferdebesitzer gewöhnlich mit dem Namenein Massik be⸗ zeichnen. In dem Stalle, in welchem beide Pferde zusammenstanden, begann plötzlich das Tier des Landwirts auszuschlagen und schlu 9 bei dieser Gelegenheit das eine Hinterbein des anderen Pferdes vollständig ent⸗ zwei, so daß das Tier noch am selben Nach⸗ mittag für 35 Mark in den Besitz des Pferde⸗ metzgers überging.

Offenbach, 23. Dezember. Drei Spitz⸗ bübereien auf einmal! Ein Kaufmauns⸗ lehrling, welcher in einer in der Domstraße be⸗ findlichen Cigarrenfabrik seine Lehre zu bestehen hatte, ist seit gestern Abend verschwunden und mit ihm der Betrag von etwa 1900 Mk. Der junge leichtsinnige Bursche ist der Sohn achtbarer Eltern und hatte den Auftrag, den Betrag um⸗ wechseln zu lassen. In der Nacht von Sams⸗ tag auf Sountag wurden einem Arbeiter in der Fluthstraße aus der Kommode 32 Mk. g estohlen Bis jetzt ist noch keine Spur von dem Dieb ent⸗ deckt worden. Heute Nacht wurde von der Schloßgrabengasse aus in ein Häutelager einge⸗ brochen und 36 Kalbfelle gestohlen. Da es den Dieben schwer halten dürfte, die Felle an den Mann zu briugen, so liegt die Hoffnung nahe, daß dieselben wieder zu Stande gebracht werden.

h. Caunstatt. 23. Dez. Der Historische Verein für das Großherzogtum Hessen hält seine diesjährige Hauptversammlung Montag, 6. Januar 1896, abends 6 Uhr, im nördlichen Saalbau(Musiksaal) hier ab. Auf der Tagesordnung stehen: 1) Jabresbericht des Präsidenten und Sekretärs. 2) Bericht über das Fortschriten der Untersuchung am Limes in Hessen: Vortrag des Herrn Hofrat Kofler: Die Kastelle der Odenwaldlinie. Vortrag des Herrn Geh. Oberschulrat Soldan:Die Turm⸗ und Hügelstationen an der Odenwaldlinie. Vorlage von Plänen und Karten.

* Aus dem Vogelsberge, 22. Dezember. Während der Schnee in den Vorlanden des Vogelsbergs nur einige Centimeter hoch liegt, lagern im oberen Gebirg große Schneemassen, die nicht selten in Hohlwegen und an Abhängen eine meter tiefe Lage besitzen. An verschie⸗ denen Stellen der Chausseen und Wegen mußte geschippt werden, damit der Verkehr nicht unterbrochen bliebe. Diese hohe Schneedecke bil⸗

det eine prächtige Schlittenbahn. Während man im unteren Vogelsberg noch nicht mit Schlitten zu fahren vermag, klingt im oberen alltäglich fröhliches Glockengeläute. Die hohe Schneedecke mahnt, der hungernden Vögel nicht zu vergessen.

Vermischtes.

Nichts Neues unter der Sonne. Pro⸗ fessor Lombroso, der bekannte italienische Psycho log, schreibt in einem Artikel der Contemporary Rebiew folgendes:Es ist interessant, die zahl⸗ reichen Erfindungen zu prüfen, die wir für neu halten, während sie in Wirklichkeit uralt sind. So hatten die Alten schon Kenntnis vom Blitz⸗ ableiter, oder sie kannten doch jedenfalls bereits eine Methode, den Blitz anzuziehen. Die keltischen Soldaten pflegten sich bei einem Gewitter auf den Erdboden niederzulegen, dann zündeten sie eine Fackel an und pflanzten ihre blanken Schwer⸗ ter in den Boden neben sich mit der scharfen Spitze nach oben. Der Blitz traf häufig die Schwertspitze und fuhr an der Klinge entlang ins nahe Wasser, ohne die Krieger zu verletzen. Die Römer 1 ebenfalls den Blitzableiter gekannt zu haben, obwohl sie diese ihre Kenntnis wieder in Vergessenheit geraten ließen. Auf der Spitze des höchsten Turmes des Kastells von Duino am Adriatischen Meere wurde schon vor undenklichen Zeiten eine lange Eisenstange gesetzt. Bei stürmischem Wetter im Sommer diente sie dazu, das Nahen des Unwetters zu verkünden. Ein Soldat war dort ständig stationier, der, wenn die See mit Sturm drohte, von Zeit zu Zeit die Spitze seines langen Wurfspießes dicht an die Stange hielt. Wenn nun ein Funke zwischen den beiden Eisenstücken erschien, war ein Gewitter im Anzug und er läutete dann eine Glocke, um die Fischer zu warnen. Gerbert, der spätere Papst Silvester II.(derselbe, auf den die Einführung der arabischen Ziffern und die Pendel⸗ uhren im Ausland zurückgeführt wird), im zehnten Jahrhundert, erfand eine Methode, um den Blitz von den Feldern abzulenken, indem er lange Stecken, die mit sehr scharfen Lanzenspitzen ver⸗ sehen warne, in die Erde pflanzte.Im Jahre 1661 war Frankreich bereits im Besitz von Om⸗ nibussen. Die Römer legten ar tesische Brunnen sogar in der Sahara au. Die Ebe neu des Libanon und von Palmyra wurden tünstlich berieselt; Reste von Brunnen und Ka⸗ nälen werden dort noch gefunden. Im Jahr 1685 verrffentlichte der französische Physiker und Mathematiker Papin(er war von 1687 bis 1707 Professor der Mathematik in Marburg) im Journal Savanuts einen Bericht über ein Ex⸗ periment, das einer seiner Freunde, Namens Wilde, gemacht hatte. Dieser brachte nämlich Blumen zu plötzlichem Wachstum. Das Ge⸗

Gestohlen heimnis bestand in der Bereitung des Bodens;

es wurde nicht verraten(Kunstdünger 2).Die Massage ist eine sehr alte Praktik und war den Römern bekannt. Paracelsus spricht in seinen Opera medica von Homöopathie und sagt, daß Gleiches von Gleichem geheilt werde, nicht aber Entgegengesetztes von Entgegengesetztem.Die Natur selbst', sagt er, zeigt dies und wie die Diuge einander suchen und begehren. Polybius der berühmte, 204 vor Christo geborene griechische Geschichtsschreiber( spricht auch schon vom Heilen durch gleichartige Gegenmittel(similia similibus), und Avicenna(der berühmte arabische Arzt, ums Jahr 1000) spricht vom Gebrauch unendlich unendlich kleiner Dosen Gift, zum Beispiel Ar⸗ senik:in omnibus quae sunt necessaria de in- curnatione et resolutione sanguinis et prohibitione documenli. Mireppus wendete Arsenik in un⸗ endlich kleinen Dosen als Heilmittel für Wechsel⸗ fieber an. In China wurde Cannabis Indica (aus dem indischen Hanf wird bekanntlich das Haschisch bereitet) als ein Beruhigungsmittel 220 Jahre vor unserer Zeitrechnung gebraucht. Die Araber gebrauchten Aloe und Kampfer in derselben Weise wie wir. Der Spiegel, die Sonde, die Zange waren ums Jahr 500 bekannt, und thatsächlich sind auch Reste da⸗ von in den Ruinen von Pompeji gefunden worden und werden im Nationalmuseum zu Neapel aufbewahrt. Galland(der französische Orientalist und Rumisuatiker des siebzehnten Jahrhunderts) gibt 1665 eine Theorie der Ge⸗ hirnzeutren, indem er die vordere Gehirnpartie als den Sitz der Phantasie, das Zentrum der Ver⸗ nunft, und die hintere als Sitz des Gedächtnisses bezeichnet. Aristoteles bemerkte, daß Seewasser trinkbar gemacht werden könnte durch Verdunsten⸗ lassen und Aufsammeln des Dampfes.Die Griechen hatten einPiiemas, einen wollenen oder leinenen Küraß, der so dicht gewoben war, daß er für die schärfsten Geschosse undurchdring⸗ lich war. Wir haben das Geheimnis dieser Panzer nicht wiederentdeckt(Dowe-Panzer 2). Die Römer hatten bessere Mühlen als wir zum Olivenmahlen. Die Chinesen hatten eiserne Häuser bereits um 1200 erfunden. Glashäuser gab es bei den Pikten in Schottland, den Kelten in Wales und viele Jahrhunderte früher noch in Siam. Die Bewässerungssysteme, die die Lombardei und England so fruchtbar machten, waren zur Zeit des Virgil im Gebrauch. Gras⸗ leinen wurde von den Chinesen jahrhundertelang vor uns hergestellt.Alles das, schließt Lom⸗ broso,erklärt sich aus dem Umstande, daß man naturgemäß das Neue haßt und ihm nach Kräften zu entgehen sucht, indem man nur der absoluten Notwendigkeit und dem überwältigenden Beweis oder einem überkommenen Gebrauch nachgibt.

Ein mysteriöses Vorkommnis wird aus Wien gemeldet. In einem Laden des Be⸗ zirks Landstraße machte eine elegant gekleidete Dame mehrere Einkäufe und gab eine Zehn⸗ guldennote in Zahlung. Der Verkäufer be⸗ zeichnete aber diese als gefälscht und rief einen Polizeibeamten herbei. Die Sache erregte auf der Straße großes Aufsehen, um so mehr als aus der angesammelten Menge ein Mann her⸗ vortrat und gegen die Verhaftung der Dame, deren Anständigkeit er verbürge, Einspruch er⸗ hob. Die Dame sowohl wie der Herr wurden zur Wache sistirt. Dort spielte sich nun eine erschütternde Szene ab. Bei Beginn der Vernehmung stürzte erst die Frau, dann der Mann zusammen, wanden sich in heftigen Kräm⸗ pfen und starben ohne ein aufklärendes Wort geäußert zu haben. Sie hatten sich mit Cyan⸗ kali, wovon zwei Fläschchen in ihren Taschen ge⸗ funden wurden, vergiftet. Das verbrecherische Paar ist, wie derVoss Zt.g aus Wien ge⸗ meldet wird, der 39jährige Viktor Krauthauf und dessen 64jährige Mutter Josefa Krauthauf. Während letztere eine starke Cyankalilösung leerte und todt zusammenstürzte, erholte sich Kraut⸗ hauf, der offenbar nur eine schwache Dosis ge⸗ nommen, im Spitale und dürfte gerettet werden. Er ist einer der gewiegtesten internationalen Fälscher. Als vortrefflicher Zeichner begann er schon vor zwanzig Jahren falfche Banknoten, Coupons, Wertpapiere anzufertigen, die er ge⸗ meinsam mit seiner Mutter verausgabte. In seiner Wohnung fand man eine guteingerichtete Fälscherwerkstätte, zahlreiche falsche Wertpapiere, ferner eine Anzahl echter Wertpapiere, insbe⸗ sondere Loose, die er zur Fälschung vorrätig hatte. Er führte ein genaues Verzeichnis aller von ihm ausgegebenen falschen Papiere. Man fand diese in seiner Wohnung, dann Cynkali in in fester und flüssiger Form und Pistolen. Kraut⸗ hauf führte auch ein Verzeichnis über von ihm unternommene Börsenspekulationen, wobei er große Summen verlor und worüber Rechnungen von Wechselstuben vorliegen. Er unternahm mit seiner Mutter seit 1864 Reisen nach Städten des Inlandes und des Auslandes, beide verweilten auch in Berlin, Breslau, München. Ueberall verkauften sie falsche Wertpapiere. Die Polizei verfolgte sie seit Jahren steckbrieflich, gab insbe⸗ sondere von der Mutter Krauthaufs eine genaue Personalbeschreibung und setzte ferner einen be⸗ deutenden Ergreiferlohn für die Ermittelung der Fälscher aus. Erst kürzlich setzte Krauthauf eine Anzahl gefälschter Pfandbriefe der Unga⸗ rischen Kommerzialbank ab.

Der Meisterschaftsradfahrer Deutschlands. August Lehr in Frankfurt

a. M. ist in einen kostspieligen Prozeß geraten. Er hatte mit der Raleigbicyele-Compagnie in London einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem er sich verpflichtete, im Jahre 1895 mindestens 400 Räder dieser Fabrik zu übernehmen und dabei nur Räder der Fabrik zu benutzen. Hier⸗ für solle er eine Entschädigung von 15000 Mk.

beziehen. Die Fabrik klagt nun auf Zahlung der 400 Räder. Höhe der Klagesumme bezogen zu haben, ver⸗ langt aber seinerseits die Auszahlung der 15000 Mk. unter der Behauptung, daß er zwölf⸗ mal auf den genannten Rädern gefahren habe. Die Fabrik behauptet jedoch, daß Lehr auf an⸗ deren Rädern als denjenigen der Raleigbicycle⸗ Compagnie gefahren sei. Lehr bestreitet dies und erbietet sich, vor der Frankfurter Kammer für Handelssachen den Beweis für seine Behaup⸗ tung zu erbringen.

Als Kapitel eines Romans aus dem Leben wird derTägl. Rundschau fol⸗ gende Geschichte aus Leipzig mitgeteilt: Ein dortiger Bürger hatte sich vor einer Reihe von Jahren verheiratet und lebte mit seiner Frau, die er innigst liebte, sehr glücklich. Drei Kinder waren der Ehe entsprossen, da plötzlich, kurz nach der Geburt des vierten Kindes, zeigten sich bei der Frau Spuren von Trübsinn und Schwermut die bald so zunahmen, daß sich die Unterbringung in eine Nervenheilanstalt nötig machte. In kurzer Zeit artete die Krankheit in vollständigen Irrsinn aus. Anfangs schien zwar noch Hoffnung auf Besserung vorhanden, doch bald erklärten die Aerzte die Frau für unheilbar. Im Inter⸗ esse seiner kleinen Kinder, die, da der Vater den größten Teil des Tages geschäftlich von Hause abwesend war, sich selbst und fremden Händen überlassen blieben, schritt der Mann nach einiger Zeit, wenn auch schweren Herzens, zu einer zweiten Ehe, nachdem er die rechtsgiltige Ehescheidung von seiner im Irrenhause befind⸗ lichen Frau bewirkt hatte. Zehn Jahre sind inzwischen verstrichen, da langte jetzt vor wenigen Wochen ein Brief von dem Direktor der Irren⸗ anstalt an, daß sich der Zustand der Frau, deren der Ehemann stets nur noch in stiller Weh⸗ mut gedachte und die er wie eine bereits Ver⸗ storbene betrauerte, plötzlich und unerwartet derart gebessert habe, daß sie binnen kurzem als völlig geheilt entlassen werden könne. Die Lage des bedauernswerten Ehem nns, der auf der einen Seite die zweite Gattin, die er schätzen und achten gelernt hat, auf der anderen Seite aber die erste heißgeliebte Frau sieht, die nichts von der geschiedenen Ehe weiß, und sich auf die Zeit der Wiedervereinigung mit dem Gatten freut, ist tragisch.

Wohin die Leute gehören.

Armen nach Geldern,

Hungrigen nach Island oder Essen,

Aussätzigen nach Finnland,

Kranken nach Heilbronn,

Patienten nach Kurland,

Perrückenmacher nach Harburg,

Traurigen nach Klagenfurt,

Weinenden nach Zähringen,

Israeliten nach Jütland,

Juristen auf den Jura,

Eiergrämer in den Hennegau,

Jäger nach Jägerndorf oder Waldenburg,

Kahlköpfigen nach Glatz oder Kahlenburg,

Kammermädchen nach Zofingen,

Eingebildeten nach Dinkelsbühl,

Einsamen nach Oedenburg oder Einsiedel,

Wurstmacher nach Darmstadt,

Weiberfreunde nach Magdeburg und Lieberose,

Bartputzer nach Bartfield oder Haarshausen,

Briefträger nach Oporto,

Recensenten nach Rügen,

Kaltblütigen nach Eisleben,

Handschuhmacher nach Handschuhsheim,

Vielesser nach Nimmersatt,

Müller nach Mehlsack,

Wütenden nach Lieblos oder Bornheim,

Heiratslustigen nach Frauenburg, Freistadt oder Mann⸗

heim,

Geizigen nach Neidenburg,

Schnellfüßigen nach Laufenburg oder Eilenburg. Die vier Reiseonkels.

Preisend mit viel schönen Reden

Ihrer Waaren Werth und Zahl,

Saßen einst vier Reiseonkels

Im Hotel beim Mittagsmahl.

Seht, so sprach der Herr aus Leipzig,

Meine schöne Waare an,

Tuch und Buckskin eigner Waare,

Alles findet Freude dran.

Brauch um Auftrag nie zu bitten;

Zeig ich meinen Musterpack,

Hab ich ohne vieles Reden

Gleich den Auftrag auch im Sack.

Da sprach der vom Bayerlande:

Wir von Nürnbergs Handelsstand,

Hätten nöthig nie zu reisen,

Wir sind ohnehin bekannt.

Zeig ich nur ein einzig Muster,

Weiß im Voraus, es gefällt,

Nürnbergs Industrie steht einzig,

Konkurrenzlos in der Welt.

Jotte doch, sprach der Berliner,

Wer ick bin und wat ick führ',

Weeß im janzen Deutschen Reiche

Selbst det kleenste Hundethier.

Wenn ick mir wo sehen lasse,

Is det jleich publike Sach,

Und die Kunden all zusammen

Loofen mir von selber nach.

Lächelnd sprach hierauf der Vierte:

Euern Stolz begreif ich schon,

Denn ich find im Schwabenlande

Oft nicht meiner Mühe Lohn.

Doch das Eine kann ich sagen,

Grobheit ist mir nicht bekannt,

Jeden Kaufmann freut mein Kommen,

Werd' von Kunden Freund genannt.

Still drauf wurde der von Leipzig,

Der von Bayern trank sein Bier,

Doch erstaunt spricht der Berliner:

Schwab, du lügst noch mehr als wir!

Heiteres.

Auf der Treibjagd. Förster Gu den Jagdgästen):Aber meine Herren, 20 Mal auf einen Bock schießen und fehlen auch noch!. Was muß sich der Bock von Ihnen denken?!

Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die

Die Die

Lehr bestreitet, Räder in der

Letzte Nachrichten.

Giesßten, 24. Dezeuber. Und dieGie⸗

ßener Zeitung sprach:

Eine neue Zeitung. zeitung in Marburg giebt von heute ab eineGie⸗ ßener Ausgabe heraus. Verleger dieses neuen Blattes ist Herr Bader-⸗Marburg, derselbe, welcher sich am vorigen Sonntag gelegentlich des Parteitages der freisinnigen Volks⸗

partei als Gegner desManchestertums bekannte

und zum Schutz- und Trutz bündnis der freisinnigen Partei und der Sozialdemokratie aufforderte, ein Ver⸗ langen, für welches die freisinnige Partei wohl nie zu haben sein wird. Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch er⸗ klärte nämlich, daß das Zusammengehen der bür gerlichen Parteien bei den hiesigen Stadtverordnetenwahlen ein Akt der Selbsthilfe gegen die Sonderbestrebungen der Sozialdemokratie gewesen sei, denn die letztere hasse den Mittelstand und man könne mit ihr nicht paktiren, da sie die Herrschaft der Arbeiter ohne Rücksicht auf die anderen Klassen anstrebte. Was für eine Ten⸗ denz dieGießener Ausgabe des Herrn Bader⸗Marburg, welche in der hiesigen Ottmann'schen Druckerei in der Schloßgasse gedruckt werden soll, verfolgen will, wissen wir nicht, jedenfalls wird sie im Style derHessischen Landeszeitung, die immer mehr nach links ab⸗ schwenkt und wohl bald amäußersten linken Flügel an⸗ gelangt sein wird, redigirt werden. Wir wünschen unserem neuen Kollegen von ganzem Herzen Glück zu seinem Unter⸗ 11 105

mit oder ohne Glückwunsch, dieHessische Landeszeitung wird ihren 2940 11 5 1 hat ohne die Gießener Ausgabe in Gießen viele Freunde gefunden und sie wird mit derselben ihren Leserkreis schon binnen einer Woche ganz bedeutend vergrößern. Was dieGießener Ztg. in versteckter Weise tadelnswert findet, wird 15 z Hessischen Landeszeitung dabei nur nützen. Wir waren niemals ein Parteiblatt; wir waren aber immer ein Volksblatt, das für die Volksgemeinschaft gegen jede Sonderbestre⸗ bungen und jeden Parteifanatismus Front machte. In diesem Kampfe hat sich dieHess. Landesztg. in zwei Jahren Lorbeeren erworben, von denen sich dieGießener Ztg. selbst in ihren erleuch⸗ tetsten Stunden nichts träumen läßt. In diesem Kampf werden wir verharren und werden wir auch gegen die Gießener Ztg. weitere Erfolge erringen. DasAbschwenken überlassen wir der Gießener Ztg., die noch niemals gelernt hat, nach dem Strich zu gehen, die es aber vor⸗ züglich verstanden hat, daun mal rechts, dann mal links, dann mal nach vorn, dann mal nach hinten abzuschwenken, wiedas Geschäft es eben mit sich brachte. Mit all der Schwenkerei hat sie es schließlich so weit gebracht, daß sie derHessischen Landesztg. mit der obigen Notiz nicht einmal in Gießen eine gewisse Reclame bereiten kann. Und das will, was die Ver⸗ breitung derGießener Ztg. angeht, doch schon eine Kleinigkeit besagen! i

Gießen, 23. Dezember. Heute Abend passierte ein Brauerfuhr werk im scharfen Trabe den Seltersweg und fuhr gegenüber dem Restau⸗ rant Busch gegen einen Laternenpfahl. Derselbe neigte sich zur Seite, wodurch auch die Laterne mit dem Fuhrwerk in Berührung kam und total verbogen wurde. Der Kutscher des Fuhrwerks ist von der Polizei festgestellt.

Gießen, 23. Dez. Heute wurden hier zwei Handwerksburschen in Unter⸗ suchungshaft genommen, weil sie zugestandener⸗ maßen in der Gemarkung Kirch⸗Göns mutwilliger Weise die Telegraphenleitungen beschädigten. Es scheint, als wenn die beiden armen Teufel durch ihre That bezweckten, auf 8 bis 14 Tage Unter⸗ kunft zu erhalten. Sie werden nicht wenig erstaunt sein, wie sehr sie sich in der Höhe des Strafmaßes, welches uuser Gericht für der⸗ artigen Frevel anwendet, verrechnet haben.

* Gießen, 23. Dezember. In Amerika

verstorbene Hessen. Brooklyn, N. Adam 5

Kirschner, 28 Jahre, aus Butz bach. Jeffer⸗ souville, Ind.: Georg Hen 88 Jahre, aus Worms. Kearney, M.:

Hammel 62 Jahre, aus Gießen. Marton Towuship, Franklin Co., O., John H. Vetter, 71 Jahre, aus Darmstadt. New⸗Hamburg, Canada: Johann Niklas, 82 Jahre aus Unter⸗ Ostern. South Germantown. Wis.: Frau H. Gilbert aus Darmstadt. Sprengfield, Ill.: C. Heinr. Schwind, 71 Jahre aus Klein⸗Karben.

Letzte Telegramme.

Berlin, 24. Dezember. Der bekannte Land⸗ gerichts-Direktor Brausewetter ist 1 75 erkrankt. Derselbe begab sich in die Kuran⸗

stalt für Nervenkranke des Dr. Gnauck zu f

Pankow. Auf sein Ersuchen begleitete ihn sein Bruder nebst zwei Freunden dahin. Indeß der Bruder mit dem leitenden Arzt sich besprach,

wurde Landgerichts⸗Direktor Brausewetter plötz⸗ 1 Er erklärte dem

lich anderen Sinnes. Anstaltsarzte wie dem Bruder, nicht in der An⸗ stalt verbleiben zu wollen. Alle A en,

daß er doch selbst die Aufnahme in die Heilan- stalt gewünscht und gehofft habe, bald wieder

hergestellt zu sein, blieben fruchtlos. Es scheint,

daß Landgerichts⸗Direktor Brausewetter in einer

Nervenheilanstalt sich beunruhigt gefühlt hat.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re

dakteur: i. V. A. Kleinschmit, Druck von E. Ottmann; beide in Gießen. 3

Die Hessische Landes

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