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Sonnabend, den 30. Januar 1926.

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Evangelische Warte

sich einigermaßen ein Urteil gebildet haben aus eigener Erfahrung heraus. Obiges Unternehmen aufs Gerate

dern wohl hat mich um eine Erfahrung reicher gemacht. Ist l es nun ein Beweis, wie man auf römischer Seite(die 90 in irgend einer Form ja doch den Anlaß dazu gegeben 05 hat, daß ein Film derartiger Tendenz unter das Volk en kommt) über die Wahrung des konfessionellen Friedens nen denkt?(Man vergegenwärtige sich einmal dasselbe um⸗ 105 gekehrt: Vorführung einer Konversion im Film, in einer ten kein katholischen Gegend?!) Oder soll man nun, ein sagen wir staunen, welcher Mittel man sich römi⸗ 0 scherseits bedient oder bedienen muß, um Propaganda 10 ju machen für Rom?! Sapienti sat! :::: üœʒůͥRnꝛ/[ UH.;x27ꝑl ͤ ben; 5 an Sthwankende Angaben über das Anno santo. sio⸗ DerOsservatore Romano Nr. 296 vom 21.22. zm Dezember 1925 veröffentlichte als Feststellungen des ten, Zentralkomitees für das Anno santo über die Zahl der ho. Rompilger während des heiligen Jahres folgende An es gaben: Das Zentralkomitee errechnet etwa 400 000 Pil⸗ din ger, die an organisierten Pilgerzügen teilnahmen, und selig etwa 500 000, die allein oder in privater Gesellschaft knüd, keisten, also nahezu eine Million, wobei die Kosten für bie eine Person bis zu 12 000 L veranschlagt wurden. Nr. 1 lnti. des Osservatore vom 1. Januar 1926 hingegen gibt nach wie. Mitteilungen des gleichen Zentralkomitees die folgenden ie Zahlen für die einzelnen Nationen bekannt. Aus ver⸗ ie schiedenen Ländern 29 640, Italien 212 000, Deutsch⸗ ale. land 39 875, Spanien 12 892, Frankreich 11 593, Eng⸗ lütig land und Irland 6287, Jugoslavien 5464, Schweiz 5325, jede! Belgien 5285, Ungarn 4782, Tschechoslowakei 3854, Po⸗ heit len 3207, Oesterreich 2783. Portugal 2370, Luxemburg Frau 2000, Malta, 1210, Holland 1127, Dänemark, Schweden g der und Norwegen 706, Rumänien 520, Lettland und Li⸗ Hoch, lauen 74, außereuropäische Länder: Amerika 5286, Asien will 831, Afrika 527, Australien 300, Philippinen 35. Hier⸗ tömi lach dürfte sich die Gesamtsumme auf 357 973 reduzieren. ane Die Zahl von einer Million Pilger, die durch die katho⸗ Ver- lische Presse und sogar durch Radiostationen in die Welt dur hinausposaunt wurde, erweist sich also als falsche An⸗ Naß gabe. Statt der Zahl von zirka 400 000 deutschen Pil⸗ schluß gern, die aus der italienischenTribuna in die deutsche griff Presse gelangte, sind es in Wirklichkeit nur etwa 40 000. abge⸗ Man ist offenbar mit den Nullen etwas leichtfertig um⸗ Teil gegangen. Die Höhe der eingangenen Gelder steht noch de: licht fest, nur Einzelheiten sind bekannt. Die reichste ie dei Gabe, von einem Amerikaner gestiftet, soll nach Mel⸗ enden dung derTribuna vom 31. Dezember 1925 15000000 L. 4 dei betragen. Dagegen gibt dieInformation vom 28. De⸗ % zember 1925 als höchste gestiftete Summe nur Film, 10 000 000 L an und schätzt die Gesamteinnahme des Hal Anno santo auf 5 Millionen Dollars. Eine Ergänzung 0 zu diesen Angaben bringt dieKölnische Volkszeitung 5 vom 12. Januar 1926 und zwar gibt sie als Gesamtzahl 11105 der deutschen Pilger im Jubiläumsjahr 1925, 41 614 an. 8 10 Davon entfallen 29 414 Personen auf 84 Pilgerzüge, 0 1 während 12 200 Einzelpilger, darunter ungefähr 800 zu dal Fuß den Weg nach Rom zurückgelegt haben. Die Be⸗ al teiligung der einzelnen Länder ist wie folgt: Preußen villes 29 Züge mit 9245 Pilgern(davon Rheinland 16 Züge, eine 5714 Pilger; Berlin 5 Züge, 1773 Pilger, Hessen 3 Züge, 5 794 Pilger, Schlesien 3 Züge, 629 Pilger, Westfalen zur 1 Zug, 195 Pilger, Ostpreußen 1 Zug, 140 Pilger).

eine Bayern 25 Züge mit 9606 Pilgern, Baden 2 Züge mit

svollg 1318 Pilgern, Württemberg 2 Züge mit 880 Pilgern, elne Freistaat Hessen 2 Züge mit 709 Pilgern. Ferner haben 5 17 24 Sammelzüge 7656 Pilger befördert.

SGozzialdemokratisches Sthulprogramm. wunde Eine eingehende Kritik am sozialdemokratischen

zelhau

ib maß, der Sozialdemokratie im September mit großer Ein⸗ 2

als ehe

Schulprogramm, das auf dem Heidelberger Parteitag

wechselseitigen Umgang um so weniger Besorgnisse, da es her⸗

uuptlini kömmlich ist, daß das meiste, was nur an sogenannte Lust barkeit

lühender i Bode

grenzt, fast ganz voneinander abgesondert genossen wird. Es geht durchaus stille zu, bis Mädchen und Weiber zu Haus

e belebl find. Nicht Wollust ist hier herrschendes Laster, sondern die sind

die da, es, welche der schon oben erwähnte ausländische Vater unserer zergehen Geschichte den ältesten Bewohnern Germaniens beilegt: Spiel⸗ e dasells sucht und großer Hang zu einer gewissen Art des Aberglaubens. eine gal)(Fortsetzung folgt.) den mal % Wos will das Gemeindebestimmungsretht? 12 500 Auf diese Frage lesen wir imEvang. Gemeindeblatt für das gute. Stuttgart die nachfolgende Antwort: en Fund Vor kurzem wurde im Reichstag ein von der Regierung vor⸗ und nut gelegter Entwurf eines Schankstättengesetzes abgelehnt und da⸗ größen gegen ein Antrag angenommen, der die Regierung auffordert, t teuete einen anderen Entwurf vorzulegen, der wenigstens die Jugend sühe 15 vor den Gefahren des Alkohols schützen und das Verfahren bei bang der Genehmigung neuer Schankstätten regeln soll. Was wollte i bu das Schankstättengesetze Warum wurde es ihm Reichstag ab 0 gelehnt? Und was muß vom Standpunkt eines guten Deutschen ih mit und eines evangelischen Christen von der Gesetzgebung in der ö 9 ö Alkoholfrage verlangt werden? babe Die Neueröffnung einer Wirtschaft geschah bisher in der int sind Weise, daß ein Hausbesitzer die zuständige Stadtbehörde um die ehs, Genehmigung der neuen Schankstätte hat. Wenn es den Be⸗ 0 cha teiligten gelang, einige einflußreiche Gemeinderäte für sich zu ebe gewinnen, so ging das Gesuch durch. Die Anwohner wurden 9 ih zicht gefragt, ob sie eine Wirtschaft in ihrer Nähe für nötig be 10 fbalten. Die Bedürfnisfrage wurde von den städtischen und staat⸗ in fi den lichen Behörden allein entschieden. Durch das Schankstättengesetz 1 10 pllte nun allen wahlberechtigten Einwohnern der betreffenden 1 5 0 Feneinde oder Stadtgegend das Recht erteilt werden, darüber 9 bzustimmen, ob sie eine Wirtschaft in ihrer Mitte haben wollen cht. Gig der nicht. Man sollte meinen, ein solches Recht sei in einem eue. emokratischen Staat selbstverständlich. Aber der Reichstag

lehnte dieses Gesetz mit großer Mehrheit ab; auch die Parteien,

mütigkeit angenommen worden ist, übt, wie wir im Evangelischen Volksboten lesen, in denSozialisti⸗ schen Monatsheften(1925, S. 619) Bruno Borchardt. Zu den Kernsätzen desselben:Die öffentlichen Einrich tungen für Erziehung, Schulung, Bildung und Forschung sind weltlich. Jede öffentlich⸗rechtliche Einflußnahme von Kirche, Religions⸗ und Weltanschauungsgemein schaften auf diese Einrichtungen ist zu bekämpfen. Tren⸗ nung von Schule und Kirche... Keine Aufwendung aus öffentlichen Mitteln für kirchliche und religiöse Zwecke, bemerkt Borchardt:

Mit der Beseitigung der Staatskirche fiele selbst⸗ verständlich auch jeder staatskirchliche(nicht etwa jeder kirchliche) Einfluß auf staatliche Einrichtungen, also auch auf die Schule, fort. Weltanschauungs gemeinschaften, und solche sind ja auch die Kirchen, von jeder Einwirkung auf die Schule zurückhalten zu wol len, wäre ganz vergeblich und verkehrt. So wenig sich der Sozialismus das Recht auf die Geltend machung seiner Weltanschauung in der Schule verkür zen lassen will, so wenig können wir daran denken, es der Kirche verbieten zu wollen, wenn das überhaupt möglich wäre. Es handelt sich nur um die Beseitigung der Staatskirkche, der Kirche als einer staatlichen Ver⸗ anstaltung, die bei der Durchführung ihrer Ansprüche den besonderen Schutz des Staates genießt. In ande⸗ ren Ländern, vor allem in Frankreich, ist diese For derung längst erfüllt. Ihre nochmalige und starke Hervorhebung in unserm Programm ist gewiß nicht überflüssig. Ich hätte nur gewünscht, daß bei der Formulierung schärfer hervorgehoben worden wäre, daß es sich um die Beseitigung der Staatskirche han⸗ delt, nicht aber um die Beseitigung der Kirche über⸗ haupt, wie ja in unserm Programm irgendeine reli gionsfeindliche Forderung keinen Platz finden darf.

Dieser Auslegung, die hier Borchardt dem sozial demokratischen Schulprogramm zu geben sucht, steht der Satz gegenüber:Jegliche Einflußnahme ist zu ver⸗ bieten. Ferner ist wesentlich, daß der Satz:Keine Aufwendung aus öffentlichen Mitteln für kirchliche und religibse Zwecke auf dem Parteitag ausdrücklich noch in den Entwurf, der diesen Satz nicht enthielt, hinein⸗ gefügt worden ist. Die Sozialdemokratie ist in der Schul⸗ frage durch und durch intorelant. Sie steht in der Schulfrage grundsätzlich auf demBoden der religions⸗ losen Schule undjede Einflußnahme einer Welt⸗ anschauungist hier zu bekämpfen mit Ausschluß selbstverständlich der sozialistischen. Daran kann kein Reinwaschungsversuch, wie er z. B. oben versucht wird, etwas ändern!

Stellenjägerlatein.

Die Pöstchenjagd beim Völkerbund ist noch in üblem Angedenken. Herr Wilhelm Marx der für die rich⸗ tige Besetzung der einträglichen Pöstchen so stark Inter⸗ essierte, ist natürlich so unschuldig wie stets. Im Aus⸗ wärtigen Ausschuß gab er lautGermania, Nr. 15 vom 10. Januar 1926, seiner sittlichen Entrüstung darüber Ausdruck, daß die Presse diese Dinge nicht so harmlos zu finden wagte, wie er sie angesehen wissen möchte. Er habe seine Vorschläge über die Besetzung gewisser Pöst⸗ chen nur in einem ganz privaten Briefe gemacht und bloß deshalb, weil er von privater Seite ausdrücklich aufgefordert worden sei, und hinterher habe er dem Auswärtigen Amt die Namen der vorgeschlagenen Per⸗ sönlichkeiten mitgeteilt. Er habe geglaubt, zu seinem Vorgehen ein Recht zu haben, weil jeder treue Staats⸗ bürger dafür sorgen muß, daß auf diese Pöstchen nur Männer kommen, die fest auf dem Boden der modernen Staatsform ständen. Er sei weiter dazu berechtigt ge wesen, weil das Zentrum bei den Beamtenstellen der verschiedensten Art, namentlich in den Ministerien, in

die sich soust für Christentum und Sittlichkeli einsetzen, gesellten sich zu den Gegnern des Entwurfs.

Wie ist das möglich. Man setzte einfach die Böcke en Gärt⸗ nern, indem man die Wirte unter den Abgeordneten als Sach⸗ verständige vorschickte. So bekam der Reichstag eine Reihe von Bierreden zu hören, wie man sie an jedem Stammtisch hören kann. Von einem Redner wurde sogar behauptet, daß die Zu⸗ nahme der Verbrechen und Vergehen in der Nachkriegszeit eine Folge des zu geringen Verbrauchs an Alkohol sei, und daß man zur Hebung der Volkssittlichkeit den Alkoholverbrauch wieder steigern müsse. Auf derselben Höhe standen die Ausführungen dieser Herren über die Erfahrungen, die man in Amerika mit dem Alkoholverbot gemacht habe, obwohl ein so nüchterner Be⸗ obachter wie der Engländer Lloyd George nach seiner Rückkehr aus Amerika schrieb:Amerika ist das Land, das am meisten aus dem Weltkrieg gewonnen hat. nicht Gold, sondern das Alkoholverbot. Die einzigen dadurch Arbeitslosen sind die Ge⸗ fängniswärter; die amerikanischen Kinder sahen niemals solch glückliche Zeiten, wie sie nun herrschen.(Schwäb. Merkur 1925, Nr. 102.) Natürlich gibt es auch in Amerika noch manche Freunde des Alkohols, besonders unter den Neueingewanderten. Wenn nun da und dort ein solcher seiner Unzufriedenheit mit dem völligen Verbot des Alkoholausschanks Luft macht, so sor⸗ gen die Großbrauereien und Brennereien in Deutschland für ausgedehnte Verbreitung dieser Ansicht, während ein großer Teil der Presse fast alles unterdrückt, was zugunsten des Ver⸗ bots gesagt und geschrieben wird. Eine Zeitung, die sich nicht fügt, kommt in Gefahr, die einträglichen Anzeigen der Alkohol⸗ industrie zu verlieren. So wird das deutsche Volk systematisch irregeführt.

Und doch sollten wir schon als gute Deutsche alles tun, um den Alkoholverbrauch einzuschränken. Denn nach dem Dawes⸗ gutachten gilt der Alkohol- und Tabakverbrauch als ein Grad messer des Wohlstandes in Deutschland, und unsere Zahlungen an die Feinde werden unter anderem auch darnach bemessen, ob wir viel oder wenig für diese Genußmittel übrig haben. Unsere

Feinde sagen mit einigem Recht:Wenn das deutsche Volk jähr⸗

Nr. 5.

gerechter Weise vertreten sein müsse. Das Ausland wundere sich ohnehin, daß das Zentrum in den Reichs⸗ ministerien nur mit einem verhältnismäßigen Anteil vertreten sei. Die Partei sei entschlossen, sich diesen Zu⸗ stand nicht weiter gefallen zu lassen. Auch das habe ihn bestimmt. Wenn Mangel an innerer Logik überzeu gen kann, dann steht Herr Marx wieder einmal glän⸗ zend gerechtfertigt da. Auf die ablenkenden Päritäts⸗ anwürfe sah sich Herr Stresemann nun doch veranlaßt, einzugehen. Jedes Amt, vor allen Dingen aber das Auswärtige Amt, müsse zunächst auf den gegebenen Ver⸗ hältnissen und dem vorhandenen Menschenmaterial auf bauen. Vorhandene Persönlichkeiten könnten doch nicht einfach beseitigt werden, es könne nur darauf ankommen, daß in bezug auf den Nachwuchs eine paritätische Be⸗ handlung stattfinde.Zunächst einmal stehe die Tat⸗ sache fest, daß sich merkwürdigerweise katholische An wärter für den auswärtigen Dienst in viel geringerem Maße melden, als Angehörige anderer Konfessionen! Er müsse für sich in Anspruch nehmen, daß die Wünsche für die Betätigung der Weltanschauung des Zentrums auf kulturellem Gebiete bei ihm, Stresemann, immer volles Verständnis gefunden hätten. Er glaube nicht, daß man dem Auswärtigen Amte den Vorwurf machen dürfe, es sei kein Verständnis für eine vernünftige und gerechte Parität vorhanden.

Sonntagsgeoͤanken.

Das Schicksal stand vor dem Weltenlenker und wartete auf den Befehl seines Herren.

Drunten auf der Erde war Krieg und Elend, Hungersnot und Verarmung. Einst glückliche Völker hatten zum Schwert gegriffen, im Machthunger hatten sie das Gesetz des Friedens vergessen, ein Weltenbrand lohte über die Erde. Was Anrecht war, wurde zum Recht und der Schwache des Mächtigen Beute.

Da gab der Herrgott dem Schicksal ein altes Kartenspiel und hieß ihm es neu zu mischen. So wollten es die da drun⸗ ten. Und während der Schicksalsengel zur Erde hinunter stieg, machte das deutsche Volk Revolution. Soldaten zuckten das Schwert gegen ihre Führer, Throne wurden gestürzt, Bürger stand gegen Bürger.

Abseits in dunkler Nacht stand stumm und ernst Germania.

-In schwarzem, wallenden Gewande. And ihr gegenüber der Teufel der Zwietracht. Da kam der Schicksalsengel und trat zwischen sie. Und verteilte die Karten.

Germania frug das Schicksal:Muß es denn sein, daß ich diesem da immer ins Antlitz schauen muß?

Und das Schicksal sprach:Es ist des Herrn Wille, daß eines jedem Menschen und eines jeden Volkes Schicksal diesem da abgerungen wird!

Sie nahmen die Karten. Drei Farben nur hatte das Spiel: Bürger, Bauer, Arbeiter. Aber es waren der Karten viele. Germania seufzt und spielt aus.: Bürger. Hämisch lacht der Teufel und gibt zu: Arbeiter. Und Germania zieht wieder: Ar⸗ beiter. Der Teufel grinst in seiner höllischen Art und gibt die neue Karte zu: Bauer. Und so geht es weiter.

Es kommt kein Wetteifern der Werte der einzelnen Farben unter sich zustande. Es ist ein zweckloses Gegeneinanderhetzen von Bürger, Bauer und Arbeiter.

Und wenn das Spiel Karten verbraucht ist, dann lacht der Höllische durch die dunkle Nacht, daß es gräßlich über die Höhen gellt, mischt und beginnt von neuem.

Das Schicksal steht trauernd da und schaut Nacht für Nacht dem Spiele zu. Jahre dauert es schon.

Bürger, Bauer und Arbeiter wollen sich ein neues Haus bauen, aber sie kommen nicht zur Arbeit, weil sie streiten, weil es jeder anders haben will, weil sie sich gegenseitig die Luft neiden, die sie atmen, und sich gegenseitig das Blut aus den Adern trinken.

Der Schicksalsengel steht aber noch immer da und wartet wartet. Waldfried.

lich über drei Milliarden Goldmark für Alkohol ausgeben kann, dann kann es auch Kiegsentschädigungen zahlen. Mit diesen drei Milliarden könnte die ganze Wohnungsnot und noch manches andere Elend in Deutschland behoben werden, und die Zahl der Arbeitslosen würde eher vermindert als vermehrt, denn gerade die Fabriken alkoholischer Getränke brauchen weni⸗ ger Personal als irgend eine andere Industrie.

Noch mehr aber verpflichtet uns die christliche Liebe zu den Hunderttausenden von Frauen und Kindern, die wegen des Trin⸗ kens ihres Ernährers Not und Sorge, Krankheit und Mißhand⸗ lung ertragen müssen. Wie viele junge Männer sind schon durch Alkoholgenuß in Gesellschaft von schlechten Kameraden und Dirnen geraten und haben sich für ihr ganzes Leben unglücklich gemacht! Und selbst in Fällen, wo derartige unmittelbare Wirkungen nicht so offen zutage treten, kann auch ein mäßiger aber regelmäßiger Alkoholgenuß die Nachkommenschaft dauernd minderwertig machen und dadurch unsägliches Elend im Gefolge haben. Ich habe als Lehrer an der Hilfsschule für Schwach⸗ begabte nur zu reichliche Gelegenheit, die Wirkung des Alkohols auf die Nachkommen zu studieren.

Demgegenüber darf sich der Christ nicht auf den Standpunkt stellen:Ich trinke so wenig, daß es mir nicht schadet. Soll ich meines Bruders Hüter sein? Deshalb hat auch der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß voriges Jahr in einem Schreiben an den Reichskanzler sich mit aller Entschiedenheit für die Ein⸗ führung des Gemeindebestimmungsrechts ausgesprochen Es handelt sich dabei keineswegs um eine sogenannte Trockenlegung Deutschlands, sondern nur um ein zeitlich und örtlich begrenztes Mitbestimmungsrecht der wahlberechtigten Bevölkerung in einer Frage, die alle unmittelbar angeht.

Von der Regierung müssen wir verlangen, daß sie auch in den neuen Entwurf das Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung in irgend einer Form wieder eingefügt. Und von den Parteien, die national und christlich sein wollen, verlangen wir, daß ihnen das Wohl des ganzen Volkes höher steht als das Geldinteresse einzelner.

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