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Sonnabend, den 27. Februar 1926.

Der Weg zum Schulfrieden.

Der sozialistische Kulturpolitiker Heinrich Schulz. bis vor kurzem Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, und als solcher aufs engste verflochten mit den bisherigen Bemühungen und Kämpfen um eine Neu⸗ ordnung des Schulwesens, hat ein Buch erscheinen lassen, Der Leidensweg des Reichsschulgesetzes, das er in dieser Beziehung viel verständiger, als manche Kreise, die das Wort von Toleranz oft im Munde führen in folgendem Satz gipfeln läßt:

Wird auf diese Weise jeder der drei Schularten (gemeint sind: die Konfessions⸗, die Gemeinschafts- und die sog. weltliche Schule) das gleiche Recht und die gleiche Entwicklungsmöglichkeit eingeräumt, ohne Hin⸗ terhalt und kleinliches Mißtrauen, und wird den Er⸗ ziehungsberechtigten ermöglicht, die von ihnen bevor⸗ zugte Schule für ihre Kinder tatsächlich zu erhalten, wo⸗ bei ihnen nur durch wirklich vorhandene Schwierig keiten und Unmöglichkeiten Grenzen gesetzt werden dürf⸗ ten, so darf man erwarten, daß jede der drei Schularten ihr Bestes zu geben versuchen würde, schon um die Eltern für sich zu gewinnen, und daß zugleich durch diesen wert vollen Wettstreit am ehesten die Sorge um den geord

neten Schulbetrieb gebannt werden würde. 2

Aus unserer Bewegung.

Eine Kreisvorstandssitzung fand vor kurzem in Lauterbach im Bahnhofshotel statt. Nach der Begrü zung durch den Vorsitzenden, Lehrer Schwarz-Rud⸗ los, erstattete Pfarrer Weidner Bericht über die glänzend verlaufene Tagung in Ober-Lais. Sodann begründete er erneut die Richtlinien der E. V. und sprach über die Stellung der E. V. zu den Parteien. Der NameVolksgemeinschaft deutet schon an, daß diese Partei diesozialen Schäden heben muß, um zur Ge⸗ meinschaft der schaffenden Stände zu führen.Evange lisch ist sie, indem sie den Geist des Evangeliums als Seele aller Tätigkeit ansieht. Daß die E. V. im Gegen⸗ satz demnach zur Sozialdemokratischen Partei stehe, be⸗ dürfe keiner Begründung. Gegründet sei sie worden, da alle Parteien in der Vertretung der evangelischen Belange versagt hätten. Bezeichnend sei, daß in Nord⸗ deutschland unter deutschnationaler Führung, wie auch in Schlesien, die neue Bewegung marschiere und Erfolge erziele. Zu zwei Pressenachrichten erstattete der Vor⸗ tragende einen längeren Bericht. Die Tatsache, daß Herr Völker⸗Lich und Herr Langsdorf(Demokrat) eine gemeinsame Liste zur Wahl des Provinzialausschusses aufgestellt haben, begründet er damit, daß nur der Ver⸗ treter der Demokratischen Partei an den Abgeordneten der E. V. mit der Bitte zur gemeinsamen Listenaufstel⸗ lung herangetreten sei. Somit ist die E. V. im Pro⸗ vinzialausschuß vertreten. Zur Nachricht über die De kanatskonferenz in Grünberg gibt Herr Weidner be kannt, daß es sich hier um eine ganz interne Angelegen heit handelte, die wider Wissen und Willen des Vor⸗ tragenden in die Oeffentlichkeit gelangte. Ferner sei der Bericht insofern unwahr, als er verschweige, daß auch die Gegenpartei(also die E. V.) vertreten worden sei. Demnächst sollen an einigen größeren Orten des Kreises Vorträge überGegenwartsfragen der Land⸗ bewohner gehalten werden.

Wer hat die meiste Bibelkenntnis?

In dem fortgehenden Streit, der zwischen der sozia listischen und kommunistischen Presse ob der Tatsache entbrannt ist, daß die Verlagsgesellschaft des Allg. Deut⸗ schen Gewerkschaftsbundes einen Reclamprospekt mit einer Empfehlung des Neuen Testaments versandt hatte, macht jetzt derVorwärts(1926, 29) auf dieunge⸗ wöhnliche Kenntnis des Neuen Testaments aufmerk sam,die die Redakteure und Zeichner derRoten Fahne bei diesem Feldzug verrieten. Woher kam diese bemerkenswerte Belesenheit? Wie die amerikanische Bibelgesellschaft mitteilt, hat die Sowjetregierung, die seit den letzten fünf Jahren die Einfuhr von Bibeln bis auf wenige Ausnahmen nach Rußland verboten hatte, jetzt(nach einem Bericht aus Newyork) die Ge nehmigung für den Druck einer erheblichen Anzahl von

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Bibeln in den i Dazu der rRoten Fahne ihr r Bibeln von ihren russischen 6 en und sich sofort mit solchem die 9 i, daß sie die entlegensten Sprüche mi! theologischer isterschaft zitieren kann. Woraus denn also wiederum zu ersehen, daß auch derVor⸗ wärts die Bibel kennt(1). Uns scheint, daß bei diesem ganzen Handel die Sowjetregierung noch am besten ab⸗ schneidet.

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* Die hessischen Zeitungen.

Im Freistaat Hessen gibt es nur eine Zeitung, die zweimal täglich erscheint, Worms. 40 Blätter kommen täglich einmal, 39 wöchentlich 24mal heraus. Die meisten Blätter erscheinen in Mainz und Worms(je 5), Darmstadt(4), Gießen, Bingen(je 3). Soweit An⸗ gaben vorliegen, gibt es in Hessen 7 Zeitungen mit einer Auflagenhöhe von über 10000. Die höchste Auf⸗ lage hat derMainzer Anzeiger(44 500), es folgen dasDarmstädter Tageblatt(34 800) und dieOffen⸗ bacher Zeitung(20 000). Auch in Hessen stehen die parteilosen Blätter weitaus an der Spitze(insgesamt 40); Zentrumsblätter gibt es 8, sozialdemokratische 4, demokratische 5, bürgerliche 5, Volksparteiliche bezw. liberale 3, deutschnationale bezw. bürgerlich-nationale 4, 2 amtliche, agrarische 1. Von den Zeitungen in Hessen Nassau steht derFrankfurter General-Anzeiger mit einer Auflage von 150 000 an der Spitze.

Also im Lande Philipps des Großmütigen, das zu zwei Drittel evangelisch und zu einem Drittel katholisch ist, gibt es 8 katholische Zeitungen aber nicht eine ein⸗ zige evangelische. Ist es da nicht Ehrenpflicht für jeden Evangelischen in Hessen, dieEvangelische Warte, die einzige in Hessen erscheinende evangelische Zeitung, zu lesen und überall für sie Bezieher werben?

** Ein politijches 2 5 3

Vokenntnis amerikanisther Kirchen.

Die Weltfriedensfrage, die die Kirchen der Ver⸗ einigten Staaten seit Jahren erustlich beschäftigt, ist jetzt auf einer dreitägigen Studienkonferenz aufs neue eingehend behandelt worden. Das Ergebnis der Ver⸗ handlungen, an denen 160 offizielle Vertreter von 28 Kirchengemeinschaften teilnahmen, ist eine Friedens⸗ botschaft an die amerikanische Christenheit, die wir im folgenden im Auszug wiedergeben:

Die Kirche sollte nicht nur arbeiten für das Kom men des Reiches Gottes in den Herzen der Menschen, sondern sollte sich auch einsetzen für die Förderung des Weltfriedens und der Weltgerechtigkeit in der Politik. Sie sollte furchtlos ihre besondere Botschaft der Ver⸗ söhnung(goodwill) ausgeben, ungeachtet der wechseln den Meinungen und politischer Rüͤcksichten lexigencies).

Die Kirche sollte es ihren Gliedern zur Pflicht machen, den Staat in vaterländischer Gesinnung zu unterstützen, sie sollte aber niemals die Regierung bei irgendeiner Aktion stützen, die dem Geiste Christi wider⸗ spricht. Die Kirche sollte darauf sehen, daß die verant⸗ wortlichen Staatsmänner eines christlichen Landes ihr öffentliches Amt führen nach den Grundsätzen der Ge⸗ rechtigkeit und der Vernunft, die jeden Krieg aus⸗ schließen.

Die Kirche sollte das Recht und Pflicht eines jeden Staatsbürgers anerkennen, nach seinem eigenen Ge wissen frei zu entscheiden, ob er an einem Krieg teil nimmt oder nicht.

Die Kirchen in allen Ländern sollten über den Geist und die Politik eines engen Nationalismus hinaus heben und zu diesem Zwecke die Bande der Freundschaft und gegenseitigen Kennenlernens durch gemeinsames Handeln und gemeinsame Konferenzen, wie die kürzlich in Stockholm abgehaltenen, stärken.

Wir freuen uns über die Verdammung des Mili larismus durch den Präsidenten in seiner Omaha-Rede und sagen hiermit unsern Kampf an(record our oppo sition) allen Bestrebungen, die Ausbildungskorps der Reserveoffiziere und die militärischen Ausbildungs

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DIE WEINGROSSHANDLUNG H. ELGES, GIESSEN 1

NHBENDMRHLSWEINE

PREISLISTEN SOWIE EMPFEHLUNGEN VON PFARRAMT ERN U. A. STEHEN GERNE ZUR VERFUOUNG.

105

Wir billigen alle geeigne. ohlbefinden der Sludlerender en Colleges zu heben, aber wir mißbilligen hvrücklichst den Zwang militärischer Ausbildung. Die vorgeschlagene Einstellung der Industrie auf die Vorbereitung eines Krieges beklagen wir und be⸗ trachten wir als unnötig. Eine solche Maßnahme steht im Gegensdtz zu der Erklärung des Präsidenten Coo⸗ lidge, daß wir geistig und militärisch abrüsten sollten. Sie würde unvermeidlich dazu fühen, den Kriegsgeist im Handel und unter den Industriearbeitern zu fördern.

Unern

*

Wass der freigeistigen Bewegung fehlt.

Kaum in einem Weltanschauungslager gibt es so vieleKirchen undSekten, wie im Lager der frei geistigen Bewegung. Der Versuch des Monistenbundes, die zahlreichen sich scharf absondernden, ja vielfach be⸗ kämpfenden Fähnlein zu sammeln und zu drei Heeres körpern zusammenzuschließen(die Freidenker und Monisten als die Träger der gedanklichen und wissen schaftlichen,die Frei religiösen als die Träger der gefüligen und kultischen unddie proletari⸗ schen Freidenker als die Träger der sozialen und

ist nicht gelungen und auch in den geistigen Grundlagen ist man weniger einig als je.

Von der freireligibösen Gemeinde in Hamburg geht ein Schriftchen aus, das behauptet,daß die bisherigen

die große Geistesschlacht verloren haben, waszum guten Teil daran liege, daß sie die Köpfe bearbeitet und aufgeklärt, aber Gemüt und Phantasie mißachtet haben. Es gelte,über diesen Geist des 19. Jahrhunderts fort⸗ zuschreiten zur Menschheitsreligion, die den ganzen Menschen packt und fesselt.Nur aus innerer Bin⸗ dung der gesamten Gefühlskräfte(Religion) könne eine Welt- und Lebensanschauung erwachsen, die den Men⸗ schen Sicherheit des Handelns verleiht. Innere Le⸗ bendigkeit ist Voraussetzung der Sittlichkeit. Diese Ketzererkenntnis hat den ganzen Zorn derMonistischen Monatshefte auf sich gezogen, in denen(1925, 8) einer der Führer, Prof. Herrmann, Stuttgart, donnert:Aus⸗ speien solltet ihr das Wort Religion aus eurem Mund! Das Wort, mit dem sich die ketzerverfolgenden Inquisi⸗ toren schmückten. Das Wort, mit dem sie 30 lange Jahre unser schönes Deutschland verwüsteten. Wort, mit dem man heute noch Wissenschaft, Kunst und Kultur bedroht uff.... neue Gedanken und neue Gemeinschaften, sondern treue Arbeiter im Geiste unserer längst vorhandenen freien Gedanken...Man errichte überall Kinderkrippen, Knabenhorte, Erziehungsheime, Fürsorgeanstalten, Krankenhäuser und Altersheime, die in unserem Sinne

und immer wieder Geld, um all dies.. leiten zu können, und man wird staunen, mit welch durchschlagender Kraft unsere Gedanken sich durchsetzen werden!

Bei der verpönten christlichen Religion war es der Glaube, der die Werke hervortrieb. Hier sollen die Werke den(fehlenden) Glauben( die durchschlagende Kraft unserer Gedanken) erzeugen.

Wenn das nur kein Trugschluß ist!

Aus Nah und Fern.

Darmstadt, 19. Febr. In der vergangenen Woche tagte hier eine von der Kirchenregierung mit der Herausgabe einer hessischen Kirchengeschichte beauftragte Kommission, um über Stoffauswahl und Form dieser von den Religionslehren der hessischen Volksschulen seit langem erwarteten Veröffent⸗ lichung zu beraten. Es wurde beschlossen, zunächst ein von dem Prälaten Dr. Diehl zusammengestelltesQuellenbuch zur Kir⸗ chengeschichte herauszugeben, das zunächst als kirchengeschicht⸗ liches Heimatbuch für die Hand des Lehrers gedacht ist. Spä ter soll dann auch ein entsprechendes Buch für die Schüler ge

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Das Was uns fehlt, sind nicht

geleitet werden. Man sammle Geld und nochmals Geld in die Wege

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