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„Evangelische Warte“
Sonntagsgeoͤanken.
Golden ging die Sonne im Osten auf und lachte über Berge und Täler. Sie küßte den Morgen wach, der voll Freude auf— stand und sein schönstes Sonntagskleid anzog. Wie eine junge Maid im Festgewand war er und weckte dann Gräser und Blu— men und die Vöglein im Walde. Nicht lange aber währte diese Sonntagspracht. Schwarze Wolken zogen im Westen auf scho— ben sich gegen die Sonne und stellten sich vor ihr Licht. Und ein Grollen begann in den Wolkenbergen, ein Blitzen und Zucken und dann kam der Wind und hinter ihm her der Sturm. Alle Morgenpracht verschwand, ängstlich huschten die Vögel unter das schützende Blätterdach, Gräser zitterten, Bäume rauschten und der Wald sang ein schauriges Sturmlied. Und dann be— gann ein Aechzen und Krachen, ein Heulen und Toben. Und der Sturm sprang durch das Geäst der Bäume, riß Schwäch— linge wie Halme aus dem Boden, jagte durch die Dorfstraße und die Gassen der Stadt und riß in den Gärten Blätter und Blüten vom Geäst. Es war, als führte der Sturm alle zer— störenden Elemente aus der Natur zum Kampfe gegen das Leben, als hieße ihr Schlachtenruf: Nieder mit allem, was morsch und schwach und krank ist.
Warum schreibe ich heute zum Sonntag vom Sturm und vom Grauen und Tod?
Ich war draußen im Walde, sah die Sonne, wie sie die obersten Bergspitzen küßte und den Morgen im Tale weckte, sah den Sturm kommen und seinen Kampf führen gegen alles Un— gesunde und dachte darüber nach, warum das so sein m' e.
So ist es auch im Leben. Im Walde hielten die Bäume stand, die gesund waren und sich mit ihren Wurzeln im Erdreich fassen konnten und nich oberflächlich sich oben festhielten. Der Sturm bricht nur diese Oberflächlichen, die Leichtfertigen und Lauen. Und der gleiche Sturm, der hier zerstört, stärkt die Kräftigen und Gesunden, die Tiefgründigen und Ganzen—
Stürme sind im Leben die großen Prüfungen, denen nur der standhalten kann, dem Zeit Ewigkeit ist, der selbst das Krank⸗ hafte abstößt und kein Grauen empfindet vor den Stürmen dieses Lebens. Wie es draußen in der Natur ist, so im Leben: der Sturm wird sich legen, die Sonne schiebt wieder die Wolken weg und über Starke und Zerbrochene wird ihr verklärendes Licht leuchten. ein im Sommer 1925 dem Zentrum beigetretener Herr. Als Vertreter des Auswärtigen Amtes ist dem Reichs⸗ kommissariat der dem Zentrum angehörige Legations⸗ rat Eberlein beigegeben. Unter den höheren Beamten des Rheinlandkommissariats gibt es nur einen einzigen, der dem Zentrum bisher noch nicht angehört, Herrn von Rottenburg und dieser ist— der Schwager des Reichs⸗ kommissars s. o.
Deutschland muß katholisch werden!
Die„Kölnische Volkszeitung“ Nr. 41 vom 16. Ja⸗ nuar 1926 veröffentlicht unter der Ueberschrift:„Wie— dervereinigung im Glauben“ folgenden Erlaß des Kar⸗ dinals von Köln:
Geliebte Erzdiözesanen!
Eines der wichtigsten Anliegen aller treuen Kinder unserer heiligen Kirche ist die Einigung unseres Vater⸗ landes im wahren katholischen Glauben. Entspricht doch diese Gebetsmeinung wie kaum eine andere dem Willen des göttlichen Heilandes, der sich nach„einem Hirten und einer Herde“ sehnte, der in seinem hohen⸗ priesterlichen Gebete vor seinem Leiden seinen Jüngern das vornehmlich erflehte, daß sie doch alle eins seien. Und unser Heiliger Vater hat im vergangenen Heiligen
pölkerten Rieseninseln Australien, Neuseeland, Sumatra, Bor⸗ ö geheure Opfer in Japan fordert.
neo usw. Das ist für die Japaner besonders deshalb tragisch, weil die südliche, die malaiische Inselwelt, ihre Heimat ist, aus der sie in uralten Zeiten in ihr jetziges Land ausgewandert lind. Dieser ihr Ursprung im Süden macht sie auch unfähig, sich nach Norden und nach Nordwesten auszudehnen. Der kalte Norden ihres eigenen Landes(Hokkaido), dessen Klima dem Norddeutschlands entspricht, ist nur schwach bevölkert. Auf dem fruchtbaren Hokkaido mit 77 993,09 Quadratkilometern wohnen nur 2 358 183 Menschen, während auf der südlichen Insel Kiu⸗ schiu mit nur 35 656,90 Quadratkilometern 8 158 520 Menschen leben. So wohnen in der von Japan wirtschaftlich beherrsch⸗ ten Mandschurei heute nur 183 574 Japaner. Der viel zähere, der Kälte mehr gewachsene und noch anspruchslosere Chinese
bildet überdies im ganzen Nordosten des asiatischen Festlandes
für die Japaner eine fast unüberwindliche Konkurrenz für die Ansiedlung. Nach Chosen(Korea) sind bisher 380 000 Japaner ausgewandert, die unter 17 Millionen Koreanern leben. Auch auf Formosa leben rund 380 000 Japaner unter 3714000 meist noch wilden Eingeborenen.
Aber auch die industrielle Entwicklung Japans steht unter keinem günstigen Stern. Der Krieg hatte, da die Konkurrenz Europas und Amerikas ausgeschaltet war, eine glänzende, aber ungesunde Blüte entwickelt. Jetzt ist aber der Rückschlag ge—⸗ kommen. Die Konkurrenz der alten, großen Industriestaaten hat in vollem Umfange wieder eingesetzt. So geht Japans Aus⸗ suhr sehr zurück, seine Handelsbilanz ist wachsend passiv, und zum ersten Male leidet das Land unter einer drückenden Ar⸗ beitslosigkeit seiner Industriebevölkerung. Dabei verfügt Japan noch heute über relativ billige Arbeitskräfte. Und da es viele Rohstoffe(Eisen, Baumwolle, Wolle, Farben) teuer im Aus lande einkaufen muß, so ist erfolgreicher, die Konkurrenz schla— gender Absatz nur möglich durch Raubbau an der Arbeitskraft des Volkes. Alle bösen Erscheinungen industrieller Anfangs⸗ entwicklung treten dort erschreckend zutage. Im Jahre 1914 wa⸗ zen 56 Prozent aller Industriearbeiter Frauen und Mädchen m ganzen 471877 weibliche Personen), davon waren 65 Pro⸗ zent unter 20 und 22 Prozent unter 14 Jahren. Siebzig Prozent der Frauen und Mädchen hatten sehr schlechte Unterkunft in den babrikkasernen. Sie hatten in der Seidenindustrie 13 bis 15, in der Weberei und Baumwollspinnerei 10 bis 12 Stunden Arbeitszeit bei nur zwei Ruhetagen im Monat und geringem Lohn, der bei Zweidritteln aller Arbeiterinnen weniger als 16 Pfennig betrug. Kein Wunder, daß die Tuberkulose un—
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Jahre den Pilgern, die zu den Gnadenstätten nach Rom kamen, dieses Anliegen ihrem Gebete besonders emp— fohlen. Wie ich auf der letzten Diözesankonferenz den dort versammelten Herrn Dechanten bereits mitteilen konnte, war auch den deutschen Bischöfen auf ihren letzten Zusammenkünften in Fulda und Freising die Wiedervereinigung im Glauben Gegenstand ihrer be⸗ sonderen Obsorge. Entsprechend den dort gefaßten Be⸗ schlüssen verordne ich demgemäß, daß
1. alljährlich in den Tagen vom 18.—25. Januar, d. i. von Petri Stuhlfeier bis Pauli Bekehrung, an den Sonntagen nach der Predigt und bei der Nachmittags- andacht, an den Wochentagen nach der Hauptmesse in allen Kirchen und Kapellen das unten angefügte Gebet verrichtet werde. Für dieses Jahr sollen die Tage vom 2.—9. Februar genommen werden.
2. An den Tagen des„Ewigen Gebetes“ sowie des 13⸗ und 40stündigen Gebetes, soll eine bestimmte Stunde dem Anliegen der Wiedervereinigung im Glauben ge— widmet sein.
3. Der Andacht zum heiligen Geiste nach der hl Messe an den neun Tagen vor Pfingsten soll das unten—⸗ stehende Gebet angefügt werden.
4. Am Sonntag nach dem Feste des hl. Bonifatius und des hl. Petrus Canisius ist die Nachmittagsandacht in diesem Sinne zu halten.
Die hochwürdige Geistlichkeit möge in der Predigt und der Katechese den Gläubigen das vom Heiligen Vater mit Ablässen versehene Gebet um die Wiederver— einigung im Glauben nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Familie, recht angelegentlich empfehlen.
Köln, den 16. Januar 1926.
Karl Joseph Kardinal Schulte,
„ Erzbischof von Köln.“
Ein katholisches Priesterseminar in Sachsen.
Die„Märkische Volkszeitung“ Nr. 19 vom 19. Ja⸗ nuar 1926 erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß das Rittergut Schmochtitz bei Bautzen soeben durch Verkauf aus der Hand des Rittergutsbesitzers in das Eigentum des Domkapitels Bautzen übergegangen sei. Es bestehe die Absicht, die Wohnräume des Rittergutes für das katholische Priesterseminar herzurichten, das von Prag nach Bautzen an den Sitz des Bischofs verlegt werden soll.
Es tagt!
Der Bischof Dr. Joachim Perez in Mexiko ist der Leiter einer Los-von-Rom⸗Bewegung in diesem Lande. Er erklärte, um Gott zu verehren, brauche man nicht der römisch⸗katholischen Kirche anzugehören und einem Ita⸗ liener zu gehorchen. Er hielte es für unpatriotisch, Gel⸗ der aus Mexiko an den Vatikan zu senden und die An⸗ gelegenheiten Mexikos der päpstlichen Herrschaft zu unterbreiten. Als Grundsätze für die neue Kirche stellt er auf:
Sie bildet nicht eine Sekte, sondern gründet sich auf die wahre Religion, die durch den göttlichen Meister und Erlöser, Jesus CThristus, gegründet ist.— Die heili⸗ gen Schriften sind der Felsengrund unserer Kirche. Die Leitung hat ein Primat, das unabhängig vom Papst und von Rom ist.— Der Priester der mexikanischen Kirche muß ein Bürger sein, der ein nützliches Glied der Gesellschaft ist, der den Gesetzen und Einrichtungen unse—
res Landes gehorcht ohne jede fremde Anlehnung. Das Zölibat der Priester ist abgeschafft, weil es unmoralisch ist und den Naturgesetzen widerspricht. Der Priester muß seinen eigenen Herd haben, um den Herd eines anderen achten zu können.— Die heiligen Sakramente müssen frei verwaltet werden, um die Simonie zu ver⸗ meiden.— Der öffentliche Kultus muß in spanischer Sprache erfolgen.
hessische Konfessionsstatistik.
In den nächsten Tagen erscheinen in einem Sonderheft für Hessen die ersten Volkszählungsergebnisse vom 16. Juni 1925 nach Gemeinden(herausgegeben von der Hessischen Zentral⸗ stelle für die Landesstatistik Darmstadt). Wir sind bereits in der Lage, aus der darin enthaltenen Konfessions⸗ statistik einige bemerkenswerte Zahlen mitzuteilen.
Die Zahl der Evangelischen betrug 885 370, der Katholiken 415 685, der Israeliten 20 401, der sonstigen Christen 8188 und der sonstigen Nichtchristen 17635. Die evangelische und katholische Bevölkerung hat sich seit 1910 um 4,4 bezw. 4,6 Prozent ver⸗ mehrt. Die Israeliten haben um 15,2 Prozent abgenommen, die Anhänger christlicher Sekten um 20,5 und diejenigen Per⸗ sonen, die keiner christlichen Kirche oder Gemeinschaft angehör⸗ ten, um 205,4 Prozent zugenommen. Von den christlichen Re⸗ ligionsgemeinschaften außerhalb der beiden Kirchen hatten die meisten Anhänger die Freiprotestanten. Ihre Zahl betrug 1895 gegen 2690 im Jahr 1910. Die Bewegung hat ihren Sitz haupt⸗ sächlich in den Kreisen Alzey und Worms und zwar in den Ge⸗ meinden Wonsheim, Flomborn, Framersheim, Gau⸗Odernheim, Eppelsheim, Ober-Flörsheim, Blödesheim, Monzernheim und Hangen-Weisheim. Dann folgen die Anhänger des Apostolischen Bekenntnisses mit 1989 gegen 829 in 1910 und zwar 1339 Neu⸗ Apostolische, 485 Apostolische, 165 Apostolisch-Katholische. Ihre Zahl hat sich verdoppelt. Sie kommen hauptsächlich in Darm⸗ stadt, Offenbach, Gießen und Worms vor. Die Alt-Katholiken sind seit 1910 von 1130 auf 1248 gestiegen. Der größte Teil davon(718) wohnt in Offenbach. Die Zahl der Alt-Lutherischen ist von 887 in 1910 auf 702 gefallen. Ihre Anhänger sind haupt⸗ sächlich in Rothenberg(Kreis Erbach), Usenborn und Höchst an der Nidder(Kreis Büdingen), Allendorf an der Lumda(Kreis Gießen). Mennoniten wurden 446 gezählt gegen 461 in 1910, hauptsächlich in Rheinhessen. Die Baptisten sind von 274 auf 122 gestiegen, die Adventisten von 37 auf 379, die Darbysten von 194 auf 284, die Methodisten von 82 auf 163, die Mormonen von 3 auf 83, davon 37 in Offenbach. Ernste Bibelforscher waren 1910 noch nicht vorhanden, 1925 haben 141 bei der Volks⸗ zählung sich als solche bezeichnet, 32 davon in Weisenau bei Mainz. Die Zahl der Griechisch-Orthodoxen betrug 144, 63 da⸗ von wohnten in Darmstadt. Es waren hauptsächlich ausländische Studenten an der Technischen Hochschule, der Rest verteilt sich auf 43 Gemeinden im ganzen Land umd setzt sich ohne Zweifel aus zurückgebliebenen Kriegsgefangenen und Frauen, die von kriegsgefangenen Deutschen aus Rußland mitgebracht wurden, zusammen.
Die Zahl der Konfessionslosen, Freireligiösen usw. hat sich seit der letzten Zählung nahezu verdreifacht, von 5645 auf 16 557. Ihnen dürfen wohl noch zum großen Teil die 942 Personen zu⸗ gerechnet werden, die keine Angaben über ihr Bekenntnis ge⸗ macht haben. Ueber ein Viertel der Konfessionslosen und Frei⸗ religiösen wohnen in Offenbach,(es sind vielfach Anhänger der ehemaligen Deutsch-Katholiken), dann folgen Mainz, Darmstadt, Neu⸗Isenburg, Mörfelden im Kreis Groß-Gerau und Worms; die übrigen finden sich hauptsächlich in der Umgebung von grö⸗ ßeren Städten und in industriellen Gemeinden.
Die Wohnungsverhältnisse in den Industriestädten sind trostlos. In Osoka beträgt in manchen Quartieren die Kindersterblichkeit 30 Prozent aller Kinder im ersten Lebensjahre. Im Jahre 1918 betrug die Kindersterb⸗ lichkeit in Amsterdam 6,49, in Kopenhagen 10,36, in London 10,79, in Washington 11, in Berlin 12,85 Prozent. In Japan betrug sie im Jahre 1917(und Japan litt nicht unter dem Kriege): In Nagaya 16,42, in Tokio 18,78, in Yokohama 19,89, in Kyoto 20,22, in Kobe 21,50 und in Osaka 23,44 Prozent. Es geschieht allerlei, um diese Nöte zu bekämpfen, auch versucht die Gesetzgebung von Jahr zu Jahr mehr das Los der Indu⸗ striearbeiter und der ländlichen Pächter zu bessern. Aber die heutige Wirtschaftslage, durch die Folgen des großen Erdbebens erschwert, zeigt keine günstigen Aussichten. Kein Wunder, daß der Sozialismus und Bolschewismus hier einen fruchtbaren Boden hat.
So ist das japanische Land trotz seiner landschaftlichen Schönheit und seines angenehmen, südlichen Klimas für das Volk durchaus kein Paradies.(Fortsetzung folgt.)
Aber oͤen Wert des Honigs. Von Professor Dr. Fiehe in Landsberg a. W.
Wer hätte nicht schon beobachtet, wie die duftenden Blumen auf Wiese und Feld von zahlreichen Insekten beflogen werden. Die süßen Zuckersäfte, welche sich in die Nektarien der Blüten ergießen, bilden die Anziehungskraft für all die großen und kleinen Näscher. Unter ihnen bemerken wir neben zahlreichen wilden Bienenarten und Hummeln unsere zahme Honigbiene. Wir sehen, wie die Arbeitsbiene unermüdlich von Blume zu Blume fliegt und ihren Rüssel tief in die Blütenkelche ein⸗ senkt, um den Blütennektar aufzusaugen. Aus diesem Nektar bereitet sie dann den Honig. Fürwahr ein edles Erzeugnis, die⸗ ser Blütenhonig. Lieblicher, süßer Geschmack, verbunden mit dem Duft der Blüten, sind seine Kennzeichen. Infolge seines hohen Gehaltes an leichtverdaulichen Zuckerarten stellt er ein hochwertiges, die Verdauung förderndes Nahrungsmittel dar, Seine Geschmacksstoffe, welche die Magensäfte fließen lassen, und seine Formente tragen zur leichten Verdaulichkeit der Spei⸗ sen bei. Die Formente sind Körper, welche unsere Nahrungs⸗ stoffe in ihre Bausteine zerlegen und so dem menschlichen Kör⸗ per zugänglich machen. Daneben ist der Honig ein erstklassiges Genußmittel, infolge seines Aromas mit edlem Wein vergleich— bar. Auch als Heilmittel hat der Honig von altersher eine Rolle gespielt. Bei Erkrankungen der Atmungsorgane wird
er besonders mit Erfolg angewandt. Eine Summe günstiger Eigenschaften sind somit im Honing aufgespeichert. Es ist daher nicht nötig, dem Honig Eigenschaften anzudichten, die ihm nicht zukommen. Die Angaben von Reklameschriften, wonach er Fleisch und Eier zu ersetzen vermag, und nahrhafter ist wie Butter, gehören in das Reich der Fabel. Fleisch und Eier sind Eiweißnahrungsmittel, während Honig zur großen Gruppe der kohlehydrathaltigen Nahrungsmittel gehört. Das Eisweiß hat bei der Ernährung den Zweck, zum Aufbau des menschlichen Körpers zu dienen, während die Kohlehydrate gewissermaßen die Betriebsstoffe darstellen, welche die menschliche Maschine im Gang halten. Der Honig hat somit bei der Ernährung ganz andere Aufgaben zu erfüllen, wie Fleisch und Eier. Er stellt ein kalorienreiches Brennmittel dar, welches den Körper mit Wärme und lebendiger Kraft versorgt und ihn befähigt, Arbeit zu leisten. Es sind aber nicht sämtliche Honige des Han⸗ dels einander gleichwertig. Vielfach wird der Honig zum Zweck der Reinigung erhitzt und durchgeseiht. Diese Behandlungs⸗ weise findet insbesondere bei Auslandshonigen statt, welche mit Verunreinigungen(Holzteilchen und toten Bienen) zum Ver⸗ sand gelangen. Infolge ihrer oft stundenlangen Erwärmung verflüchtigen sich die Aromastoffe, die empfindlichen Formente werden geschädigt oder gar zerstört. Die Frische, das liebliche Aroma geht dem Honig verloren. Es bleibt ein Zuckersyrup zurück. Man erhitze einen edlen Wein und sehe, was daraus wird. Ein denaturiertes Erzeugnis, ein Surrogat, ist der Er⸗ falg. Der unerhitzte Honig lebt gewissermaßen, das Aroma ent⸗ wickelt sich. Der erhitzte Honig ist wie der Kunsthonig, ein toter Körper. Die Bestrebungen der Imker sollten daher dahin gehen, nur unerhitzten Honig in den Verkehr zu bringen. Beim deutschen Honig dürfte diese Forderung schon jetzt im allgemeinen erfüllt sein. Deutscher Schleuderhonig bedarf keiner weiteren Reinigung und Erhitzung. Beim Auslandshonig liegen die Dinge dagegen anders. Dieser muß zum Zwecke der Reinigung zumeist erhitzt werden. Der Verbraucher sollte sich merken, daß er nicht einen flüssigen Honig verlangen darf, der durch längeres Erhitzen flüssig gemacht ist. Normalerweise geht der Honig nach kurzer Zeit von dem flüssigen in den festen Zustand über. Er sollte ferner den deutschen Honig der Auslandsware vorziehen. Die vorgesehenen Ausführungsbestimmungen zum neuen Le⸗ bensmittelgesetz(Entwürfe zu Feststellungen über Lebensmittel, Heft 1 Honig, Verlag Julius Springer) bringen in richtiger Bewertung eines erhitzten Honigs zum Ausdruck, daß erhitzte Honige zu kennzeichnen sind.


