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Evangelische Warte
drgan der Evangelischen Voltsgemeinschaft
Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manusfripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)
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Wesen und ziele der Evangelischen Volksgemeinschaft.
Die E. V. i stim Sommer 1924 gegründet. Es handelt sich also bei ihr(was nicht immer erkannt wor⸗ den ist) um eine junge Bewegung, die den alten Par⸗ teien in voller Selbstverständlichkeit und Anabhängig⸗ keit gegenübersteht. Aber die E. V. stellt nicht nur eine junge, sondern auch eine neue Bewegung dar. Ihr Ziel, auf eine kurze Formel gebracht, ist: christliche Politik!
Damit zieht sie eine klare Scheidelinie gegen die⸗ jenigen, welche alle Religion als„Privatsache“ erklären, darüber hinaus aber auch in der Praxis die private Bekundung und Betätigung christlichen Sinnes auf jede Weise zu verhindern und zu unterdrücken streben.— Zu⸗ gleich liegt in dem Bekenntnis und Willen der E. V. zu christlicher Politik die unmißverständliche Ablehnung jener Halbheit ausgesprochen, die wohl ein Christentum für den Hausgberauch gelten lassen und gepflegt sehen will, die Aenderung seiner Grundsätze und Maßstäbe im öffentlichen Leben jedoch als untunlich und unrichtig ansieht. Nicht, daß wir ein förmliches System echristlicher Politik aufstellen wolle, sondern nicht mehr, aber auch nicht weniger fordern wir als dies: daß jeder sich seiner Pflicht bewußt werde, auch in der Politik ganz Christ zu sein!— Wenn wir im Blick auf jene Forderung unsre E. V. oben eine neue Bewegung genannt haben, so wollen wir damit zum Ausdruck bringen, daß von allen Parteien die E. V. die einzige ist, die als Partei ausge⸗ sprochenermaßen in der christlichen Weltanschauung die obersten und allein ausschlaggebenden Normen für ihr politisches Handeln sucht. Darüber wird weiter unten noch einiges zu sagen sein.
Diesem grundsätzlichen Unterschied zwischen der E. V. liegt, noch einen solchen hinsichtlich der Methode anzu⸗ reihen.
Sind es nicht Millionen Gutgesinnter, die jedweder politischen Betätigung und Stellungnahme deshalb ent⸗ sagt haben, weil sie sich angewidert und abgestoßen fühl⸗ ten von der Art und Weise, in der sie andere„in Politik machen“ sahen? Ist es nicht für alle, die ihr Volk lieb haben, überaus schmerzlich zu beobachten, wie— zumal bei den Wahlkämpfen— der Gedanke der Volksgemein⸗ schaft mit Füßen getreten wird von Parteien, die, bloß um einander den Rang abzugewinnen, Lüge und Ver⸗ leumdung, Haß und Hetze, ja selbst rohe Gewalttat in ihren Reihen dulden?
Die E. V. ist nicht gewillt, diese Verwilderung politischer Sitten auch bei sich einreißen zu lassen. Wie sie bisher bei ihrer Werbearbeit für alles marktschreie⸗ rische, händelsüchtige Gebahren verzichtet hat, wird sie
auch fernerhin dem furchtlosen Streit mit andern Par⸗ 8!f7fPkT7PbPkPbPbdbfßfbfß'ff::.] ĩ vy. ĩ⅛•.0d......]
Was gilt dir deine Bibel?
Zum Bibelsonntag. Johannes 5,39. Suchet in der Schrift, denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben drinnen; und sie ist's die von mir zeuget.
Warum hast du eigentlich eine Bibel zu Hause? Was machst du wohl damit? Liegt sie verstaubt in einer Ecke, oder steht sie schön sauber und unberührt bei vielen anderen Büchern im Schranke? Sage, wozu hast du eine Bibel zu Hause? Die Zahl derer, welche wissen, wozu die Bibel im Hause da ist, ist doch recht klein. Darum ist nun der Bibelsonntag da, damit recht viele einmal darüber nachdenken, warum sie eine Bibel haben.
Es genügt nicht, daß jemand in seiner Jugend etwas über die Bibel gehört und auch einiges aus ihr gelernt hat. Dazu ist die Bibel nicht da, daß man von ihr etwas weiß, wie aus einem Buch über die Entdeckung Amerikas. Die Bibel soll viel⸗ mehr eine Fundgrube von Lebensweisheit sein. In einer Fund⸗ grube muß man suchen. Da liegen die Edelsteine unter anderem Gestein. das uns nicht so sehr interessiert. Auch Jesus will haben, so hören wir aus obigem Wort, daß wir in der Schrift suchen sollen. Nun denkt Jesus nur an das alte Testament. Das war die Schrift, welche die Schriftgelehrten studierten. Im Tempel zu Jerusalem und in den Synagogen wurde an allen Festtagen daraus gelesen und gelehrt. Das Buch hatte das An⸗ sehen, wie bei treuen evangelischen Christen die ganze Bibel. Jesus sagte von ihr:„Ihr meinet, ihr habet das ewige Leben drinnen.“ Ewiges Leben atmet dieses Buch. Wer ewiges Leben finden will, der suche in der Bibel.
Nun haben wir aber mehr als die damaligen Juden. Wir haben noch das herrliche neue Testament. Darin tritt uns Jesus gegenüber. Wir lesen darin die größten Offenbarungen unseres Gottes. Hat das alte Testament von Jesus gezeugt d. h. auf ihn hingewiesen, so redet ja das neue Testament nur von Jesus.
Und wir dürfen das Buch aufschlagen und dürfen darinnen 5
Von Christian Deutschmann.
teien nach Möglichkeit aus dem Wege gehen und etwai⸗ gen Angriffen gegenüber sich auf eine Abwehr„fortiter in re, suaviter in modo“(Entschieden in der Sache, aber maßvoll in der Form), beschränken In gleicher Weise wird sie ihren Versammlungen eine Form zu geben ge⸗ dacht sein, die Ruhe und Sachlichkeit gewährleistet und einen Verlauf verhütet, wie er gemeinhin öffentliche politische Versammlungen so unerquicklich klar, daß wir schnell vorwärts kommen würden, wenn wir bereit⸗ williger den Masseninstinkten Rechnung trügen; es liegt uns indes nichts an Erfolgen, die wir nicht einer an⸗ ständig geführten Politik zu verdanken haben.
Was will die E. V.? Darüber gibt das bekannte Programm Auskunft. Auf einzelne Forderungen soll im folgenden e'was näher eingegangen werden. Das Herzstück, der Kernpunkt unsces Programms ist dies: daß alle, die sich uns anschließen, mit uns eins sind in dein ernsten, ehrlichen Willen, dem christlichen Geiste auch imp olitischen Leben zur Geltung und zum Siege zu verhelfen.
Ob aber die E. V. für ihn die richtige ist, ob er seinen Anschluß an sie vollziehen soll, das wird jeder hinreichend beurteilen können, wenn wir nunmehr kurz und in großen Zügen, alles Einzelne späterer Darstellung vorbehalten, jenen Dreiklang in Worte umzuschreiben versuchen, den die E. V. sich zur Losung, als Inschrift für ihr Banner gewählt hat: Christentum! Vaterland! Gemeinwohl!
Christentum!
Man hat uns wohl gefragt: was für ein Christen⸗ tum vertretet ihr denn, das der Katholiken oder das der Protestanten, kirchliches, freikirchliches oder Gemein⸗ schafts⸗,„positives“ oder„liberales“ Christentum?
Die so fragten, gehörten zu den zahlreichen Leuten, die erst zufrieden sind, wenn sie jeden Menschen irgend⸗ wie etikettiert und einrubriziert haben. Wir haben ihnen geantwortet: unser Estrihentum ist dasjenige Jesu Ehristi. Es dogmatisch zu formulieren, ist nicht Sache einer politischen Partei. Auch wenn der oder jener von uns innerhalb seiner kirchlichen Gemeinschaft einer bestimmten„Richtung“ angehört, innerhalb der E. V. soll und will er nichts weiter als nur Christ sein. Uns kommt es auf den Tatbeweis des Christentums an: das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft.
Der bayrische Generalstabskommissar Dr. v. Kahr hat die Parole geprägt:„Für die christliche, gegen die marxistische Weltanschauung!“ Viele haben es ihm nach⸗ gesprochen, wenige nur haben das Falsche und Irre—
suchen, was für uns geschrieben steht. Als die Bibel nur lateinisch gelesen wurde, da konnte der einfache Mann keine Bibel lesen. Lange Zeit war die Bibel ein verschlossenes Buch. Erst Dr. Martin Luther hat uns den Schlüssel wieder gegeben. Er hat mit seinen Freunden zusammen uns beide Testamente aus den Ursprachen in die liebe deutsche Sprache übersetzt. Auch hat er dafür gesorgt, daß auch die einfachen Leute lesen lernten. Seit dieser Zeit können wir erst wieder das Heilandswort erfüllen: „Suchet in der Schrift!“
Wenn wir nun einmal darüber nachdenken, wem die Bibel schon gedient hat und heute noch dient, dann sehen wir eine große Anzahl von einander entgegengesetzt gerichteten Christen. Denn die Bibel dient den Lutheranern gerade so wie den Reformier— ten, den Kirchenchristen wie den Gemeinschaftschristen, den Strenggläubigen wie den Freigesinnten, den Pazifisten und den Nationalisten; alle berufen sich auf die Schrift. Manche sehen darin eine Schwäche der Bibel. In Wirklichkeit beruht auf die— ser Unerschöpflichkeit und Unbegrenztheit ihre große Segens— kraft. Denn nur so bietet sie ja in den verschiedensten Lagen und Bedürfnissen Halt und Kraft. Sie ist nicht das Buch einer Partei oder einer Richtung, sondern ist erhaben über den mensch— lichen Kleinlichkeiten.
So nun die Bibel großen Bewegungen unter den Menschen gedient hat, will sie ebenso auch den einzelnen Menschen dienen. Deshalb ist sie nicht ein beliebiges Buch. Wir nennen sie: Bibel d. h. das Buch. Es ist das Buch, dem kein anderes gleicht. Es ist das Buch des Lebens. Menschen kommen und gehen, aber die Bibel bleibt. Menschen altern und sterben, die Bibel wird nie alt. Haben schon die Urgroßeltern aus ihr sich Trost und Lebensmut geholt, so steht auch für uns heutige Menschen noch genug davon drinnen. Es ist deshalb das beste Buch, das wir kennen. Wie in Pestalozzi, die christliche Lehre 1 zu lesen ist, schrieb der Romanschriftsteller Dickens an seine jüngste Tochter:
Denn der
führende dieser Gegenüberstellung erkannt. Marxismus ist keine Weltanschauung, sondern eine Wirtschaftslehre; die Weltanschauung aber, welche Kahr im Marxismus treffen möchte, ist der Materialismus, dem das Materielle, Stoffliche, Irdische alles, dem das Ideelle, der Geist, die Seele nichts ist. Ihm gilt auch unser rücksichtsloser Kampf, überall da, wo materielle — man sagt heut gern dafür:„wirtschaftliche“— Inter⸗ essen das Uebergewicht über ideelle erlangt haben. Wie weit materielles Denken auch ins politische Leben einge— drungen ist und seinen Schwerpunkt aus dem Geistigen ins Stoffliche verlegt hat, ist dafür nicht die Tatsache bezeichnend, daß man das Wesen der einzelnen Par⸗ teien dadurch am treffendsten zu bezeichnen glaubt, daß man die eine die Partei der Landwirtschaft, die andre die Partei der Industrie, die dritte die Partei der Industrie uff. nennt?
Es ist kein Zweifel, daß ein zu enges Verflochten⸗ sein in die„Dinge dieser Welt“ die Klarheit und Sicher⸗ heit des Blickes trübt. Nur derjenige, dessen innerer Schwerpunkt nicht in, sondern über dieser sichtbaren Welt liegt(dazu aber bedarf er nicht bloß der Moral, sondern der Religion!), wird ihnen mit der nötigen Freiheit und Unbefangenheit gegenüberstehen und zugleich die sicher⸗ sten, weil absoluten und nicht nur relativen Maßstäbe für ihre Beurteilung und Bewertung haben. Auf diese höhere Warte stellt uns unser christlicher Glaube. Es stünde nach innen und außen besser um unser Volk, hätten wir es immer und überall bedacht:„was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ An der Neu⸗ beseelung unsres in allen seinen Schichten vom Materia⸗ lismus entseelten Volkslebens mitzuarbeiten, sieht die E. V. als eine ihrer vordringlichsten Aufgaben an. Demgemäß wird sie alles bekämpfen, was daran hindert, und alles befördern, was dazu dient, die religibsen und sittlichen Werte und Kräfte des Christentums sich auf unser Volk auswirken zu lassen. Es versteht sich von selbst, daß sie sich für diesen Dienst an der Volksseele in erster Linie auf die Kirchen, wie alle andern Gemein⸗ schaften und Kreise, in denen ein lebendiges Christen⸗ tum der Tat gepflegt wird, stützen muß und will und ihnen dafür auf kulturpoltischem Gebiet ihre tatkräftige Unterstützung leiht. Um der Seele der deutschen Jugend willen fordert die E. V., daß die christliche Schule als Regelschule anerkannt und das Recht der Eltern durch entsprechende Maßnahmen gesichert werde. Der Staat muß ferner an der sittlichen Läuterung unsres Volks⸗ lebens dadurch mitwirken, daß er allem Schund und
und lege ich ein Neues Testament bei, weil es das beste Buch ist, welches die Welt je gekannt hat, noch kennen wird, und weil es die besten Vorschriften zu einem guten Lebenswandel enthält. Laß dich durch dieses Buch allezeit leiten, ohne Rücksicht auf die Meinung anderer, so wirst du glücklich sein.“ Dieser bedeutende Mann hat demnach in der Bibel die Quelle des Glückes ge⸗ funden. Wieviele aber haben es schon lange aufgegeben, je noch⸗ mals im Leben glücklich zu werden. Sie haben gestrebt und ge⸗ arbeitet, hofften dadurch im Erfolge das Glück zu erhaschen. Doch es blieb aus. Eltern meinten durch ihr Kind glücklich zu sein. Aber das Kind ward krank und starb. Da war alles Glück fort. Eine Tochter sah alles Glück im Dasein ihrer Mutter. Aber die Mutter wurde alt und starb. Nun meinte sie, nie mehr glücklich sein zu können. Aber diese alle suchten ja im Vergänglichen das Glück. Dort ist es nicht zu finden. Hätten sie in diesen traurigen Lagen das getan, was Jesus uns zu tun heißt, hätten sie in der Schrift gesucht, dann wären diese irdischen Erlebnisse mit dem hellen Glanze ewigen Glückes bestrahlt worden und keine Hoff— nungslosigkeit hätte Platzgehabt.
Wieviel Tränen hat die Bibel schon getrocknet, wieviel Freude hat sie voll gemacht. Wem hat sie nicht schon gut gedient, der in ihr gesucht hat nach ewiger Speise. Oberflächliche Leser werden sie vielleicht langweilig finden. In Bibelstunden ist es mir sogar schon begegnet, daß Anwesende eine vorgenommene Stelle für höchst gleichgültig hielten, bis die Erklärung dann den Schlüssel gab und die Vertiefung in die Stelle alle Augen aufleuchten ließ. Darum muß man in der Bibel suchen. Sie ist nicht dazu da, daß man sie wie einen Roman herunterliest.
Und nun zum Schlusse nochmals die Frage: Weißt du, lieber Leser, warum du eine Bibel in deinem Hause hast? Merkst du jetzt, was es für ein köstlicher Schatz sie ist.? Den sollst du nicht vergraben wie es der ungetreue, schlechte Knecht getan hatte. Du sollst ein fleißiger Knecht sein, der Werte und ewiges Leben
„Liebes Kind! Du trittst nun in's Leben hinaus und liegt mir dein Wohl sehr am Herzen. Beifolgend erhältst du deine Sachen
herausholt. Darum: Suchet in der Schrift! Amen. Hr.
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