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Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. 0 Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)

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Der evangelischen Sache drohen ernste Gefahren! In fast allen Ländern des Reiches zeigen die Erfah⸗ kungen der letzten Jahre, daß wir die Unterdrückten find. Ueberall zeigt sich der außerordentliche Einfluß, die rücksichtslose Herrschaft des Zentrums. Es ist schlech⸗ lerdings unmöglich, in einem Aufruf die diesbezüglichen Fälle landauf, landab aufzuführen. In Bayern vollends räumt das Konkordat der katholischen Kirche im Staat eine Vormachtstellung ein, die diesen Vertrag zu einem Arsenal der Gegenreformation macht.

Kennst du, lieber evangelischer Glaubensgenosse, die wichtigsten Bestimmungen dieses Konkordats? Sicherlich nicht. Darum höre und staune!

1. Das bayerische Konkordat bringt durch eine grund⸗ stürzende Umgestaltung des Schulwesens die Schule völlig unter die Herrschaft der römischen Kirche.

2. Es macht in seinem ersten Artikel den Staat zum Diener der römischen Kirche.

3. Es stellt eine gröbliche Verletzung der Gleichberechtigung der Konfessionen dar(die staatlichen Zuschüsse für die katho⸗ liche Kirche sind 3⸗ bis amal höher als es dem zahlen⸗ mäßigen Verhältnis der beiden Bekenntnisse entspricht) und gefährdet so auf das schwerste den konfessionellen Frieden.

Das Konkordat räumt schon mit diesen wenigen Bestimmungen der römischen Kirche die angeblich gleichmäßige Behandlung der evangelischen und katho⸗ lischen Kirche ist nur trügerischer Schein im bayeri⸗ schen Staat durch nichts begründete Vorrechte ein.

Nach Abschluß des Konkordats, das ein weiterer Schritt auf dem Siegeszug Roms über das evangelische Deutschland ist, ist es unsere heilige Pflicht, wachsam zu sein und zusammenzuhalten, damit das Land Luthers vor dem drohenden Reichskonkordat bewahrt bleibt. Das Verhältnis von Staat und Kirche ist nicht durch Konkordat und Staatsvertrag zu regeln, sondern durch Staatsgesetz. 5

Auch der Hirtenbrief, den die katholischen Bischöfe Deutschlands zu Beginn des Jahres 1925 erlassen haben, perdient ernsteste Beachtung. Ganz offen wird hier der Rückkehr der Evangelischen zur katholischen Kirche das 5 Wort geredet. Jedem Katholiken wird hier ans Herz 1 gelegt, für diese Zurückführung zu beten!

Die Bemerkung des Zentrumsabgeordneten Wil⸗ dermann hat vollends allem Erlebten die Krone aufgesetzt. Dieser wagte am 30. April im preußischen Landtag in seinen Ausführungen anläßlich der Reichs⸗ präsidentenwahl folgenden geradezu unglaublichen Aus⸗ spruch:Der Papst und die katholische Kirche haben wiederholt den Sozialismus wie den Protestantismus 155 Irrlehren bezeichnet. Von uns zweifelt kein Mensch

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feen Apostelgeschichte 2,4. Sie wurden alle voll des 1 70 10 heiligen Geistes, und fingen an, zu predigen mit bn anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab aus⸗ 'offee zusprechen.

Pfingsten, das Fest des heiligen Geistes, ist wiedergekommen. Da denken wir an jene wunderbare Geschichte, die sich in Jerusa⸗ eem bei den Jüngern zugetragen hat. Sie waren erst so furcht⸗ fs am, verkrochen sich vor den Juden, schlossen sich ängstlich ein.

da eines Tages traten sie öffentlich hervor, hielten begeisterte abi bel Predigten, sagten jedem, daß sie Jesusgläubige seien. Alles gage ll Bolt, das dabei war, staunte. Selbst Ausländer, die nicht die fell Sprache Palästinas sprachen, verstanden durch das Feuer der malle Rede, was diese Männer zu verkünden hatten. Das war eine 11 gewaltige Stunde heller Begeisterung. All. u. Was war denn nur geschehen? Der Tröster, den Jesus dusk le einen Jüngern verheißen hatte, war zu ihnen gekommen un⸗ b ichtbar, aber gewaltig. Da hielt es sie nicht mehr in den ver⸗ ö chlossenen Stuben. Sie waren innerlich ergriffen. Das Herz 1. 555 war ihnen übervoll. Sie mußten an die Oeffentlichkeit, mußten eden, mußten zeugen, mußten bekennnen. Da floß ein Strom K deiliger Rede von ihren Lippen. Da brauchte sich keiner zu be⸗ nt innen, was er sagen wollte. Die Worte flossen nur so, wie der 15 Peist sie ihnen gab. Das war das Werk jenes unsichtbaren hei äs, igen Geistes.

1. Was hat dieser heilige Geist alles in der Welt schon hervorge 7% bracht! Ueberall dort, wo gottgewollte Werke vollbracht werden, 0 dort ist dieser mächtige Geist tätig. Wir können ihn selbst nicht ehen. Aber an den heiligen Werken dürfen wir ihn erkennen. An den Menschen, die rechte Kinder Gottes sind, erkennen wir hn. Dennwelche der Geist Gottes treibt, das sind Gottes Kin

wo wir demütiges Beten finden, dort ist heiliger Geist. Wo wir

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Evangelische Warte

drvan der evangellschen Boltsgemeinschaft

Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle,

Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M.

Sonnabend, den 22. Mul 1926.

Warum ist das alles im evangelischen Deutschland möglich?

Weil die Evangelischen keine politische Organi⸗ sation und darum keine freien, unabhängigen evangeli⸗ schen Persönlichkeiten in den Parlamenten haben, die für die evangelischen Interessen mit aller Entschieden⸗ heit eintreten. Es hat sich gezeigt und zeigt sich immer wieder, daß es keine Partei gibt, die mit vollem Ernst sich geschlossen für die Vertretung der evangelischen Weltanschauung im öffentlichen Leben einsetzt. Des⸗ halb tut uns Evangelischen eine politische Einigung bitter not.

Entschließungen und Proteste, wie viele sind aller⸗ orts in den letzten Jahren gefaßt worden, sind völlig nutzlos und bringen uns keinen Schritt weiter.

Auch die Not der Zeit erfordert die aktive Mit⸗ arbeit jedes Christen an der Gestaltung des kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Lebens in Staat und Gemeinde. Die Meinung, Politit habe mit Religion nichts zu tun, ist durchaus falsch. Diese irrige Meinung hat uns Evangelische zu der jetzt offenkundigen politi⸗ schen Machtlosigkeit geführt.

Es ist hocherfreulich, daß in der großen Botschaft der Weltkonferenz für praktisches Christentum in Stock⸗ holm sich folgender Satz findet:

Die Konferenz hat die Pflicht anerkannt, das Evangelium auf allen Gebieten des menschlichen Lebens zu der entscheidenden Macht zu machen im industriellen, sozialen, politischen und internationalen Leben.

Ohne die obersten Grundsätze des Christen⸗ tums, der Gerechtigkeit und der Liebe, können wir die moralischen und sozialen Fragen, die Fragen des wirtschaftlichen Lebens, nicht lösen. Ohne die Grundsätze und Lebenskräfte des Evangeliums lösen wir die großen innen⸗ und außenpolitischen Aufgaben in unserem deutschen Vaterland nicht!

Wie das Eintreten für unsere evangelischen Be⸗ lange und das Vertreten der obengenannten Anschau⸗ ungen im öffentlichen Leben, in Staat und Gemeinde, so fehlt auch bei den Parteien das soziale Verständnis für die Nöte der schaffenden Stände. Im Blick auf diese Nöte dürfen lebendige Christen nicht mehr länger un⸗ tätig zusehen, sie müssen sich für die berechtigten Forde⸗ rungen des schaffenden Volkes, vor allem auch für eine durchgreifende Wohnungsfürsorge, mit aller Kraft ein⸗ setzen. Im Streit um Dinge, die für den Augenblick ganz belanglos sind, vergessen selbst namhafte evange⸗ lische Persönlichkeiten ihre nächsten Pflichten gegen ihre Volksgenossen.

Das muß anders werden. Wir müssen heraus aus unserer politischen Machtlosigkeit, um nicht noch weiter unterdrückt zu werden. Wir müssen evangelische Grund⸗

etwas unter Menschen von der Einigkeit im Geiste bemerken, dort ist heiliger Geist.

Es gibt Zeiten, in welchen dieser heilige Geist von den Menschen ganz verdrängt wurde. Es waren Zeiten, in denen ein hochmütiger Menschengeist herrschte, oder Zeiten, in denen die Bestie im Menschen die Oberhand erhielt. Das waren aber immer finstere, dunkle Zeiten, in welchen sich die Menschen nicht freuen konnten. In solchen Zeiten sehnte man sich dann nach dem heiligen Geiste. Dann kamen wieder Zeiten, in denen der heilige Geist in mächtiger Begeisterung wirksam wurde unter den Menschen. Denken wir uns die Zeit, da Martin Luther lebte. Damals waren alle guten Geister aus der verweltlichten Kirche entschwunden. Dann trat Dr. Martin Luther auf, ein gewaltiger Prediger Gottes, erfüllt vom heiligen Geiste. Ohne ängstlich auf die öffentliche Meinung zu horchen, fegte er mit starker Hand die Kirche aus bis sie wieder heilig und geweiht war. Damals haben alle deutschen Lande aufgehorcht. Die Flugblätter mit den Reden

Dr. Martin Luthers wurden in allen Städten verbreitet. Ueber⸗ allhin drang die helle Begeisterung für das teure Evangelium. das Volk atmete auf, als dieses Geisteswehen spürbar wurde. Das war eine selige Zeit für unser deutsches Volk. Da hat heiliger Geist die deutschen Lande durchbraust.

O unser armes deutsches Volk! Wie sieht es heute bei dir aus? In der Zeit der politischen Wirren, haben viel daran ge dacht, unserem Volke das Christentum, die Religion zu nehmen.

der. Dort, wo wir ewige Wahrheit, wo wir göttliche Weisheit,

Man wollte es machen, wie in Rußland, oder Gott absetzen, wiee in Frankreich. In Frankreich aber hat man gerne wieder Gott

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Nummer 21.

Evangelische Volksgenossen!

sätze in der Politik d. h. in Gemeinde-, Staats⸗ und Völkerleben zur Geltung zu bringen suchen zur Rettung des deutschen Volkes und der gesamten Menschheit. Das alles soll erreicht werden durch die Evange⸗ lische Volksgemeinschaft. Durch sie soll die Fackel des Evangeliums in das öffentliche Leben hineingeworfen werden. Im Vertrauen auf Gott und das gute Recht unserer Sache ist die Evangelische Volksgemeinschaft trotz mancherlei Bedenken gegründet worden. Wir brauchen eine große geschlossene Front der evangelischen Christen. Deswegen stehen wir auch mit den christlich⸗ sozialen Gesinnungsgemeinschaften in Arbeitsgemein⸗ schaft und werden bei wichtigen Angelegenheiten mit diesen Hand in Hand arbeiten.

Wir glauben zuversichtlich, daß die Evangelische Volksgemeinschaft ein wirksamer Faktor im öffentlichen Leben wird, ein gut Teil zur Gesundung unseres Volkes beitragen wird, umso mehr, je stärker sie ist.

Wir rufen darum unsere evangelischen Brüder und Schwestern auf, sich uns anzuschließen. Nachdem unsere erste Reichstagung den Grund für unsere Arbeit gelegt hat, nachdem der schöne Wahlerfolg in Oberhessen, der uns im Herbst v. J. ohne jede Agitation 5 Mandate brachte, und unsere erste Werbearbeit in Rheinhessen, Hessen⸗Nassau und vielen anderen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes den Beweis erbracht haben, daß das evangelische Deutschland die Evangelische Volks⸗ gemeinschaft als selbständige Partei will, wollen wir uns nun zielbewußt von Person zu Person und in Dorf und Stadt für die Evangelische Volksgemeinschaft wer⸗ ben und wirken und unsere Freunde in Organisationen sammeln. Dabei brauchen wir die tatkräftige Mitarbeit jedes lebendigen evangelischen Christen.

Ansere Werbearbeit wird außerordentlich gefördert werden durch die ab 1. November 1925 erscheinende Wochenzeitung

Evangelische Warte.

Ein von vielen Evangelischen lange gehegter Wunsch ist damit in Erfüllung gegangen. DieEvan⸗ gelische Warte will nicht nur eine Zeitung für Kultur und Politik nach evangelischen Grundsätzen sein, sondern eine evangelische Zeitung in des Wortes bester Bedeu⸗ tung. Sie will deutsch-evangelische Art und Gesinnung zur Geltung bringen und alle volksverderblichen Mächte in jeder Gestalt bekämpfen. Sie will evangelischen Sinn und evangelisches Leben auf allen Gebieten des Lebens wecken, fördern und vertiefen helfen. Sie wird guten belehrenden und unterhaltenden Lesestoff bringen. Die äußere und innere Mission sowie die Gustav⸗Adolf⸗ Vereinsarbeit wird ausgiebig zu Worte kommen. Zu den brennenden Fragen des öffentlichen Lebens wird Stellung genommen werden.

Heilige ertötet ist. Dazu erlaubt man sich, in unserem Volke Pläne zu verfolgen, die ernstzunehmen einem schwerfällt. Aber daß sie überhaupt auftauchen können, das ist ja schon ein schlimmes Zeichen fehlenden Geistes. Die Gemeinschaft prole⸗ tarischer Freidenker haben einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, in welchem bestimmt werden soll, daß Kinder unter 10 Jahren keinen Religionsunterricht erhalten dürfen. Eltern und Lehrer, die dagegen verstoßen, sollen mit Geld oder mit Haft bestraft werden. Also, du Mutter, die du deinem kleinen Kinde von Jesus Christus erzählst, du, die du deinem Kindchen die kleinen

herbeigeholt, als das Volk verrohte und sich niemand mehr vor

ö einer Sünde fürchtete. Bibeln sogar in den Staatsdruckereien hergestellt, nachdem Tschitscherin bereits in den letzten Jahren die Einfuhr von Bibeln aus Deutschland erlaubt hatte. uns gekommen. Aber wie viele unserer deutschen Volksgenossen werden wie Tiere, verrohen vollständig, weil in ihnen alles

In Rußland werden jetzt eine Menge

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Soweit ist es ja nun nicht bei

Fingerchen zusammenlegst und sprichst mit ihm das Abend- oder Morgengebetchen, du erteilst Religionsunterricht, du mußt dann in das Gefängnis. Wenn wir auch nicht fürchten müssen, daß je ein solches Gesetz in einer deutschen gesetzgebenden Körperschaft angenommen wird, so ist es doch furchtbar traurig, daß es Menschen gibt, welche auch Deutsche sind und so etwas überhaupt ausdenken. Weil aber unser Volk so wenig heiligen Geist hat, deshalb kann es ihm nicht gutgehen, sondern es weist diese Zer⸗ rissenheit und innerliche Morschheit auf.

Aber, lieber Leser, wir dürfen auch nicht blind sein gegen⸗ über einem neuen Geisteswehen in unserem Volke. In den großen Städten weht schon ein neuer, heiliger Geist. Dort ist auch die Jugend, über welche auf den Dörfern noch häufig ge klagt wird, in weiten Kreisen von diesem Geist erfaßt. Und wenn wir das hören, dann erfaßt uns erst recht die Sehnsucht nach diesem Geiste. Damals ist ein Brausen durch die Jüngerschar ge gangen. Ach, wenn doch auch ein solches gewaltiges Brausen durch unser armes deutsches Volk ginge, daß es mächtig erfaßt würde vom heiligen Geist! Ach, daß es doch Pfingsten werde in unserem lieben deutschen Volke!

Komm, heiliger Geist, Herre Gott,

Erfüll mit deiner Gnaden Gut

Deiner Gläubigen Herzen, Mut und Sinn,

Dein brünstig Lieb entzünd in Ihn'! Amen. Hr

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