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Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft

2. Jahrgang.

5 spazieren in die Natur.

ein Kornfeld und hat geduldet, daß seine Jünger

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Mummer 30.

Eine volkstümliche Betrachtung von Pfarrer Haupt⸗Gießen.

Eine weitere Ursache der Irreligiosität ist der

Umstand, daß weiten Volkskreisen die Natur zu fremd geworden ist.

In den Asphaltstraßen unserer Groß⸗ städte sieht man recht wenig von Gottes Natur. Die paar Bäumchen zwischen den Steinkisten haben ja nicht viel zu bedeuten. Statt Natur drängt sich überall Menschenwerk auf: Häuser, Schaufenster, Verkehrs⸗ mittel, Fabriken. Jeden Tag hört der Großstädter nur das eine Lied:Menschengeist, wie groß bist du und wie herrlich sind doch deine Werke. Wenn er dann wirklich

einmal in die Natur hinauskommt, steht er ihr nicht

unbefangen gegenüber; er sieht nur, was er sehen will. Nicht mit dem freien Menschenauge, sondern durch die Brille, die ihm die Großstadtkultur aufgesetzt hat. Es ist ein gewaltiger Fortschritt, daß viele diese Brille jetzt wenigstens bemerken und sich von ihr freimachen wollen, um die freie, unverfälschte Natur zu sehen. Die Kirche sollte diese Bestrebungen mehr als bisher unterstützen, denn die Natur ist eine große Gottespredigerin.

Aber freilich, man soll auch die Bedeutung der Na⸗ tur für das religiöse Erleben nicht überschätzen. Natur ist nur Wegweiser, gibt nur Ahnungen, tiefer führt die Teilnahme am religiösen Leben selbst. Auch hier heißt es: Probieren geht über Studieren. Leider stehen viele dem religiösen Leben gerade so gegenüber, wie die meiste; Ausländer dem Leben in Deutschland. Sie ken⸗ nen es nur aus feindlichen Zeitungen, hören nur von dem Ungesunden. Ganz anders würden sie urteilen, wenn sie einmal in die Häuser der anständigen Deut schen kñämen und das Leben dort mit eigenen Augen sähen. So urteilen auch viele über Religion und Kirche, die nur Kirchenfeinde anhören. Aber eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede. Man muß sie erst mal hören beede! Wenn ich das Leben in unseren Kirchen, kennen lernen will, dann laufe ich nicht an der Kirche vorbei in eine Versammlung der Kirchenfeinde; ich gehe in die Kirche hinein. Dort werde ich dasselbe erleben, was jener Eisenbahner erlebt hat, den man zum Kir⸗ chenaustritt zwingen wollte. Er sagte: Jedesmal, wenn ich in der Kirche war, bin ich ein besserer Menden gewesen. Es ist doch ganz klar, daß der Mensch innerlich wächst, wenn er jeden Sonntag einmal alle Kleinlich keit des Alltags vergißt und sich auf eine höhere Warte stellt, wenn er das große Vorbild Jesus auf seine Seele wirken läßt. Jedenfalls ist das viel edler, als am SonntagMorgen den Rausch vom Samstag auszuschla⸗ fen oder sich selbst an diesem Morgen in die Kleinigkeit des Alltags zu verkriechen. Am Sonntag will ich aus dem Alltäglichen heraus, will Höhenluft atmen, nicht Arbeitstier, Mensch will ich sein. Mir tut jeder leid, der sich um den Segen des Sonntags bringt. Viele schaffen sich am Sonntag einen Gottesdienstersatz, sie Gewiß besser als schlafen

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die Grenze der Willensfreiheil.

Matthäus 7, 16-18. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte, aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen.

Es ist ein verbreitetes Mittel, die anderen anzufeuern mit den Worten:Wenn Ihr nur wollt, dann könnt ihr dies oder jenes erreichen! Wie oft hört man elterliche Ermahnungen in dieser Art. Liegt es denn wirklich nur am Willen? Wie mächtig erscheint der Mensch, welcher nur zu wollen braucht, und dann erreicht er große Dinge. Wer würde dann nicht das Beste, das Edelste wollen? Wie viele gestrandete Streber erheben ihre Stimme und rufen dazwischen:Wir haben gewollt, wir haben gestrebt, aber wir konnten es nicht erlangen. Sie haben es er fahren müssen, daß sie nur Menschen sind, keine Götter. Alle die jenigen, welche gerne den Menschen zum Gott machen wollen, diese sullen erst einmal beweisen, daß sie jeden Willen durch sitzen!

Auch unser Herr Jesus macht uns heute aufmerksam, daß es eine Grenze des Willens gibt. Es hört sich so schön an die Predigt von der Willensfreiheit. Nun war Jesus gewiß darauf bedacht, den menschlichen Willen frei zu machen von den Banden des jüdischen Werkgesetzes. Wiee efrei hat er selbst gehandelt. Am Sabbath hat er geheilt und sogar dem Kranken befohlen, sein Fett nach Hause zu tragen. Er ging mit seinen Jüngern durch die Aehren gusrauften und die Körner in ihren Händen austrieben. Die

(Schluß.)

oder schimpfen, aber doch Einspännerei. steht, wenn ich das Bedürfnis habe, die Gemeinschaft anderer Menschen zu suchen, mit anderen Menschen Großes zu erleben, mit Vielen Gott anzubeten. Das ist sozial empfunden. Gehe auch wieder zum Abend mahl! Hier wirkt Wort und Bild auf deine Seele. Hier hörst und Aiehst du die Predigt von des Menschen Bestimmung. Das Brechen 5 Brotes erinnert an den, der sein Leben für die Menschheit gab. Es gibt dir einen innerlichen Ruck: Mensch, sei kein Egoist, bist nicht bloß für dich da, auch für die anderen. Ihr geht dann gemeinsam zum Tisch des Herrn, welch' große Predigt von der Bruderliebe. So sollt ihr zusammen durchs Leben gehen, denn ihr seid ja Brüder und Schwestern. Besonders wichtig für die Erziehung ist auch die dem Abendmahl vorangehende Beichte.Ich tue recht und scheue niemand, sagen die meisten. Sie würden das Wort gar nicht in den Mund nehmen, wenn sie sich selber kennen würden. Sie würden bald merken, wie oft sie unrecht tun, wie oft sie sich vor anderen verkrie⸗ chen. Die Traurigkeit unserer heutigen Verhältnisse liegt vielfach an dem Fehlen der Beichte. Jeder sucht ja die Schuld nie bei sich, sondern stets bei andern. Jede Partei schimpft über die andere, aber keine will selbst besser werden. Kein Wunder. Man kennt sich selber nicht, weil man zu bequem ist, sich selbst zu prüfen. Man kennt Afrika und Asien, bloß nicht die Geographie des eigenen Charakters. Aber Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.Erkenne dich selbst, schrie⸗ ben die alten Griechen auf ihren Tempel zu Delphi.

Viel höher

Probiere es auch wieder einmal mit dem Beten. Es hat dir früher gewiß nicht geschadet, als du betetest: Alle, die mir sind verwandt, Gott, laß ruh'n in deiner Hand. Dies Denken an andere hat dich menschen freundlicher gemacht. Welch ein Segen liegt schon im einfachen Tischgebet:Komm', Herr Jesu, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hat. Wo das andächtig gebetet wird, ist es wirklich so, als käme Jesus zur Tür herein und gebe Vater und Mutter die Hand, lege seine Hände segnend auf die Köpfchen der Kinder. Solch Gebet reinigt die Luft, da wird anders gegessen und gesprochen als dort, wo man sich gedankenlos an den Tisch setzt. Not lehrt beten, sagt ein Sprichwort. Es trifft aber nicht immer zu. Es beten viele Egoisten in der Not, um auf übernatürliche Weise zu erlangen, was sie sonst nicht erreichen würden. Dies Gebet hat keinen Zweck, mit Gott macht man keine Geschäfte. Wer aber mit dem richtigen Gebetsgeist betet, wer im Gebet wirk⸗

lich vor den Allmächtigen hintritt, wird auch in Zeiten

der Not Gewaltiges erleben. Luther hat der Welt nur trutzen können, weil er beten konnte. Gerade im Gebet

erhalten wir die beste Antwort auf die Frage: Ist Gott?

Denn hier fühlen wir die Nähe Gottes viel tiefer als im Anschauen der Natur.

Wer ist ein Mann? Wer beten kann singt Ernst Moritz Arndt. Die tiefe Wahrheit dieser Worte erfahre ich aber nicht in Versammlungen der Religions⸗ feinde, auch nicht bei Geschwätz über Religion. Religion läßt sich nicht aufschwätzen und nicht wegschwätzen, Religion ist Leben, und Leben läßt sich nur erleben. Willst du Gott finden, so suche ihn! Von dem Suchen⸗ den läßt er sich finden. Religion ist nicht Marktware, die man billig kaufen kann, sie ist seelischer Besitz, die man erringen muß. Die sie bloß ererbt oder hin genommen haben, haben sie nicht, und nur diejenigen, die ihre Ueberzeugungen fertig verpackt von auswärts beziehen, gehen an der religiösen Frage spöttelnd vor⸗ über. Es sind der Letzteren Gott sei Dank aber heute nicht mehr viele. Der Jammer dieser Zeit hat wenig⸗ stens das Gute, daß er die Menschen zum Nachdenken zwingt, weil er am Traditionellen rüttelt. Der Mensch wird wieder mehr auf sich selbst gestellt, die Einzelseele kommt wieder zum Wort und die Einzelseele bekennt: Du Gott hast mich geschaffen zu Dir, darum ist mein Herz unruhig, bis es ruhet in Dir!

Was muß jeder über die Mijchehe wijsen?

In Deutschland werden täglich etwa 200 Mischehen geschlossen. Die katholische Kirche fordert, daß diese Mischehen durch die katholische Trauung geschlossen wer⸗ den. Der evangelische Teil wird jedoch dann, wenn er einwilligt, veranlaßt, einen demütigenden Revers zu unterschreiben, oder einen erniedrigenden Eid zu leisten. Ein solcher Revers lautet z. B.:Heute, dener⸗ schien vor dem mitunterzeichneten Pfarrer der..... ge e zkatholischer Konfession, und gab mittels Handschlag an Eides Statt in Gegenwart seiner Braut folgende Erklärung ab, welche auch die mitunterzeichneten Zeugen vernahmen:

1. Ich erkläre und verspreche eidlich, daß ich alle Kinder, welche aus der mit vorbenannter. beabsichtigten Ehe hervorgehen, in der römisch katholischen Religion taufen und erziehen lassen und meiner künftigen Ehefrau durch treue Liebe und christliches Betragen die katholische Religion zur Annahme bestens empfehlen will.

2. Erklärt die genannte ebenfalls eidlich, alle aus ihrer Ehe mit hervorgehenden Kinder in der römisch-katholischen Religion erziehen und den künftigen Ehemann in der Ausübung der katho⸗ lischen Religion unbehindert lassen zu wollen

Pharisäer beschweren sich, daß die Jünger nicht die rituellen Vorschriften über das Händewaschen beobachteten. Jesus war ein Verkünder der Willensfreiheit. Was Gott im Gewissen dem Menschen kündet, daß soll er mit freiem Willen tun. Das danlen wir ja auch unserem Dr. Martin Luther, daß er uns wieder zu dieser Freiheit eines Gotteskindes zurückgeführt hat. Die römische Kirche kennt keine Willensfreiheit. Die römische Kirche kennt auch kein Gewissen des einzelnen Menschen. Der Laie muß wollen, was die Kirche will. Das Gewissen des Einzelnen ist der Priester, welcher in der Ohrenbeichte jedem sagt, was er zu tun und zu lassen hat. Kann man sich wohl überhaupt denken, daß jemand, der in dieser Freiheit eines Gotteskindes aufge wachsen ist, sich unter diesen priesterlichen Zwang erniedrigen kann!So euch der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei. Und doch kommt es immer noch vor, daß in Mischehen der evan gelische Teil sich durch Anterschrift oder Eid bindet unter den Zwang der Priesterkirche. Dann haben solche ihre Willensfrei heit aufgegeben. Unmerklich neigen sie dann langsam und sicher dazu, ganz zur römischen Kirche überzugehen, ganz die Freiheit eines Gotteskindes einzutauschen mit der Willensleitung und Willensbevormundung durch den römischen Priester.

Woher mag das nur möglich sein? Unser Herr Jesus Chri stus zeigt uns, daß dem freien Willen eine Grenze gezogen ist Er kann nicht immer das erreichen, was er will und möchte. Aus den Früchten kann man schließen, welche Hemmungen in einem Baume vorhanden sind. An den Taten der Menschen kann man ersehen, welche Hemmungen im Menschen sind.Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jesus hat den Willen eines Petrus gesehen, aber auch die Willensschwäche bei der Verleugnung erleben müssen Da waren eben Grenzen dieses starken Willens. Jesus kannte sie recht gut. Deshalb ist er nicht in Petrus vorher eingedrun

gen mit den Worten:Du mußt nur wollen, mußt stark sein, dann gelingt es! Jesus wußte genau, es gelingt ihm nicht. Wie vorsichtig und geduldig hat er seine Jünger darauf vorbe⸗ reitet, daß sie für ihren Glauben sterben müssen.Ihr könnt es jetzt noch nicht tragen, so sagt er ihnen.

Welch ein tröstender und erhebender Optimismus spricht aus Jesu Wort, wenn er sagt:Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen! Sicher wollte er damit nicht sagen, daß es ganz vollkommene Menschen geben würde. Aber es gibt solche mit heißer innerer Liebe, die nicht so leicht einer kleinen, ge⸗ hässigen Selbstsucht fähig ist. Es gibt reine Seelen, welche nicht plötzlich unrein werden. Es gibt wahrheitsliebende, offene Her⸗ zen, die nicht schnell Lügner werden. Es gibt treue, feste Charak tere, die ihren Glauben nicht um einer Heiratsmöglichkeit oder sonst eines Vorteils willen verleugnen. Es gibt, und das ist gut so, ein Gesetz der Beständigkeit im Guten. Aber es gibt auch umgekehrt ein solches des Bösen. Es gibt solche, die in der Ge walt des Teufels sind und nicht widerstehen können. Denken wir dabei nur an die Trunksüchtigen. Aber sie sind es ja nicht allein. Denn es gibt eine ähnliche Gebundenheit noch in tausend anderen Fällen. Wie steht es demnach mit der Willensfreiheit des Menschen? Der Mensch kann eben nicht, wie er will.

Was muß wohl geschehen, daß nun solche Gebundene wie⸗ der frei werden? Es muß eine Umwandlung des ganzen We⸗ sens vor sich gehen. Aus dem eignen Wollen heraus wird diese Umwandlung jedoch nicht möglich sein. Fremde Hilfe kann vielleicht hinzu kommen und den schwachen Willen fest und stark machen. Auch können Aenderungen der körperlichen oder gei stigen Lage eine Willensstärkung erlangen. Jesus sagt:Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Amen. Hr.

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