Ausgabe 
4.1.1932
 
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8 Einzelpreis 20 Rpf. A I. 2 Z.

allgemeine hessische Sport⸗Seitung

verbreitet im Bezirk Hessen⸗Hannover des W. S. v. und in den Gauen Gießen⸗Wetzlar, Dill und Marburg

Bezugspreis: durch die Vereine, wenn obligatorisch einge⸗

führt, vierteljährlich 1,50, für sonstige Bezieher viertel⸗

jährlich 2.40 Mk. Erscheint jeden Montag. Redaktionsschluß: 8 Uhr vormittags.

7. Jahrg.. Fußball in gessen⸗Hannover

Erwartete Ergebnisse

Das plötzlich einsetzende Tauwetter hatte die Spielfelder in einen Morast verwandelt, so daß drei Spiele der Nordgruppe ausfallen mußten. Das einzige Treffen in dieser Gruppe sah den Spielv. Kassel mit 2:0 über den Fc Großalmerode siegreich In der Tabelle führt nach wie vor unangefochten Göttingen 5 mit 22:2 Punkten vor Spielverein Kassel 2018 und Sport Kassel 19:7 Punkte. In der Südgruppe siegte der SC 03 Kassel über den VfB Gießen mit 4:0, die Kasseler Kurhessen bezwangen den Tabellenletzten Ockershausen mit 5:0, Kurhessen Marburg be⸗ zwang Hessen 09 Kassel 3:2 und Germania Fulda leistete sich die einzige Ueberraschung des Tages: Die Germanen ließen sich von Horas mit 34 schlagen. An der Tabellenspitze liegt nach wie vor Borussia Fulda mit 22:4 Punkten, gefolgt von Germania Mar⸗ burg(17:7) und SC 03 Kassel(16:10 Punkte.

Das einzige Spiel der Nordgruppe Spielverein Kassel FC Großalmerode 2:0(120).

Auf schwerem morastigem Boden gab es einen harten Kampf, den Spielverein auf Grund besserer Gesamtleistung in der zweiten Halbzeit verdient für sich entschied. Miller verwan⸗ delte in der ersten Halbzeit einen Elfmeter sicher und nach dem Wechsel, als Spiel verein stark im Angriff lag, war es der' gleiche Spieler, der mit wuchtigem Schuß den zweiten Erfolg erzielte. Großalmerode hatte seinen besten Mannschaftsteil in der Deckung.

Die Spiele der Südgruppe SC 03 Kassel BfB Gießen 4:0(2:0).

Der Bezirksmeister gewann diesen Kampf durchaus sicher. Er hätte das Ergebnis auch zahlenmäßig höher stellen können, wenn er mehr in die Breite gespielt hätte. Außerdem wurde ein Elfmeter verschossen. Die Torschützen waren: Engelhardt (2), Wilhelm und Markert.

Kurhessen Kassel Ockershausen 5:0(0:0).

Die Kurhessen konnten den Widerstand des Tabellenletzten

erst in der zweiten Halbzeit überwinden, nachdem Weber in den

Streife durch den Bezirk

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk Hessen⸗Hannover.

Der Deutsche Fußball-Bund hatte eine Erhebung angestellt über die Arbeitslosigkeit der Senioren⸗Spieler und Mitglieder in seinem Bereich. Stichtag war der 1. Mai 1931. Wenn hier nun das Resultat, soweit es sich auf den Westdeutschen Spiel⸗ verband und speziell auf den Bezirk Hessen⸗Hannover bezieht, betrachtet wird, so ist dabei zweierlei in Erwägung zu ziehen. Erstens liegen den Berechnungen die statistischen Bestands⸗An⸗ gaben der Vereine vom 1. Januar 1931(Anschriften⸗Verzeich⸗ nis 1931) zugrunde; vom 1. Januar bis 1. Mai können und wer⸗ den die Angaben über den Mitgliederbestand aber fast überall eine Aenderung(meistenteils eine Vergrößerung der Zahl) er⸗ fahren haben. Zweitens wird der Mitgliederbestand der Ver⸗ eine und damit auch die Zahl der Arbeitslosen vom 1. Mai bis jetzt, d. i. Ende des Jahres, wiederum eine Erhöhung 7175 die nicht berücksichtigt ist. Die Betrachtung kann also keinen An⸗ spruch auf Erfassung der momentan tatsächlich bestehenden Ver⸗ hältnisse machen, sondern nur einen Anhalt bieten, aus dem man sich weitere Schlüsse zu kombinieren vermag.

m 1. Januar 1931 hatte der WSW eacht Bezirke oder 53 Gaue mit 2179 Vereinen und 293 247 Mitgliedern, nämlich 210313 Senioren(über 18 Jahre alt) und 82 934 Jugendlichen (unter 18 Jahren). Die Fragebogen des DB wurden von, 1570 Vereinen mit 152011 Senioren beantwortet, die sich auf 48 Gaue verteilen. Von diesen 152 011 Senioren waren am 1. Mai 64334 arbeitslos; das sind 42,3 Prozent. Der Bestand an Senioren betrug am 1. Mai im Bezirk Hessen⸗Hannover 21.988, von diesen lag über 18 284 aus 315 Vereinen eine Mit⸗ teilung vor, und diese ergab, daß 8351 oder 45,7 Prozent arbeits⸗ los waren. Auf die einzelnen Gaue fallen folgende Berechnun⸗ gen: Dill 60,8, Marburg 54,3, Fulda 46,0, Gießen⸗Wetzlar 446, Harz⸗Weser 44,6, Kassel 39,1 und Göttingen 30,5 Prozent. Der Anterschied in den einzelnen Gauen erklärt sich aus der ver⸗ schiedenen Bevölkerungsstruktur, d. h. der beruflichen Tätigkeit (Industriearbeiter, Landwirte, Handwerker, Kaufleute, Be⸗ amte usw.). Interessant dürfte es auch sein, daß von den 1570 Vereinen im Verband 21 Vereine keine und 19 Vereine nur Ar⸗ beitslose meldeten; das sind 1,3 bzw. 1,2 Prozent; dazwischen lagen 297 Vereine mit bis 24 Prozent, 553 Vereine mit 25 bis 49 Prozent, 453 Vereine mit 50 bis 74 Prozent und 227 Vereine mit 75 bis 99 Prozent. Rechnet man noch die Zahl der arbeits⸗ losen Jugendlichen hinzu, so werden die Ziffern überall größer, auch in Hessen-Hannover, wo am 1. Januar 8760 Jugendliche notiert worden waren.

*

1 Der Ungarische Meister in Kassel.

Die Weihnachtsspiele sind vorüber. Ungünstige Witterung und 5 Platzbeschaffenheit machten Zuschauern und Spie⸗ lern das Vergnügen recht zweifelhaft. Im großen Ganzen war die Zahl der Darbietungen ziemlich spärlich und dabei auch mei⸗ stens auf Wettkämpfe von Bezirksvereinen untereinander be⸗ chränkt. 9 5 die sogenanntengroßen Vereine sahen dieses Jahr von der Verpflichtung auswärtiger Gegner ab, wegen der Unkosten, die vielleicht durch die Einnahmen nicht gedeckt wor⸗ den wären. Nur in Kassel will man nachträglich, am 10. Ja⸗ nuar, etwas Besonderes bieten: die drei Vereine: Sportklub 055 Sport und Kurhessen haben sich zusammengetan und den FC

1 5 aus 9215 zu einem Gastspiel engagiert, Dieser Verein hat früher als Amateur neunmal und jetzt als Pro⸗ fessional zweimal die Ungarische Meisterschaft errungen, woraus

an, den 4. Janne 1222

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den 4. Januc 932

Sturm gegangen war. Dadurch kam mehr Durchschlagskraft in die Angriffsreihe. Die sämtlichen Tore erzielte Britsch. Germania Fulda Horas 324.

Eine Ueberraschung gab es in Fulda, wo Germania sich auf eigenem Platz von Horas schlagen ließ. Die Gäste fanden sich auf dem schlechten Boden besser zurecht, waren eifriger und leg⸗ ten ihre Angriffe auf breiter Front an, während Germania zu⸗ viel kombinierte.

VfB. Kurhessen Marburg Hessen 09 Kassel 3.2(2:1)

Es war ein harter Kampf, den Marburg mit Glück ge⸗ wann, obwohl Hessen 09 seinen Verteidiger Wicke ersetzt hatte, für den Knackstedt in der Deckung aushalf. Die Gäste hatten zu⸗ dem das Pech, nach der Pause ihren Torhüter längere Zeit durch Verletzung zu verlieren. Bei Marburg waren der Torhüter und Fischer im Sturm die besten Leute.

Dazu schreibt man uns von anderer Seite:

Allgemein rechnete man damit, daß infolge des eingetre⸗ tenen Tauwetters dieses Treffen ins Wasser fallen würde. Schiedsrichter Kuntze ⸗Gießen ließ jedoch spielen, doch wa⸗ ren Spieler und auch Zuschauer froh, als der Schlußpfiff er⸗ tönte. Fußballspiel und Fußbad müssen getrennt werden. Die Spieler spielten so gut sie eben konnten, hatten auch durch den schweren Boden ihre liebe Not. Die Marburger fanden sich mit den schlechten Bodenverhältnissen besser zurecht und liefer⸗ ten ein bedeutend besseres Spiel als die Gäste. Hart wurde um die Punkte gekämpft, mitunter wurden auch die Grenzen des Erlaubten überschritten. Fischer mußte den größten Teil der zweiten Hälfte als Statist mitwirken auch Knackstedt schied infolge einer Verletzung aus. Die Marburger Mannen ver⸗ dienen ein Gesamtlob, jedoch muß Böttner, der heute ganz her⸗ vorragende Leistungen zeigte, besonders erwähnt werden. Die Torschützen waren Adorf(1) und Böttner(2). Kurz vor Schluß versuchte Kassel bei dem Schiedsrichter infolge des schlechten Wetters einen Spielabbruch zu verursachen.

Dem Spiel voraus ging das Treffen VfB.⸗Kurhessen 2. ge⸗ gen Wehrda 1., was die Gäste mit 1:0 gewannen. Jedoch dürfte eine Wiederholung erfolgen, da es frühzeitig abgebrochen werden mußte.

man schon auf seine Spielstärke einen Rückschluß wagen darf. Am 3. Januar spielte er in Düsseldorf gegen eine Stadtmann⸗ schaft. Die drei Kasseler Vereine hatten für den 1. Januar ein Probespiel zweier kombinierter Mannschaften geplant, wel⸗ ches die elf Spieler für den Kampf gegen die Ungarn deklarieren soll. Kassel wird also doch noch eingroßes Spiel zu sehen bekommen. Nun sind aber für den 10. Januax die drei Mei⸗ sterschaftskämpfe der Bezirksliga: Horas SC 03, Hessen Kurhessen und Sport Tura angesetzt. Die beteiligten drei Vereine werden natürlich um Verlegung ersuchen, die ihnen jedenfalls auch zugebilligt werden wird. Hoffentlich gibt es da⸗ durch aber keinen neuen Wirrwar in der Tabelle. Bis zum 20. März muß der Bezirksmeister gemeldet sein. Soll dies ohne Umwälzungen in dem Terminkalender geschehen, so bleiben für die Verlegungen nur folgende Tage übrig: am 31. Januar Sport Tura, am 28. Februar Horas SC 03 und am 6. März Hessen Kurhessen. An allen anderen Tagen ist schon der eine und andere Verein angesetzt. Man darf wohl erwar⸗ ten, daß durch die Sonderinteressen Kassels die Interessen der Provinzvereine nicht geschmälert werden.

Sporineuigkeiten

Köln gegen Budapest, der im Kölner Stadion am 1. Ja⸗ nuar vor 12000 Besuchern ausgetragene Aa de e en endete mit einem nur knappen 3.2(0:2) ⸗Erfolg der Magyaren.

FTC Budapest konnte in Düsseldorf vor 6000, Zuschauern gegen eine Kombination VfL Benrath Fortung Düsseldorf nur ein 22 erzielen.

München kam im Fußball⸗Städtespiel gegen Berlin in der Reichshauptstadt vor 25 000 Zuschauern am Neujahrstage zu einem wohlverdienten 4·2(31) Sieg. 98

Bei den Endspielen um die Süddeutsche Fußballmeisterschaft gab es am 3. Jauuar nur zwei Spiele in der Abteilung Südost, die Treffen der Abteilung Nordost fielen dem schlechten Wetter zum Opfer. In der Abteilung Südost schlug die SpVgg. Fürth den VfB Stuttgart 3:0(2:0), der 1. FC Nürnberg siegte in Ra⸗ statt 5:0(1:0). e

Mannheims Fußball⸗Stadtmannschaft spielt am 10. gegen Budapest zugunsten der Winterhilfe.

Admira Wien trägt am 10. Januar in Nürnberg ein Not⸗ hilfespiel gegen eine Nürnberger Fußball⸗Städtemannschaft aus.

Der Kölner Sechstagefahrer Frankenstein wurde wegen der Vorfälle beim letzten Kölner Sechstagerennen für die Zeit vom 15. Januar bis 15. April disqualifiziert. 3

Bei den Amateur⸗Radrennen in Frankfurt siegten Fries⸗ Baer(Sossenheim) im Stunden⸗Mannschaftsrennen über raschend mit Rundenvorsprung vor Gleim⸗Hohbein(Quartett VC Frank⸗ furt). 0 Südbayern schlug im Länderkampf der Amateur ringer die Mannschaft von Württemberg mit 10:8 Punkten.

Der Boxlanderkampf Italien Schweiz in Basel endete mit einem 10:6⸗Sieg der Italiener.

Die Olympischen Winterspiele 1936 werden Partenkirchen abgehalten.

Deutschlands Eishockey⸗Mannschaft fährt nicht zu den Olym⸗ pischen Spielen nach Lake Placid, da die finanzielle Frage nicht befriedigend gelöst werden konnte und da auch selbst mit einem sportlichen Achtungserfolg kaum zu rechnen war.

Januar

in Garmisch⸗

Erfüllbare Wünsthe. Volksbildung und Jugendpflege im neuen Jahr. Von Heinrich Hassinger, Darmstadt.

Selbst heute noch, da der Zweifel in jeden Wunschsatz hinein⸗ klingt, besteht für die Tage um Neujahr herum das Vorrecht, daß sie angefüllt werden dürfen mit Wünschen vielerlei Art. Laßt uns von diesem Recht für eine Sache Gebrauch machen, deren un⸗ aufhörliche Förderung ein dringender Wunsch aller Volks⸗ genossen sein sollte, und dazu noch eines, dessen Erfüllung wir trotz äußerer Nöte Schritt für Schritt näherkommen können. Ich meine die Sache der Volksbildung und die auf das engste mit ihr verbundenen Sache der Jugend.

Wünsche für Volksbildung und Jugend, d. h. zunächst Münsche für die verschiedenen Organisationen, die Träger dieses Wollens, Wünsche einmal ganz äußerer Art: Wir wissen, daß auch das Leben unserer Vereine unter den harten Zeitverhält⸗ nissen zu laden hat, um so stärker zu leiden hat, je selbstloser, je wenigerinteressen-verknüpft ihr Wirken ist. Daß jemand seiner Standesorganisation durch dick und dünn die Treue hält, das ist eine Selbstverständlichkeit, denn er schnitte sich ja ins eigene Fleisch, wenn er sich des Schutzes beraubte, den ihm dieser Zweckzusammenschluß gibt. Aber da, wo nicht die gewissen not⸗ wendigen materiellen Interessen gewahrt werden, wo man die Notwendigkeit nicht sofort einsieht, da setzt die Not am stärksten ein. Notwendig dünkt uns alles, was die äußere Not wenden oder abwenden kann. Darüber wird denn vieles vergessen, was niht minder notwendig ist, weil es neben den äußeren Nöten noch andere gibt, die auch zur Notwende gehören, oft stärker noch dazu gehören, als manches, was sich als notwendig ausgibt. Für unsere kulturellen Vereine, Jugendbünde und Juͤgendherbergs⸗ verbände ist aus dieser wie wir meinen abwegigen Denkart eine schwierige, vielfach verzweifelte Lage entstanden. Weitere Schichten ihrer Mitglieder müssen sich überlegen, wo und wie sie einsparen können. Da wird dann die Reihe der Organisa⸗ tionen durchgegangen, denen man angehört. Bei dem reichent⸗ wickelten Vereinsleben, das wir in Deutschland in Stadt und Land haben, sind das meist eine ganze Reihe. Nun, so könnte man sagen, das wäre kein Schaden, wenn wir auch auf diesem Gebiet zurRationalisierung kämen. Einverstanden! Niemand wird dagegen etwas einzuwenden haben, wenn der gedankenlosen Vereinsmeierei und dem Unfug, den sie vielerorts anrichtet, guf solche Weise gesteuert würde. Aber die Praxis sieht das hat sich in den letzten Jahren zur Genüge gezeigt doch meist anders aus. Jene Vereinsmeierei, die so oft berechtigten Grund zur Bespöttelung und Selbstbespöttelung der Deutschen angab, leidet nicht Not. Not aber leiden die ernsthaften Organisationen, die keinen Wert auf Reklame und Betrieb legen, die der wert⸗ vollen Geselligkeit und der stillen, sich für Heimat, Jugend und Volk verantwortlich fühlenden Arbeit dienen. Es gibt eine ganze Reihe von Geschichts- und Heimatsvereinen, die eine Massenflucht der einst sie stützenden Mitglieder beklagen. Nicht die gehen von ihnen, die dort selbstlose Arbeit leisten und auch nicht die, die diese Arbeit lieben und denen diese Arbeit etwas bedeutet, son⸗ dern andere: solche Mitglieder, die sich einst zur Ehre anrechne⸗ ten, dabei zu sein, die die Verpflichtung empfanden, einzusprin⸗ gen. Leider sind die Gründe der Abkehr mit notwendig gewor⸗ denenpersönlichen Sparmaßnahmen zu rechtfertigen. Viel⸗ fach sind sie nur ein Zeichen für das Schwinden eines kulturel⸗ len und auch sozialen Verantwortlichkeitsgefühls. Man läßt die Dinge eben laufen, weil das so der Zug der Zeit zu sein scheint. Es bringt persönlich nichts ein. Man kann gewiß niemandem vorschreiben. wo er helfend dabei sein sollte, auch wenn es un⸗ mittelbar keinen persönlichen Vorteil für ihn bedeutet. Aber die Bitte soll doch an alle, die es angeht, ausgesprochen werden, zu prüfen. ob nicht der oder jener Beitrag für eine Sache, die man sonst als wertvoll und berechtigt anerkannte, nicht doch weiter geleistet werden kann und ob es nicht Sparmaßnahmen an anderen Stellen gibt, wo sie weniger zerstörend wirken. ft gibt es da viele Wünsche, die bei gutem Willen erfüllbar ind.

Aber auch an die Vereine, Verbände und Bünde geht Ruf, in ihrer Arbeit sich auf das Notwendige einzustellen, auf das Notwendige: d. h. um zu wiederholen, auf das, was zur Notwende führen kann. Die Mittel der Organisationen und auch die Mittel, die etwa von anderen Stellen noch hinzukommen, gilt es, sorgfältigst zu verwalten und nur dort einzusetzen, wo sie auch einen inneren Ertrag bringen. Es ist die schon in besseren Zeiten ausgesprochene Bitte, an die Mitglieder keine Anforderungen zu stellen, die sie nicht vor sich selbst oder ihren Familien verantworten können, daß den erwerbslosen Freunden der Beitrag erlassen wird und daß darüber hinaus einer dem andern beispringe. Das ist durchweg wohl bereits ausgefühet. Feste und Feiern sind eingeschränkt und erhalten ein dem Ernst der Zeit entsprechendes Gesicht. Der Wunsch aber, der als be⸗ sonders dringlich für das neue Jahr ausgesprochen werden mag, ist, daß das Leben in unseren Vereinen, Bünden und Verbänden noch stärker volksverbunden werde, als je, volksverbunden in dem Sinne, daß unsere Vereine, Bünde und Verbände nicht versteckte Herde für entzweiende Betätigung werden, nicht nur der innere Zusammenhalt mit anderen Organisgtionen soll von dem Willen zum Miteinander bestimmt sein. Nicht Brücken abzubrechen gilt es, sondern brücken zu bauen. Sind nicht auch das erfüllbare Wünsche?

Der weitere Kreis unserer kulturellen, volksbildnerischen und jugendpflegerischen Organisation will aber auch angefüllt sein mit Menschen innerster Anteilnahme. Die wirkende und die aufnehmende Betätigung in ihnen erfordert fast durchweg kein besonderes finanzielles Opfer. Sie gibt aber innere Be⸗ reicherung, Weitung des Gesichtsfeld gibt edle Geselligkeit, treue Freundschaft, echte Kameradschaft und sinnvolle Ausfül⸗ lung der freien Zeit. Unsere Organisationen ringen hart mit der äußeren Not, sie wollen aber noch härter kämpfen gegen die inneren Nöte unseres Volkes, wollen die Notwende herbeiführen helfen. Darum wenden sie sich zum Jahresbeginn an jeden ein⸗ zelnen unserer Volksgenossen mit der Bitte: Laßt nicht brach

der