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Sonnabend, den 28. August 1926.
„Evangelische Warte“
Nr. 35.
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Sonntagsgedanken.
Wenn Arbeit ruht, wenn kein Hammer klingt, wenn Sonntagsglocken läuten, wenn der Friede über die Erde zieht,. dann sind auch die Stunden der Einkehr für uns Menschen. Haben wir an schweren Arbeitstagen vorwärts geschaut, so lassen wir gerne in Stunden der Ruhe unsere Blicke rückwärts schwei⸗ sen und aus alten Zeiten liebe Menschen, gute Taten, schöne Tage an uns vorüberziehen. Das Märchenwort„Es war ein⸗ mal“ steigt dann auf aus fernen Zeiten.
Heute mehr wie je weckt dies traute Wort ein banges Klagen, weil die herbe Gegenwart alle Freude und alles Glück, wie es einst gefühlt wurde, unseren Herzen entrückte. Nur Er⸗ innerung blieb zurück und sie ist es, die uns heute so gern zurückführt in die gute alte Zeit. Da sehen wir Freude, Friede und Glück in weiter Ferne schreiten, wir fühlen den Zauber— strahl, der einst diese Tage erhellte. Damals freilich ging es uns wie allen, die im Glücke schwelgen. Erst wenn man etwas verloren hat, lernt man es bewerten.
Heute spannte sich ein trüber, grauer Schleier über das einst so glückliche Land. Vergangen ist aller Glanz, dahin alle Kraft, verklungen ist der Lieder Kranz von Freiheit, Ruhm und Waffenehre. Es war einmal!———
Geblieben ist die Erinnerung. Doch wer sie fühlen kann so recht in seinem Herzen, dem gibt sie seiner Seele Kraft und Schwung und weckt den Geist, den alten. Und wenn auch jetzt noch Sorge, Not und Leid mit uns des Weges schreiten, so löst die Erinnerung doch die Hoffnung aus, daß einmal auch bessere Tage wieder kommen werden. Erinnerung ist und war stets der helle Stern in dunklen Leidensnächten. Erinnerung an große Zeiten läßt uns viel überwinden.
Und wenn ein fester Wille uns aus aller Not und Qual geführt hat und in unser Heimattal das alte deutsche Glück wieder zurückgekehrt ist, dann werden wir einst auch von diesen Zeiten der Trübsal sagen können:
Es war einmal. W..
wurden sie, besonders von den kirchlichen Kreisen, herzlichst be— grüßt und als Einzelwanderer gastfrei beherbergt. Der finnische Bischof von Tammersfors, J. Gummerus betonte in seiner Er⸗ öffnungspredigt in der Johanniskirche, daß die evangelische Christenheit Finnlands die Abhaltung der Konferenz in ihrem so entlegenen Lande als ein besonderes Gottesgeschenk betrachte und für ihr geistliches Leben Förderung davon erwarte. Sie hat sich auch mit ihren Hilfsmitteln, besonders dem dort völlig in die Kirche hineingebauten Jungmännerwerk(die C. V. J. M. ⸗Sekretäre sind dort fast stets jüngere Pfarrer) der Konferenz zur Verfügung gestellt und dessen 25jähriges Bestehen auf diese Weise würdig gefeiert. Die Konferenz hatte als Thema:„Die Jugend von heute und das Christentum“ und verhandelte das⸗ selbe in 50 verschiedenen Gruppen, die international zusammen⸗ gesetzt waren. Es war in brüderlicher Aussprache Gelegenheit gegeben, sich zu den Problemen der Familie, des sexuellen Ge— bietes, der Berufsethik, der Rassenfrage, der internationalen Zusammenarbeit vom Standpunkt der Jugend auszusprechen, und die evangelischen Grundanschauungen nach lutherischer Auf— fassung konnten auch stets mit Freimut dargelegt werden, soweit dies nötig war Besonders erfreulich ergab sich in vielen Grup⸗ pen hierbei tiefste Uebereinstimmung auch zwischen deutschen und französischen Delegierten, aber es wurde überhaupt im Laufe der Tage eine immer herzlichere Gemeinschaft festgestellt. Sichtbar trat sie zutage in der oben erwähnten Abendmahls⸗ seser am Morgen des letzten Konferenztages. Die Leitung der Konferenz hatte an Stelle des zurücktretenden Präfsidien Dr. Paul Des Gouttes; Dr. John Mott, der nach seiner durch das Weltkomitee am 7. August erfolgten Wahl zum Präsidenten des Weltbundes nunmehr drei Präsidien
des internationalen christlichen internationalen Missionsbundes christlichen Jungmännervereine.
Allerlei.
Ein evangelischer Bürgermeister von Klagenfurt.
Am 17. Juli ds. Is. wurde in Klagenfurt Dr. Bercht, ein Evangelischer, zum Bürgermeister gewählt— zum ersten Male wieder seit den traurigen Zeiten der Gegenreformation, also seit etwa 326 Jahren. Wenn die Landeshauptstadt Kärn— tens, Klagenfurt, unter 24000 Einwohnern auch nur 10 Pro⸗ zent Evangelische zählt, so wäre diese Wahl unter früheren Verhältnissen nichts Ungewöhnliches gewesen; denn die öster— reichischen Gesetze sehen nicht auf die Konfession des Kandi— daten, theoretisch wenigstens, und in der Bevölkerung besteht auch nicht der geringste Gegensatz zwischen Evangelischen und Katholiken, soweit dieser nicht von klerikaler Seite künstlich eingetragen wird. Anders jetzt, da in Oesterreich die christlich⸗ soziale, d. i. klerikale Partei die stärkste ist, und der Bundes⸗ kanzler und eine Reihe wichtiger Ministerposten von ihr besetzt wurden. Als im Mai ds Is. Professor Walsegger aus persön— lichen Gründen seine Bürgermeisterstelle, die er 5 Jahre inne— hatte, niederlegte, wurde Dr. Bercht als Nachfolger durch die Stimmen der Großdeutschen gewählt. Die Christlich-sozialen gaben gleich den Sozialisten leere Stimmzettel ab, erstere des— halb, weil Dr. Bercht evangelisch ist, die Sozialisten aus starrer Gegnerschaft gegenüber jedem bürgerlichen Bewerber.
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Studentenweltbundes, des und des Weltbundes der
Was wird aus dem Schloß in Wittenberg?
Die„Mitteldeutsche Heimatkorrespondenz“ vom 2. August schreibt dazu:„Während des Rathausumbaues dient das Schloß städtischen Zwecken. Sobald die baulichen Veränderungen des Rathauses fertiggestellt sind, entsteht nus die Frage, wie das Schloß, das mit der Schloßkirche baulich zusammenhängt, räum⸗ lich ausgewertet werden soll. Das Gegebene wäre, wenn Wit⸗ tenberg, das immer mehr zu einem Zentralpunkt des Protestan⸗ tismus auswächst, das Schloß für Tagungen, Freizeiten und als Versammlungsräume für Wittenbergpilger bereitstellen würde.“
* „Die einzige Hoffnung.“
Bei einer Unterredung, die er unlängst einem Vertreter des Evangelischen Preßverbandes für Deutschland gewährte, führte Erzbischof D. So e derblom u. a. aus: nach der tiefen Wirklichkeit des Christentums gerade von ganz einfachen Menschen aufgenommen wird, von Bauern, Tage— löhnern, besonders auch in der Arbeiterwelt. Diese Menschen haben oft ein feines Gefühl für das, was Christentum heißt.— Auf der anderen Seite aber sind es die ihrer Verantwortung im öffentlichen Leben bewußten Staatsmänner, die im Christentum die einzige Macht sehen, die uns helfen kann. Soederblom erinnerte dabei an Männer, wie den früheren deutschen Reichskanzler Dr. Luther, an den englischen Arbeiter— führer Macdonald, an den amerikanischen Politiker Hoover. Alle diese Männer empfänden aufs tiefste ihre Verantwortung als Christen im offentlichen Leben. Soederblom verwies ferner auf die führenden Juristen der großen Staaten: Reichsge⸗ richtspräsident Dr. Simons, Lord Parmoor-England, Freiherr Marks von Württemberg und Hamarskjöld in Schweden. Für alle diese Männer, die im öffentlichen Leben eine einflußreiche Stellung haben, die keine Geistlichen oder Priester sind, liegt im Christentum die einzige Hoffnung. Es ist diese Tatsache, so schloß Soederblom, eines der verheißungsvollsten Zeichen für die Zu⸗ kunft der ökumenischen Bewegung. Wir brauchen nicht zu ver⸗ zweifeln, wenn wir ein solches Echo in der Oeffentlichkeit
großer internationaler christlicher Organisationen innehat: finden.“
Der Wanderungsverlust. Seit Kriegsende hat Deutschland(in runden Zahlen) 308 000 seiner Bewohner als Auswanderer abgegeben.
1919 3 000 Deutsche
1920 9 000
1921 24000(Vorkriegsdurchschnitt) 1922 36 000
1923 115 000(Inflationsjahr!)
1924 59 000
1925 62 000
Ueberwiegend waren es Männer in den besten Jahren. 1923 standen z. B. 59 Prozent unserer männlichen und 54 Proz. unsere weiblichen Auswanderer im Alter zwischen 17 und 30 Jahren. Von den im Jahre 1925 ausgewanderten 62 000 Deut⸗ schen waren 33 000 männlichen Geschlechts. Die Ledigen über⸗ wiegen unter den Auswanderern immer. Ihrem Berufe nach waren i. J. 1923: 39,9 Prozent unserer Auswanderer aus der Industrie, 14,9 Prozent waren Angehörige der Land- und Forst⸗ wirtschaft. Von den 62000 Auswanderern des letzten Jahres kamen 19 000 aus der Industrie
12 000 aus der Landwirtschaft
8 800 aus Handel und Verkehr
6 800 aus häuslichen Diensten 48,7 Prozent stammten aus Preußen, 13 Prozent aus Bayern und 38,3 Prozent aus den übrigen Teilen des Reiches.
Alls Hessen.
Alsfeld. Infolge Walzarbeiten auf der Kreisstraße Mücke — Ruppertenrod—Ober-Ohmen erfolgt vom 15. August ab die Umleitung des Verkehrs über Merlau—irschgarten—Wett— saasen—Ruppertenrod—Ober-Ohmen— Kreisgrenze.
Bad⸗Nauheim, 19. August. In dem neu hergerichteten staatlichen Ausstellungsraum in den Kolonnaden von Bad⸗Nau⸗ heim findet vom 15. August bis etwa 15. Oktober eine Aus⸗ stellung„Hessenkunst“ statt, die von der Neuen Hessischen Ar⸗ beitsgemeinschaft für bildende Kunst veranstaltet ist. Sie ent⸗ hält eine kleine, aber sehr gewählte Anzahl verschiedenartiger Werke aller Fachgebiete. Es sind Oel- und Wasserfarbenbilder, Griffelkunstblätter, kleine Bildhauerarbeiten und kunstgewerb⸗ liche Werke jeglicher Technik, an denen sich die bewärtesten hes⸗ sischen Künstler und auch die Kunstschulen von Mainz, Offen⸗ bach, Erbach beteiligt haben. Die geschmackvolle Ausstellung bei freiem Eintritt jederzeit zugänglich, ist vielseitig, anregend und der niedrigen Preise wegen zu Ankäufen verlockend.
Friedberg. An der hiesigen Hessischen Lehranstalt für Obst⸗ bau und Landwirtschaft beginnt am 14. und 15. September 1926 ein Obstverpackungslehrgang. Anmeldungen sind an die Direk⸗ tion zu richten.
Heppenheim a. d. B., 17. August. Mit dem Wiederaufbau des Burgfrieds der Starkenburg wird jetzt begonnen. Er soll etwa 35 Meter hoch, also mehrere Meter höher wie der alte Burgfried werden. Zur Wasserbeschaffung hat man den etwa 30 Meter tiefen Burgbrunnen tiefer gegraben. Große Schwierig⸗ keiten bereitet das Herbeischaffen des Steinmaterials usw. Die noch fehlenden finanziellen Mittel hofft man durch eine Lotterie aufbringen zu können.
Arbeitsbeschaffung für die Erwerbslosen in Rheinhessen.
Unter Zuhilfenahme der von der Reichsregierung zur Be⸗ kämpfung der Erwerbslosigkeit bereitgestellten Mittel sind auch in Rheinhessen im kommenden Herbst und Winter größere Ar⸗ beiten geplant. Neben einer großen Anzahl von Orts⸗ und Geländeentwässerungen, Bachregulierungen, Wasserleitungen, Wegherstellungen usw. soll die Entwässerung der Rheinnieder ng jetzt durchgeführt werden. Es handelt sich hier um ein b
Projekt, dessen Durchführung schon seit fast 100 Jahren geplant ist.
Jedermann ist höflichst eingeladen,
meinen Zeitungs- und Druckereibetrieb zu besichtigen, in dem 14 Maschinen stehen,
2„ 92 um sich zu überzeugen, daß die„Gießener Zeitung“ regelmäßig erscheint, 12 500 Auflage die„Hessische Hausbesitzer⸗Zeitung“ hat, die„Evangelische Warte“ nach allen
Richtungen Deutschlands versandt wird,
40 000 Auflage der„Hessische Kamerad“ hat, die„Allgemeine Hessische Sportzeitung“ als offizielles Organ von vielen Vereinen obligatorisch eingeführt ist, 35 000 Auflage die Zeitschrift„Hessisches Handwerk und Gewerbe“ hat und in jedem Ort und in
jeder Stadt zahlreich verbreitet ist.
Ueber 1200 verschiedene Amts-, Privat- und Vereins-Formulare ständig am Lager sind. Lose Zungen, niedrige Charaktere verbreiten nämlich hinter meinem Rücken, so wird mir von einem Beamten mitgeteilt, daß meine oben angeführten Angaben unwahr seien.
Die verehrl. Bürgerschaft von Gießen und Umgegend bitte ich, mir die betr. Verleumder namhaft zu machen, damit ich denen durch andere Stelle auch Gelegenheit geben kann, sich zu
überzeugen.
Albin Klein, Gießen vorm. Wilh. Keller, gegr. 1783. Akzidenz⸗, Buch-, Formular=, Verlags- und Zeitungsdruckerei. Fernsprecher Nr. 1145 und 1362.
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