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Sonnabend, den 30. Januar 1926.

Aus unserer Bewegung. Was ich jetzt von der Evanglischen Volksgemein⸗ schaft weiß.

Uns geht die folgende gutgemeinte Zuschrift zu:

In einer Versammlung von Kleinbauern und Kleingewerbetreibenden am 6. Januar in Schotten wurde vom Landtagsabgeordneten Dr. Müller-Darm⸗ stadt(Landbund) vor derEvangelischen Volksgemein schaft des demokratischen Pfarrers Weidner gewarnt. Obwohl ich von der E. V. bereits früher gehört hatte, ließ mich aber diese Warnung, von einem Evangeli⸗ schen an Evangelische gerichtet, aufmerksam werden. Deshalb besuchte ich einen am 10. Januar in Hungen stattgefundenen Vortrag des Herrn Bürgermeisters Völker⸗Lich, um zu hören, was die Evangelische Volks- gemeinschaft will. Der Vortrag, tief empfunden, brachte mir das, was er bringen mußte: Es ist hier der Anfang gemacht worden, die evangelische Christenheit zu sam⸗ meln zu gemeinsamer politischer Betätigung vom Standpunkt des Bekenntnisses aus. Fürwahr, ein Be⸗ ginnen, dem sich rückhaltlos alle Evangelischen anzu⸗ schließen haben, damit die Macht, die jetzt so gewaltig wieder von Rom ausgeht, uns nicht in absehbarer Zeit wie eine Dampfwalze zerknirscht. Nicht mit einer demokratischen Volksgemeinschaft haben wir es hier zu tun, sondern mit einer Volksgemeinschaft schlechthin. Es werden den meisten unter uns Bedenken aufsteigen, ob die Evangelische Volksgemeinschaft das Ziel, das sie sich gesteckt hat, erreichen wird. Diese Bedenken können zur Zeit nicht zerstreut werden. Aber eben deswegen müssen die Kräfte und Geister, die auf dem Boden der evangelischen Kirche stehen, hier eingreifen. Wie ich

Trelet überall für die Evang

sagte: Religions⸗ und Kulturkampf geht von und wir werden, trotzdem wir in der Ueberzahl sind, in Deutschland unterliegen, weil wir keine Geschlossenheit und somit keine Macht sind. Weil wir uns als Be⸗ kenntnisgemeinschaft bekämpfen vom wirtschaftlichen Standpunkt aus und von Interessenten- und politischen Gruppen verschiedener Parteizugehörigkeit mißbrauchen lassen und somit unsere Kraft verzetteln; dem steht gegenüber eine geschlossene einmütige Kraft der katho⸗ lischen Kirche. Diese Erkenntnis hatte ich, bevor die Evangelische Volksgemeinschaft erstand. Ich habe auch die weitere Erkenntnis, daß es der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft, so lange ich lebe, nicht gelingen wird, dem von Rom ausgehenden Machtdruck ein bemerkens wertes Hindernis in den Weg zu stellen, weil die deut⸗ schen Katholiken traditionell und unverrückbar auf ihre Politik und Religion eingeschworen sind und somit mit Rom die Macht bilden. Wenn nun ein im Glauben fester kleiner Kreis von evangelischen Männern sich dennoch dieser Macht entgegenstellt, so haben sie nach kurzer Tätigkeit zwar schon gewissen Erfolg zu verzeich nen, und man wird auch nicht achtlos an der Vereini gung seitens des Zentrums vorübergehen können, aber zu einer leistungsfähigen Macht gehört große Konzen tration und Geld; sowie Verständnis zur Durchführung gesteckter Ziele und Wahrung des Ansehens in jeder Beziehung. Die feinen Fäden, die zur Exxeichung eines Zieles führen, sind selbst oft nicht den Auserwählten bekannt und sichtbar. Neben geistiger und Führer tätigkeit können technische Belange nach außen von ent scheidender Wirkung sein. And da die Geldfrage auch heute zunächst das Entscheidenste ist, wird die Evange lische Volksgemeinschaft es recht schwer und viel Arbeit

und weil man erkennen muß, daß die Evangelische

haben, ihrem Ziel zuzustreben. Dessen ungeachtet aber

Alsche Voltsgemeinschaft ein und werbet neue Mitglieder!

Volksgemeinschaft das Erstrebenswerteste für den reli

giös und politisch unvoreingenommenen Evangelischen

ist, muß die Losung sein: g Vorwärts mit Gott!

Wir drucken diese Zuschrift unverkürzt ab ohne ihr

in allen Teilen zustimmen zu können. Wenn es ein Abgeordneter des Bauernbundes so nötig hat, unsere Evangelische Volksgemeinschaft als demokratische Sache zu beschimpfen, so muß er also unsere Bewegung fürch⸗ len! Venn eine Lüge ist eine so üble Gemeinheit, daß ein Mann, wie Herr Abgeordneter Müller⸗Darmstadt sich einer solchen nur aus großer Not schuldig macht. Armer Bauernbund, wenn du zur Lüge greifen mußt! Wenn Herr Weidner Demokrat war, war nicht Herr Leuchtgens und noch andere Bauernbundführer Ober⸗ hessens im Jahre 1918 auch Demokraten? Warnen Sie vor diesen auch, Herr Müller, oder sind Sie nicht so ehrlich? Wenn Sie deren Namen wissen wollen, so können Sie dieselben von uns erfahren. N

Aus diesen Gründen können wir auch nicht den Pessimismus der obigen Zuschrift teilen. Wir erhalten ja ohne einen Finger krumm zu machen eifrige Werber für unsere Sache. Wer über uns schimpft, der soll es weiter tun. Da werden doch die Leute aufmerksam auf uns. Wer über uns lügt, der soll es weiter tun. Denn Lügen haben kurze Beine und jeder denkt sich sein Teil, wenn jemand keine andere Waffe hat, als die Lüge:Die schlechtsten Früchte sind es nicht, woran die Wespen nagen. Und ausrichten kann ein Mann immer mehr als gar keiner. Deshalb teilen wir den Pessimismus der Zuschrift auf keine Weise und hoffen, daß der Verfasser über die Zukunft unserer Bewegung bald anderer Meinung wird. 9

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An unsere Leser!

Nachdem dieEvangelische Warte nun zwei Monate für viele Orte kostenlos geliefert worden ist, kann sie ab 1. Januar 1926 nur noch an diejenigen Leser gesandt werden, die sie bestellt haben bezw. neu bestellen. Wir bitten die Vertrauensleute, an die wir die Zeitung schicken, doch nun

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