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Evangelische Warte

Rr. 12.

Sonnabend, den 27. März 1926.

über), fordern wir Gleichberechtigung nach euren Grundsätzen; sobald wir aber in der Mehrheit sind, fordern wir Alleinberechtigung nach unseren Grund⸗ sätzen! Jetzt ist die Zeit da, wo sich Rom bei uns in Deutschland in der Majorität nicht zwar der Zahl, aber der politischen Macht nach glaubt. Jetzt kann es überall, wo es will, katholische Schulen haben(vgl. neuestens das Charlottenburger Jesuitengymnasium!), da braucht es das Kompromiß der Gemeinschaftsschulen nicht mehr und gibt ihnen den Eselsfußtritt. Das wird sich in Baden und Hessen(anderswo gibt es diese Simul⸗ tanschulen nicht) bald deutlicher zeigen. Vor einigen Jahren hat die Deutsche Volkspartei, die in kultur- politischen Fragen gern verwaschene und verschwommene Lösungen sucht, bei einem Reichsschulgesetzentwurf theo⸗ retisch die Konstruktion einer allgemeinverbindlichen christlichen Gemeinschaftsschule versucht, sie ist dabei aber an dem Widerstand der Linksparteien gescheitert. Die Lage ist doch die: die Katholiken werden für ihre Kinder die katholische Schule, die Religionsfeinde für ihre Kinder die religionslose weltliche Schule fordern und bekommen. Ist es da nicht geradezu sinnlos, wenn wir für unsere evangelischen Kinder die Gemeinschafts⸗ schule uns gefallen lassen wollten? Ist uns unser Glaube nicht ebenso teuer und wert wie den Katholiken der ihrige und den Religionsfeinden ihr Unglaube? Darum: für unsere evangelischen Kinder evangelische Schulen her!

Wenn das Programm der Evangelischen Volks- gemeinschaft eintrittfür die Erhaltung der christlichen Schule, also nicht diese, sondern nur ihren Religions- unterricht konfessionell(dem betr. Bekenntnis gemäß) eingestellt sehen möchte, so scheint mir das zu eng auf hessische Verhältnisse zugeschnitten. Mit Rücksicht auf die Schulpolitik im Reich erscheint mir deshalb folgende Aenderung nicht bloß erwünscht, sondern erforderlich:

Die Evangelische Volksgemeinschaft fordert für die evangelischen Kinder evangelische Schulen mit evan⸗ gelischen Lehrern, wobei sie die christliche Simultan⸗ schule dort, wo sie geschichtlich geworden oder durch zwingende Verhältnisse bedingt ist, unangetastet läßt.

Hetzdorf(Uckermark). Heinrich, Weddig Mosel.

Wie man in Frankreich die Jugend im Lotarnogeist erzieht.

Das Schauspiel von Genf ist zu Ende. Intrigen wurden sogleich bei Beginn von Briand gegen Deutsch⸗ land gesponnen. Von Völkerversöhnung merkte man nichts. In Frankreich wird immer in der Heffentlich⸗ keit vom Versöhnungswillen Frankreichs gesprochen. Was helfen aber alle schönen Worte, wenn man im Geheimen gar nicht den Geist der Versöhnung im Volke groß werden lassen will. Wie die Jugend erzogen wird, so ist sie im Alter. Seit 1871 ist in den französi⸗ schen Schulen der Revanchegeist den Kindern anerzogen worden. Heute erzieht man die Jugend zum Erbhaß gegen Deutschland.

Soeben bringen die Süddeutschen Monatshefte in ihrem neuesten, mit Bildern versehenem Sonderheft eine Untersuchung überDas französische Schulbuch von heute, eine sachliche, ruhige Betrachung der geisti⸗

en Nahrung, die drüben dem heranwachsenden Ge⸗ schlecht gereicht wird. Das Ergebnis ist erschreckend, ein Hohn auf jedes französische Wort von Versöhnung und ewigem Frieden. Ausgehend von dem pädagogischen Zweck jedes Schulbuchs, mit dem die Pflege eines wür⸗ digen, eigenen nationalen Bewußtseins und der mensch⸗ lichen Achtung des fremden ohne weiteres Hand in

Hand geht, kann nur etwa ein Drittel der untersuchten

Schul- und Kinderbücher als einwandfrei bezeichne werden; es sind dies zumeist Lehrbücher des Deutschen für Elsaß⸗Lothringen und deutsche Grammatiken für das übrige Frankreich.

Drei Hauptbeweismittel finden sich in fast allen Büchern, auch in denen für ganz kleine Kinder: Deutschlands alleinige Schuld am Kriege, Deutschlands Kriegsverbrechen, Deutschlands ewige Haß⸗ und Fluch⸗ würdigteit. Deutschlands Schuld am Kriege wird in den Lehrbüchern für Mittelschulen mitphilosophischer Begründung als das Ergebnis einer deutschen Staats-

Einhalt geboten wird, der Eindruck entstehen, daß der

und Kriegsphilosophie erklärt, an der vor allem Nietz⸗ 0 d Versöhnung zu spielen, nur einen neuen Zankapfel für

zur Macht seinen Anteil habe! In den unteren Klassen begnügt man sich mit der hartnäckigen FeststellungDeutschland hat den Krieg gewollt, welcher Satz fast in jedem Buche eine Kapitelüberschrift bildet. Wilhelm[I. ist natürlich auch heute noch als Kriegsfreund hingestellt, daneben wird aber seit 1919 in steigendem Maße betont, daß das deutsche Voltfreilich selbst den Krieg leidenschaft⸗ lich wünschte.Weil sie eben, ganz wie ihr verfluch ter Kaiser, recht schlechte Menschen geworden waren. Der Veranschaulichung der Minderwertigkeit der deutschen Rasse dient sogar ein ganzes Kinderlesebuch von Sonolet.Der große Kampf zwischen Jacges, dem Franzosen, und Fritz, dem Bosch. Am wildesten tobt sich die Verhetzung der Jugend gegen Deutschland aus in der Wiedergabe der erlogenen deutschen Kriegsver brechen. Alle die Greuel der Kriegspropaganda hat die Schulliteratur in ihrer ganzen Vollständigkeit und ge⸗ fährlichen Gemeinheit übernommen. Daß der Kinder⸗ seele solcherlei in Wort und Bild geboten wird, spottet jedem Erziehungsgrundsatz und jedem sittlichen Gefühl. Als Verfasser solcher Artikel zeichnen sogar Mitglieder der französischen Akademie. Die Deutschen werden als Mörder von Frauen, Greisen und Kindern, als Räuber und Kirchenschänder vorgeführt. Die kriegsgerichtliche Erschießung der englischen Spionin Cavell ist zu wider⸗ lichstem Anschauungsunterricht verwendet. Die braven schwarzen Franzosen werden verherrlicht. Der Zweck dieser ganzen Haßpropaganda gegen Deutschland ist nicht etwa der Versuch einer Rechtfertigung des Ver⸗ sailler Diktats, oder all der Bedrückungen der Deut⸗ schen im besetzten Gebiet seit nunmehr acht Jahren, nein, der Zweck ist die Verewigung des Deutschenhasses und des Rachegedankens. Es ist eine systematische Er⸗ ziehung zum unauslöschlichen Haß vom Kinderbilder⸗ buch an durch alle Stufen des Schulunterrichts hindurch. Es gibt Lesebücher, die ganz offen und absichtlich den Leitspruch führen:Ihr kleinen Franzosen, vergeßt nicht! Der Verfasser eines solchen Buches ruft in der Vorrede sogar seinemlieben Schüler und Freunde die Worte zu:Vergessen hieße Verrat! Die meisten der angeführten Bücher haben bekannte Schulmänner zu Verfassern und erscheinen in bedeutenden Pariser Ver⸗ lagen in Auflagen von Zehn⸗ und Hunderttausenden.

Wothenschau.

Sehr kurz kann ich mich heute über den Genfer Rummel fassen. Denn er ist glücklich vorüber. Der wackere Schwede Unden, dessen Standhaftigkeit wir wohl auch die Festigkeit unserer beiden Reichsminister zu verdanken haben, hat den Druck von Seiten Frank⸗ reichs und Englands nachgegeben und seinen Ratsitz zu Gunsten Polens angeboten. So hätte beinahe die französische Politik einen großen Triumph buchen können, denn leider hatte Reichsaußenminister Strese⸗ mann nicht den Mut, zu erklären, daß unter die⸗ sen Umständen Deutschland lauter Feinden gegenüber

sche mit seinemWillen

ganz allein stehe, also unter unmöglichen Umständen

Wer mich bekennet.

Von Erwin Gros. 1. Fortsetzung.

Unterdessen hatte man die Instrumente gestimmt, die Sän⸗ gerin trat in die Mitte. Es war ein junges Mädchen, sie mochte höchstens fünfzehn Jahre zählen. Mittelgroß war sie, hager und mager, rank und schlank stand sie da, die Arme lässig in die Hüften gestemmt. Große Augen leuchteten aus dem braunen, schmalen Gesicht. Ein eigentümlich schönes Antlitz war es; man wußte nicht zu entscheiden, war es das Antlitz eines unschuldigen Kindes oder das eines wissenden Weibes, so wechselnd war der Ausdruck der Augen.

Mit tiefer, klangvoller Stimme begann sie zu singen, die Guitarren begleiteten, die Geigen aber umrankten die Melodie

und trieben bald darüber, bald darunter ihr neckisches Spiel.

Dies war das Lied:

Wohl heute noch und morgen

Da bleibe ich bei dir,

Wenn aber kommt der dritte Tag, So muß ich fort von hier.

Wann kommst du aber wieder, Herzallerliebster mein,

Und brichst die roten Rosen Und trinkst den kühlen Wein?

Wenn's schneiet rote Rosen,

Wenn's regnet kühlen Wein; So lang sollst du noch harren, Herzallerliebste mein.

Ging sie ins Vaters Gärtelein, Legt nieder sich, schlief ein;

Da träumet ihr ein Träumelein, Wies regnet kühlen Wein.

Und als sie da erwachte, Da war es lauter nichts;

lautem Beifall.

Da blühten wohl die Rosen Und blühten über sie.

Ein Haus tut sie sich bauen Von lauter grünem Klee, Tät aus zum Himmel schauen Wohl nach dem Rosenschnee.

Mit gelb Wachs tät sie's decken, Mit gelber Lilie rein,

Daß sie sich könnt' verstecken, Wenn's regnet kühlen Wein.

Und als das Haus gebauet war, Trank sie den Herrgottswein; Ein Rosenkränzlein in der Hand, Schlief sie darinnen ein.

Der Knabe kehrt zurücke, Geht zu dem Garten ein, Trägt einen Kranz von Rosen Und einen Becher Wein.

Hat mit dem Fuß gestoßen Wohl an das Hügelein;

Er fiel; da schneit es Rosen Unde's regnet kühlen Wein.

Es war verwunderlich, wie die Sängerin das Lied aus zudeuten wußte, zuerst den Ernst und Schmerz des Abschieds,

die ganze Schelmerei am Schluß des Liedes.

Hans Heeger war hell begeistert; so etwas Schönes hatte er in seinem Leben noch nicht gehört; er kargte darum nicht mit Darauf kam der Häuptling

auf, am Feste teilzunehmen.

Der junge Geselle aber dankte in geziemenden Worten für

erhöhte das Fremdartige ihrer Schönheit.

8 2 den Bursche dann die Hoffnung und Erwartung des Mädchens, und endlich ee

und forderte ihn

die Einladung und bedauerte, daß er nicht annehmen könne, er

müsse vor Abend noch in Homburg vor der Höhe sein. habe aber wohl nichts dagegen, wenn er noch eine Weile raste.

Man

in den Völkerbund eintreten müßte. Da aber kam un⸗ erwartet die Entscheidung von Brasilien. Brasilien, welches 1921 gegen den spanischen Anspruch auf einen

Ratsitz sein Veto eingelegt hat, erklärte, daß es gegen

Deutschland stimmen werde, wenn es nicht selbst einen Ratssitz erhalte. Damit stand man vor neuen Schwierig⸗ keiten. Ihnen gegenüber fällte der Genfer Vertreter derTimes folgendes Urteil über den Völkerbund: Auf jeden Fall muß, wenn diesem kläglichen Schau⸗ spiel von Intrige und Unentschlossenheit nicht schnell

Völkerbund, anstatt die Rolle eines Instrumentes der

Europa bedeutet. Einige europäische Diplomaten schei⸗

nen die Politik als ein Spiel zu betrachten, bei welchem Bluff, Schmeichelkünste, Verdrehungen und Drohungen erlaubte Nittel sind. Delegierten der rüstung darüber zu, daß man hier nahezu eine Woche verbracht hat, ohne eigentlich etwas zu tun zu haben. Am 16. sollte dann die Entscheidung fallen, aber Bra⸗ silien blieb auf seinem Standpunkt. Da beschloß der Völterbundsrat mit 7 Stimmen gegen 3(Belgien, Ja⸗ pan und Schweden) die Aufnahme Deutschlands bis zum September zu vertagen.

Nun wird sich Dr. Luther und Dr. Stresemann zu

fragen haben, warum sie eigentlich nach Genf gekom⸗

men sind. Leer kommen sie nach Hause. Die Locarno⸗ politik hat Schiffbruch gelitten. Die Entscheidung ist gegen Deutschland ausgefallen. Nun werden alle Mi⸗

nister, welche mit diesem Ergebnis in der Tasche nach

Hause kommen, besonders die französischen, englischen und deutschen, zu Hause nicht gelobt werden.

Amerika hat nie Gefallen am Völkerbund gehabt. Am 16. wurde daher durch den Kabeldienst der Tel⸗ union folgendes aus Newyork gemeldet:

Die Möglichkeit eines erfolglosen Abschlusses der

Genfer Völkerbundstagung ist das Tagesgespräch in

Newyork. Einmütig ist man der Ansicht, daß Deutsch⸗ land nicht der geringste Vorwurf treffen könne.

Deutschland sei durch die im Laufe der Genfer Be⸗ ratungen bekannt gewordenen Konzessionen, die nach Locarno keineswegs nötig waren, bis an die Grenze des Möglichen gegangen. Amerika sehe wieder ein⸗ mal mit klarster Deutlichkeit, wie gefährlich es ge⸗ wesen sei, wenn Amerika ebenfalls dem Völkerbund beigetreten wäre. Der Völkerbund habe diesmal klar bewiesen, daß er nicht einmal im eigenen Hause Ord⸗ nung zu schaffen in der Lage sei. Man rechnet be⸗ stimmt mit Regierungskrisen in den Hauptstädten Europas, nachdem die führenden Staatsmänner ge⸗ zwungen seien, mit leeren Händen zurückzukehren und das trotz der verheißungsvollen Friedensschalmeien von Locarno.

Wundere sich niemand, daß es so gekommen ist.

Der Geist der Versöhnung wird in zwei Ländern grund⸗ sätzlich sabotiert. Italien unter Mussolini und Süd⸗ slawien unter Nintschitsch haben folgendes gegen Deutschland gerichtetes Abkommen getroffen:

1. Es besteht gegenseitiges Einverständnis darüber, daß die Unabhängigkeit Oesterreichs aufrecht zu er⸗

halten ist, und daß jedem Versuch einer Vereinigung

Oesterreichs und Deutschlands entgegengetreten wird. 2. Südslawien wird auf den Gedanken der An⸗

legung eines Hafens im Adriatischen Meere, der eine

Konkurrenz für Fiume bedeuten würde, verzichten.

3. Italien wird in bestimmten Grenzen die süd⸗

slavischen Forderungen auf weitgehende kommerzielle Erleichterungen in Saloniki unterstützen.

Er wäre vielleicht geblieben; denn das Tun und Treiben des fremden Völkchens noch weiter zu beachten, dünkte ihn sehr reizvoll. Allein, wenn er daran dachte, daß er dann von dem, was in den Kesseln brodelte, essen müsse, wahrscheinlich war das Lieblingsgericht des Zigeuners, der Igel, auch darin dann befiel ihn ein Grausen.

Der Häuptling war über die Ablehnung nicht gerade be⸗ fremdet, er schien sie eher erwartet zu haben; er ging in Schlangenlinien wieder auf seinen Platz zurück und sprach etliche Worte mit der jungen Sängerin. Darauf ergriff diese einen Zinnbecher, füllte ihn mit Wein und trug ihn zu Hans Heeger, der etwas abseits von der Festrunde saß.

Sie reichte ihn mit zierlicher Verneigung dar; indem der Geselle ihn ergriff, nahm sie ihm die Tonpfeife aus dem Munde und begann zu qualmen. Hans war vor Verblüffung ganz sprachlos.

Sie aber sagte:Du mußt die Gesundheit der jungen Ehe leute ausbringen.

Da erhob er sich und sagte, indem er dem Paare mit dem Becher zuwinkte:Ich wünsche euch Gesundheit und langes Leben und viele Kinder!

Alles tat geräuschvoll Bescheid; der Tonschwall der Guitarren und Geigen rauschte einen Augenblick auf und verklang wieder.

Die Schöne nahm zu den Füßen des Gesellen Platz; wenn dieser aber geglaubt hatte, sie würde ihm die Pfeife zurückgeben, so täuschte er sich, kunstvoll blies sie Ringe in die Luft. Das Diese Schönheit zog das Fremdartige und Unweibliche aber stieß ihn ab

Viele Kinder kommen bei uns von selbst, begann die Zigeunerin die Unterhaltung. Dann fragte sie:Wie heißt du, ich heiße Mariuschka.

Hans nannte seinen Vornamen und fragte nach dem Alter der Braut.

Sechzehn Jahre!

Und wie alt bist du, Maxriuschka?

(Fortsetzung folgt.) 5 4

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Zweifellos nimmt unter den Völkerbundsversammlung die Ent⸗