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für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert.
2. Jahrgang.
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Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus.
Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)
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drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft
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Sonnabend, den 25. Auguft 1920.
N Auf unserer 1. Reichstagung in Gießen am 2. Juni v. Is. war beschlossen worden, daß die stattfinden solle. Mit Rücksicht darauf, daß voraussichtlich im Volksstaat Hessen im Herbst Landtagswahlen sind, daß wir im letzten Jahr nicht nur in Hessen und Hessen-Nassau, sondern auch in fast allen Gegenden des Reiches viele neue Mitglieder und Anhänger gewonnen haben, berufen wir in Ab
änderung des obigen Beschlusses für
Nummer 35.
An unsere Mitglieder und Freunde!
2. Reichstagung im Herbst 1926 in Gelsenkirchen
Sonntag, den 3. und Montag, den 4. Oktober 1920 die 2. Neithstagung nath Frankfurt a. M.
Wir bitten heute schon unsere Mitglieder und Freunde, sich für diesen Tag bereit zu halten und nach Möglichkeit für diese 2. Reichstagung zu werben. Der 3. Oktober muß ein gewaltiges Bekenntnis zu unserer guten Sache werden. Näheres später.
Mit evangelischem Gruß
Der engere Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft:
Professor Niemann Gelsenkirchen,
Bürgermeister Völker- Lich,
Pfarrer Weidner Ober-Lais.
eber den Amweg
Vom politischen zufammenschluß der Evangelisthen.
Seit den Tagen Stöckers und Naumanns ist die Frage einer politischen Betätigung der evangelischen Ehristen als solcher nicht zur Ruhe gekommen. Auch
die schwersten Mißerfolge und furchtbarsten Rückschläge
haben den Gedanken einer politischen Pflicht der evan— gelischen Christenheit als solcher nicht tot machen kön⸗
sen. So ist er auch seit einigen Jahren trotz oder ge— dade wegen der furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sittlichen Not der Zeit wieder kraftvoll in die Er⸗
cheinung getreten. Man fühlt, das Parteiwesen ist zu ehr mit sich selber beschäftigt und an sich selber inter— isiert, als daß da Großes für die Wohlfahrt des Gan— zen zu hoffen wäre. Bemerkenswerk ist, daß sich an drei Stellen gleichzeitig die Idee, sagen wirs ganz offen, eines evangelischen Zentrums geregt hat, nämlich im
theinisch-westfälischen Industrierevier, im Ravensberger
Land und im Freistaat Hessen. Wahrscheinlich regt schs auch noch anderwärts mehr oder weniger wirksam, über es hat noch nicht weiter von sich reden lassen. Ja, Man ist in Hessen und im Industrierevier schon zur poli⸗
ichen Tat geschritten und hat eigne Kandidaten aufge⸗
bellt, vor allem bei Kommunalwahlen, und hat erreicht, haß man das Zünglein an der Wage wurde, was für
die großen Parteien sehr empfindlich, für das Zünglein
sehr förderlich ist. Also die Zeit der rein alademischen Erörterungen hat man tunlichst abgekürzt und hat lurzerhand mit Taten gesprochen. Das ist in sehr viel Fällen die beste Apologetik.
Obschon der Verfasser mitten in der hessischen Be— wegung steht, ist er doch nüchtern und Akademiker ge— hug, die Sachlage ruhig zu erwägen und nicht allzu inthusiastische Hoffnungen zu hegen. Auf alle Fälle
Zweierlei Sittlichkeit. Lukas 10,37. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin, und tue desgleichen. Eine recht belebte Straße im alten Palästina war die ischen Jerusalem und Jericho. Dort wanderten die Pilger— sharen, welche aus Galiläa nach Jerusalem zogen. Der Weg durch Samaria wurde gemieden. In Samaria hatten sich zuden mit Heiden verehelicht. Darüber wurden die Samariter son den reinrassisch gebliebenen Juden verachtet. Sie galten
N ihnen nur als Halbgläubige. Einem Juden gab man deshalb
in Samaxia keine Herberge und der Samariter war in Judäa gur geduldet. Infolge dieses Gegensatzes machten die Pilger und zogen den Jorden entlang, gingen lei Jericho über den Fluß und zogen die alte Straße nach 1 7 Obgleich nun diese Straße so belebt war, war sie och nicht sicher. Räuber benutzten manchmal die Gelegenheit, glleinreisende Leute zu überfallen und zu berauben.
Jusus erzählt uns eine solche Beraubungsgeschichte auf 115 Straße. Ein Mann zog einsam diese Straße. Er wollte och weit und dachte bald in der Stadt eine Herberge zum lebernachten zu finden. Da fielen Räuber über ihn her, welche yn schon längere Zeit beobachtet hatten. Die Straße war erade leer und sie führten ihr schlimmes Vorhaben aus. Sie latten sich nicht geirrt. Der Reisende war gut mit Geld ver— (hen. Sie nahmen ihm alles ab. Weil er es nicht freiwillig eben wollte, so schlugen sie ihn nieder. Dann zogen sie ihm och seine Kleider aus und suchten ihre Schlupfwinkel wieder uf.
Während dem kam ein Tempelpriester dieselbe Straße Ur hatte in Jerusalem seinen Dienst mit treuer Hingabe an (in heiliges Amt verrichtet. Noch klangen die herrlichen Pfalmen 1 seinen Ohren, Noch gedachte er der großen Menge, welche in
Von Pfarrer K. Veller, Mainz-Bretzenheim. wird aber das erreicht werden, daß auf diesem Wege die lirchlich interessierten Parteien die Belange der evan gelischen Kirche nicht weiter als Nebensache und wirk sames Agitationsmittel behandeln. Das soll keines- wegs ein Urteil über alle Mitglieder der betreffenden Parteien sein. Aber es ist doch bezeichnend, daß ein so wissender Mann wie Pfarrer Gauger in Elberseld in christlich-sittlicher Hinsicht das Vertrauen auch zu den Parteien der Rechten verloren hat. Aber es wird dem so warm national empfindenden Mann schwer genug ge worden sein, seine eigenen Wege zu gehen.
Unsere hessische Bewegung nennt sich„Evangelische Volksgemeinschaft“. Mir scheint, damit ist ein ganz neues, ganz' großzügiges Programm gegeben. Im Gegensatz zu Stöcker ist man bewußt evangelisch. Drei Katholiken hemmen und beschweren nur. Und das scheint mir ganz richtig zu sein. Sehen gut gesinnte Katholiken die Irrwege des Zentrums, so mögen sie eine katholische Parallelgruppe bilden! Wir sind hier bewußt evangelisch. Wir haben schwere Bedenken, uns einer„christlichen“ Gruppe anzugliedern. Eine Volks gemeinschaft wollen wir sein. Mag der einzelne Christ in seinem Innersten noch so übernational sein, unser Gott hat uns geschichtlich zu Gliedern der deutschen evangelischen Kirche gemacht. Auf diesem Boden haben wir uns als Christen zu bewähren, hier zu dienen bei voller Achtung und Wertschätzung der Eigenart anderer Völker und Kirchen. Und unsere evangelische Christen— heit hat heute auch große politische Aufgaben. Aber nicht als„Partei“, sondern als Volksgemeinschaft. Käme der Name Partei wieder auf, so wäre ich der erste, der umgehend wieder austräte. Aber um den Namen gehts hier nicht, sondern um die Sache. Die
den Vorhöfen des Tempels voller Andacht versammelt war und der Opferhandlung beigewohnt hatte. Nun eilte er nach Hause. Das Leben in der Hauptstadt war für seine Verhältnisse zu teuer. Deshalb wohnte er in der kleineren Stadt Jericho Dort hatte er seine Familie. Im Geiste dachte er schon an seine Frau und seine Kinder. Wie werden sie ihm entgegen— eilen und sich freuen, wenn der Vater wiederlommt.
Mit solchen Gedanken beschäftigt kommt der Priester an die Stelle des Ueberfalles. Er sieht den armen Menschen in seinem Blute liegen. Er wird herausgerissen aus seinen Gedanken, Mit Grauen wird er erfüllt. Hier haben Uebeltäter gehaußt— Der Gesetzeskundige weiß, daß das fünfte Gebot hier übertreten Er wird das fünfte Gebot nicht übertreten. Er wird niemand töten.„Als er ihn sah, ging er vorüber.“
Nach ihm kam ein Levit dieselbe Straße. Er hatte auch im Tempel seines Amtes gewaltet. Da er aber ein niederer Tempeldiener war, konnte er nicht mit dem Priester zu gleicher Zeit aufbrechen. Er mußte noch mancherlei ordnen. Deshalb lam er etwas später. Auch er war ein frommer Mann. Er halte zwar nicht das Gesetz zu lehren, aber er kannte es genau. Auch er hatte seinen Wohnsitz in Jericho gewählt, weil ihm die Lebensweise in Jerusalem zu teuer war, Nun war die Arbeit getan, nun eilte er frohen Mutes seinem Heime zu. Aber auch er mußte an diesem blutigen Menschen vorbei. Hier hatten Mörder gewütet. Das war ihm klar. Auch er dachte an die Uebertretung des fünften Gebotes. Wie furchtbar muß die Rache Gottes sein an denen, die dieses Gebot übertreten Er, der Levit und Tempeldiener, wird nie in seinem Leben ein solches Verbrechen begehen. Nein, dafür hält er ja treu die Ge „Als er ihn sah, ging er vorüber.“ gläubige Juden waren es, die da an dem armen vorübergingen. Zwei gesetzestreue Juden waren Sie lebten genau
wurde.
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Zwei Ueberfallenen es, die leines der zehn Gebote übertraten.
Stunde ist gekommen, alle bloßen Interessenparteien zum Absterben zu bringen und eine Volksgemeinschaft aufzurichten. Da das für das ganze Voll nicht möglich, sondern bloß für den evangelischen Volksteil, weil im Zentrum schon Wesentliches nach dieser Seite auf dem Boden des Katholizismus verwirklicht ist, so sind wir eben eine evangelische Volksgemeinschaft. Das Herz wird einem ordentlich warm bei dem Gedanken, daß schon so viel Kleine und Große erkannt, daß das der Weg einer neuen deutschen Zukunft ist. Nicht: hier Bauer, hier Arbeiter; hier Händler, hier Erzeuger; hier Stadt, hier Land; hier Unternehmer, hier Taglöhner usw., sondern„evangelische Volksgemeinschaft“. Fragt man nach unsern prominenten Patronen und Protek, toren, so sagen wir: Der einfache Mann hats begriffen! Die Hauptsache ist, daß es mal die Masse der Kleinen begreift. Im übrigen werden die Unbekannten von heute die Prominenten von morgen sein.
Aber, so lächelt ein Gönner, wie steht ihr denn zu der Frage: Monarchie oder Republik, Schutzoll oder Freihandel, Militarismus oder Pazifismus und dal. mehr? Da wird die Eingleit schon rasch in die Brüche gehen. Nun, sie sollen aus allen Lagern dabei sein, die's ehrlich meinen, und Fraktionszwang werden wir höchlichst verabscheuen.
Und evangelisch wollen wir sein in einem ganz umfassenden Sinn. Denn man kann das Evange⸗ lium auf eine vierfache Art verstehen, nämlich bibli— zistisch, pietistisch, lürchlich und protestantisch. Und von da droht der Bewegung schon heute ein gefährlicher Spaltpilz. Wir hier in Hessen sind ganz weit. Uns sind die Konservativen, die Gemeinschaftsleute, die Hoch⸗ kirchler und die Protestanten alle recht, soweit sie mit
ihre jüdische Sittlichkeit, die da vorschreibt: Du sollst nicht! Diese beiden Männer taten nicht das Böse.
Der arme Mensch lag inzwischen ohnmächtig in seinem Blute. Ob ser wohl sopiel Bewußtsein wiedererlangt hatte, daß er diese beiden Männer gemerkt hatte? Vielleicht hat er ge hofft, sie würden ihm helfen. Aber an das Helfen hatten ja beide gar nicht gedacht. Sie dachten nur daran, daß sie ihre Hände rein hielten von aller sündigen Tat. Da kam mit seinem Maulesel kein Samariter. Auch er war auf einer Reise begrlffen, Auch er suchte, wie dieser Erschlagene in die Stadt zu gelangen, um in einer Herberge Über Nacht zu bleiben. Was konnte man von diesem Halbgläubigen erwarten? Die Juden erwarteten nichts von ihm. Er aber dachte, daß ihn auch dasselbe Schick— sal auf seiner Reise treffen könne. Dann wäre er doch dankbar für jede Hilfe sei es von wem sie komme. Deshalb jammerte ihn sein. Deshalb machte er sein Reisegepäck auf, holte Wein heraus, um die Wunden zu reinigen, nahm Salbe heraus, um sie zu schließen. Dann machte er einen Verband um die Ver. letzungen. Schließlich hob er ihn auf sein Reittier, ging zu Fuß neben her und verbrachte den Verletzten in eine Herberge. Aber der Wirt hielt die Hand hin. Was ging ihn der Fremde an? Er hat ihn ja nicht erschlagen, hatte nicht das fünfte Gebot verletzt. Er muß doch leben von seinem Geschäft. Da machte der Samariter den Beutel auf und bezahlte den Wirt, Denn der Ueberfallene hatte ja alles verloren.
Zweierlei Sittlichkeit machte uns Jesus schichte klar. Die jüdische Sittlichkeit kennt nur das: nicht! Die Juden kennen nur die Tatslnde. aber hält die Unterlassungssünde für gerade so schlimm da weiß gutes zu tun und tut es nicht, der tut Sünde!“ Oder Dr. Martin Luther hat Gedanken unseres Hellandes so schön ausgedrückt:„Sondern ihm helfen und fördern in allen Leibesnöten.“ So gehe hin und tue desgleichen! Amen. Hr,
mit dieser Ge Du sollst Unser Herr Jesus „Wer
die


