Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). ue Ferantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger,
haben für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz.
Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert
e
a I
def e 5 en 2, Jahrgang.
utter i— ͤ——
d. sander Evangel
Fernsprecher 1362 und 1145.
Sonnabend, den 20.
ö
1
Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21.
chen Volksgemeinschaft
Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M.
November 1020.
Erscheint Samstags.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei
Wiederholungen Vergünstigung.
9 9900 Nummer 47.
sein, die 8 hit V 2 f 22 9 0 2 Volksabstimmung über Auflösung des Landtages in Hessen! 10 Stimmen die Mitglieder der Evangelischen Volksgemeinschaft am 5. Dezember 1926 in Hessen für oder gegen die Auflösung des g Landtages?„ 37 Die Evangelische Volksgemeinschaft stimmt mit„Ja“ für die Auflösung! 06 n 3 Warum? eben 8 5. irbt 1 Nicht aus den Gründen, aus denen der Wirtschafts- und Ordnungsblock eine Auflösung wünscht, sondern aus Gründen der 5 N 2 2 te in h. Kulturpolitik. 90 möchte, wenn man eine Mehrheit bekäme. So man je⸗
am Ar Grund! et Fit auf geg; chsetzen. . Mit apf dig cht! 5
Die Frage, die in den nächsten Tagen entschieden werden soll, lautet: Soll der 3. hessische Landtag auf⸗ gelöst werden? Den Anstoß zu der Volksabstimmung
100 gab der sog. Wirtschafts⸗ und Ordnungsblock, bestehend „dert aus Deutschnationalen, Deutscher Volkspartei und 0 75 Bauernbund. Dieser Block greift die seitherige Finanz⸗ 1 wild politik der Regierung stark an, und der Abgeordnete
1 in U Dingeldey machte zum Kernpunkt der Auflösungsfrage: chrohr Soll die durch den bestehenden Landtag bedingte Finanz⸗ politik weiterhin durchgeführt werden? Gewiß rührt der Wirtschafts⸗ und Ordnungsblock hier an eine wich⸗ lige Sache, wir aber vermissen die Behandlug der kul⸗ turpolitischen Frage. Daß der Block hiervon nicht spricht, hat seinen Grund. Sollte es nämlich zu einer Auf⸗ lösung und Neuwahl des Landtags kommen und dabei der Ordnungsblock die Regierung bilden, so möchte auch er das Zentrum in der Koalition haben. Da ist es gelbstredend, daß er nicht von Kulturpolitik sprechen darf und will, sondern lieber in dieser Frage vor seinen Anhängern schweigt. Auch wir sagen, daß in der Finanz⸗ politik Aenderungen eintreten müssen, besonders, daß eine gerechte Verteilung der Steuern stattzufinden habe. Auch wir fordern Abbau, aber nicht, wie die seitherige Koalition es tat, am unrichtigen Platze. Der Ordnungsblock wollte, wenn alle seine Münsche erfüllt worden wären, 800 Lehrkräfte abbauen, aber von einem Abbau an den höheren Beamtenstellen spricht er nicht Grundsatz sei auch einmal: Oben sparen! Die Frage der Ministerpensionen bedarf ebenfalls dringend einer Regelung.
Die vom Wirtschafts⸗ und Ordnungsblock angeführ⸗ ten Gründe können wir also nur zum geringen Teile billigen. Der Kernpunkt der Auflösungsfrage ist für uns die
Kulturpolitik der Regierung.
Für die Mitglieder, Anhänger und Freunde der Evangelischen Volksgemeinschaft sind gerade die Vor⸗ gänge auf diesem Gebiete Grund genug, um für eine
Licht im Erdendunkel. 7 Psalm 126, 5—6. Die mit Tränen säen, werden ö mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen ö und tragen edlen Samen; und kommen mit Freu⸗ den und bringen ihre Garben. Wir stehen wieder am Ende eines Kirchenjahres. Drau⸗ hen ist der feuchtkalte Herbst. Die Natur ist langsam abgestor⸗ ben. Das grüne Laub ist welk geworden und fällt von Baum und Strauch. Das alles macht uns so schwermütig. Es er⸗ innert an das Sterben. Wir verstehen, daß unsere Vorfahren das Totenfest, das wir nächsten Sonntag wieder begehen wol⸗ len, in diese Zeit gelegt haben. Beim Sterben der Natur . denken wir an unser Sterben. Aber das Sterben und Vergehen macht uns so traurig. Wir sehnen uns nach Freude, nach Auf⸗ heiterung, nach Licht in dieser Dunkelheit.
Der obige Pfalm 126 ist von den Juden gesungen worden zur Zeit ihrer Gefangenschaft. Ihre Sehnsucht hängt an der
Heimat. Dort wieder hingekommen, werden sie sein wie die Träumenden. Auch wir Menschen gleichen hier auf Erden den Gefangenen. Wir sind gefangen in den Hemmnissen unseres
Lebens. Der eine ist gefangen von einer Krankheit, unter der er die irdische Unvollkommenheit und Vergänglichkeit erkennt. Der andere ist gefangen in seiner Leidenschaft, die ihn treibt und fortreißt zu Handlungen, die er später bitter bereut. Ein dritter ist gefangen von der Sorge, die ihm aue Freude ver⸗ dirbt. Von all dem werden wir durch den Tod erlöst. Der Tod d dann zum Freund, zum Befreier, zum Erlöser, zum Bru⸗
der Tod. J 5 len Es gibt gewiß ein verschiedenes Abscheiden. Nicht jeder
weil man selbst mit dem Zentrum zusammenregieren
Aus welthen Gründen stimmt die Evangelische Volksgemeinschaft in hessen am 5. Dezember für die Landtagsauflösung?
Aus dem Vortrag des Reichsgeschäftsführers am 7. November in Frankfurt a. M.
Auflösung des Landtages zu stimmen. Es seien nur einmal Fälle aus der letzten Zeit angeführt.
Der Fall Schrohe! In Mainz war die Stelle des Stadtarztes neu zu besetzen. Bei der Wahl im Stadtverordnetenkollegium fiel der prakt. Arzt Dr. Schrohe, der Kandidat für diesen Posten war, durch. Einige Zeit später wurde dieser Arzt in das hessische Ministerium berufen! Dabei hatte er noch nicht ein⸗ mal das Examen abgelegt, welches in Hessen noch jeder prakt. Arzt bestehen muß, wenn er in den Staatsdienst, 3. B. als Kreisarzt, gehen will. Man berief trotzdem Dr. Schrohe in das Ministerium. Grund: guter Zen⸗ trumsmann!
Besetzung von Kreisschulratsstellen! In Hessen ist im letzten Jahre an Stelle ausgeschie⸗ dener und verstorbener Schulräte die Zahl der katholi⸗ schen Schulräte auf einmal um drei erhöht worden. Diese katholischen Schulräte wurden selbst in Kreisen angestellt, die überwiegend evangelisch sind. Alle Pro⸗ teste aus Lehrerkreisen, selbst der Widerstand des zu⸗ ständigen Ministerialdirektors nützen nichts. Man be⸗ setzte nach den Wünschen des Zentrums; Sozialdemo⸗ kratie und Demokraten mußten sich der Koalition wegen fügen! Es sei zugegeben, daß das Zentrum vielleicht in der Vorkriegszeit nicht die Stellung eingeräumt be⸗ kam, die ihm nach seiner Stärke gehört hätte. Aber sehr richtig sagte darin der demokratische Abgeordnete und Vorsitzende des Hessischen Landeslehrervereins, Herr Reiber:„Wenn auch vielleicht Hypotheken abzu⸗ tragen waren, so war dies auf einmal nicht nötig.“ Gerade dieses„auf einmal“ mußte dem evangelischen Volksteil ein Schlag ins Gesicht sein. Wo waren da die „Rechtsleuté?“ Sie schwiegen und schweigen auch heute darüber! Warum heißt es im 1. Aufruf des Wirt⸗ schafts⸗ und Ordnungsblockes:„Seit 7 Jahren steht Hes⸗ sen unter sozialdemokratischer⸗demokratischer Herrschaft!“ Warum wird die maßgebendste Partei, das Zentrum, nicht erwähnt? Aus dem sehr durchsichtigen Grunde,
in dir.“ Nicht jeder sehnt sich so nach dem Himmel. Ein Pau⸗ lus konnte an seine treue Gemeinde in Philippi schreiben:„Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein.“ Wie oft fehlt diese Lust! Dann ist es ein Sterben-müssen. Aber alles Müssen ist so schwer. Gewiß soll ein Christ gerne auf Erden leben und hat zu wirken, solange es Tag ist. Aber wenn Gott es will, dann heißt es gerne scheiden mit Klopstocks Worten:
Wie die Träumenden wird uns dann sein.
Mit Jesu gehn wir ein
Zu seinen Freuden.
Der müden Pilger Leiden 0 Sind dane nicht mehr.
Adolf Stöcker schreibt einmal das Wort:„Von allen Erlö— sungen wird das die größte sein, wenn wir, von der Erde und ihrem Staube frei, im Himmel wohnen.“
Viele lieben aber die Erde über alles. Dort möchten sie ewig leben, ewig genießen, ewig ihren Freuden und Liebhabe⸗ reien nachgehen. Sie vergessen ganz, daß das Irdische ver⸗ gänglich ist. Wohl uns, wenn wir über der Erde den Himmel nicht vergessen. Bei vielen sorgt ja das harte Leben dafür, gerne an den Himmel zu denken. Wie viel Tränenbrot wird doch auf dieser Erde gegessen. Denken wir an die viele Trauer, die der Weltkrieg in unsere Häuser gebracht hat, denken wir an das Traurige, das die Leute im besetzten Gebiet schon haben durchmachen müssen und immer noch durchmachen. Denken wir an die Not, die die Inflation über viele alte Leute gebracht hat. Vergessen wir nicht, an die Arbeitslosen uns zu erinnern. Es wird viel mehr auf Erden geweint als gelacht. Aber das Lachen sucht die Sonne, die Traurigkeit vergräbt sich in die Winkel. Doch über das Leid schreibt uns Paulus ein tröstendes
manden aber zu seinem Freunde haben will, darf man vorher nicht auf ihn schimpfen! Also schweigt man besser in diesen Parteien!
Die katholischen Weltanschauungs⸗ professuren! In der Zeit, in der alles nach Ab⸗ bau schrie, wo man Lehrer mit der nur darauf zuge⸗ schnittenen Vorbildung auf die Straße setzte, errichtete man in Gießen und in Darmstadt zwei katholische Welt⸗ anschauungsprofessuren, für die anscheinend Geld genug da war!(Ganz zu schweigen davon, daß man einen Dozenten des pädagogischen katholischen Privatinstituts in Münster als Professor und Direktor an die Spitze des auf simultaner Grundlage aufgebauten Mainzer pädagogischen Instituts, das zur Technischen Hochschule Darmstadt gehört, stellte.) 7
Das Zentrum setzte überall seinen Willen durch und geht darin auch konsequent weiter, weil die Evan⸗ gelischen ja seither keine politische Vertretung haben, um den Machtgelüsten entgegenzutreten.
Die größte Gefahr dieses Landtages liegt aber da⸗ rin, daß Unter ihm mit Leichtigkeit, da ja das Zentrum eine dominierende Stellung einnimmt, das
Konkordat N kommen wird. Schon sind Kräfte am Werk, um es im Staate Hessen zur Durchführung zu bringen.
So ist für uns die kulturpolitische Frage die wich⸗ tigste, die uns bestimmt ganz entschieden für die Auf⸗ löfung des Landtags zu stimmen. Es ist für uns das Gebot der Stunde!
Neue Forderungen des Zentrums auf dem Gebiete des Schulwesens!
Wir erfahren soeben von gut unterrichteter Seite, daß das Zentrum einen neuen Kreisschulratsposten be⸗ ansprucht. Der seitherige Schulrat des Kreises Oppen⸗ heim war evangelisch, was auch ganz der Regel ent⸗ spricht, da der Kreis Oppenheim überwiegend evange⸗ lisch ist. Dieser Schulrat mußte nun wegen seines Al⸗ ters in den Ruhestand treten. Das Zentrum fordert nun einen katholischen Kreisschulrat. Was sagen die Evangelischen des Kreises dazu? Das Vorgehen schließt sich ganz den im heutigen Leitartikel gebrachten Tat⸗ sachen an. Wir werden zur gegebenen Zeit auf die Forderung zurückkommen!
bart werden.“
Was hier gesät wird im Leben, das wird nach dem Tode in der Ewigkeit geerntet. Es soll eine Freudenernte sein. Mag es noch so schwer sein, in der Gegenwart zu leben, wir wollen warten auf die Seligkeit, die einst auch für uns kommen wird. Hier auf Erden dürfen wir nicht viel erwarten. Aber über die Erde hinaus laßt uns schauen und dort in der Ewigkeit Glück und Freude erben.
Diesen Blick werfen wir aus schwerer Gegenwart, aus dunkler Führung nach dem hellen göttlichen Lichte. In unse⸗ rem Erdendasein ist kein Licht.„In der Welt ist's dunkel.“ Heller Sonnenschein muß von Gottes Höhe hineinfallen. Unsere Verstorbenen nennen wir so getröstet: die Seligen. Selig, weil sie vom Erdenjammertal erlöst sind und durch Christus zu Gott gekommen sind. Wenn wir an sie denken, an diese Seligen, dann fällt etwas von dem Ewigkeitslicht, in dem sie leben dürfen, Da hebt der fromme Sänger an und singt voller nach der ewigen Heimat sein Lied:
auf uns. Heimweh O schöner Tag und noch viel schön're Stund, Wann bist du endlich hier, Da ich mit Lust und freiem Freuden mund Die Seele geb von mir In Gottes treue Hände zum auserwählten Pfand, Daß sie mit Heil anlände in jenem Vaterland?
So wollen wir in allem Leide uns trösten an der Erlösung durch unseren Herrn Jesus und warten auf die Seligkeit, die auch für uns kommen wird, welche wir jedoch hier auf Erden vergeblich erhoffen:„Die Welt ist schön genug, den Himmel zu erwarten, ihn zu vergessen, ist nicht schön genug ihr Garten.“
Wort im Römerbrief 8, 18:„Ich halte dafür, daß dieser Zeit
1001. 0 ftirbt mit den Liedworten auf den Lippen: Wollt Gott, ich wär
Amen, Hr.
140
40 1 ö ö 0


