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Hauptschristleiter: Edwin Hambu Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert.
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Evange
drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft
rger in Staden[Oberhessen). 0 Erscheint Samstags.
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Nummer 48.
Volksabstimmung über Auflösung des Landtages in Hessen!
Stimmen die Mitglieder der Evangelischen Volksgemeinschaft am 5. Dezember 1926 in Hessen für oder gegen die Auflösung des
Landtages.?
Die Evangelische Volksgemeinschaft stimmt mit„Ja“ für die Auflösung!
Warum?
Nicht aus den Gründen, aus denen der Wirtschafts- und Ordnungsblock eine Auflösung wünscht, sondern aus Gründen der
Kulturpolitik.
Luthergeist.
In stimmungsvollen Feiern, mit großen Reden, ist in den letzten Wochen unseres einzigartigen Helden Dr. Martin Luther gedacht worden. Seines größten Ge⸗ schenkes an das deutsch⸗protestantische Volk, des schön⸗ sten Kleinodes seiner hohen Gedankenwelt, der Geistes— und Gewissensfreiheit, hat man sich mit beredten Zun⸗ gen gefreut und gerühmt. Dies gab er uns! Was geben wir ihm? Nach allem Loben, Reden und Singen blicke jeder, vor allem aber der, den ein gütiges Geschick mit Gaben des Geistes, des Wollens, des Könnens aus⸗ gestattet hat, in sich selber und frage sich: habe ich mich wirklich an Luthers flammenden Empörermut und Geist so entzündet, daß ich mich einen Protestanten, einen nur im Gewissen als an meinen Gott gebundenen, darum aber wahrhaft freien Menschen nennen kann, daß ich mich würdig erweise seines Geschenkes, das er unter un⸗ endlichen Mühen, mit einem Tod und Teufel nicht scheuenden Heldenmute„seinen lieben Deutschen“ gegeben hat?
Der frage sich: bin ich ein Schüler, ein Kind Luthers, das so wie er freudig bekennt: Meinen lieben
Deutschen bin ich geboren, ihnen will ich dienen:.
Der frage sich: trage ich auch nur einen Funken von dem Geist und dem Willen jenes anderen Verkündigers deutscher Freiheit in mir, der da gesteht:„Nur der verdient sich Freiheit und das Leben, der täglich sie erobern muß!“
prüfe sich und frage: haben jene Hunderttausende, Millionen meiner lieben Deutschen, die in namen⸗ loser Sehnsucht nach Freiheit und Erlösung aus fluchwürdigster Knechtschaft, wie sie zeitliche und ewige Mächte uns allen seit Jahrhunderten, seit mehr denn einem Jahrtausend aus innerem Muß beschert haben und weiter bescheren werden, einen verzweifelten Kampf— wenn auch mit untauch⸗ lichen Mitteln— um ihr Leben, um ihr Recht kämpfen, haben diese, selbst wenn sie keine Freunde
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1 82 Colt oder Kaljer. Lies Markus 12, 13-17.
Die Gegner, zu feige offen gegen Jesus vorzugehen, ver⸗ suchen ihn mit einer hinterlistigen Frage zu fangen. In der Absicht, ihn sicher zu machen, zollen sie ihm zuerst eine An⸗ erkennung:„Meister, wir wissen, du bist aufrichtig und nimmst auf niemand Rücksicht; denn Menschengunst gilt nicht bei dir, sondern du lehrst in aller Wahrheit Gottes Weg!“— Diese auf⸗ rechte, aus tiefster Wahrhaftigkeit geborene Geradheit ist leider nicht das Kennzeichen aller derer, die sich Jesu Jünger nennen. Immer vorsichtig, nur jeden Anstoß vermeiden! so werden die,
Der
Kaisers? Nun, so gebt dem Kaiser, was ihm gehört, und Gott,
der Kirche wären, nicht mehr Luthergeist in sich als
ich selbst?
Er entscheide sich, ob er mit Augustinus bekennen will oder nicht:„Befiehlt aber Gott etwas gegen Sitte und Brauch— und ist es auch noch nie geschehen— so muß es geschehen; war es unterlassen worden, so ist's wieder aufzunehmen; war es noch nicht ein⸗ geführt, so muß es neu eingeführt werden. Denn fordert unter irdischen Mächten die größere von der kleineren Gehorsam, so Gott von allen.“
Unser Gewissen aber ist unser Gott, und dieses ver—
langt gebieterisch von uns die Schaffung einer evange⸗
lischen Volksgemeinschaft. Wer die Zeichen verstehen und sich wappnen will, für den gibt es kein Deuteln und
Zagen. Als vor mehr denn 70 Jahren die Sendboten
Roms, die Volk und Vaterland mehr jenseits als dies-
seits der Alpen gesehen haben, sich ihren Kampfbund,
das Zentrum, schufen, hätte sofort der protestantische
Teil des deutschen Volkes seinen eigenen, von fürstlich
und obrigkeitlicher Gnade und Duldung unabhängigen
Kampfbund bilden müssen. Doch ist es müßig, hier
Kritik mit wenn und aber an dem Gesetzmäßigen der
Geschichte zu üben. Man hat früher die konservative
(Deutschnationale) Partei als die Verteidigerin der
evangelischen Freiheit angesehen. Sie ist's heute nicht
mehr, wie hier schon mehrfach ausgeführt worden ist.
Heraus darum, ihr Lauen, ihr Vielbedachten, ihr Beberbesorgten, heraus aus eurer Unentschiedenheit u. herein in die Evangelische Volksgemeinschaft! Hier ge⸗ hört ihr hin und sonst nirgends. Wisset und bedenket: was ist von Erasmus, dem hochgelehrten Humanisten aus Luthers Zeit, in der Gegenwart noch lebendig? Wie viele kennen ihn denn, der sein Leben lang ein Un⸗ entschiedener, ein Halber, ein Feigling geblieben ist, weil er zu den Vielbedachten, den Ueberbesorgten. den alles Erwägenden gehört hat. Und sein Zeitgenosse Dr. Martin Luther] Wer weiß nichts von ihm?
Er hat an Wissen und Gelehrtheit an Exasmus nicht herangreicht, aber in einem stand er weit, weit über dem Gelehrten: in der Kraft des Gemütes, in der gewaltigen Leidenschaft seines sittlichen Willens.
was Gott gehört!“
Einst wurde eine alte Inschrift gefunden, die folgende Sätze enthält:„Dieser Tag hat der ganzen Welt ein anderes Aus⸗ sehen gegeben; sie wäre dem Untergang verfallen, wenn nicht in dem nun Geborenen für alle Menschen ein gemeinsames Glück aufgestrahlt wäre. Die Vorsehung, die über allem Leben waltet, hat diesen Mann zum Heile der Menschen mit solchen Gaben erfüllt, daß sie ihn uns und den kommenden Geschlechtern als Heiland gesandt hat. die Welt die an ihn sich knüpfenden Freudenbotschaften herauf⸗
ginnen.“ Wer diese Sätze liest, denkt unwilltürlich an die Ge burt Christi. Aber sie gelten von dem Kaiser! Der Kaiser er⸗
Und
Der Geburtstag des Gottes hat für
geführt. Von seiner Geburt an muß eine neue Zeitrechnung be—
dadurch, daß er seine ganze Kraft nur an dieses Eine setzte; der Befreiung seines Gewissens von Zwang und Knechtschaft konnte er nach dem Durchbruch zum Er⸗ löser und Führer von Millionen werden. Sein Staub ist verweht, aber sein Geist ist lebendig. Nur schlafen noch viele, viele, die vielleicht dann erst erwachen, wenn es zu spät ist. Lese ich in den Berichten über die Grün⸗ dungsversammlungen der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft von der Gleichgültigkeit, Lauheit der von Amts⸗ wegen bestellten Führer, so übermannt mich der Zorn, daß ich entrüstet frage: wo bleibt denn der gefeierte Luthergeist? Man komme nicht mit der kranken Ent⸗ schuldigung, Politik dürfe nicht mit Religion vermischt werden. Was ist denn Politik? Gewiß, sie hat einen üblen Beigeschmack. Sie ist für alle Parteien(Inter⸗ essengruppen) nur einseitigste Machtpolitik, das Mittel zur Beherrschung der anderen, immer so bösartigen Klassen und Parteien. Es ist elendeste Knechtsgesin— nung, die hier sich wohlfühlt. Niemals könnte die Evan⸗ gelische Volksgemeinschaft einem solchen Machtstreben huldigen, ohne dadurch sich selbst, ihrem unverrückbaren, fundamentalsten Grundsatz der persönlichen und damit auch völkischen Freiheit untreu zu werden.
Ihre Arbeit kann nur von diesem Pfeiler getragen sein und infolgedessen nur dieses ebenso unverrückbare Ziel besitzen: Schaffung einwandfreier Rechtszustände. Ist ein solches, von unbedingt sittlichem Willen gebore—⸗ nes Mühen und Sorgen um die Zukunft des deutschen Volkes in seiner Gesamtheit(und nicht nur des deut⸗ schen) in seinem Recht, um seine Freiheit von allen ge⸗ heimen und offenen Finanzmächten nicht wahrhaft religiöbs zu nennen? Sind Religion und Politik(in diesem Sinne) dann noch Gegensätze?
Ist der immer kraftvoller vorgetragene Kampf der Reichsbank⸗Gläubiger⸗ und Sparer⸗Verbände gegen die private Reichsbank und deren Präsidenten— von dem Oberlandesgerichtspräsident Dr. Best in einem Brief an Kardinal Faulhaber sagte, er betrüge schamlos das deutsche Voll— ist dieser Kampf kein Kampf ums Recht, um Freiheit, um Leben, um Brot— ein sittlicher, ein religiöser? Wer behauptet nun noch, Religion und
ist unvergänglich, weil es nicht von dieser Welt ist. Wem es
um Gottes Reich zu tun ist, dem ist die Steuerfrage gleichgültig: dem Vergänglichen das Vergängliche, dem Unvergänglichen das Unvergängliche— dem Staat das Geld, dem unsterblichen Gott die unsterbliche Seele. Wir wissen, daß Gott über alle Erden⸗ herrschaften gebietet! Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!
Sollen sich lebendige Christen um die Politit überhaupt nicht kümmern? Die Lage ist heute anders als damals. Man spricht heute von der Demokratie, der Voltsherrschaft. Mann kann über deren Tatsächlichkeit gewiß sehr verschiedener Meinung sein. Aber jeder wahlberechtigte Staatsbürger hat durch seinen Stimmzettel Einfluß auf die Zusammensetzung der kleinen und der großen Parlamente und damit auf den Geist, in dem regiert
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denen feige, Nachteil fürchtende Vorsicht zuwider ist, zu„Mäßi⸗ gung“ und Zurückhaltung gemahnt. Wir haben vollstes Ver⸗ ständnis für den Standpunkt der anderen, billigen ihnen das weitestgehende Recht zu, ihn zu vertreten und durchzusetzen. Un— sern Standpunkt aber vethüllen wir, lassen ihn möglichst wenig hervortreten. Mag sein, daß es Leute gibt, die das für kluge Taktik halten! Und die Wirkung? Wir erscheinen als Leute, die ihrer Sache nicht recht sicher sind; man sucht uns zur Seite zu schieben, als ob wir Luft wären; man nimmt uns nicht mehr ernst! Offene Gradheit aber, rücksichtsloses, freimütiges Be⸗ kenntnis nötigt Achtung ab!
Freilich liegt in der Anerkennung der Gegner Jesu bös⸗ artige Hinterlist. Sie wollen ihn mit Schmeichelei fangen. So sind schon viele ins Garn gegangen die Schlinge zog sich um so fester zu. Kriechende Schmeichler sind zehnmal gefährlicher als offen, mit noch so über Gewalt auftretende Feinde. Hütet euch vor den Schmeichlern!
Die Falle war schlau gestellt:„Darf man dem Kaiser Steuer
wird in Gemeinde, Land und Reich. Dürfen wir evangelische Christen einfach auf jeden Einfluß verzichten? Es ist Gewissens⸗ pflicht für jeden Christen, seine Stimme in die Wagschale zu werfen! Dürfen wir unsere Stimme irgendeiner Partei geben, der christlich-evangelische Grundsätze gleichgültig oder fremd sind, die sie gar bekämpft und mit Füßen tritt?! Nimmermehr! Wir müssen auch im politischen Leben unsere evangelische Stimme wirksam erheben ohne Rücksicht auf Gunst und Dro⸗ hung, und dürfen dessen gewiß sein, daß wir gerade dadurch dem Staate geben, was des Staates ist denn je mehr evangelisch⸗ christliche Grundsätze im politischen Leben Kraft gewinnen, um so mehr wird Friede und Gerechtigkeit in unserem Volke werden. Gebt dem Staate, was des Staates ist!
Freilich müssen wir uns vor dem verhängnisvollen Irrtum hüten, als ob mit politischen Mitteln das Reich Gottes gebaut werden könnte. Gott baut sein Reich selber. Alle menschliche Anstrengung, auch politischer Art, kann es nicht schaffen. Das hieße, der Politik zuzuschreiben, was nur Gott kann, das hieße
scheint als Gott er fordert für sich, was Gott gehört. Gebt nicht dem Kaiser, was Gottes ist! Hütet euch, den Kaiser oder irgendeine Staatsgewalt zu vergöttlichen! Ob das unser Volk nicht zu Zeiten getan hat? Ob nicht auch heute weite Volks⸗ die Heilung aller Nöte von einem Kaiser oder irgendeiner hen Gewalt erhoffen? Das ist widerchristlich!
Die Gegner Jesu knüpfen an den Messias irdische, politische Hoffnung: daß er das Volk aus der Fremdherrschaft befreie und ihm die Weltherrschaft bringe. Und Jesus stand der Frage, ob sich die Juden dem Römerjoche beugen sollten oder nicht, so gleichgültig gegenüber. Einen solchen Messias lehnten sie ab. Der nahm ja nicht dem Kaiser, was des Kaisers war! Lehnen nicht auch heute in unserem Volke viele Jesus als Heiland ab, weil er nich tut, es aus politischer, sozialer, wirtschaftlicher Not zu befreien? Sie verstehen nichts von Jesus, der nicht irgendein Weltreich, sondern das Reich Gottes zu bauen gesandt und gelommen ist.
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den römischen Kaiser davon⸗
zahlen oder nicht?“ Ein Ja ließ Jesus als Vaterlandsverräter Jesu at den Sieg über 1 0
und Volksfeind erscheinen. Ein Nein machte es leicht, ihn als getragen il er Gott gab, was Gottes war. Der Kaiser mußte[wiederum„dem Kalser“ geben, was Gottes ist!
Revolutionär dem kaiserlichen Gericht auszuliefern. Jesus ist, weil er für sich beanspruchte, was Gottes war. Für einen lebendigen Christen ist es das Letzte und Höchste, „Zeigt] Jedes Weltreich ist vergänglich wie das römische, weil es] Gott zu geben, was Gottes ist. Laßt uns Klarheit darüber
Kein Ja und kein Jein!
Inschrift ist das? Des erbitten, was wir dem Staate geben dürfen und können! P.
wie immer Herr der Lage. die Steuermünze! Wessen Bild und
politischen Ursprungs ist. Gottes Reich, dessen König Jesus ist,


