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Sonnabend den 24. Juli 1926.

gen eingetreten werden kann, hat nunmehr der Jugendausschuß des Reichstages das Gesetz über denSchutz der Jugend bei Lustbarleiten in erster Lesung beendet. Anträge auf Abschwä hung der Strafen wurden abgelehnt. Vereine und Verbände einschließlich der konfessionellen Schulen und Jugendämter, die gute Jugenddarbietungen veranstalten, sollen mehr als bisher gefördert werden. Auch auf dem Wege des Reichsbühnengesetzes, das dem Wunsche nach einer einheitlichen deutschen Theater⸗ gesetzgebung seine Entstehung verdankt, sind die größten Schwie⸗ ligkeiten überwunden. Wie Reichsinnenminister Dr. Külz auf a dem Internationalen Schauspielerkongreß in Berlin mitteilte . besteht berechtigte Hoffnung, daß das Gesetz in kürzester Frist zustande gebracht werden könne. Der Entwurf eines Schank⸗ ˖ ktättengesetzes stand in den Ausschüssen des Reichswirtschafts⸗ tates zur Debatte und wurde in den Grundlinien angenommen Eine Entschließung wurde gefaßt, wonach Anträge auf Schank erlaubnis für geistige Getränke aller Art im Zusammenhang mit Turn⸗, Spiel- und Sportplätzen oder Hallen die Genehmigung zu pbersagen ist. u Dagegen hat die Reichsschulgesetzgebung seit jener Ankün⸗ f

digung des Reichsinnenministers im März dieses Jahres, daß er demnächst persönlich an die Vorarbeiten Fortschritte nicht gemacht. . wurf ausgearbeitet sein, noch nicht zugegangen ist.

gehen werde, sichtbare Dem Vernehmen nach soll ein Ent⸗ der aber den zuständigen Instanzen

Was kosten die Reichstagsferien? 1164 000 R.⸗Mk. Diäten.

5 Die Reichstagabgeordneten sind in die Ferien ge e gangen. Die Reichskasse und auch die Kasse des Parla⸗ 5 ments wird aber auch in den Ferien der Volksvertreter nicht stille stehen. Wenn der Reichstag seine Ferien 15 zause bis zum 3. November ds. Is. durchführt, wird l die Kasse für 485 Reichstagsmitglieder viermal je 600 l Mark zur Auszahlung bringen. Das sind monatlich le 291000 Mark, in der ganzen Ferienzeit also 1 164 000. die Reichstagsdiäten betragen gegenwärtig immer ein n Viertel des Gehalts eines Ministers. Im Friedens- . teichstag betrug die tägliche Entschädigung 15 Mark. % Die Höchstgrenze war auf 3000 Mark jährlich festgesetzt, et wogegen die gegenwärtigen Reichstagsmitglieder 7200 . Mark erhalten.

b Kleine Nachrichten.

126 neue Ordensniederlassungen im Jahre 1925.

In der achten Abteilung auf Seite 321 ff. des Kirchlichen Handbuchs für das katholische Deutschland 1 3. Band, 1925/26 bearbeitet Hermann A. Krose S. J. eddie religiösen Orden und Kongregationen im Deut a, chen Reiche. Danach gibt es im Reich 536 Niederlas e jungen männlicher Ordensgenossenschaften mit 9 972 un Mitgliedern und 6 489 Niederlassungen weiblicher ö Ordensgenossenschaften mit 71720 Mitgliedern, dazu e sommen noch 1278 Novizen und 5 926 Novizinnen; die as Hesamtzahl beträgt also unter Ausschluß der Novizen ll 5025 Niederlassungen mit 81692 Ordensleuten. Das ge. bedeutet gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme von lin 6 Niederlassungen männlicher Ordensgenossenschaften un und 110 Niederlassungen weiblicher Ordensgenossen⸗ u chaften, von 248 männlichen und 2 076 weiblichen Mit⸗ gliedern, insgesamt von 126 Niederlassungen und 2324 Insassen. 5

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Auch ein Beitrag zumkonfessionellen Frieden.

In Nr. 43 des katholischenSächsischen Tageblatt entwirft der katholische Pfarrer Beulke in Bitterfeld ll Seelsorgebilder aus Roßlau(Anhalt) und schildert, hCAbie in der dortigen Schule zum ersten Mal die Messe e gefeiert wurde. Dies treibt ihn zu der Bemerkung: 0. Zum ersten Male seit der Reformation soll jetzt der lun, heiland wieder für einige Stunden in dieser Stadt

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Evangelische Warte

weilen. Bis dahin also ist diese Stadt trotz ihrer evan⸗ gelischen Kirchen und meist evangelischen Bewohner ohne Heiland gewesen! Und dann will man noch zum konfessionellen Frieden mahnen, wenn man das evan⸗ gelische Bekenntnis so empörend beleidigt. * Ein Denkmal für Gustav Adolf,

dem Retter des Protestantismus, auf dem Schlachtfeld ist schon am 7. September 1831 errichtet worden. Nunmehr wurde es am 200sten Gedenktag der Schlacht feierlich erneuert. Der schwedische Verein zu Leipzig veranstaltete am Denkmal eine Feier zu der außer zahlreichen Mitgliedern der schwedischen Ko⸗ lonie und der deutsch-schwedischen Vereinigung auch der schwe dische Gesandte von Berlin erschienen waren. Geheimer Kirchen rat Dr. Rendtorff-Leipzig, der Vorsitzende des Gustav-Adolf⸗ Vereins, hob hervor, daß durch die Schlacht von Breitenfeld der Protestantismus gerettet und die Glaubensfreiheit für die Welt erlämpft wurde. Der Gustav-Adolf⸗Verein setzte das Werk, das der König mit dem Schwerte begonnen, mit Taten der Liebe fort Die gemeinsame Liebe zu Luther und Gustav-Adolf hat in ver⸗ gangenen Jahrhunderten die enge Gemeinschaft zwischen dem schwedischen und dem deutschen Volke geschaffen. Diese Liebe möge auch in Zukunft die beiden Völker verbinden. Der Ge⸗ sandtschaftspfarrer Sebardt-Berlin gab in schwedischer Sprache ein Bild der Schlacht und kennzeichnete ihre Bedeutung für die evangelische Kultur.

Die Not der Zeit.

Angesichts der schweren Wirtschaftslage ist auch die Herren huter Brüdergemeinde zu Einschränkungen genötigt. Die Pre digerstellen für eine Reihe kleiner Gemeinden werden eingezogen, die Direktion wird auf vier Mitglieder beschränkt und die Sy⸗ noden werden nicht mehr alle zwei sondern alle drei Jahre tagen, um Unkosten zu sparen. Die Gehälter und Ruhegehälter, die zum Beginn des Jahres aufgebessert waren, sind am 1. April wieder auf den Stand von 1925 zurückgesetzt worden.

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Fußball und Gottesdienst.

Auf den ersten Osterfeiertag war in der englischen Kirche zu Stuttgart zum ersten Male seit 1914 wieder anglikanischer Gottesdienst angesetzt worden. Durch ein Versehen blieb der er wartete englische Geistliche aus. Aber auf Wunsch der englischen Fußballspieler, die zu einem Wettkampf von London nach Stutt⸗ gart gekommen waren, hielt der Geistliche der die englische Kirche mitbenutzenden altkatholischen Gemeinde der versammel ten englischen Gemeinde einen Gottesdienst. Hätten deutsche Fußballspieler in England wohl auch einen deutschen Gottes⸗ dienst verlangt?

* Der Notgroschen.

Die Guthaben in den deutschen Sparkassen waren Ende März 1926 auf 2 044,6 Millionen Mark gestiegen, gegen etwa 600 Millionen Ende 1924 und etwas mehr als 1,6 Milliarden Ende 1925. Es sind also im Laufe des Jahres 1925 etwas mehr als eine Milliarde Mark den Sparkassen zugeflossen und im ersten Vierteljahr 1926 weitere 400 Millionen. Natürlich ist die Gesamtsumme mit den Zahlen vor dem Kriege nicht zu ver gleichen, wo das gesamte Sparguthaben in Deutschland rund 20 Milliarden betrug, andererseits sind die Sparüberschüsse in keinem Vorkriegsjahre so große gewesen wie 1925. 1911 betrugen sie bei den deutschen Sparkassen 498,1 Millionen, 1912: 274,9 Millionen, 1913: 395,9 Millionen. Die erfreuliche Neubele bung der Spartätigkeit zeigt das Bedürfnis besonders des Mit⸗ telstandes, sich wieder einen Notgroschen zu schaffen. Mit viel Entsagung erkaufte Rücklagen.

Aus unserer Bewegung.

Weisenau. Die überzeugenden Ausführungen des Pfarrers Weidner⸗Ober⸗Lais in der Versammlung am 18. Juni im Saale des GasthausesZum schwarzen Bären über das ThemaBrau⸗

chen wir eine evangelische Partei?(siehe Bericht in der Ev. Warte vom 3. 7. 26) brachten uns nun auch in der am 6. Juli im gleichen Saale stattgefundenen und vom vorberei⸗ tenden Ausschuß einberufenen Gründungsversammlung einen großen Erfolg. Der Besuch dieser Versammlung war sehr gut Herr Lehrer W. Greb als Versammlungsleiter sprach kurze Begrüßungsworte und legte noch einmal das dringende Be⸗ dürfnis des Zusammenschlusses aller Evangelischen dar, denn nur so sei es möglich, unsere Belange in der Kommune sowohl als auch im Lande und im Reiche selbst wirksam zu vertreten. Bedenken, die in den Tagen zwischen den beiden Versamm⸗ lungen auftauchten, widerlegte der Versammlungsleiter leicht. Während der Ansprache kamen nur von 2 Anwesenden Ein⸗ wände, die aber entkräftet werden konnten. Für unsere Sache sprachen noch der Ortspfarrer, Studienrat Pröscher- Mainz und Lehrer Werner. Zusammenfassend ist den Ausführungen der Vorgenannten zu entnehmen: Die Kirche selbst bleibt nach wie vor neutral. Der hiesige evangelische Verein als solcher hat mit der Partei an sich nichts zu tun. Durch den Mangel an einer evangelischen Partei versucht man uns vollends an die Wand zu drücken und das, was unsere Väter erreicht haben, wird uns schließlich ganz verloren gehen. Sehen wir doch weiter zurück, was war denn die Ursache zur Reformation und mit welchen Mitteln versuchte man später den Protestantismus wieder zu unterdrücken? Jedoch erfreulicher Weise vergeblich! Zur Zeit stehen wir wieder mitten in einer Gegenreformation. Da wollen wir von unserem Dr. Martin Luther lernen, wie wir wahrhaftig streiten sollen. Laßt uns in der Tat christlich⸗ sozial sein nach den bedeutungsvollen Worten:Wer zwei Röcke hat, der gebe dem einen, der keinen hat. Auch die wirt⸗ schaftlichen Fragen wollen wir vom christlich-sozialen und auch nationalen Standpunkte aus beurteilen und durchführen und wer Christus im Herzen hat, wird dieses auch leicht fertig bringen. Es ist kein ander Heil! Die Anwesenden haben dieses auch begriffen und in der nun in Umlauf gesetzten Liste haben sich 54 Personen als Mitglieder der Ortsgruppe Weisenau der Evangelischen Volksgemeinschaft eingetragen; eine weitere Liste erbrachte ebenfalls eine stattliche Anzahl Bezieher derEvan gelischen Warte. Nachdem Studienrat Pröscher-Mainz seine große Freude über das herrliche Ergebnis zum Ausdruck gebracht hatte und der neuen Ortsgruppe recht viel Glück und Erfolg wünschte, schloß Lehrer W. Greb die für unsere Sache so eindrucksvoll und erfolgreich verlaufene Gründungsversammlung. Der vorgerückten Zeit wegen konnte eine Vorstandswahl noch nicht erfolgen; dies soll einer demnächst noch vom vorbereiten⸗ den Ausschuß einzuberufenden Mitgliederversammlung vorbe⸗

halten bleiben. Aus Nah und Fern.

Nidda, 20. Juli. Unter der Führung von Dekan Scriba in Eichelsdorf besichtigten die Geistlichen des evangelischen De kanates Nidda am letzten Donnerstag die Zellenstrafanstalt in Butzbach. Fast alle Pfarrer des Dekanates nahmen an der Besichtigung teil. Nach der Begrüßung in der Torhalle der An⸗ stalt durch Direktor Stumpf und einem einleitenden Vortrag des Genannten über den Bau der Anstalt erfolgte zunächst ein Gang durch die drei Höfe, der nahezu Stunden dauerte. Zur völ⸗ ligen Ausnützung der Zeit wurde das Mittagessen in der An⸗ stalt eingenommen. Darnach hielt Direktor Stumpf einen hoch⸗ interessanten Vortrag über Zweck und Ziele des Strafvollzugs: Zweck des Strafvollzugs ist nicht mehr wie in alter Zeit die Rache, vielmehr will die Strafe alles Uebel sühnen und dann aber bessern. Demgemäß muß auch der Strafvollzug sein. Alle Arbeit an Gefangenen ist umsonst, wenn nicht nach der Entlas⸗ sung eine wirksame und umfassende Gefangenenfürsorge einsetzt. Der Vortrag machte großen Eindruck auf alle Zuhörer; man hatte durchweg den Eindruck, daß es der Vortragende mit seinem wahrlich nicht leichten Amt sehr gewissenhaft nimmt, daß hier der rechte Mann auf verantwortungsvollem Posten steht. An die Besichtigung der drei großen Flügel der Anstalt(sie stellen das eigentliche Gefängnis dar, enthalten über 600 Einzelzellen, die von einem Platz aus, weil nach links und rechts und gerade⸗

fich den. Zuletzt hatten nur die Kleinen noch Schuhe, denn wir sih Froßen trugen sie viel. Wie unsre Kleider aussahen, das könnt ihr euch wohl vorstellen! Und das Reisegeld für uns elf war dus Sechsfrankenstück. Wohl haben wir manchmal bitteren Hun⸗ ger gelitten, doch haben wir viel mehr freundliche Hilfe erfahren. Endlich kamen wir in Deutschland an. An einem Herbst⸗ abend war es, daß wir durch das Tor einer großen Stadt schrit en. Es war Frankfurt am Main; wir aber wußten es nicht bir lagerten uns in einem Winkel und kauerten uns nahe bei nander, um uns zu wärmen, denn es war schon Herbst. Kaum I dagen wir, so schliefen wir aus schon. Gegen Mitternacht kam tin Wächter, sah die zerlumpte Kinderschar und weckte sie auf Wir folgten ihm auf die Wachstube. Oh, wie war es dort ange ehm warm! Der Oberste der Wache begann uns nun zu fragen, und wir intworteten, aber keiner verstand den andern. Am andern Morgen kamen etliche gelehrte Leute; da wir her die Mundart der Languedo redeten, konnten wir uns auch it ihnen nicht verständlich machen. Endlich rief man einen Harrer von Offenbach herbei, der ein selten sprachkundiger 6 Hann war, und o Glück, er verstand uns, und wir verstanden hh. Und wir erzählten ihm, was ich euch eben erzählt habe lh ld der freundliche Mann berichtete unter Tränen und Schluch⸗ t en den Umstehenden unser Schicksal. Da war unsre Not zu

bßpde. Meine neun Schwestern wurden in die Familie von iht f seichen Frankfurter Patriziern aufgenommen; meinen Bruder a ind mich aber ließ der gute Pastor nicht los und nahm uns mit

Goal i sein Haus.

Was ein Tijchgebet bewirkte.

ImBarmer Sonntagsblatt lesen wir die folgende Erzäh⸗ lung: In dem weithin zerstreuten Dorfe L. hatte der Bauer

(Fortsetzung folgt.)

5 Amer seinen stattlichen Hof, der einsam auf einer Berk i. Der wackere Hausvater pflegte jeden Sonntag mit seiner 10 milie die etwa eine Stunde entfernte Kirche drunten im Tale ile i besuchen. Immer aber mußte eines zur Hut des Hauses und 4 ins Viehes daheimbleiben. An einem kalten, aber schönen 5

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Januarsonntag des Jahres 1848 traf es die jüngste Tochter, die

zwölfjährige Marie. Der Vater befahl ihr, das Haus gut abzu schließen und niemand Fremdes einzulassen. Etwa eine halbe Stunde mochte verflossen sein, daß die Kirchgänger fort waren, als zwei Männer an die Haustür klopften und Einlaß be gehrten. Das Mädchen öffnete das Schiebfenster der Wohnstube und fragte, was sie wollten.Nur ein wenig ausruhen, lautete die Antwort.Ich darf niemand hereinlassen, erwiderte sie ihnen.Aber es ist so kalt heute und wir wollen uns nur ein wenig wärmen: mach doch auf! baten die Fremdlinge. Diese Bitte glaubte das gutherzige Kind nicht abschlagen zu dürfen öffnete die Tür. Doch erschrak sie, als sie beim Nähertreten bemerkte, wie abgerissen die beiden Männer aussahen und wie finster sie dreinschauten.Bist du allein? fragten sie, nachdem sie in die Stube eingetreten waren.Ja.Wo sind deine Eltern?Zur Kirche gegangen.Wann kommen sie wieder? In etwa zwei Stund Daraufhin wechselten die beiden mit⸗ einander bedeutungsvolle Blicke.And fürchtest du dich nicht so z allein? fragte jetzt einer der beiden.Nein.Warum Ich bin ja nicht ganz allein.Wer ist denn bei dir? liebe Gott. Da lächelten die beiden ein wenig und setzten sich an den Tisch, indem sie mit scharfen Blicken die Stube und ihre Geräte, besonders aber die Wandkästen musterten. Jetzt wurde dem Mädchen doch etwas unbehaglich zumute, und erwog, wie sie die beiden unliebsamen Gäste schnell und auf ie beste Weise wieder losbekommen könnte.Ihr werdet wohl der Bergwanderung hungrig sein, sagte sie nach einer Weile;ich will euch etwas zu essen geben. Damit waren diese auch einverstanden. Schnell lief sie in die Küche und trug Brot Butter, Käse und Milch auf, woran es im Hause nie fehlte

Als die beiden aber zugreifen wollten, sagte sie:Wir wollen aber auch vorher beten und sprach andächtig das im Hause übl ischgebet:Komm, Herr Jesu, sei unser Gast, und segne uns ret hast. Unwillkürlich falteten die beiden Männer die Hände mit und senkten demütig und be⸗ schämt den Kopf. Daraufhin griffen sie wacker zu und wurden ganz freundlich zu dem Mädchen, so daß dieses alle Angst verlor und treuherzig mit ihnen plauderte. Gleich aber nach vollendeter

ind was du ur

Mahlzeit erhoben sie sich und sagten, sie müßten jetzt wieder wei⸗ ter.Einen Gruß an deinen Vater, und wir lassen recht schön danken, sprach der eine,Geld haben wir keines. Der andere aber ergriff beim Abschied noch die Hand der kleinen Marie und sagte:Bete auch weiterhin für uns; wir haben's nötig. Als die Familie von der Kirche wieder heimkam und Marie ihr Er⸗ lebnis erzählte, erschraken beide Eltern nicht wenig; denn man wußte, daß allerlei verwegenes Gesindel sich in der Gegend um hertrieb. Ja, der Vater zankte die Tochter tüchtig aus, daß sie gegen sein Gebot wildfremde Menschen ins Haus eingelassen hatte. Doch die Mutter nahm ihr Töchterlein in Schutz, da es so klug und tapfer gehandelt hatte und ihr Gottvertrauen nicht zuschande geworden sei.

Etwa 20 Jahre später kam ein feingekleideter fremder Herr in das Hümersche Haus und fragte nach der kleinen Marie Nun, diese war inzwischen eine stattliche Hausfrau und tinder⸗ gesegnete Mutter geworden, die an der Seite eines braven Mannes das elterliche Anwesen verwaltete.Kennen Sie mich noch? fragte er sie.Nein.Nun, ich bin der Fremde, der Ihnen einmal mit einem Kameraden zusammen einen aufdring⸗ lichen Besuch gemacht. Erinnern Sie sich noch an jenen Sonn⸗ tagmorgen im Januar? Ja, das war der jungen Frau wohl noch im Gedächtnis; aber erst später war ihr die damals so ge fährliche Lage klar zum Bewußtsein gekommen.Ich will Ihnen nur gestehen, fuhr jetzt der Besucher fort,wir beide führten da⸗ mals nichts Gutes im Schild, wir wollten Ihr Haus berauben. Aber wie Sie so andächtig zu Tisch beteten, da konnten wir unser Vorhaben nicht mehr ausführeen. Wir spürten, daß Sie wirklich nicht allein waren, sondern daß der Herr Jesus auch da war Und vor dem fürchteten wir uns. Aber ich darf noch etwas wei⸗ teres erzählen. Von der Stunde an ging ich in mich und wurde ein anderer Mensch. Ich schämte mich jetzt meiner bösen Wege, suchte wieder ehrliche Arbeit, und Gott hat mich gesegnet, daß ich in gute Verhältnisse gekommen bin. Meinen Namen und meinen Wohnort verrate ich Ihnen nicht; aber schon lange wollte ich Ihnen einmal für das Tischgebet danken. Daraufhin schüt⸗ telte er Marie nochmals herzlich die Hand und schied von ihr. Sie hat ihn von da an auch nie wieder gesehen.