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2. Jahrgang.
Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)
Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft
Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle,
Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M.
Sonnabend, den 1. Mai 1926.
Anzeigenpreise: die zo mm breite Kleinzelle auswärts 24 Pfg.,
am Ort 12 Pfg., die 90 mum breite Kleinzeile im Text 90 Pfg.,
Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung.
Nummer 18.
Der gegenwärtige Stand unserer Cache in Deutschland.
Darüber lesen wir in der Märznummer der in Eime in Hannover erscheinenden Monatsschrift„Die Tate
Ganz im Stillen und von der Oeffentlichkeit in ihren Anfängen wenig beachtet hat sich da eine Be wegung auf politischem Gebiet vollzogen, die zu Großem berufen scheint, und mit der sich die bisherigen politischen Parteien bald werden befassen müssen, sofern sie es licht bereits schon getan haben.
Daß unsere ganze Politik seit langem durch ein widerwärtiges Lügen- und Intrigienspiel vergiftet ist, daß unsere Parlamente vom Reichstag an bis zu den Kreistagen rettungslos beherrscht werden vom Kampf um die Futtergrippe, von brutalen selbstischen Inter essen und vom grundsatzlosen Kuhhandel, das ist schon eine alte Klage. In der Gegenwart aber haben Tau
ud sende und Abertausende das Gefühl: So schlimm ist es
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och nie gewesen wie jetzt. Und darum kann und darf das so nicht lange mehr weiter gehen, sonst wird unser deutsches Volk und Vaterland in Grund und Boden rui niert. Dies schreckhafte Gefühl hat sich nun auch der evangelischen Christen hin und her im Reich bemächtigt. Selbst die Stillen im Land sind aufgewacht und fühlen syre politische Verantwortung, sind in ihrem Gewissen getroffen von der Frage: Warum versäumt gerade ihr Christen es, die Heilkräfte des Christentums, die ihr be sitzt, in euer krankes Volk auf dem wichtigsten Gebiete, dem der Politik, hineinzugießen? Darum haben sie, weil der einzelne machtlos ist, sich zu Gesinnungsge⸗ meinschaften oder ähnlichen Gebilden zusammengeschlos— sen und zwar meist unabhängig voneinander in den ver— schiedenen Gegenden des deutschen Reiches. Es ist ein sicheres Zeichen für eine elementare Bewegung, für die die Zeit erfüllt ist, wenn sie vermöge einer Art unter ldischer chemischer Verbindung an verschiedenen Orten zu gleicher Zeit selbständig auftritt.
In Westfalen, besonders in Minden⸗Ravensberg, sst der alte christliche-soziale Ruf, den Stöcker seiner Zeit erschallen ließ, niemals zum Schweigen gekommen. Darum war es dort verhältnismäßig am leichtesten, die alten Truppen wieder zu sammeln. Die schristlich-soziale Gesinnungsgemeinschaft Westfalens ist bereits so er— starkt, daß bei den Provinziallandtagswahlen insge⸗ amt 14345 Stimmen abgegeben wurden. Wenn trotz⸗ dem kein Sitz errungen wurde, so liegt das an dem Wahl gesetz, nach welchem solche erhebliche Minderheiten zu— gunsten der großen Parteien einfach unterdrückt werden können. Und dabei ruft man nach dem Auslande hin: Wir verlangen Schutz der deutschen Minderheiten! Welch
nen Lande walten, dann kann man sie auch von anderen fordern!— Dagegen hat man bei den Kreistagswahlen in Bielefeld 3 Sitze und in Minden 1 Sitz errungen. Schöne Aufangserfolge! Das Organ unserer westfäli schen Brüder ist„Das Wort der Stunde“, monatlich er scheinend, Schriftleiter Ludwig Reese, Bielefeld, Goeben straße 13.
Eine bereits sehr gesestigte Christlich-soziale Ge⸗ sinnungsgemeinschaft haben wir ferner in Württem⸗ berg. Dort sind es die alten Gemeinschaftskreise, ernste Christen, bei denen unser Gedanke gezündet hat. Ueber das ganze Land verbreitet gibt es überaus rührige Ortsgruppen, die sich immer mehr ausdehnen. Dort hat man wohl die christlich-sozialen Probleme am klarsten durchgearbeitet und schöpft bewußt aus den tiefsten Quellen schristlichen Glaubens. Bei den Gemeinderats wahlen im Herbst von den anderen Parteien kaum be achtet, ja verachtet, haben unsere schwäbischen Freunde so überraschende Erfolge gehabt, daß den andern die Augen aufgegangen sind. In Stuttgart, wo z. B. die Deutsche Volkspartei 8735 Stimmen aufbrachte, haben unsere Christlich-Sozialen schon 5729 Stimmen gehabt und 1 Sitz errungen, ebenso in Ludwigsburg, Metz lingen, Eltlingen, Gerlingen je und in Rutesheim 2. Dabei konnte nur mit den bescheidensten Mitteln ge arbeitet werden.„Die Christlich-sozialen Blätter“, Herausgeber Reallehrer Simpsendörser, Korntal, ist eins der gediegensten Monatsblätter, über die wir ver fügen.
Es folgt der„Christliche Volksdienst“ in Bayern, namentlich in Nürnberg, der ganz in unserem Sinne ar beitet. Hier ist es der rührige Studienrat Oberndörser, der die Bewegung in Gang gebracht hat, in den Stadt rat gewählt ist und in demselben eine sehr einflußreiche Stellung einnimmt. Von Nürnberg ausgehend, ist die Bewegung im Begriff, sich über ganz Bayern auszu breiten. Ihre Monatsschrift hat den Titel„Der christ⸗ liche Vollsdienst“, Schriftleiter Karl Böhm, Nürnberg, Regensburger Straße 2.
Groß angelegt und für das ganze Reichsgebiet ge⸗ dacht ist die„Evangelische Volksgemeinschaft“ in Ober⸗ hessen, nach Pfingsten 1925 in Gießen ihre stark beschickte Gründungsversammlung hatte und äußerst tatkräftig und mit großem Erfolge vorgeht. Sie hat bereits die unter der Leitung des Pfarrers Mosel in der Uckermark stehende, ebenfalls über ganz Deutschland in kleineren Kreisen verbreitete„Christliche Volkspartei Deutsch— lands“ am 15. Dezember 1925 in sich aufgenommen. Ferner hat sie im Januar 1926 einen Rednerschulungs
kursus in Oberlais mit großem Erfolg abgehalten und gibt schon eine richtige Zeitung, die„Evangelische Warte“, die wöchentlich in Gießen erscheint, heraus. Ihr Schriftleiter ist Pfarrer Hamburger in Staden, Ober hessen. Die Evangelische Volksgemeinschaft, vielfach ge tragen von den Kreisen des Evangelischen Bundes, geht von der Wahrung der Interessen des evangelischen Volktstums und der Abwehr der überhand nehmenden Macht des Katholizismus aus, kommt aber dann eben falls zur Vertretung evangelischechristlicher Grundsätze auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens und der Sozial politik, die den Christlich-sozialen Gesinnungsgemein— schaften die Hauptsache sind. Mit letzterer steht sie in enger Fühlung und Arbeitsgemeinschaft.
In ähnlicher Weise als Abwehrorgan ist unter der üblen Regierung des famosen Ministerpräsidenten Zeig ner die„Evangelische Partei in Sachsen“ entstanden. Anfänglich hatte die junge Partei mit Schwierigkeiten zu kämpfen, beginnt sich aber neuerdings durchzusetzen. Ihr Organ ist das lAtägige Blatt„Fürs christliche Haus“, Max Knappe, Dresden., Hauptstraße 18
Nehmen wir ferner hinzu die Christlich-soziale Ge sinnungsgemeinschaft für die Provinz Sachsen, welche die „Evangelische Volksstimme“ herausgibt, sowie die in Berlin, welche noch kein Blatt besitzt, dafür aber bei den Stadtverordnetenwahlen bereits 2 Sitze gewonnen hat, endlich die bereits starte ostfriesische Bewegung, die sich hoffentlich mit unserer hannoverschen vereinigen läßt, so läßt sich ertennen, daß der Christlich-soziale Gedanke marschiert und nicht mehr aufzuhalten ist.
Wothensthau.
Deutschland ist durch das Sekretariat des Völker bundes eingeladen worden, Vertreter für die Kommif sion des Völkerbundes zur Beratung der Zusammen— setzung des Rates zu entsenden. In der Antwortnote teilt Reichsaußenminister Dr. Stresemann mit,„daß die Teilnahme an den Beratungen der Kommission die Freiheit der Entschließung der deutschen Regierung hin sichtlich des Eintritts Deutschlands in den Völterbund nicht berühren kann.“
Leider ist in Amerika die Durchbringung des Frei gabegesetzes für das im Kriege beschlagnahmte deutsche Eigentum im Repräsentantenhaus unmöglich gemacht worden. Das Gesetz ist von Garner als„Diebstahl“ bezeichnet worden.
Unsere deulsche Regierung hat begonnen, sich auch
— ein Pharisäertum! Erst lasse man Gerechtigkeit im eige— ————— e wurde. Die Heiden haben sich nicht so leicht von ihren alten Wo aber gepredigt wird, da müssen auch Leute da sein, Die deulsche Mosse. Gebräuchen trennen können. Da haben die Missionare ihren welche der Predigt zuhören. Demnach ist nur dann evangelischer 1 alten heidnischen Sitten umgedeutet. Die Heiden opferten g. B. Gottesdienst möglich, wenn Gläubige anwesend sind. Ohne Ge Zur Erinnerung an Luthers„Deutsche Messe“ 1526. Tiere ihren alten Göttern. Durch dieses Tieropfer wollten sie[meinde ist kein Gottesdionst denkbar. Damit hat aber Dr. Mar—
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5 da das Christentum unter den Heiden
Johannes 4,24. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit an— beten.
Von einer„Deutschen Messe“ wollen wir heute reden. Wenn wir von Messe hören, dann denken wir immer nur an die römische Kirche. Dort wird täglich vom Priester die Messe am Hochaltare gelesen. Wenn wir also von Messe reden, denken wir an Kerzenbrand, an Weihrauchduft, an goldene und silberne Priestergewänder, an das Verwandeln von Brot und Wein, an die Wiederholung des Opfers auf Golgatha. Das ist aber die „römische“ Messe. Denn diese Messe wird nicht in der deutschen Muttersprache gelesen, sondern in einer fremden Sprache, in der lateinischen.
Dr. Martin Luther wollte seinen lieben Deutschen eine Messe schenken, die in der heimatlichen Sprache gesprochen wird. Deshalb nennt er sie:„Die deutsche Messe“. Da räumte Luther auf mit der fremden lateinischen Sprache. Jeder Gläubige kann berstehen, was in der Kirche Luthers gesprochen wird. Dort elingt kein Wort fremdländisch. Dort ist alles so heimatlich, Port ist jedes Wort deutsch, wie wir es gelernt haben von Ju gend auf. Dort reden wir deutsch mit unserem Herrgott. Wozu auch die fremde Sprache? Wenn wir zur Kirche kommen, dann wollen wir ja doch in der Hauptsache zu unserem Gott sprechen und Gott mit uns reden lassen. Wäre es nicht recht töricht, wenn wir glauben wollten, Gott verstehe unser Deutsch nicht? Danken wir unserem Luther, daß er mit seiner„Deutschen Messe“ uns die deutsche Sprache im deutschen Gottesdienst geschenkt hat. Dr. Martin Luther hat aber noch mehr aus der römischen
Messe beseitigt. Die Messe ist nämlich entstanden in einer Zeit, in Europa ausgebreitet
sich versöhnen mit den Gottheiten. Die Gnade der Götter wurde erkauft durch die Hingabe der Tiere. Nun kamen die Missionare auf den Gedanken, aus dem heiligen Abendmahl ein Ersatz für das heidnische Opfer zu machen. Sie waren viel besser daran, als die Heiden. Was waren die Tiere? Sie opferten ja den Gottessohn! Wie viel mehr mußten sie da die Gnade Gottes er werben! So entstand aus dem schlichten Herren- und Bruder mahl der Urchristenzeit die Opferung Jesu unblutig in der Messe. Aus den vielen Göttern aber machten sie die heiligen Märtyrer, Daraus entstand dann das große Heer der Heiligen in der römischen Kirche. Da war kes nun Dr. Martin Luthers Aufgabe, alles heidnische, das sich in die römische Kirche in den Jahrhun derten eingeschlichen hatte, zu entfernen. Seine Richtschnur da bei war die Bibel. Was nicht im Evangelium seine Begründung hatte, das entfernte er—
Etwas fehlte in der römischen Messe ganz. Das war die Verkündigung des Gotteswortes. Zu Luthers Zeiten wurde in der römischen Kirche viel weniger gepredigt wie heute. All mählich legt ja die römische Kirche etwas mehr Wert auf die Wortverkündigung. Damals wurde jedoch nur von den Ordens, leuten meist nur in der Fastenzeit gepredigt. Das waren dann jene Fastenpredigten, die uns Friedrich von Schiller in der Kapuzinerpredigt in Wallensteins Lager vor Augen führt. Es, war ein fades Moralisieren, ein Schimpfen ohne tlese religtöse Begründung, Auch da führte Luther wieder zurück zu der Uebung in der Urchristenheit. Aus den ersten l christlichen Jahr hunderten wird uns berichtet, daß jeden Sonntag von den „Bischöfen“(das waren ursprünglich die Geistlichen in den ein
zelnen Gemeinden) das Wort Gottes in der Form der Predigt
ö verkündet wurde. Deshalb stellte auch Luther die Predigt wie.“ der in den Mittelpunkt unseres Gottesdienstes,
tin Luther wieder eine Lehre von der römischen Messe bekämpft. Denn die römische Messe wird ja gelesen einerlei ob Laien da sind oder nicht. Ja viele Messen sind solche ohne daß außer dem Priester und dem Meßner noch jemand anwesend ist. Dann ist edie Messe eine Handlung, die einfach abgemacht wird. Es ist eine Opferhandlung, die verrichtet wird. Vie Verrichtung ist die Hauptsache. Dr. Martin Luther aber machte den Gottesdienst zur Gemeindeseier. Die Gemeinde soll vor Gott treten, soll ihn um Vergebung der Sünde bitten, soll zu ihm beten, soll Gott die Ehre geben.
Somit hat Luther den christlichen Gottesdlenst gereinigt von allem Uuchristlichen. Er hat dazu beigetragen, daß wir Gott wieder in der rechten Weise anbeten Nicht irgend welche Zerimonien und Formeln, keine Kerzen und lein Weihrauchduft, keine Gewänder und kein Meßnerklingeln ist die rechte An betung. Auch kein Priester und kein Opfer in heidnischem Sinne gehört dazu. Nein„Gehorsam ist besser als Opfer“. Und Jesus lehrt uns, worin die rechte Anbetung besteht.„Die Gott anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ Da tritt teiner für uns ein. Wir müssen selbst zu Gott kommen und müssen beten und flehen. Rur diese Anbetung hat die Ver heißung. Denn Jesus sagt;„So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er's euch geben.“
Dieser Gedenktag an Luthers„Deutsche Messe, erinnert uns wieder einmal daran, was wir Evangelische an unserer Kirche haben, wie sie uns in die Nähe unseres Gottes führt, wie sie dazu hilft, immer bessere Menschen zu werden, wie sie uns der Liebe unseres Gottes gewiß macht, wie sie uns der ewigen Selig teit entgegenführt. Diese Kirche wollen wir lieben und ihr treu bleiben unser Leben lang. Amen Hr.
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