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„Evangelische Warte“
5 Im Familienkreis.
VBesinnlithes und Veschaulichos.
Liebe Väter und Mütter!
Nun feiern wir wieder Weihnachten! Es ist wieder heran⸗ gerückt, dieses stille heilige Fest! Schon merken wir den Kerzen⸗ duft und ⸗schein! Selige Kindheitsstimmung erwacht in uns. Wir exinnern uns der Zeiten, da wir in fröhlicher Spannung dem Christkind, dessen Kommen mit so unsäglich vielen Geheim- nissen umgeben war, entgegensahen! Diese Freude unter dem Lichterbaum! Kann es ein sinnigeres Fest geben als das deut sche Weihnachtsfest?„Euch ist heute der Heiland geboren“— wie Engelsmusik klingen diese Worte in uns nach. Dürftig war sein erster Aufenthaltsort. Mit einer Krippe mußte er sich be⸗ gnügen. And doch, was umgab ihn vom ersten Augenblick an? Die Liebe seiner Eltern! Die Liebe, die auf Erden unvergäng⸗ lich ist, die bei der Geburt jeden Kindes immer wieder neu wird. Welch' heiße Wünsche haben wohl Maria und Josef für ihr Kind⸗ lein gehabt! Und ihr, liebe Eltern? Auch ihr liebt eure Kin— der, das wird niemand bestreiten, aber erzieht ihr sie auch im im Sinne Jesu? O, denutzt eure feierliche Weihnachtsstimmung richtigen Geiste? Könnt ihr sagen, ich erziehe mein Kind stets und prüfet, wie euch euer Erziehungswerk gelungen! Denket das vergangene Jahr durch, ihr Väter und Mütter! Denket daran, eure Kinder zu guten evangelischen Christen zu erziehen! Bewahret sie vor all' dem Schund und Schmutz, der sie täglich umlauert, und welcher der Sünde nur zu gern dient. Bewahret euren Kindern das Jesuherz! Laßt die Anderen spotten, so viel sie wollen, die Verantwortung, die ihr tragt, ist groß! Denkt an eure eigene Jugendzeit, an die Gefahren, die euch umgaben! Nutzet das Weihnachtsfest zur inneren Einkehr und Ueberlegung!
Auch an euch wende ich mich,
liebe Söhne und Töchter!
Wißt ihr, was ihr euren Eltern alles zu danken habt? Wißt ihr, wer von eurer Geburt an euer sorgsamer Hüter, Beschützer und Wegbereiter war? Das waren eure auf dem Boden des Evangeliums stehenden Eltern! Zeigt euch dessen würdig! Seid dessen stets eingedenk! Dankt es euren Eltern, indem ihr in ihre Fußtapfen tretet; das Gotteswort leuchte euch in eurem ganzen Handeln voran! Denkt nicht bei manchen Gelegenheiten eure Eltern mißgönnten euch etwas oder eure Eltern seien ein⸗ seitig. Sucht, wenn ihr schon älter seid, sie in ihrem Handeln zu verstehen. Dann erst erkennt ihr mit welcher Liebe eure El— tern, so lange sie leben, euren Lebensweg verfolgen. Denkt daran, was das Gebot euch darüber sagt! Es gibt Kinder, große und kleine, die an Weihnachten zu diesen Gedanken sehr ge⸗ neigt sind, doch ist das Weihnachtsfest vorüber, ist alles wieder verschwunden! Ist das euer ganzes Christentum, euer ganzes
Evangelium, wenn ihr so handelt! Schauet die grauen Haare eurer Eltern! Gar manches ist durch euch grau geworden! Denkt auch daran, daß ihr dereinst selbst Vater und Mutter heißt!
Und nun zu dir
liebes junges Volk!
Du hast dich jetzt schon wochenlang auf das liebe Christkind
gefreut. And wenn du nun unter dem Weihnachtsbaum deine Gaben findest, deine Eisenbahn, deinen Baukasten, deine Puppe und was es sonst auch sei, so denke auch einmal zurück an das kleine Jesukind, das in einem armseligen Kripplein lag auf Heu und Stroh und aus dem später der liebe Herr Jesus wurde. Da nimm dir doch vor, weil er uns ja das schöne Weihnachtsfest gegeben hat, alles das zu tun, was der Herr Jesus gesagt hat.
Es ist gar viel, so daß ich dir es nicht alles hier im Augenblick aufzählen kann. Vielleicht erzählen es dir gern deine Eltern,
wenn du sie darum bittest, vielleicht gehst du auch in die Schule und hast schon manches davon gehört! Aber vergiß mir nicht über deiner Freude das kleine Kindlein in der Krippe!
Zum Schlusse euch allen, liebe Väter und Mütter, liebe Söhne und Töchter und liebes junges Volk, recht gesegnete und fröhliche Weihnachten. Möge euch das, was der„Familienkreis“ bringt, reichen Segen bringen und Anregung über manches nach⸗ zudenken! Das wünscht euch der Schriftleiter
W. Greb.
Weihnathten!
Kürzlich stand ich wieder einmal im Dunkel der Nacht auf einsam⸗stiller Höhe, fern des Straßentreibens, des Lärms, der Aufregung, fern des öden Häusermeeres, der blechernen Kino⸗ musik, des Ratterns der Autos, dem Tingel⸗Tangel der Knei⸗ pen.. Eine andere Welt umgab mich da, hielt mich in ihrem Bann, redete ihre erhabene Sprache, zeigte mir ihre ewige, schauerliche Majestät: die Sternenwelt! Wie viele unserer über⸗ modernen, überkultivierten, überzivilisierten Großstadtmenschen vermögen sich noch loszureißen von dem Gifthauch der Zeit, um in einsamer Stunde, auf windiger Höhe sich in die Herrlichkeit und ergreifende Pracht unendlicher Sternenwelten zu versenken? Täten oder könnten sie es, sie würden mehr als eine heilige Weihe⸗Nacht erleben! So mancher hat in seiner Schulzeit etwas von der Himmelskunde gehört, womöglich gar die Namen der Tierkreisbilder gelernt, aber nie ist er veranlaßt worden, die Sternbilder des Tierkreises auch zu sehen, in ihrer Bewegung, in ihrem jährlichen Kommen und Gehen auch zu beobachten. Sein Gemüt ist leer geblieben, einen Kreis lieblichster Freunde hat man ihm vorenthalten. Wer das Tierkreisband nicht kennt, der weiß nichts von den Toren Walhallas, der kennt nicht das Sternen⸗Halsband der Frau— Gott Freya!
So stand ich denn da oben, unter mir das Riesenlichtermeer der Stadt, dazwischen das schwarze Bild des ragenden, steiner⸗ nen Domes, aber über mir der unausdenkbare, unausmeßbare, lebendig⸗ewige Sternen⸗Dom, über mir der wunderbare Sternen⸗ mantel unserer ewigen Gott-Mutter Freya⸗Maria, übersät und durchwirkt von funkelnden Gold- und Sternenstäubchen. Und ich grüßte meine alten Freunde: den herrlichen Wodanswagen, die Zwillinge, den Fuhrmann, das Siebengestirn, den Widder, den Drachen, den Herkules, die Leier. den Schwan, den Adler usw. Jahr um Jahr suche ich sie auf, zu sehen, wie sie uner⸗ müdlich zu ewigen Kreisen im kleinen Jahrestakte sich anschicken, nach jedem Umschwung zu neuer Ausfahrt rüsten. Da bekommt die Sage vom wilden Heer und wilden Jäger einen Sinn, da wird mir das Märchen von der„Himmlischen Mühle“ lebendig und das alte Wort:
Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich fein; offenbart sich mir in neuem, unsagbar schönem Glanze. Wende
ich sodann den Blick zum Nordstern, dem ruhenden Pol, so stei— gen neue, uralt-ehrwürdige Bilder vor mir auf: mitten im
kreisenden All, der ewig mahlenden Mühle, sehe ich sichtbar— unsichtbar den„Mühlstab“, den„Weltbohrer“, die„Weltesche“,
die als Halt der Welt aufgerichtete„Gaumensperre des Fenris⸗
wolfes“. Voller Ergriffenheit ahne, nein erkenne ich nunmehr das„große Geheimnis“, erkenne ich den„Mühlstabdreher“, den „Weltachsenschwinger“, den ungeheuren Willen, der das ganze All mit allem Hohen und Niedrigem durchpulst, ihm seine eherne, feste Ordnung und Weihe
gegeben, eine Weihe, wie sie sich nur im Glanze und Zauber einer Sternen⸗Nacht dem menschlichen Auge offenbart, eine Weihe, wie
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