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Fortschreiten der Ansicht, daß die deutsche Frau, vom
Organ der
Evangeli
schen
f Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag.
Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)
Jahranna.
* 2.
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1 Die Grundlage eines geordneten, kulturell hoch- stehenden und vorwärtsstrebenden Staatswesens ist stets die Familie, kann nur diese sein.
Sobald es in den letzten Kriegsjahren, insbesondere in der Nachkriegszeit, in der Familie mit Zucht und Sitte bergab ging, ging es auch im Staat mit Zucht und 1 Sitte immer mehr bergab, mit Unmoral und Atheismus immer mehr bergauf. Die traurigsten Erscheinungen ttlicher Verwilderung und Verwahrlosung und des Abfalls von Gott findet man heute noch, wo doch in anderen deutschen Landesteilen das Bild sich, Gott sei Dank, etwas gewandelt hat, immer noch im roten Sach⸗ sen, und dessen rötestes Herz, der Plauensche Industrie— grund, marschiert da mit seiner Sozialistenherrschaft, die sich überall breit macht, an der Spitze. Verbände, denen anderswo im Reiche viele christlich denkende Kreise angehören, wie z. B. der Bund der Kinderreichen,
stehen hier stark unter sozialistischem Einfluß, ebenso der
Bund Deutsche Jugendherberge, der gerade infolge der
Pflege der Jugendwanderungen von großem Einfluß
auf unsere Jugend ist. Schrankenlos herrscht hier das Freiheiler- und Atheistentum, Jugendweihe usw. Das sind schwere Gefahren, die umso schwerwiegender wirken, als man im Reich, außerhalb Sachsens, sie gar nicht er— lennen und kennen kann, weil man der Meinung sein muß, daß solche Verbände politisch neutral sind.
Hand in Hand mit der zunehmenden Lockerung des Familienlebens und der guten Sitten geht das
Mädchen an, mehr als eine Art Beuteobjekt zu betrach— len ist. Um so schwerer und ernster ist die Bürde der Verantwortung, die jetzt auf die Schultern jeder deut— schen Frau gelegt ist, die es ernst mit ihrem Volk meint. Darüber hat vor einiger Zeit die Vorsitzende der Evan⸗ gelischen Frauenverbände Deutschlands, Frau Gertrud Becker⸗Diestel, Berlin, in Dresden an einem Vortrags- und Bekenntnisabend des Verbandes der Evangelischen Frauenvereine einen tief schürfenden Vortrag gehalten und die Gefahren beleuchtet, die heute Frauen und Mädchen bedrohen: In sklavischer Abhängigkeit unter⸗
Reinheit und Sitte der
Von Th. Baa re, Freital i. Sa.
werfen sich unsere Frauen und Mädchen den Gesetzen einer schamlosen Mode. Man muß hinzufügen, daß auch der Körper unter diesen zum guten Teil durchaus un⸗ hygienischen Modelaunen leidet. Die öffentliche Un⸗ sittlichkeit macht sich breit auf der Straße in Wort und
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Sonnabend, den l.
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Bild, in Verkaufsständen und Buchhändlerläden, in widerlichen Anpreisungen, in gewissen sensationslüster⸗ nen Presseerzeugnissen(in Dresden wird jetzt energisch gegen diese Skandalblätter gekämpft), mit besonderer Eindringlichkeit auch von manchen anderen Bühnen (Revuen) und von der weißen Leinwand pflichtverges— sener Kinos herab. Gewisse Gefahren birgt weiter der bis zum Uebermaß gesteigerte Körperkult bei manchen sportlichen Uebungen in sich. Kennzeichnend für den Geist unserer Zeit sind ferner die lebhaften Bemühungen weiter Volkskreise um die Aufhebung des 8 218 BGB. Hieran beteiligt sich in hervorragendem Maße die So⸗ zialdemokratie und der Kommunismus, und man kann in Sachsen Umzüge mit fliegenden Fahnen beobachten, an denen Frauen und kleine Kinder teilnehmen, die die Aufhebung dieses Paragraphen marktschreierisch ver— langen. Eine grenzenlose Begriffsverwirrung über das, was erlaubt und verboten ist, hat sich namentlich bei unserer heranwachsenden Jugend eingenistet. Konnte doch unlängst eine Führerin der vein intellektuell gerich— teten Frauenbewegung das Wort prägen:„Die Ver⸗ pflichtung der Frau zur Mutterschaft kommt einem Ver⸗ dummungsprozeß gleich.“ Ueberhaupt spielt der Be⸗ griff Verdummung bei der Verhetzung durch die Sozial⸗ demokratie die größte Rolle.
Die furchtbare Gefahr, in der unser ganzes Volks⸗ tum steht man blicke nur nach Frankreich und Ruß⸗ land hinüber— spiegelt sich in den vorstehend skizzierten Ausführungen von Frau Becker-Diestel wieder. Man darf wohl von den christlichen deutschen Frauen sagen, daß sie das Herz des deutschen Familien- und Volks⸗ lebens bilden. Ihnen erwächst in erster Linie die hohe sittliche Pflicht, für die Aufrechterhaltung des deutschen Familienlebens in seiner gangen Nein hoi d Klarheit und für die Erziehung der deutschen Jugend im deut⸗ schen und christlichen Geist zu sorgen, um ihr den rech⸗ ten sittlichen Rückhalt zu geben im Aufblick zum Kreuz dessen, der in Golgatha litt und starb. Die Schuld an der Entsittlichung unseres Volkes liegt nächst dem Ab⸗ fall von Gott vornehmlich am Schwinden des Familien⸗ gedankens und des Sinnes für die Reinhaltung des deutschen Hauses, an der Erleichterung der Eheschei⸗ dungen und an der zunehmenden Alkoholnot. Da muß die echt deutsche Frau liebende, aber auch starke Hände ausstrecken, um Seelenreinheit und deutsche Sitte im
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Niunmer 31. Hause und vor allem bei ihren Kindern zu pflegen und zu wahren. Auch auf dem Gebiete der Sittlichkeit muß die evangelische Freiheit umgesetzt werden, wie Frau Becker⸗Diestel mit Recht meint, in eiserne Selbstzucht, in freiwilliges Verzichtleisten auf unbeschränktes Ge—
nießen und in strenges Verantwortlichkeitsgefühl. E ˙¹·.A. A
Dreizehn politische Geole. Ein Vorschlag des deutsch⸗volksparteilichen Campe. Der Vorsitzende der deutsch-volksparteilichen Frak⸗ tion im preußischen Landtage, Abg. von Campe, macht in der„Kölnischen Zeitung“ einen sehr beachtenswerten Vorschlag zur Entgiftung des politischen Lebens in Deutschland. Unter Hinweis auf sehr nachahmenswerte Beispiele in England und in den Vereinigten Staaten schlägt er vor, eine Reihe von Fragen aus der politischen Diskussion auszuschalten, d. h. als solche zu behandeln, die nicht mehr dem Meinungsstreit unterliegen. Er stellt folgende dreizehn Gebote auf: 1. Republik oder Monarchie. Wir haben eine Re⸗ publik. Ohne Umsturz ist eine Aenderung nicht möglich.
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Neuer Umsturz brächte uns völlige Entkräftung. Der Realpolitiker rechnet mit gegebenen Verhältnissen.
Staat und Volk können keinen Vaterlandsfreund ent⸗ behren. Für theoretische Erörterungen über die beste Staatsform ist die Zeit zu ernst.
2. Die Weimarer Verfassung. Die Verfassung ist die Grundlage unseres Staatslebens. Man mag sie schätzen oder nicht— man soll sie nicht verdächtigen, nicht gering von ihr denken. Das erhitzt von neuem Gemüter. Besser ihre Fehler verbergen, als sie erschüt⸗ tern. Das schließt sachliche Verständigung über diese oder jene Veränderung nicht aus. Offenes, ehrliches Bekenntnis zu ihr sollte Gemeingut aller Parteien sein. Und das Gegenstück dazu:
9. Achtung vor unserer großen Vergangenheit. Der ewige Vergleich des Einst u. Jetzt, der stets parteipolitisch gefärbt ist und nur verhetzt, muß aus dem politischen Streit ausscheiden. Blick und Arbeit des Politikers ge⸗ hören der Zukunft. Sie dürfen durch solchen Streit nicht geschwächt werden.
4. An die Person des Reichspräsidenten darf sich der politische Streit nicht heranwagen. Seine Stel⸗ lung über den Parteien muß allseits selbstverständlich anerkannt sein.
5. Sobald die Flaggenfrage geregelt ist, ist diese Regelung von allen Parteien loyal anzuerkennen. Der
Der Christ und der Sport.
(Predigt gehalten bei dem Festgottesdienst zur Eröffnung des
Sportfestes zu Staden am 18. 7. 1926 von Pfarrer Hamburger.) 1. Kor. 3.16.17. Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? So jemand den Tempel Gottes verderbet, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr.
In dieser Morgenstunde beginnen wir in unserem Orte zum kisten Male ein weltliches Fest mit einem Festgottesdienst. Ehe unser Sportverein sein jugendliches Spiel beginnen will, ist er geschlossen hierher in seine Heimatkirche gekommen, um vor dem frohen Jugendtreiben eine ernste Einkehr zu halten bei Gott dem Allmächtigen, bei dem Geber aller guten Gaben, bei dem Schöpfer auch eurer Jugend.
Da denke ich zuerst an die Kanzel meines Heimatortes, von der in meiner Jugend, als der Sport in Deutschland noch etwas Neues war, vor ihm gewarnt wurde, als widerstrebe der Sport tinem christlichen Leben. Heute hat sich jedoch vieles hierin geändert. Schauen wir auf unsere Nachbarorte, so ist es in un⸗ erer Zeit üblich geworden, Sport- und Turnfeste mit einer
Feier auf dem Friedhof zum Gedächtnis der im Weltkrieg Ge— 0 sallenen oder mit einem Festgottesdienste in der Kirche, oder duch mit beidem zu beginnen. Da soll nun heute der Apostel Paulus zu uns reden mit einem ernsten Mahnwort. Mit hei⸗ lern Ernst spricht er über den Menschen. Fragen wir uns, wie er Christ zum Sporte stehen soll, dann gibt uns Paulus eine doppelte Antwort: 1
1. Der Mensch ist Gottes Tempel, den niemand ungestraft ver— derben darf. 2. Der Mensch ist Gottes Tempel, in dem Gottes Geist wohnt. 115 Wie mancher an alte Vorstellungen gewohnte Christ wird sch heute wundern, wie man ein Sportfest in einer christlichen Lirche beginnen kann. Was hat der Sport mit Religion zu un? Scheint nicht der Sport gerade etwas unfromm zu sein esonders denen, welche die Frömmigkeit sich nur vorstellen kön⸗ den als etwas, das uns fernhält von jedem Zugeständnis an as Irdische? Haben wir aber nun nicht gerade dem gegenüber orhin am Altar unseren großen Apostel gehört, Bilder aus dem riechischen Sportleben gebrauchen? Paulus spricht vom Laufen
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Vom Fechten redet er. Das ist eine vielgepflegte griechische Sportart. Diese Bilder gebraucht der Apostel in einem Briefe an seine Gemeinde in Korinth. Dort in dieser bedeutenden Stadt Griechenlands wurde er verstanden. Denn Griechenland ist ja das Mutterland der Leibesübungen. Die griechische Jugend hat ihren Körper gestählt durch Wettlauf, Diskus- und Speerwerfen, mit Fechten und Ringkampf. Wenn dann die Besten aus dem ganzen Volke in Olympia zusammenkamen, um in friedlichem Wettbewerb die Kräfte und die Geschicklichkeit zu messen, so wäre das nicht denkbar gewesen, ohne daß die Jugend Griechen— lands sich vereinigt hätte bei der Opferfeier für den Zeus von Olympia. So haben die Heiden ihre Sportfeste begonnen mit ehrfürchtigem Gottesdienst. Wieviel mehr dürfen wir Christen solches tun!
Im erxsten Artikel unseres Glaubensbekenntnisses hören und bekennen wir, daß uns Gott geschaffen hat. Die wertvollste irdische Gabe, die uns der Schöpfergott gab, ist unser Körper Wie heilig läßt der Apostel Paulus in unserem Text uns über unseren Körper denken. Er nennt ihn einen Tempel Gottes. Ein furchtbares Drohwort fügt er bei. Wer diesen Tempel Hottes verdirbt, den wird Gott verderben. Es ist ganz einerlei wodurch der Körper verdorben wird, sei es Unzucht und Laster⸗ leben, sei es Vernachlässigung oder sonst ein anderer Grund. Wie wahr dieses Drohwort ist, das lehrt uns ja die Geschichte. Als die Bewohner der reichen Handelsstadt Karthago an der Küste Nordafrikas so reich geworden waren, daß die Bürger nicht mehr s in den Krieg ziehen wollten, sondern Söldner für ihre Heere warben, die ihre Heimat schützen sollten, da waren es die römischen Bürger, die diese Stadt, in der nur dem Wohl- leben gehuldigt wurde, vollständig vernichteten. Als dann Rom selbst auf seiner höchsten Höhe stand, die Jugend nicht mehr wie früher den Körper stählte und abhärtete, sondern sich der Schwel— gerei und dem üppigen, ausschweifenden Wohlleben hingab, da
aren es unsere germanischen Vorfahren, welche das Römerreich beseitigten. Auch unser Volk möchte man gerne verderben. halb hat man verboten, unsere Jugend gleichmäßig in den Kasernen in Kraft und Geschicklichkeit auszubilden. Wie jene gealterten Völker möchte man auch unser deutsches Volk gerne u Grunde gehen sehen. Da liegt es an unserer deutschen Jugend, den heiligen Tempel Gottes nicht verderben zu lassen, damit uns Gott nicht verdirbt.
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in den Schranken. Damit meint er den griechischen Wettlauf. g
2.
Der Apostel Paulus will uns diese Pflicht ganz besonders dringlich machen durch den Hinweis:„Der Geist Gottes wohnt in euch!“ Dieser Körper ist das Haus eines Stückes der Gott⸗ heit. Er ist die Wohnung der unsterblichen Seele. Das Haus hat den Zweck, dem Bewohner dienstlich und nützlich zu sein. Das Haus ist demnach nicht die Hauptsache, sondern der Be— wohner. Der Körper ist nur ein Diener der unsterblichen Men⸗ schenseele. So muß auch die Pflege dieses Körpers allein im Hinblick auf die Seele beurteilt werden. Sport und Körper⸗ pflege darf niemals Selbstzweck sein, sondern muß eine Ab⸗ zweckung auf die unsterbliche Seele haben. Da warne ich unsere heute so zahlreich vertretene Jugend vor einer epidemisch auftre- tenden Krankheit. Es ist die Rekordsucht. Diese Rekordsucht ist unchristlich, weil sie den Menschen veranlaßt, den Sport um irdischen Ruhmes willen zu treiben. Das ist aber ein Mißbrauch des Sportes. Niemals darf der Mensch Sklave der irdischen Ruhmsucht werden und von falschem Ehrgeiz seinen Körper miß— handeln lassen. Auch durch den Sport, wenn er Wert haben soll, muß der innere Mensch wachsen.
Haben wir es nun mit einem von den Auswüchsen und Fehlern gereinigten Sport zu tun, dann kann er erzieherisch und bildend auf den Charakter des Menschen wirken. Er kann helfen, die natürliche Feigheit des Einzelnen zu überwinden. Er kann das Gemeinschaftsgefühl gründen und stärken. Wie wertvoll kann er werden, wenn er dazu beiträgt, im Einzelmenschen die Notwendigkeit zu wecken, sich selbstlos für eine große Idee, einen über ihm stehenden Gedanken einzusetzen. Dazu soll er helfen, unsere Jugend wieder zur Treue zu erziehen sowohl gegenüber irdischen Gemeinschaften, wie Volk u. Vaterland, als auch gegen⸗ über der Geistesgemeinschaften, wie Christentum u. Kirche. Haltet treu und charakterfest an dem Erbe, unseres Dr. Martin Luther fest, der auch euch hinsichtlich des Sportes das Schriftwort zu— ruft:„Alles ist euer, ihr aber seid Christi!“
Jugend hat etwas vor dem Alter voraus. Das ist die 8 erung. Wir wollen auch euch heute eure Begeisterung für euren Sport von Herzen gönnen. Nicht griesgrämig wollen wir Alten auf euch Jungen sehen. Werden wir lieber wieder jung mit den Jungen. Aber nie möge eure Begeisterung auf Ab⸗ wege kommen, sondern eingedenk der ernsten Apostelworte allein gerichtet sein auf das Reine, das Wahre und das Edle. Das
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helfe Gott. Amen.


