Sonnabend, den 20. Februar 1926.
der ersten Nummer lesen wir ebenfalls von Wahlerfol⸗
gen bei den Kreistagswahlen in Westfalen⸗Nord (Minden⸗Ravensberg), wo 5 Sitze erlangt wurden. Ebenso ist im Kreistag für Ostfriesland ein Sitz gewon⸗ nen worden. Welch ein Mut und welche Zukunfts⸗ hoffnung in diesen Bewegungen steckt, verrät der Schrift⸗ leiter, Pastor L. Brandt in Eime, der zu dem letztge⸗ nannten geringen Erfolg die Worte schreibt:„Schadet nicht. Aller Anfang ist schwer. Und Manöver sind unerläßlich zur Schonung der Truppen.“
Jedenfalls sieht der Nichteingeweihte, wie im gan⸗ zen Reiche ganz unabhängig von einander diese evan⸗ gelische Bewegung entstanden ist. Sie lag in der Luft, sie mußte kommen. Kein einzelner Mensch kann so etwas schaffen! Es wird aber auch nicht möglich sein, eine solche Bewegung kurzerhand auszurotten. Das Alte wird gewiß mit allen Mitteln gegen das Neue kämpfen. Was aber ein wahrer Fortschritt ist, das setzt sich durch trotz aller menschlichen Hemmungen. Darum auf zum Zusammenschluß und zu einheitlichem Handeln. Hr.
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die Arbeiterfrage, das Wirtschafts⸗ und Staatsproblem der Jukunst.
Von Wihl. Schmidt, H. d. L. Friedenau⸗Berlin.
(Vorsitzender des Reichsbundes vaterländischer Arbeiter und Werkvereine.)
Es gilt als unbestritten, daß wir in der Lösung der Ar⸗
beiterfrage eines der wichtigsten, wenn nicht das Staats⸗ und Wirtschafts⸗Problem der Gegenwart und Zukunft sehen müssen.
Die Gesundung unseres Volkes ist weitgehend abhängig von der geistigen und seelischen Umstellung der nach vielen Millionen zählenden Arbeiterschaft, ebenso ausschlaggebend ist aber auch die Haltung und die tätige Anteilnahme unserer Gebildeten und Besitzenden an allen den Vorgängen, die an der Neubildung der Arbeiterfrage mitzuarbeiten berufen sind.
Unter djiese Gesichtspunkte gestellt, verdient die erste Reichsbundestagung des„Reichsbundes vaterländischer Arbei⸗ ter⸗ und Werkvereine“ in Halle(18.21. Sept.), die ob ihrer inneren Geschlossenheit und äußeren Stärke in der breiten Oeffentlichkeit eine große Beachtung fand, eines besonderen Hinweises, sahen wir dort doch Kraft und Ideen am Werke, die unaufhaltsam wachsen werden. Worauf ist aber diese für alle Kreise der Wirtschaft und des Wehrgedankens sehr beobachtens⸗ werte Tatsache zurückzuführen?
Von der negativen Seite gesehen doch nur darauf, daß die Arbeiterorganisationen alten Schlages— die Gewerkschaften— an ihrer inneren Aushölung durch die Revolution und die Revolutionsjahre erkrankt, keine neue volks⸗ und wirtschafts⸗ freiende Idee geschaffen haben, noch solche schaffen konnten und z. T. auch nicht— wollten. Von den November-Gewaltigen an bis in diese Tage hinein waren und sind die Reichs⸗ und Landesregierungen fast durchweg auf gewerkschatfliches Klassen⸗ denken eingestellt. Man wähnte eine Volksgemeinschaft durch den, auf dem Wahlrecht der Zwanzigjährigen aufgebauten Parlamentarismus und durch eine Massenfabrikation von so⸗ genannten sozialen Gesetzen und Verordnungen schaffen zu kön⸗ nen; ebenso ist auch der große Wurf der Führer der Wirtschaft, durch das mitten in den Revolutionstagen— am 15. November 1918— geschlossene Zentral⸗Arbeitsgemeinschafts⸗Abkommen die Gewerkschaften zum verantwortlichen Mitträger der deutschen Wirtschaft zu machen, nunmehr als vollkommen mißlungen an⸗ zusehen. 5
Wenn sich die Macht einer Bewegung allein durch die Mit⸗ gliederziffer ausdrückt, dann hätten die Gewerkschaften unbe⸗ dingt ihre„Volksgemeinschaft“ erreichen müssen.„Die freien Gewerkschaften beherrschten vollkommen das Feld. 8—9 Mil⸗ lionen deutscher Arbeiter waren 1922 gewerkschaftlich organi⸗ siert und stellten die stärkste Macht im Staate dar.“ So schrieb
Der Gthüfer und der Böse. Von Dr. J. von Uexküll,
Professor an der Universität in Hamburg. (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
„Eure Majestät denken nur an das Volk und vergessen den Staat“, antwortete mit ruhiger Ueberlegenheit der Kanzler.
„Gerade an den Staat denke ich“, rief der König,„er soll eine freie Gemeinschaft brüderlich sich liebender, gleicher Bürger sein.“
„Der Staat gleicht einer großen Wassermühle,“ erwiderte der Fürst,„in der jeder Staatsbürger bloß eine Schaufel oder eine Speiche des Rades ist. Der König aber ist die Achse, um die sich das Rad dreht.“
„Und das Volk“, warf der König ein,„soll der freie Bürger nichts anderes sein, als eine eingezwängte Speiche, so ist es besser, gar keinen Staat zu haben.“
„Der Staat tut dem Volke bitter not“, entgegnete der Fürst, unerschütterlich.„Woher soll das Brot kommen, wenn die Mühle nicht mahlt? Ist es nicht die gemeinsame, geordnete Arbeit aller, die dem Volke Wohnung, Kleidung und Nahrung ver⸗ schafft?“
„Aber dabei geht das Wichtigste, das Beste verloren“, klagte der König,„die freie Seele des Einzelnen“.
„Gott hat den Staat aus Einzelbürgern aufgebaut, die in ihrem Heim mit ihrer Familie frei leben können, wenn jeder an seinem Beruf dem Staate dienstbar ist. Er hat den Thron ge⸗ schaffen als feste Achse des Staates. Des Königs Pflicht ist es, einsam zu bleiben und seinen Beruf zu erfüllen als Träger des wichtigsten Amtes. Nur im Gefüge des Ganzen ist der Thron sicher, und der durch Gottes Gnade auf den Thron gesetzt ist, ist durch den Gehorsam gegen die Gnade Gottes allein geschützt.“
„Nein, nein, nein,“ ereiferte sich der König,„nur die Liebe eines freien Volkes sichert den Thron.“
„Evangelische Warte“
die sozialistische„Sächsische Arbeiter⸗Zeitung“ am 22. Septem⸗ ber 1925, anläßlich einer längeren Besprechung der eingangs erwähnten ersten Reichstagung des R. v. A. Es ermangelte also durchaus nicht an der Quantität der Mitglieder, wenn die⸗ selbe anschließend eingestehen mußte:„Die Arbeiter.. kehr⸗ ten den Gewerkschaften den Rücken. Fluchtartig verließen sie in großen Haufen die wirtschaftlichen Kampforganisationen, die freien Gewerkschaften.“ Die Ursache des beispiellosen Anwach⸗ sens der äußeren Macht der Gewerkschaften lag in der Revolu⸗ tion, die als solche an sich jeden höheren Zieles volklicher und kultureller Art ermangelte. Es vererbte sich daher dieser Fluch der aus räuberischen Instinkten und Landesverrat herausge⸗ borenen Revolution auf die Gewerkschaften weiter.
Mit den alten aufpolierten materialistischen Lehren von der Sozialisierung und Vergesellschaftung gedachten die Gewerkschaf⸗ ten sich einen inneren Auftrieb zu geben. An der allein in Be⸗ tracht kommenden Wiederaufrichtung der Wirtschaft und des Staates auf der Grundlage einer inneren geistigen Erneuerung und der doch einzig maßgebenden Steigerung der Erzeugung als der Voraussetzung für die Erhaltung und Erhöhung der Kaufkraft des Geldes, ging man vorüber! Die„Führer“ ließen sich von den Massen lenken. Und der Erfolg? Die Wirtschaft geriet in die Schuldknechtschaft der ausländischen, insbesondere der amerikanischen Großbanken, denen sie heute bereits mit 3% Goldmilliarden verschuldet ist, während zur selben Zeit die Arbeitskraft von der gewerkschaftlichen Gesetzgebungsmaschine bis zur Bewegungslosigkeit gefesselt wurde. Stellte man sogar die Mehrarbeit unter Strafe! Während man innerpolitisch den Befreiungsgedanken niederzuhalten versuchte, indem man selbst den Wehrverbänden den Eichenstock nahm, machte man auf der anderen Seite in internationaler Eintracht, in Erfüllung und Entwaffnung!
Trotz uneingeschränkter Unterdrückung nationaler Gesinnung fanden sich in dieser Zeit pazifistischer Knochenerweichung auf⸗ rechte Männer aller Stände, zu denen ein recht hoher Prozent⸗ satz aus dem Arbeiterstande zählte, die auf dem Wege über die Wehrverbände und unter unsaglichen Schwierigkeiten und Ver⸗ folgungen die schwarz⸗weiß⸗rote Fahne entfalten und sehr starke Scharen um sich zu sammeln verstanden. Aus dem gleichen Ge⸗ danken des Sichbefreiens herausgeboren vereinigten sich vater⸗ ländische Arbeiter, die sich die„Befreiung der deutschen Wirt⸗ schaft“ und der„deutschen Arbeitskraft“ zum Ziele setzten. In diesem Ziele sieht die vaterländische Arbeiterschaft die einzige Möglichkeit einer Besserung unserer wirtschaftlichen Lage und damit die Voraussetzung für die Befreiung nach außen! Der vom internationalen Kapitalismus auf Grund innerdeutscher Kapitalbildung befreite Unternehmer soll einer von der Zwangsbewirtschaftung der Arbeitskraft freigemachten Arbei⸗ terschaft gegenüberstehen, beide gegenseitig gebunden durch eine auf wirtschaftlicher und geistiger Grundlage aufgebauten Werksgemeinschaft, der zur geeigneten Zeit die Gesetzgebung zu Hilfe kommen muß In schwerster preußischer Zeit setzte ein großer preußischer Staatssann die Freimachung aller physischen und geistigen Kräfte der Bauernschaft durch. Heute gilt es, ein Gleiches durch den Leistungslohn⸗Gedanken im Arbeitsverhält⸗ nis und in der Wirtschaft hinsichtlich Arbeiter und Unternehmer herbeizuführen, damit Deutschland nicht an seiner Ueberorgani⸗ sation erstickt. Auf die Zeit der absoluten Beherrschung von Gewerbe, Handel und Verkehr durch die Zünfte und Innungen des Mittelalters folgte das„Freie Spiel der Kräfte“]! Die jetzige Periode der Sozialisterung und der Paragraphen⸗ Künstler wird abgelöst durch den Individualismus in Arbeit und Wirtschaft! Wie man im Verhältnis zwischen Erzeuger und Verbraucher den ungesunden Zwischenhandel herauszu⸗ schneiden hat, so ist in der Wirtschaft auf alles das zu ver⸗ zichten, was letzten Endes doch nur produktionshemmend und damit preisverteuernd wirken muß!
Ueber die Idee der Werksgemeinschafts-Bewegung ist seit 1% Jahren— seit Bestehen des R. v. A.— viel gesprochen wor⸗ den, es wird darüber in Zukunft noch viel mehr und in steigen⸗ dem Maße geredet und geschrieben werden. Der sozialistisch⸗ demokratische Teil der Gewerkschaften stellt heute den Inbegriff
„Es handelt sich nicht um die Sicherheit des Thrones allein, sondern vielmehr um die Sicherheit des Staates. Die Gnade Gottes, die den König auf den Thron setzt, ist kein freies Ge⸗ schenk, sondern eine schwere Bürde und eine ernste Pflicht.“
„Ich will meine Pflicht tun in der Liebe“, sagte schwärme⸗ risch der König.
„Es handelt sich gar nicht darum, was Euere Majestät will“, brach der verhaltene Unwille des Fürsten hervor,„sondern was Eure Majestät soll. Will Eure Majestät die Königspflichten nicht erfüllen, so zieht die notwendigen Folgerungen und steigt vom Thron herab, nachdem ein anderer als König eingesetzt worden. Ich will wahrlich Euere Majestät nicht daran hindern, einem edlen Herzen zu folgen. Aber am Thron werde ich nicht rütteln lassen, solange ich lebe.“
„Und wenn das Königsamt im Staate darin besteht, die starre Achse für die ewig gleiche Drehung zu bilden, welchen Be⸗ ruf hat der König dem Volk gegenüber?“ fragt erbittert der König.
„Wenn er nicht Ehrfurcht im Herzen des Volkes zu erzeugen vermag, so soll er wenigstens Furcht erzeugen.“
„Ich aber will Liebe erzeugen!“
„Das ist die Aufgabe des Hohenpriesters. Einer weise den Bürgern den Weg zum Guten durch die Liebe. Ein anderer muß da sein, um sie vom Weg des Bösen abzuhalten. Der Prie— ster kann den König nicht ersetzen und der König nicht den Prie— ster. Liebe und Furcht müssen beide da sein, sonst geht das Volk zugrunde.“
*
Während sich dieses im Schloß des Königs abspielte, sann in der kleinsten Schenke der Anterstadt ein armer Vagabund über die gleichen Fragen nach.
Unseren“ und kannte die Welt und die Seele des Volkes besser wie jene Großen.„Ein jeder Mensch“, sagte er zu sich,„besteht im Grunde nur aus Habgier, die durch Furcht in Banden ge— halten wird. Gelingt es, seine Furcht zu bannen oder nur ein⸗ zuschläfern, so ist er zu jeder Gewalttätigkeit fähig und folgt
Aber er war„einer von den
den Geist.
Nr. 8.
aller Rückständigkeit dar, wie halten eine Wiedergeburt des Begriffes„Gewerkschaft“ etwa durch Schaffung von„nationalen Gewerkschaften“ für unmöglich. Es gibt Organisationsgebilde, die man ebenso wenig„verjüngen“ kann, wie solches beim Menschen möglich ist. Im Werksgemeinschafts⸗Gedanken sehen diese Gewerkschafts⸗Vertreter ein„Verhältnis wie Herr zum Knecht“. Ideologen verneinen, daß Lohn- und Arbeitsverhält⸗ nis⸗Fragen anders als durch Kampf, Streik und Aussperrung entschieden werden könnten, während doch zur selben Zeit Ge—⸗ werkschaftler und Ideologen an Völkerverbrüderung, an Völ⸗ kerbund, an Weltschiedsgerichte, an eine Völkergemeinschaft und an andere internationale Spielereien glauben. Ist der Werks⸗ gemeinschafts-Gedanke nicht der kleinere Glaube, der dahin geht, daß innerhalb eines Betriebes Werksleitung und Arbei⸗ terschaft wirtschaftlich, sozial und geistig eher eine Gemeinschaft bilden können, bevor man dem weitaus größeren Glauben an eine Völlergemeinschaft zuzustimmen in der Lage ist? Internationalismus und Klassenkampf im Inneren sind un⸗ vereinbare Gegensätze. Der Werksgemeinschafts-Gedanke ist individualistisch, er führt zur Zurückdrängung der Macht der Gewerkschaften und bedeutet die Schwächung des Klassenkamp⸗ fes, er lehnt jedweden Internationalismus ab, ist vielmehr aufs Volksganze eingestellt. Der Werksgemeinschafts-Gedanke wird sich nicht in eine„Uniform“ oder in einen bestimmten Para⸗ graphenbau hineinpressen lassen, je nach Lage der Betriebe und
der Zeitverhältnisse wird er sich stärker wirtschaftlich, sozial oder
kulturell auswirken! Eines ist aber nicht möglich, eine Werks⸗ gemeinschaft läßt sich nicht vom Unternehmer der Arbeiterschaft gegenüber befehlen, wo solches versucht werden sollte, dort ent⸗ stehen Gebilde, denen die Seele fehlt. Ein Unternehmer, der selbst dem letzten seiner Arbeiter im Geiste echter Kamerad⸗ schaftlichteit begegnet, Gedanken unendlich vertiefen.
In der Auffassung, daß in der Werksgemeinschafts⸗-Idee das
Staats- und Wirtschaftsproblem der Zukunft liegt, werden sich aufrechte, willensstarke und auf sich selbst eingestellte Führer der Wirtschaft, wertvoll ergänzt durch Persönlichkeiten der
Politik und der Wissenschaft zusammenfinden müssen, um an der
geistigen Vertiefung und gesetzlichen Verarbeitung der Werks⸗ gemeinschafts-Bewegung mitzuarbeiten.
Von der gesamten deutschen Arbeiterschaft sind heute kaum mehr als 32 Prozent gewerkschaftlich organisiert, die überschie⸗ ßenden 68 Prozent gehen nicht wieder in das Lager zurück, das sie unter Enttäuschungen verlassen haben, man muß ihnen daher nun auch innerlich belebende Lochziele geben! Bei diesen ca. 70 Prozent gewerkschaftlich nicht organisierten Arbeitern liegt die„Arbeiterfrage“, möchte man sich aber auch bewußt bleiben, daß ein Experimentieren Unbe⸗ rufener oder gar ein Kommandieren nur von schwerem Schaden sein kann!
Staat, Wirtschaft und Wehrverbände können für die Folge
an der Idee der Werksgemeinschaft nicht mehr vorübergehen! Hoffentlich kommen wir im Jahre 1926 dem Zeitpunkt näher,
an dem sich die gesamte vaterländische Arbeitnehmerschaft im
Bekenntnis zur Werksgemeinschafts-Bewegung zusammenfindet! An der Führer⸗Frage— an Führer⸗Eitelteit und⸗Egoismus— darf dieses volkliche Hochziel nimmermehr scheitern!
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9 Ueber 200 000 Ausländer werden in Deutschland beschäftigt — und über 1 Million Deutscher sind brotlos! Der deutsch⸗ nationale Arbeiterbund forderte von den parlamentarischen Vertretungen gesetzliche Maßnahmen.
Aus der Arbeit des Gesamtverbandes evangelischer Arbeitervereine Deuljthlands im Fahre 1925.
Wenn wir als Gesamtbewegung auf das verflossene
Jahr zurückschauen, dann stehen wir unter dem Ein⸗ druck, daß es uns auf dem Wege zu innerer Festigung
und Stärkung und äußerer Geltung ein gutes Stück
besinnungslos dem Führer, der ihm lockende Ziele für seine Hab⸗
gier weist. Ich bin zwar nur ein hergelaufener Fremdling, aber ich verstehe es, Tränke zu brauen, sowohl für den Körper wie für Und sie werden mir dies Volk untertan machen.“ 0
Bald sprach es sich in der ganzen Unterstadt herum, daß im „goldenen Lamm“ ein neues Getränk verzapft werde, das die Männer freudig und mutig und streitsüchtig mache. Der Zu⸗ spruch war ungeheuer. Aber noch eines kam hinzu: im goldenen Lamm saß ein Fremder, der wunderschön von fernen Ländern zu erzählen wußte und wie es dort den Arbeitern so ganz an⸗ ders und besser ginge. in glühenden Worten, wie in den fremden Ländern die Arbeitet
ihre Knechtschaft abgeschüttelt, indem sie sich zusammengeschlos⸗
sen. Erst hätten sie nichts anderes getan als ganz einfach die Arbeit niederzulegen. sehr unbequem gewesen, und so hätten sie, bloß um ihre Ge— schäfte im Gang zu erhalten, den Arbeitern ein Recht nach dem anderen einräumen müssen. Bis schließlich die Arbeiter so viel Macht errangen, daß sie den ganzen Staat nach ihren Wün⸗ schen umgestalten und sich selbst zum Herren des Staates machen konnten.
„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will,
rief der Fremdling eines Abends den erregten Arbeitern zu.
Anfangs erschrak er über die eigene Keckheit. Denn zu offen⸗ kundig war der Widersinn dieses Wortes. Wußten sie doch alle, daß der kleinste Stein genüge, um ein Räderwerk zum Stillstand zu bringen. Auch wußten sie, daß es im Gegenteil starker Arme und eines feinen Verstandes bedürfe, um ein Räderwerl aufzubauen und in Betrieb zu erhalten.
auf die blinde Habgier war dennoch richtig gewesen. Alles
wird dadurch den Werksgemeinschafts⸗
bei solcher Erkenntnis
Immer wieder berichtete der Fremde
ad be gte die f die l en der 9 1 1 N 1685 u.
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Das wäre natürlich den hohen Herren
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brüllte Beifall, und sofort erklärten sich zahlreiche Männer bereit N
in ihren Betrieben die Arbeit einzustellen, bis die Arbeiter“ forderungen durchgesetzt seien. Aber was sollten sie zuerst fot— dern?„Fordert die Absetzung des Fürsten des Willens“, rief der Fremde. Denn er hatte erkannt, daß die Furcht vor diesem unbeugsamen Beamten die Arbeiter am meisten hemmte. All, gemeine Zustimmung folgte seinen Worten.
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