Sonntagsgedanken.
Wenn Arbeit ruht, wenn kein Hammer klingt, wenn Sonntagsglocken läuten, wenn der Friede über die Erde zieht dann sind auch die Stunden der Einkehr für uns Menschen. Haben wir an schweren Arbeitstagen vorwärts geschaut, so lassen wir gerne in Stunden der Ruhe unsere Blicke rückwärts schwei⸗ fen und aus alten Zeiten liebe Menschen, gute Taten, schöne Tage an uns vorüberziehen. Das Märchenwort„Es war ein⸗ mal“ steigt dann auf aus fernen Zeiten.
Heute mehr wie je weckt dies traute Wort ein banges Klagen, weil die herbe Gegenwart alle Freude und alles Glück, wie es einst gefühlt wurde, unseren Herzen entrückte. Nur Er⸗ innerung blieb zurück und sie ist es, die uns heute so gern zurückführt in die gute alte Zeit. Da sehen wir Freude, Friede und Glück in weiter Ferne schreiten, wir fühlen den Zauber⸗ strahl, der einst diese Tage erhellte. Damals freilich ging es uns wie allen, die im Glücke schwelgen. Erst wenn man etwas verloren hat, lernt man es bewerten.
Heute spannte sich ein trüber, grauer Schleier über das einst so glückliche Land. Vergangen ist aller Glanz, dahin alle Kraft, verklungen ist der Lieder Kranz von Freiheit, Ruhm und Waffenehre. Es war einmal!———
Geblieben ist die Erinnerung. Doch wer sie fühlen kann so recht in seinem Herzen, dem gibt sie seiner Seele Kraft und Schwung und weckt den Geist, den alten. Und wenn auch jetzt noch Sorge, Not und Leid mit uns des Weges schreiten, so löst die Erinnerung doch die Hoffnung aus, daß einmal auch bessere Tage wieder kommen werden. Erinnerung ist und war stets der helle Stern in dunklen Leidensnächten. Erinnerung an große Zeiten läßt uns viel überwinden.
Und wenn ein fester Wille uns aus aller Not und Qual geführt hat und in unser Heimattal das alte deutsche Glück wieder zurückgekehrt ist, dann werden wir einst auch von diesen Zeiten der Trübsal sagen können:
Es war einmal. Wed.
gewesen, bei den Jesuiten nach dem Rechten zu sehen und ihre Praxis zu überwachen. Der Preis, den der paritätische Staat für ihre Arbeit gezahlt hat, ist zu hoch: der konfessionelle Friede ist in grober Weise gestört, ein Staatsbeamter ist zum Miß⸗ brauch seiner Amtsgewalt veranlaßt, das Seelenleben eines hoffnungsvollen, heranreifenden Staatsbürgers ist zerrüttet worden.— Jedenfalls bietet dieser Fall einen durchaus wert⸗ vollen Beitrag zur Kennzeichnung der praltischen Arbeit des Jesuitenordens in Deutschland.
Was die Statistik jagt.
Nach einer soeben erschienenen Veröffentlichung des Statisti— schen Reichsamtes ergibt sich für die 45 größten deutschen Städte
16. Bremen 17. Magdeburg
294 966 292 296
257 248 279 629
18. Königsberg/ Pr. 279 880 245 994 19. Duisburg 271790 229 483 20. Stettin 253 727 237 402 21. Mannheim 247 486 206 049 22. Kiel 213 587 226 560 23. Gelsenkirchen 207 153 191378 24. Halle a. S. 193 722 180 843 25. Barmen 187 239 187 342 26. Altona 172 628 27. Kassel 153 196 28. Elberfeld 170 195 29. Augsburg 147 530 30. Bochum 156 762 136 931 31. Aachen 155 222 156 824 32. Braunschweig 146 654 143 522 33. Karlsruhe 145 694 134411 34. Erfurt 134 973 123 548 35. Krefeld 130 425 129 406 36. Mühlheim Ruhr 127 195 113 627 37. Hamborn 126 043 104 341 38. Lübeck 120 788 109 824 39. München-Gladbach 115 066 110 784 40. Plauen i. V. 111398 121272 41. Mainz 108 522 118 107 42. Münster i. W. 105 889 90 254 43. Oberhausen 105 121 94667 44. Wiesbaden 102 557 109 002 45. Ludwigshafen 101 869 63 301
Insgesamt wohnten in den 45 Großstädten am 16. Juni 1925 16 619 402 Menschen, während am 1. Dezember 1910 nach dem Gebietsstand am 16. Juni 1925 in den Großstädten an orts⸗ anwesender Bevölkerung 15 196093 Personen gezählt wurden. Im ganzen hat die Wohnbevölkerung von 1925 gegenüber der ortsanwesenden Bevölkerung von 1910 um 9,37 v. H. zugenom⸗ men.
In der Reihenfolge der Großstädte sind Berlin und Ham— burg unbestritten an erster und zweiter Stelle geblieben. Köln ist gegenüber 1910 von der sechsten an die dritte, München von der fünften an die vierte und Essen von der neunten an die achte Stelle gerückt. Leipzig hat seinen Platz an dritter Stelle abgeben müssen und sank an die fünfte Stelle. Dresden sank von der vierten auf die sechste und Frankfurt a. M. von der achten auf die neunte Stelle. Hannover, das 1910 noch an zehnter Stelle stand, hat jetzt seinen Platz an Düsseldorf abgeben müssen.
Die stärkste Zunahme der Wohnbevölkerung 1925 gegenüber der ortsanwesenden Bevölkerung 1910 hat Dortmund mit 23,67 v. H., Aachen mit 1,02 v. H. und Barmen mit 0,05 v. H. Zunahme von 22,29 v. H., Hamborn mit 20,8 v. H., Düsseldorf mit 20,17 v. H. und Mannheim mit 20,11 v. H.
Die stärkste Abnahme hat in diesem Zusammenhang Plauen mit 8,14 v. H. zu verzeichnen. Es folgen dann Mainz mit 8,09
mit einem Ausschuß in absehbarer Zeit nicht mehr zu rech„ ist. Es geht das zum Teil auch aus der merkwürdigen Zu⸗ sammensetzung des Ausschusses hervor, der sich sehr auffallender Weise aus zwei Vertretern der Sozialdemolratischen Part
je einem Vertreter des Zentrums, der Demokraten und des Hes⸗ sischen Landbundes zusammengesetzt. Ein Vertreter der Deutsch⸗ nationalen Volkspartei fehlt, während für die Sozialdemokraten zwei Vertreter benannt wurden. Die Vertreter der Rechtspar⸗⸗ teien haben daher in der heutigen Sitzung des Abstimmungs⸗ ausschusses folgende Erklrung gegen die Zusammensetzung des Ausschusses abgegeben:
„Im Auftrage des Hessischen Landbundes, der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen Volkspartei erheben wir 9 Einspruch gegen die Zusammensetzung des Abstimmungsausschusses äche für Prüfung des e auf Auflösung des Hessischen 55 Landtages. Nach Art. 28, Abs. 2 der Landeswahlordnung soll— der Landeswahlleiter vor Berufung der Beisitzer die Parteile⸗ tungen hören. Dieser Vorschrift hat der Landesabstimmungs. g. 00 leiter nicht entsprochen, denn die Deutschnationale Volkspartei— ist weder gefragt noch berücksichtigt worden. Die Argumentation des Landesabstimmungsleiters, die unter dem Namen Hessischen Wirtschafts- und Ordnungsblock zum Zwecke des Volksbegehrens und der Volksabstimmung auf Auflösung des Hessischen Land⸗ tages zusammengeschlossenen drei Parteien seien eine einzige Partei, ist falsch. Keine der drei Parteien hat ihre Selbständig suf keit aufgegeben, was daraus ersichtlich ist, daß unter allen Ver.. öffentlichungen des Wirtschafts- und Ordnungsblocks die drei def beteiligten Parteien gesondert unterzeichnet haben. Angesichts ide dieser Tatsache erweckt die Berufung zweier sozialdemokratischer
.
* Beisitzer in den Ausschuß den Eindruck der Parteilichkeit.“ 00 Der Abstimmungsleiter, Ministerialrat Bornemann, er. klärt hierzu, daß er bei seiner Auffassung bleibe, daß in diesem dir
Falle die drei Rechtsparteien eine Einheit bilden, und diese 1 Einheit habe er bei der Bildung des Ausschusses berücksichtigt er Außerdem stehe ihm die Berufung des Ausschusses zu und es sen“ keine Instanz da, die ihm diese Berufung streitig machen könne(]).
»Neue Postautolinie. Die Postverwaltung hat vor einigen Tagen zwei neue Postautolinien in Wetzlar eröffnet, und zwar Wetzlar Rodheim a. d. Bieber und Gladenbach Rodheim a. d. Bieber. Durch Eröffnung dieser Linien werden wertvolle Teile des südlichen Kreises Biedenkopf erschlossen. Da die Linien so⸗ wohl in Rodheim als auch in Gladenbach Anschluß erhalten, ist eine direkte Verbindung Wetzlar Biedenkopf hergestellt, 8 Für den dienstlichen Verkehr mit der Kreisstadt bedeutet diefe. Linie eine erhebliche Abkürzung, weil die Bewohner bisher den Aae Umweg über Gießen Marburg Biedenkopf mit der Eisenbahn Uhle nehmen mußten. Auch für den Touristenverkehr werden land-“ chu schaftlich schöne Gegenden, die bisher schwer erreichbar waren, gen! zugänglich gemacht. 1 Ta *
Aufhebung einer Falschmünzerwerkstätte. 10 f
folgendes Bild: 16. 6. 1925 1. 12. 1910 2 8 9 5 2 Bingen. Seit einiger Zeit, ungefähr seit der Gewerbeschau, theinu 1. Berlin 4013 588 3 734 258 2 1 0.— 5 5 1 U— 85 8 wurde in Bingen die Wahrnehmung gemacht, daß falsche Ein⸗ ehr m
5 2770 5 Die männerreichsten Städte sind nach dieser Veröffentlichung 3 8 5 5 5 10 2. Hamburg 1079 092 953 103. 5 7 55 9 5 f 5 marckstücke fortgesetzt und in großer Anzahl in den Verkehr ge. ssiett,
5 85 5 die Städte im Ruhrrevier, und zwar kommen auf 1000 männ⸗ 1— 5 8
3. Köln 698 064 600 291 1 5 915 e 5 bracht wurden, ohne der Täter habhaft zu werden. Dieser en zu
5 2 8 liche in Hamborn nur 8,92 v. H. weibliche, in Duisburg 9,63 v. 38 8 5 8 5 10— 4. München 680 704 607 592 7 5 75 Tage wurden zwei Frauenspersonen ermittelt, die falsche Eine Stelle
5 888 59 H., Oberhausen 9,64 v. H., Gelsenkirchen 9,65 v. H., Bochum 9,77 12 5 8 1 5. Leipzig 679 322 644 644 v. H. und Mühlheim 999 v. 9 markstücke in hiesigen Ladengeschäften verausgabten. Beide ines 6. Dresden 618 684 608 841 N 8—.. Personen wurden festgenommen. Bei der Vernehmung gab eine en 7. Breslau 554 801 514 979 den Herstellungsort Geisenheim und den ebenfalls dort wohnen⸗ Land 8. Essen 468 696 410 214 Alus Hossen. den Hersteller an. Es wurde sofort eie Durchsuchung der Woh ac U 9. Frankfurt a. M. 461 849 414576 55 nung des Herstellers in Geisenheim vorgenommen. Eine voll ber e. 10. Düsseldorf 431096 358 728 Das hessische Volksbegehren. ständige Münzenwerkstätte sowie fertiges und halbfertiges Gelb an if 11. Hannover 422 435 381678 Darmstadt, 13. August. Die Prüfung der Unterschriften-] wurde vorgefunden. Die ganze Werkstätte wurde beschlag fie 12. Nürnberg 392 494 342 142 sammlung für das Volksbegehren auf Auflösung des Hessischen] nahmt. Die Hersteller der falschen Einmarkstücke, Vater und lr 13. Stuttgart 341461 298 462 Landtages droht sich wie aus den ersten beiden Sitzungstagen[Sohn, ein ehemaliger Techniker, wurden ebenfalls in Haft ge. lan 14. Chemnitz 331 641 301 295 des Abstimmungsausschusses hervorgeht, so sehr in Einzelheiten[nommen. Wieviel Geld hergestellt und in Umlauf geseßt 155 eg 15. Dortmund 320 256 258 962 zu verlieren, daß wurde, ist noch nicht bekannt. cht f ——— ine lter eee PP. .—*. N 8 X. 2 N E 2 1. 2 N 2* 2 8 2* 2 Pale 3 O 9 0 gun 8 5 0 50 ig, d 5 Amtliche Formulare 2
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