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Sonnabend, den 31. Juli 1926. 0
für ein großes eisernes Kreuz. Dabei ist zu berücksich— tigen, daß die Gemeinde ausschließlich von der Stickerei— industrie lebt, die ja bekannterweise gegenwärtig schwer darniederliegt.
Das Ergebnis der Volkszählung 1925.
Das Statistische Reichsamt gibt soeben das Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni v. J. für die 45 größten deutschen Städte bekannt. Die Reihenfolge ist bei den zwölf größten fol gende: Berlin, Hamburg, Köln, München, Leipzig, Dresden, Breslau, Essen, Frankfurt a. M., Düsseldorf, Hannover und Nürnberg.
Die Gehälter der Kontrollkommission.
Wie eine Korrespondenz berichtet, sind die Gehälter der Interalliierten Kontrolllommission neu sestgesetzt worden. Da⸗ nach beträgt das monatliche Gehalt eines Generals rund 2780 Mark, eines Obersten 2000 Mark, eines Oberstleutnants oder Majors 1680 Mark, eines Hauptmanns 1380 Mark, eines Leut⸗ nants 1000 Mark, eines Unteroffiziers 460 Mark und eines Ge— freiten oder gemeinen Soldaten 360 Mark.
Zusammenfassung der französischen Kriegsgerichte im besetzten Gebiet?
Eine Berliner Korrespondenz meldet aus Mainz:„In der allernächsten Zeit schon werden sämtliche im besetzten Gebiet noch bestehenden französischen Kriegsgerichte aufgelöst und zu einem Hauptmilitärgericht zusammengezogen werden, dessen Sitz
Mainz oder Trier sein wird.“ *
Die Beiträge der Gewerkschaftsmitglieder.
Im Jahre 1913 belief sich das Vermögen der Verbände, die jetzt im(freigewerkschaftlichen) Allgemeinen Deutschen Ge— werkschaftsbund zusammengeschlossen sind, auf 88 Millionen Mark, das der Christlichen Gewerkschaften betrug über 97 Mil⸗ lionen Mark. Mit Ablauf des Jahres 1924 hatte der erstge— nannte Bund schon wieder einen Vermögensbestand von etwa 27 Millionen Mark erreicht, von dem sich allein 22 Millionen Mark in den Hauptkassen befanden.
Recht interessant ist in diesem Zusammenhange folgende Statistik, die von der Leitung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes auf Grund der Angaben von 26 Verbänden (insgesamt sind 41 Verbände dem Bund angeschlossen) aufge—
stellt ist: 1924 Jahresbeitrag Mitglieder in Prozent bis 10,40 335 505 10,8 10,41„ 15,60 282 718 9,1 15,61 90 20,80 307 109 9,9 20,81 7 26,.— 628 479 20,2 26,01 57 31,20 370 229 11,9 31.21 50 36,40 693 632 22,3 36,41 93 41,60 154 372 5,0 über 41,60 334 569 10,8
Man sieht aus dieser Tabelle, daß das Schwergewicht der Beitragsleistung bei den Beitragsstufen von 20,81 M. bis 36,40 M. liegt. Sie umfassen 54,4 Prozent aller Mitglieder, für die Angaben gemacht wurden. In den beiden höchsten Stu⸗ fen überragen die Anteilziffern im Jahre 1924 die des Jahres 1918 um ein ganz erhebliches, wo nur 1,8 bezw. 5 Prozent vor⸗ handen sind.
Allgemein ist über die Höhe der Beiträge zu sagen, daß sie etwa 2 bis 2% Prozent des Einkommens betragen. An Streik⸗
„Evangelische Warte“
beiträgen wurden aus manchen Bezirken bis zu 5 Mark monat⸗ lich gemeldet. Zu diesen laufenden Beiträgen kommen die Cin trittsgelder noch hinzu, die durchschnittlich einen Wochenbeitrag Ausmachen.
*
Kommunistische Nohheit.
Die„Tägliche Rundschau“(Nr. 282 vom 21. Juni, Beilage) bringt eine Zuschrift, wonach am Tage des Volksentscheids in Neukölln vor dem Wahllokal Knesebeck- Ecke Hermannstraße ein Lastkraftwagen stand. Kommunistischer Mummenschanz: Stahl— helmmann, Kaiser, Hofmarschall, Friedensleutnant, Frauen— zimmer. In der Mitte ein Pfarrer in Talar und Barett, das Adreßbuch, auf dem ein weißes Kreuz aufgeklebt ist, unter dem Arm. Unter dem Grinsen der Masse sprach er:„Vater unser, der du bist ein Geldsack, wie heilig ist dein Name. Dein Reich komme— am besten als Kaiserreich. Und führe uns nicht in den Kommunismus, sondern erlöse uns von den Uebeln, von Hindenburg, Geßler und Hugenberg. Amen.“— Und das vor⸗ mittags, zur Gottesdienstzeit, eine Minute von der Melanch⸗ thonkirche entfernt.— Man redet gern von Edelkommunismus und meint, daß unter den Kommunisten viel ideal gesinnte Menschen zu finden seien. Merkwürdig, daß nach außen davon nichts in die Oeffentlichkeit tritt. Eine Partei, die ein wenig auf sich hält, dürfte solche Rohheit nicht dulden, sondern müßte mit eisernem Besen dazwischen fegen. Jeder anständige Mensch weiß nun, was er von diesen Leuten zu halten hat.
*
Eine Sitte, die sich wieder ausbreiten sollte.
In den evangelisch-lutherischen Gemeinden der oberbaye— rischen Diaspora wird es allmählich wieder Sitte, die Kinder im Hauptgottesdienst, vor versammelter Gemeinde zu taufen, wie es sich eigentlich auch gehört. Die meist unter„Ausschluß der Oeffentlichkeit“ vollzogene Taufe, ist eine Uebung, die man be— dauern muß, eben weil sie so tief eingewurzelt ist. Die Taufe ist nicht nur eine Familienangelegenheit, sondern in erster Linie eine Sache, die die ganze Kirchengemeinde angeht, in deren Ge— meinschaft ja das Kind durch die Taufe aufgenommen wird. Was in der oberbayerischen Diaspora möglich ist, sollte auch an⸗ derwärts nicht ausgeschlossen sein.
Auch ein Grund zur Fürstenenteignung.
Daß auch konfessionelle Instinkte bei dem Vollsentscheid mobil gemacht wurden, zeigt ein Anschlag, der sich u. a. an den Bäumen vor der katholischen Kirche in Herrischried, dem Haupt⸗ ort des Hotzenwaldes im südl. Schwarzwald, fand. Man konnte da lesen:
„Katholiken! Es ist euere sittliche und moralische Pflicht am Sonntag für die Enteignung der ketzerischen Fürsten zu stimmen!“
Tatsächlich haben in dem stockkatholischen Ort auch viele für die Enteignung gestimmt— entgegen der Parole ihrer Bischöfe. Der katholische Ortspfarrer muß offenbar mit dem Inholt des Wahlplakats einverstanden gewesen sein— prangte es doch noch am Dienstag nach der Wahl an seinem Platze.
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Reformierter Weltbund.
Vom 14. bis 17. September findet in Genf eine Vertreter— versammlung der reformierten Kirchen des Kontinents zusam— men mit dem Komitee der östlichen Sektion des reformierten Weltbundes statt, um über die Gründung einer reformierten kontinentalen Sektion des Gesamtbundes zu beraten, Es handelt sich dabei, wie die„Christl. Stimmen“ mitteilen, namentlich auch um den Schutz reformierter Minoritäten, die ohne Gesamt⸗
aus 37 Nationen der Erde angemeldet sind.
Eine Welttonserenz der Jugend.
In der ersten Augustwoche tagt in Helsingsfors eine Welt⸗
konferenz echristlicher Jugendbünde, zu der 1500 Jugenddeligierte Die deutsche Abord⸗ nung, ist mit 300 Mitgliedern die größte. Die Verhandlungen werden unter dem Gesamtthema:„christliche Jugend in einer sich wandelnden Welt“ eine Auseinandersetzung der Jugend mit den sozialen und nationalen Gegenwartsfragen bringen. * Eine jüdische Lehrerakademie.
Der preußische Landesverband der Synagogengemeinden hat auf seiner letzten Versammlung in Berlin eine jüdische Lehrer⸗ akademie gefordert. Wenn das preußische Unterrichtsministerium von sich aus diese Akademie nicht einrichten wolle, so solle die
Einrichtung dem preußischen Landesverband der Synagogen⸗ gemeinden überlassen werden. Die Kosten aber soll der Staat tragen.
„*
Sport und Aberglaube.
Schon lange haben nicht nur Flieger, sondern auch Kraftwagenfahrer den Ruf, daß sie besonders aber— gläubisch sind. So gibt es in Paris lt.„Berliner Börsen⸗ Courier“ keinen Kraftwagen mehr, bei dem nicht hinten am Fenster eine englische oder eine Negerpuppe bau⸗ melt. Aber den Höhepunkt haben doch zwei französische Ingenieure erreicht, die den heiligen Sankt Christoph für die Kraftwagenführer mit Beschlag belegt haben. Sie wollen ihm nun eine Kapelle bauen, in der sich die mit täglich individuellerem Gepräge ausgestatteten Wagen segnen lassen könnten. Ihr Modell ist in Paris ausgestellt: Eine 27 Meter hohe kubistische Säule, die von einer Kapelle flankiert wird. Ueber dem Altar ein großes Monument des heiligen Christophorus, das in Aluminium von einem der größten Bildhauer in Paris bestellt werden soll. Schließlich ein Chor, der aber statt von Orgelpfeifen von blinkenden Radioappa⸗ raten umrahmt sein soll. Neben der Kapelle die Woh⸗ nungen der Geistlichen; denn man kann seinen Wagen von einem Abbé, einem amerikanischen Pastor oder einem Rabbiner einsegnen lassen.— Wirklich,„kann“
man das? *
*Schonet die Felder. Wenn der rote Mohn und die freund—⸗ lich blaue Kornblume blühen, dann leiden die Getreidefelder unter der Anziehungskraft dieser bunten„Untermieter“. Beson⸗ ders für Kinder sind die lockenden Farbenkinder unwiderstehlich, aber auch die Erwachsenen lassen oft auch die eigentlich selbst— verständliche Pflicht der Schonung der Getreidefelder außer Acht. Verantwortungsbewußtsein in dieser Hinsicht sollten auch vor allem die Führer von Schul- und Vereinsausflügen haben, Diese bieten gerade die beste Gelegenheit, die Kinder auf die unermeßlichen Werte aufmerksam zu machen, die in den werden⸗ den, wachsenden Saaten liegen und die die besten Helfer für uns Deutsche sind, aus unseren wirtschaftlichen Nöten wieder herauszukommen. So barsch der Landwirt den Verfehlungen im einzelnen begegnen mag, so dankbar wird er verständnisvoller Schonung seiner Aecker und Wiesen gegenüberstehen.
Vorsicht bei der Tolllirsche. Die Tollkirsche ist jetzt reif, Das äußerst giftige Alkaloid dieser hübschen und verlockenden Beerenfrucht, das berühmte Atropin, bewirkt, wenn man es ißt, Krämpfe und Lähmung des Nervensystems. Auch Todesfälle sind häufig. Man sei deshalb vorsichtig beim Beerensuchen und warne vor allem die Kinder vor dieser lebensgefährlichen
hilfe verloren gehen.
Tollkirsche. Die schwarzglänzenden Beeren haben Kirschengröße.
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Soeben erschienen:
Gerhard Kinzel, An den Quellen der Reformation
Das Heilserlebnis des jungen Luther. Dargestellt aus der wiederentdeckten Erklärung des Römerbriefes vom Jahre 1515-1516.
Dies Büchlein bringt in Auswahl— unseres Wissens zum ersten Male— eine Uebersetzung der in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts von Professor Ficker wiederentdeckten Erklärung Luthers zum Römerbrief mit verbindenden Anmerkungen. Wit tun damit einen Blick in das innere Ringen des werdenden Reformators, der die wichtigsten Stücke evangelischer Heilser⸗ kenntnis schon vor dem Anschlag der Thesen, der im 0 1517
erfolgte, in dieser Erklärung niedergelegt hat. ie letzten
Fahre haben in allen evangelischen Kreisen ein erneutes Auf⸗ horchen auf die Botschaft Luthers gebracht. Aus dem Inhalt:
Luthers innere Entwicklung bis 1515.— Die Majestät
Gottes.— Die Freude der Erwählten.— Gelehrte oder Ge⸗ heiligte.— Das neue Volk.— Zeichen der Erwählung.— Ge⸗ recht aus Gott.— Kennzeichen wahrer Geistlichkeit.— Todes⸗ bereit.— Durch Liebe erlöst.— Selig die Brennenden.— Philosophie oder Evangelium.— Preis 0,75 Mt. portofrei.— Zu beziehen: Geschäftsstelle des Gnadauer Verbandes Bethel bei Bielefeld. Postscheckkonto: Deutscher Verband für Gemein⸗ schaftspflege und Evangelisation Bethel bei Bielefeld. Postscheck⸗
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