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Sonnabend, den 27. November 1926.
Politik(in diesem Sinne) dürften nicht miteinander verquickt werden? Trennen wir nicht künstlich, was in seinem tiefsten Wesen eine Einheit ist.
Ueber die Massen erstaunen muß man, über die Zurückhaltung des Evangelischen Bundes gegenüber der im Werden begriffenen Evangelischen Volksgemein⸗ schaft. Herein mit euch in das Feuer der Evangelischen Volksgemeinschaft, daß ihr noch härter werdet als ihr seid, ihr Landgrafen des Evangelischen Bundes! Zer— martert euer Hirn, wie ihr eurem gequälten deutschen Volk das eine Kleinod, seine Geistes- u. Gewissensfreiheit, blank und rein erhalten und ihm noch ein zweites, fast noch größeres Geschenk vermachen könnt: Die Erlösung aus den Zangen der geheimen Finanz- und anderen Mächte, die dem Deutschen sein mit ihm geborenes Recht auf ein Stückchen Erde, Heimaterde, sein Recht ein eigenes Heim, ein Recht auf Arbeit, sein Recht auf vollen Lohn von jeher vorenthalten haben. Macht die Evangelische Volksgemeinschaft zu einem Kampfbund aller Entrechteten und Geknechteten, zu einem Kampfbund für deutsches Bodenrecht und deutsches Geldrecht. Helft alle mit, eine Epoche heraufzuführen, die nichts mehr von einer sozialen Frage weiß, die keiner sozialen Fürsorge—(wann wird unseren prominenten Volksvertretern ob dieser erbärm— lichen Flicklappenarbeit, so nötig sie heute ist, die Schamröte ins Gesicht steigen)— mehr bedarf. Wahr— lich, Luthers unsterblicher Geist wirds euch und uns allen danken, und mit ihm jener andere unsterbliche Ulrich von Hutten, der seine gigantische Lebensarbeit unter diese drei schweren Worte gestellt hat:
„Ich hab's gewagt“.
Kulturpolitik des Zentrums und Schule.
Der Bayerische Kultusminister Dr. Matt, unter dem das Konkordat abgeschlossen wurde, ist zurückge— treten. Es ist Matt's„Verdienst“, wie Dr. Kiefl ge— steht, die völlige Unterwerfung des Lehrers im gesam— ten Unterricht unter das Bekenntnis, die Teilnahme der Kirche an der Lehrerbildung usw. durchgesetzt zu haben. Sein Nachfolger ist Ministerialdirektor Goldenberger. Er gilt als der eigentliche Vater des Konkordats. Bayern kann sich über diese neue„Errungenschaft“ freuen. Die Zustände werden immer heiterer und die Rechtlosigkeit der Lehrpersonen immer größer. Das Zentrum geht unbeirrbar seinen Weg. Wir werden es in Hessen auch noch erleben.
In Preußen hatte das Zentrum Einspruch gegen die Errichtung einer simultanen Pädagogischen Akade— mie erhoben. Die Sache ging soweit, daß die preußi— sche Staatsregierung sich an das Reichsinnenministerium wandte, dieses das Reichsgericht anrief, und dadurch eine Entscheidung durch den Staatsgerichtshof getrof— fen wurde. Das Zentrum behauptete, die Lehrerbildung sei bisher konfessionell gewesen und eine simultane Akademie sei etwas ganz Neues. Der Staatsgerichts— hof hat nun die simultane Akademie für verfassungs—⸗ mäßig erklärt. Damit sind also die formalen Hinder— nisse, die das Zentrum zu errichten für nötig fand, end⸗ gültig beseitigt. Man darf gespannt sein, welche neue Hindernisse es jetzt finden wird.(Unter simultaner Akademie versteht man eine Lehrerbildungsanstalt, an welcher junge Leute aller 10 ee Sie hat den Vorzug, daß niemand in einer einseitigen Weltanschauung großgezogen wird.)
Sehr interessant ist gerade, was der Oberstudien⸗ direktor Voigt im Reichselternblatt sagt:
„Wenn ich zusammenfassend sagen soll, welche Volksschulform ich für die richtigste halte, welche noch am ehesten imstande ist, die Gegensätze zu versöhnen, den Kulturfrieden zu fördern, so würde ich antworten: Die in religiösem deutschem Geist wurzelnde simultane Volksschule, in der der Religionsunterricht ordentliches Unterrichtsfach ist, für jede Konfession nach ihrer Art,
W. Werner.
„Evangelische Warte“
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richt getragen wird von dem Geiste Nie Dul⸗ dung und Achtung. So ist es meines Wissens in Hessen seit langem in aller Zufriedenheit gewesen. So sind seit altersher fast alle höheren preußischen Schulen or⸗ ganisiert gewesen. Was hier möglich gewesen ist, müßte auch in der Volksschule möglich sein.“(Preußen hat nämlich zum großen Teil konfesstonelle Schulen.
Protestantismus und Pornographie?
Luigi Lazzatti veröffentlichte kürzlich ein neues Werk:„Gott in der Freiheit“, das auf seiner ersten Seite folgende Widmung trägt:„H. S. T. Benito Mus⸗ solini, dem Premierminister des Königreichs Italien, in dem alle Belenntnisse in Frieden leben.“ Wie es je⸗ doch in Wahrheit mit dieser„Religionsfreiheit“ aus⸗ sieht, beleuchtet aufs neue ein Artikel„Kurz schneiden“, der unlängst in„Unita Catholica“(Florenz) erschienen ist. Es heißt darin:„Wir glauben, keine zu hohen An⸗ sprüche an eine Regierung zu stellen, die behauptet, die moralischen und religiösen Werke der Nation schützen zu wollen, wenn wir fordern, daß man der protestantischen Propaganda in Italien ein Ende bereitet. Der„inten⸗ sive“ Feldzug, den die Katholiken gegen das ihren Glau— ben gefährdende Eindringen der Methodisten und Lutheraner geführt haben, muß siegreich zum Abschluß kommen. Der Angriff der Ausländer auf die religiöse Ueberzeugung des Vaterlandes muß, koste es, was es wolle, mit allen Mitteln zum Stillstand gebracht wer— den. Gestern geduldet— vielleicht aus einem Geführt der Klugheit heraus. das wir mißbilligen— ist die ver⸗ hängnisvolle Aktion der neuen Barbaren() nicht nur bei der katholischen Presse auf Widerstand gestoßen, sondern auch bei Blättern ohne jedes Vorurteil— im Namen der hohen Traditionen der lateinischen Rasse. Heute muß die Staatsbehörde selbst handeln“.
Wie sich diese Kampfansage mit dem gerühmten „Religionsfrieden“ verträgt? Das vorerwähnte Blatt fährt dann aber fast noch ärger fort:
„Wir stimmen diesem neuen Kampfe zu, ebenso wie wir es nicht haben fehlen lassen an Lobreden auf die Maßnahme gegen Freimaurer, Pornographen, Glücks— spiele, Verführer der Kinder.“ Protestanten, Porno— graphen, wo ist zur Zeit der Gegenreformation ärger die evangelische Lehre gebetzt worden!
Die Genfer Zeitschrift„Semaine Religieuse“, die von diesen und anderen„Beleidigungen und Verleum— dungen“ eingehend berichtet, dankt bei dieser Gelegen— heit allen protestantischen Missionswerken, die im Be⸗ wußtsein, Gott mehr gehorchen zu müssen als den Men⸗ schen, trotz aller Anfeindungen ihre treue Arbeit un— ermüdlich fortsetzen.
Eine Kirthenaustrittsbewegung.
Nach Mitteilung des Pressebüros des National Lutheran Council hat die Vereinigte Lutherische Kirche in Amerika innerhalb eines Jahres(Ostern 1925 bis Ostern 1926) eine Zunahme von annähernd 96000 neuen Gliedern zu verzeichnen.(Ein Aehnliches gilt von den anderen protestantischen Kirchen Amerikas, bei denen die Zahlen der Neugewonnenen in die Hunderttausende gehen.) Die Vereinigte Lutherische Kirche, die indes noch nicht alle lutherischen Kirchengruppen in Amerika umfaßt, zählt in den Vereinigten Staaten und in Ka⸗ nada 2643 Gemeinden. Auf jede Gemeinde kommen also durchschnittlich 37 neue Glieder. Bei über der Hälfte erfolgte die Aufnahme durch Konfirmation und Erwachsenentaufe. Die Gesamtzahl der konfirmierten Glieder beträgt jetzt 850 000, die der getauften Glieder 1330 000.
Was jeder Evangellsche wissen muß.
Die Zahl der katholischen Priester in der Welt.
Nach der katholischen Zeitschrift„Das Neue Reich“ vom 16. Oktober 1926 gibt es auf der ganzen Welt
312 000 römisch⸗katholische Priester. Das Blatt nimmt an, daß auf der ganzen Erde 1700 Millionen Menschen wohnen. Von diesen Priestern entfallen 200 324 auf die Seelsorge in Europa. Es bleiben rund 110 000 Priester für die übrigen Erdteile. In Afrika kommt ein Priester auf 400 Katholiken und 82 000 sogenannte Heiden, in Ozeanien ein Priester auf 300 Katholiken und 110 000 Heiden, in Japan ein Priester auf 880 Katholiken und 220 000 Heiden, in China ein Priester auf 800 Katholiken und 180 000 Heiden, in Indien ein Priester auf 860 Katholiken und 100 000 Heiden. *
Kleinlich.
Die„Geistesfreiheit“, das Organ des Volksbundes für Geistesfreiheit, zu dem sich Freireligiöse und Frei⸗ denker zusammengeschlossen haben, regt sich in der Num⸗ mer vom Oktober 1926 darüber auf, daß in der sozial⸗ demokratischen„Bremer Volkszeitung“ Nr. 189 die An⸗ zeige stand: Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen.. meinen lieben, herzensguten Mann... von mir zu nehmen in sein himmlisches Reich, und macht dazu die unschöne Bemerkung:„Wenn dies Gott gefallen hat, so lann es ihm ebenso gefallen, einen Kutscher zwölf Stun⸗ den täglich umsonst arbeiten zu lassen, was Frau... ebenso demütig⸗fromm hinnehmen ialise Wie lange noch wird es solche„religiösen Sozialisten geben?“— Es hilft eben nichts, daß die Freidenker wer weiß wie oft, den Ausspruch Bebels wiederholen, Sozialismus und Christentum verhielten sich wie Feuer und Wasser, sie sehen es zu deutlich, daß auch in Arbeiterkreisen man noch fest an der christlichen Religion hängt. In der gleichen Nummer der„Geistesfreiheit“ wird in einem Bericht aus Mitteldeutschland geklagt über die Inter⸗ esselosigkeit weiter Volkskreise gegenüber der ideellen freigeistigen Bewegung.„Noch immer gehören weite Kreise der Arbeiterschaft der Kirche an. Diese Kreise gelte es für die freigeistige Bewegung zu gewinnen, nicht nur im Interesse der freigeistigen Bewegung, son⸗ dern auch der politischen Arbeiterparteien“, heißt es. Abgesehen von der Bemerkung, daß die freigeistige Be⸗ wegung zugleich eine politische ist und die Linksparteien verstärken soll, ist wichtig das Zugeständnis, daß man doch keinen rechten Erfolg hat. Es ist zu verstehen, wenn man aus Aerger darüber in der Polemik kleinlich wird und solche Traueranzeige einer armen Frau zum Gegenstand eines Angriffs macht.
* Echt deutsch!
Die Deutsch-nationale Reichstagsfraktion hat auf Grund von Zeitungsnotizen, die allerdings unwider⸗ sprochen geblieben sind, an die Regierung eine Anfrage gerichtet, ob es auf Wahrheit beruhe, daß die deutsche Botschaft in Washington am 11. November, dem Waf⸗ fenstillstandstage, geflaggt habe.
Sollte man derartiges wirklich für möglich halten. Sind wir denn von allen guten Geistern verlassen? An einem Tag, der das Vorspiel zu dem schmachvollen Ver⸗ sailler Vertrag bildete, auch noch zu flaggen? Unerhört so etwas. Und solche Männer nennen sich die Nachkom— men der Demokraten von 48! Bei aller Niederlage, die wir erlitten haben, dürfen wir dennoch stolz sein und uns freuen der Taten, die unser Volk gegen einen mächtigen Ansturm von Feinden vollbracht hat. Wir brauchen noch lange nicht zu kriechen! ichel, werde wach! Mann kann auf die Antwort der Regierung gespannt sein.
* Eine Kammergerichtsenscheidung.
Auf einem evangelischen Kirchhof, d. h. einer Be⸗ gräbnisstätte, deren Inhaer die evangelische Kirchen⸗ gemeinde ist, hielt ein Mitglied einer neuapostolischen Gemeinde eine Grabrede, obwohl es wissen mußte, daß die Besitzerin des Friedhofs nur ein stilles Begräbnis gestattet hatte. Der Totengräber versuchte vergeblich, den Neuapostolischen am Reden zu hindern. Die Kir⸗ chengemeinde verklagte den Redner. Dieser machte gel⸗
aber ohne Teilnahmezwang, in der der übrige Unter- 0 eee 2 1 r—
Dornenwege.
Roman von Clara Meller.
Dle Strahlen der Herbstsonne spielten über die Dachfirsten des Kreisstädtchen Staffelhausen, wärmten das verlassene Storchnest und kosten mit einem paar tanzenden Flaumfedern, hüpften zur Turmspitze, goldeten den stolzen Adler und spran— gen bis in die fernsten Winkel der niederen Häuser herab, als wollten sie noch einmal den glühenden Vollglanz des Sommers hervorzaubern.
„Altweibersommer“, sagten die Bürger, nahmen die Hüte vom Kopfe und ließen die warme Luft um die Stirn wehen.
Altweibersommer! das kleine Mädchen mit den großen, verträumten Märchenaugen, das wartend an dem niedrigen Schaufenster des Porzellanhändlers Pole stand und mit seinen langen blonden Zöpfen spielte, konnte den Namen nicht leiden, es sah auf zu den Telegraphendrähten, an denen sich die feinen Schleierfäden gefangen hielten. Wieviel schöner hatte es ihr die alte, häßliche Schapern aus dem St. Marienhospital er⸗ zählt, die früher bei den Großeltern waschen kam. Nun war sie zu alt geworden, 86 Jahre! Der Rücken war gekrümmt, und das pergamentartige, schmale Gesicht mit der übergroßen Nase erinnerte unwillkürlich an einen Maulwurf und flößte im Verein mit der tiefen, brummenden Stimme allen Kindern Furcht ein. Nur sie ging oft zu ihr und trug„mohle“ Birnen hin, die alle bei Seite schoben und welche die alte Schapern mit Vorliebe aß, zum Lohne erzählte sie ihr dann Geschichten, einzig schöne, die in keinem Märchenbuch standen..
Wenn der Herbst gekommen ist, dann läßt die Göttin des Fleißes ihr goldenes Spinnrad stehen und zieht auf sonnen— durchleuchteten Wolken durch das Land. Wo sie auf ihrer Bahn arbeitsames Ringen sieht, schon die braune Ackerkrume sich über den Stoppeln häuft, da streut sie goldene Fruchtkörner
eee eee—.*—— 2—— in den Boden, steht aber das Feld verlassen wie ein ungesäuber⸗ tes Haus, da geht sie traurig vorüber und der Segen bleibt aus, darum hastet jeder Landmann, daß er wenigstens schon eine Manneslänge umgeworfen hat, zum Zeichen, daß er dabei ist! Das goldene Spinnrad aber ist nicht gewohnt still zu stehen, es schnurrt immer weiter und die spinnewebfeinen Fädchen fliegen der schönen segenspendenden Göttin nach und haften an allem, wo sie nur vorüberflog!—
Heute war die Göttin sicher im Städtchen gewesen, der fleißigen Mama und der größeren fleißigen Schwester Arbeit zu segnen, sie,— nein so recht fleißig war sie nicht, auch vergaß sie immer noch das Wiederkommen, wenn sie ausgeschickt war, es gab so viel zu sehen, woran sich eine ganze Geschichte spann, dann stand sie und sann und sann.
Da kommen sie ja, worauf sie gewartet hatte, die„Kurrende— schüler“, im halben Laufschritt quer über den Marktplatz. Die schwarzen runden Hütchen rutschten, wie immer, tief in die Stirn, denn sie mußten auf jeden Kopf passen, selbst wenn sich in einem Jahrgang besonders Großhäuptige befanden. Die weiten schwarzen Kragen, die ihnen ein seltsames Gepräge gaben, reichten bei den Kleinsten unter ihnen bis auf die Erde. Sie mußte unwillkürlich an Luther denken, der ebenfalls singend von Haus zu Haus zog.
Diese heimelnde Sitte stammte auch aus jener Zeit und war von dem echt lutherischen Staffelhausen festgehalten. Weniger bemittelte, aber begabte Schüler der Volksschule, genossen Vor⸗ zug, für ihren Chorgesang Mittwochs und Sonnabends vor den Häusern der dafür zahlenden Bürger, freien Unterricht nebst Bücher in der Bürgerschule zu erhalten.
Jetzt stellten sie sich in zwei Reihen gegenüber der kleinen Lauscherin auf, der Vorsänger nahm seinen Platz dicht am Hause ein, und:„Jesus meine Zuversicht“,— erscholl es aus den frischen, jugendlichen Kehlen. Sie lachte verstohlen in sich hinein, herzhaft, leise kicherte sie; wirklich, da kam, wie sie er⸗
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wartet hatte, die Frau des jüdischen Kaufmanns, welcher Par⸗ terre wohnte, schlug wütend das Fenster zu und zog das Rou⸗ leau vor, als könnte sie dadurch dem Schall wehren einzu— dringen. Dort oben aber an dem Mittelfenster der ersten Etage, stand Dr. Pardini, mit verschränkten Armen, sein pfiffigstes Lächeln um den Mund und hörte zu.
Dr. Pardini komponierte und widmete seine Freizeit ganz der Musik. Ging er die Straße entlang, dann summte er irgend eine Melodie vor sich hin, auch ein:, in dem Kleinstadtleben verkümmertes Talent, das aber schließlich Genüge fand, von den Mitbürgern als Autorität und Wundermann behandelt zu werden.
Das Lied war verklungen, die Schüler hoben grüßend ihre Hüte, schnell ging es weiter auf vorgeschriebener Bahn. Jetzt löste sich auch die kleine Gestalt von ihrem Wartposten und eilte nun im„Kiebitlauf“ heim. Heim!— ja die feste Absicht hegte sie, der Mutter gehorsam, bald zum Kaffee da zu sein aber — klangen nicht die wohlbekannten Töne des Leierkasten von Schalinsky herüber? Dem mußte sie zuhören.
Schalinsky war ein Original des Städtchens, er ging stets in Uniform und gab sich für einen Veteranen aus, trotzdem er noch keinen Pulverdampf gerochen hatte, wie die Stadtväter behaupteten. Man duldete ihn und gab ihm gutwilligst einige Pfennige, wenn er sich tief verneigte und sagte:„Guten Tag, Madanchhe, ich möchte se nämlich meine Zinsen holen, das Kapi⸗ tal laß ich stehen!“ Heute war er wieder bei Stimme, er drehte seinen dünnwimmernden Kasten und sang dazu: Wenn hier ein Pott mit Bohnen steiht und da ein Pott mit Brih', denn lat ick Brih und Bohnen stahn——— Hell auf lachte die um ihn stehende Kinderschar, da wurde er sehr ärgerlich und ver⸗ sicherte, das habe er selbst gedichtet und nächstens müsse er es bei der Veteranenparade singen. 5
(Fortsetzung folgt.)
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