Dienstag, den 13. Dezember 1932.
Allgemeine Hessische Sport⸗Zetrung
Nr. 50
Amaleure oder Berufsspieler?
Hessen⸗Hannover ist erhaben über die Zumutung, das Be⸗ rufsspielertum zu dulden oder sogar einzuführen. Auch von dem verkappten Berufsspielertum will man nichts wissen; es soll nur mal jemand wagen, in dieser Beziehung einen Stein zu werfen! — Hand aufs Herz! Ist es wirklich so? Gewiß, wir haben in unserem Bezirk nur wenige sogenannte„Großvereine“, die also nicht nur gegenüber den anderen eine überwiegende Mit⸗ gliederzahl aufweisen, sondern auch— dank der Anterstützung ihrer passiven Mitglieder, vielleicht auch einiger Gönner, die deswegen irgend etwas mit dem Beiwort„Ehren-“ verliehen bekommen— finanziell auf der Höhe sind. Im allgemeinen müssen sich unsere Vereine aber mühselig durchs Dasein schla⸗ gen und der Not der Zeit die Existenzmittel auf dem Sport⸗ platz abtrotzen, so gut es eben geht. Sie sind darauf angewie⸗ sen, ihren Bestand an Ligaspielern aus den eigenen Reihen herauszuholen und zu ergänzen; das hat natürlich das Gute an sich, daß sie nicht von dem Wohlwollen der Spieler abhängig find, weil diese es für eine Ehre halten, sich in der obersten Spielklasse betätigen und vielleicht sogar Lorbeeren ernten zu können. Trotzdem findet man, wenn man ein bißchen tiefer in die Sache hineinschaut, hier und da auch Verhältnisse, die ein anderes Gesicht zeigen. Es gibt nämlich auch bei uns Vereine, die eine ganze Anzahl„fremder Elemente“ in ihrer Liga ber⸗ gen, also Spieler, die nicht auf heimischem Boden geboren und groß geworden, vielmehr erst in ihren jetzigen Standort ver⸗ pflanzt worden sind. Ob sie dort dauernd ansässig werden, hängt erstens davon ab, welche Früchte sie zeitigen(d. h. was sie leisten) und zweitens, wie lange ihre Züchter(d. h. Brot⸗ herren) ihre Pflege bestreiten können. Natürlich gehören zu
dieser Kategorie nicht solche Spieler, die beruflich umgewandert sind(3. B. Studenten, Reichswehrangehörige, Beamte, Kaufleute zusw.) und aus demselben Grunde vielleicht öfters ihren Betäti⸗ gungsplatz freiwillig wechseln oder wechseln müssen. Gemeint sind nur jene Fußballspieler, auf die man das Dichterwort „halb zog sie ihn, halb sank er hin“ in entsprechender Ammode⸗ lung anwenden kann oder muß. Es ist wohl überflüssig, hier mit Namen aufzuwarten, die ja schon die Spatzen von den Dächern pfeifen, aber es ist dringend notwendig, die Bezirks⸗ leitung und andere verantwortliche Instanzen darauf kinzuwei⸗ sen, daß sie rechtzeitig einen Riegel dort vorschieben, wo Aus⸗ wüchse zu wuchern drohen, welche die gute Saat zu vernichten ümstande sind. Es geht doch z. B. nicht an, daß ein Spieler, der noch vor acht Tagen bei einem Verein in H. gemeldet war und gespielt hat, in nächster Zeit schon bei einem Nachbarverein in Mals bezahlter Trainer fungiert und gleichzeitig den Posten eines Sturmführers in der dortigen Liga einnehmen soll(siehe „Hersfelder Brief“ in der„K.-Post“ Nr. 334). Wenn es auch sehr vernünftig ist, daß Vereine ihre Spielstärke auf jede nur mögliche Weise zu heben suchen, und wenn es auch sehr kol⸗ legial gehandelt ist, daß Vereine gute Spieler, die sie selbst aus irgendeinem Grunde nicht gebrauchen können oder ab⸗ schieben wollen, an befreundete Vereine weiterleiten, so muß doch verlangt werden, daß alles auf legalem Wege, d. h. ohne Hintansetzung der Amateurbestimmungen und dergleichen An⸗ ordnungen geschieht. Andernfalls wollen wir doch lieber so ehrlich sein und sagen:„Her mit dem Berufsspielertum! Wir haben Geld und auch sonst alles, um offen als Berufs⸗ spielervereine existieren zu können! Wer mitmachen will, ist uns lieb und wert! Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!“
Die r III. der N nationalen Polizei- Sternfahri
Eine deutsche Rekordleistung:
Mit dem Motorrad durch die glühende Sahara. Schluß)
Oase Tolga: Nicht immer nur trockener Sand— auch Wasser mußte zuweilen durchquert werden.
2000 fm Wustenfahrt
Algier—Bon⸗Saada—Biskra.
Am Montag, dem 15. August waren wir in Algier ange⸗ kommen. Am Donnerstag, dem 18. schon war die Organisation der Fahrt ausgebaut. Wir starteten am Nachmittag, da wir die erste Etappe von ca. 250 Kilometer noch am späten Abend er- reichen wollten. Zuerst ging die Fahrt auf gut ausgebauten Wegen steil bergan ins Atlas⸗Gebirge. Wenn es schon in Algier recht heiß war, wuchs die Hitze am ersten Nachmittag der Fahrt beinahe bis ins Unerträgliche; erst als die Sonne langsam unterging war es einigermaßen erträglich zu fahren. Nachdem wir Algier 3— 4 Stun- den verlassen hatten, kamen wir bei der ersten Tankstation in Aumale, einst Auzia, ein altes Kastell der Römer, an. Bei unserem Eintreffen in Aumale wurden wir gleich von einer ungeheuren Anzahl von Eingeborenen begrüßt. Unsere erste te an war natür⸗ lich nach dem„Standard“-Vertreter. Man teilte uns mit, daß dieser würdige Herr, A. Djaoui, bereits Schlafen gegangen ware. Da wir Betriebsstoff brauchten, hatten wir die Absicht, ihn aus dem Bett zu trommeln. Es war jedoch nicht nötig, denn der brave Tankwart lag mitten auf der Straße, 20 Meter von seiner Pumpe entfernt und schlief den Schlaf des gerechten Muselmann. Es ist im Orient während der großen Hitze nicht möglich, in Häusern zu schlafen und jeder macht es sich daher irgendwo in der freien Natur gemütlich. Unser Herr Djaoui hatte sich einen alten Sack über den Kopf gezogen und schlief so fest, daß es gar nicht leicht war, ihn aufzuwecken. Als er jedoch wach war, sprang er auf und lud uns in recht mohamedanischer Gastfreundschaft, bevor wir bei ihm tank⸗ ten, also das Geschäft abschlossen, zu einem kleinen Apéretiv in seinem Hause ein. Das ganze Dorf interessierte sich selbstverständ⸗ lich für diese Fahrt. Wir erzählten noch Verschiedenes über unsere Reise, Herr Diaoui verdolmetschte es seinen Landsleuten, aber es ist wohl kaum anzunehmen, daß sie besonders viel von dem Unter⸗ nehmen verstanden haben. Nach einer guten halben Stunde wurde wieder gestartet, weiter gings noch ca. 130 Kilometer bis nach Bou⸗Sanda.
Auch wir mußten selbstverständlich wegen der Hitze im Freien übernachten und legten uns in einen geschlossenen Hof bei dem „Standard“-Vertreter. Am anderen Morgen fuhren wir gegen 10 Uhr weiter hinein in die Wüste nach Biskra. Wir durchquerten zuerst tief ausgefurchtete Bachbette, es ging an Bergflanken vorbei, und gelangten so in die waldigen Regionen von Ain Smara, kamen dann später in nächster Nähe der Wasserverbauungen des Ued Chair
u den malerischen Schluchten des Bou Mellel und nach der Ueber- fahrt des Col Ras Chaiba, von dessen Höhe aus die ferne Wüste wie ein bläulich stilles Meer erscheint, fuhren wir in die sandigen Regionen von Fugala, um endlich die wunderschöne Oase Biskra zu erreichen. Wir en hier in Biskra die 2. Nacht. Wieder ein⸗ mal haben wir bei dem„Standard“-Vertreter übernachtet, und 9 bei ihm auf dem Hof zwischen seinen Benzin- und Oel⸗Fässern. m anderen Morgen ging es weiter über Djamas nach El Qued.
Sand, Sand, Sand
Tantstelle an einer Oasen⸗Stadtmauer, mitten in der Wüste Sahara.
Nachdem wir in Quargla übernachtet hatten, selbstverständlich auch wieder unter freiem Himmel, fuhren wir am nächsten Morgen wieder nach Touggourt zurück, wo wir am Nachmittag ankamen. Wir wollten gern sofort in westlicher Richtung weiterfahren, um noch am selben Abend in unserem offiziellen Startort Dzioua ein- zutreffen, mußten jedoch infolge eines Defektes am Seitenwagen noch einmal in Touggourt übernachten und fuhren am nächsten Morgen rechtzeitig nach Dzioua, wo wir gegen Mittag ankamen.
Sand, Sand, Sand
Die Strecke von Touggourt bis Dzioua war die unangenehmste der ganzen Reise. Meterhohe Sanddünen, sie erreichten eine Höhe von beinahe 10 Meter, stellten sich uns in den Weg, wenn gerade eine Sanddüne überwunden war, kam schon die nächste. Die Ent⸗ fernung zwischen diesen einzelnen Dünen war ca. 20 Meter. Es kommt oft vor, daß diese Dünen an der einen Seite in einiger maßen stumpfem Winkel bergan gehen, daß sie aber an der an⸗ deren Seite durch Sandverwehungen oft recht steil viele Meter tief abfallen. Man kann aus diesem Grunde also nicht einfach über diese Dünen hinwegfahren, sondern muß sich erst vorher sehr genau vergewissern, wie die Verhältnisse an der anderen Seite des Ab⸗ hanges, den man natürlich nicht sehen kann, liegen. War nun fest⸗ gestellt, daß auch die andere Seite der Düne für die Maschine passierbar wurde, wurde mit einem Anlauf im ersten Gang die Anhöhe genommen und mit dem 2. und 3. Gang ging es bergab, um das Tal schon durch den Schwung der Maschine möglichst weit zu überwinden. Sodann kam die nächste Düne, bis wir schließlich wieder in den festeren Grund, in die Steinwüste, also in ein Ge⸗ lände, wo der lose Sand fortgeweht war, hineinkamen.
Im allgemeinen stellt man sich die Sahara recht eintönig vor; jedoch bemerkt man bei diesen Fahrten viele grundsätzliche Ver⸗ schiedenheiten. Der weiße feine Wüstensand, schneeweiß, herrscht vor, aber außerdem gibt es Felslandschaften ohne Sand, die den Eindruck einer Mondlandschaft machen. Diese Veränderungen geben dem Auge wieder die dringend nötigen Abwechselungen. Außerdem gibt es noch roten Sandstein, unterbrochen von ausgetrockneten Salz- und Moor Seen, so daß oft die ganze Oberfläche dieser Hügel den Eindruck macht, als ob sie mit einer leichten Schicht von Salz überzogen ist.
EHICTPPEHIL LE L B
Man steht darin immer wieder von neuem, daß die Organk⸗ ation der Betriebsstoffversorgung nicht nur wichtig für die Durch⸗ führung derartiger Fahrten, sondern sogar durchaus notwendig. stiemals wäre es möglich gewesen, diese Fahrt ohne die bereits be⸗ stehende Organisation der Standard-Gesellschaft durchzuführen, enn gerade im Orient kommt es vor allen Dingen darauf an, über⸗ 2 jedem Ort gut bekannt zu sein, bzw. gute Empfehlungen zu haben.
Dzioua; wir werden„verheiratet“.
In Dzioua sahen wir die Maschine in allen Einzelheiten na weil ja hier der offizielle Start beginnen sollte. W e 1 als Gast bei dem Scheich von Dzioua geladen, der schon durch die Organisation der„Standard“ Hesellschaft über die Ziele unserer Veranstaltung genau orientiert war. Der alte Scheich hatte uns bald ins Herz geschlossen, zumal wir Deutschen bei den Arabern sehr beliebt sind. Diese Beliebtheit machte sich besonders dadurch bemerkbar, daß uns der alte würdige Scheich mit Geschenken über⸗ häufte. Das für ihn wertvollste Geschenk war, daß er uns zwei der schönsten Frauen aus seinem Harem schenkte. Es gilt dieses als eine besondere Ehre in der Sahara, weil ja die Frau dort direkt als Ware, als Wertobjekt, W wird und der Preis sich zwi⸗ schen 5—10 000 Francs beläuft. Wir nahmen dieses Geschenk r e 80 Dank Ab es nachher aber nicht gern
nit nach Europa nehmen, was die dunklen Damen ständli nicht wenig betrübte. E Auf nach Kaiserslautern.
Am 22. August um 10 Uhr begann der offizielle Start zur Polizei⸗Sternfahrt. Wir hatten also die Strecke von Dzioua, 8 südlichen Algerien in der Wüste Sahara bis nach Kaiserslautern (Pfalz) über Frankreich, Belgien, Holland, zu fahren. Von Dzioua aus ging es über Guerrara südwestlich nach Ghardaia, wo wir 1 eintrafen.
on jetzt ab ging es in einem rasenden Tempo ohne Aufens⸗ halt die Nacht durch, nachdem der Kontrollstempel 5 der 1 zösischen Regierung geholt war, nördlich über Laghout nach W In Dlelfa wurde eine gute Chaussee erreicht. In einem 80 Kilo⸗ meter-Tempo fuhren wir immer weiter nördlich, so vaß wir am anderen Morgen um 10 Uhr todmüde Algier erreichten. Von Dioun bis Algier ist eine Strecke von 750 Kilometer, also in 24 Stunden durch die Sahara als erste Tagesetappe der Internationalen Stern⸗ fahrt, wahrscheinlich ein Start zu einer Zuverlässigkeitsfahrt, wie er einzig im Motorismus dasteht.
Allmählich war die Fahrt durch die Karawanen und dur die Vorbereitungen so bekannt geworden, daß wir von großen Men; schenmassen umringt wurden. Aber wir durften uns leider nicht aufhalten, mußten die zahlreichen Einladungen ablehnen, bzw. das Versprechen geben, bald einmal zurückzukommen.
Die nun folgende Fahrt durch Frankreich, Belgien und Holland verlief durchaus programmäßig; in Kaiserslautern und im ubrigen Rheinland wurden wir von alten und neuen Freunden mit sir. em Jubel empfangen.—
(Der Erfolg für die Gebr. Auffermann für diese so ganz aus dem üblichen Rahmen fallende abenteuerliche Zuverlässigkeitsfahrt war ein Sonderpreis der III. Internationalen olizet⸗Skernfafe
Amtliches Gau Gießen⸗Wetzlar
Aenderungen für den 18. Dezember 1932:
Garbenteich— 1900 Gießen 3.(Ebner⸗Butzbach, nicht Schulz)
Berghausen— Werdorf 2.(Petry⸗Wetzlar)
Hermannstein— Aßlar 2.(Becker⸗Dutenhofen, n. Kreiling)
Waldgirmes— Garbenheim(Kreiling⸗Gießen, nicht Becker)
Wirbelau 1.— Weilmünster(Müller⸗Niedershaufen, nicht
Schermuly)
Oberndorf— Braunfels(Pick) verlegt
Bieber— Lollar 2.(Wlodareck) verlegt
Lich 2.— Niederweisel 2.(Wlodareck, nicht Weinand)
Werdorf— Wetzlar 3.(Schultz⸗Butzbach, nicht Böcher) Verbandsspiel am 25. Dezember 1932:
Steinberg— 1900 Gießen 2.(Wlodareck)
1. Bestrafungen: Steinmüller(Heuchelheim) 2. M. Spiele Ausschluß St. B. 3, Pfaff 40(Stockhausen) 2 M.⸗Spiele St. B. 1, Gilbert 25(Dutenhofen) 2 M.⸗Spiele wegen groben unsportlichen Verhaltens, Strafantrag Schr. Rabe an GV., Akten vom Spiel Nauborn⸗Werdorf an GV.
2. Anfrage Hochweisel: Spieler auf der Mannscheftsmeldung nicht aufgeführt, Untersuchungen stellt der GV. an und wollen Sie beweisbare Unterlagen für Ihre Behauptung erbringen.
Gau Marburg
Verbandsspiele am 18. Dezember 1932:
2. Bezirksklasse: Dreihausen— Marbach, Peter Frankenberg— Wetter, Kunze Breidenstein— Erdhausen, Feußner Frechenhausen— Feudingen, Feuring
1. Gauklasse: Allendorf— Kirchhain, Weintraut Speckswinkel— Langenstein, Abels Buchenau— Eckelshausen, Weber Bürgeln— Cölbe, Klipp Wehrda— Schönstadt, Böß Cappel— Mellnau, Lucy VfB Kurh. Marburg 2.— Germania Marburg 2.
Schneider⸗Marbach
Weidenhausen— Wommelshausen, Eichert Mornshausen— Endbach, Wießner Hartenrod— Sinkershausen, Scheld⸗Wom. Steinperf— Bottenhorn, Graf Obereisenhausen— Breidenbach, Hofmann Lixfeld— Gönnern, Fischbach Banfe— Wallau, Steinhansen
2. Gauklasse: Berghausen— Erndtebrück, Born Banfe— Schameder, Reuter Raumland— Birkelbach Friedensdorf— Eckelshausen, Kamm Hommertshausen— Kombach, Koch Buchenau— Allendorf, Kremer Sterzhausen— Sarnau, Heuser Cölbe— Unterrosphe, Sauer Schönstadt— Oberrosphe, Naumann VfB Kurh. Marb. 3.— Cappel 2., Braun Germania Marburg 3.— Ockershausen 3. Dreihausen— Holzhausen, Goßmann Leidenhofen— Großseelheim, Lemmer Frechenhausen— Roth, Pfeiffer Haddamshausen— Weipoltshausen, Trusheim Oberwalgern— Lohra Holzhausen— Weidenhausen, Kühl Frohnhausen— Günterod Niederofleiden— Schweinsberg, Engelter Neustadt— Langenstein, Kaisinger Neustadt 2.— Niedenwald, Haar Roda— Amönau, Schacht
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