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Sonnabend, den 17. Juli 1926.
„Evangelische Warte“
Nr. 29.
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lehrte, ich habe Sie auch nur auf einen großen Irrtum aufmerksam machen wollen. Wenn Sie bei einer solch kleinen Lampe nicht glauben, daß sie von selbst entstan⸗ den, wie können Sie nur von der Welt sagen: Sie ent⸗ stand von selbst. Da ging Herrn X. ein Licht auf. Er merkte, daß es doch eigentlich gar nicht so unvernünftig ist, an einen Gott zu glauben.
Darum sind ja auch so viele große Naturforscher be⸗ geisterte Gottesbekenner gewesen. Ich nenne nur Na⸗ men wie Copernikus, Newton, Kepler, Pasteur, Virchow, Volta, Ampere, Liebig, Cuvier, Gauß, Faraday. Aber auch ein Mann wie Darwin, in dessen großer Entwick⸗ lungstheoxie viele den Antergang relegiösen Glaubens sehen, war kein Gottesleugner.
„Eine andere Quelle der Ueberzeugung von der Existenz Gottes“, sagt Darwin,„die auf den Verstand, nicht auf das Gemüt zurückgeht, wirkt auf mich mit viel größerem Nachdruck. Sie ergibt sich aus der außer⸗ ordentlichen Schwierigkeit oder vielmehr Unmöglichkeit, das grenzenlose und wunderbare Aniversum als das Er⸗ gebnis des Zufalls anzusehen. Wenn ich darüber nach⸗ denke, so fühle ich mich getrieben, eine erste Ursache an— zunehmen, die einen im gewissen Sinne dem mensch⸗ lichen Verstande entsprechenden Intellekt besitze, und ich verdiene ein Theist(Gottgläubiger) genannt zu werden.“ 2
Alexander v. Humboldt sagte einmal:„Die Natur wie die Menschengeschichte ist ein harmonisches, von einem Geiste getragenes, von göttlichen Kräften und zweckvollen Gesetzen bestimmtes Universum.“
Auch Goethe hat von diesen Dingen nicht geredet wie die unfehlbaren modernen Gottesleugner, die hoch⸗ mütig auf die Gläubigen herabsehen. Er hat ja auch eifrig mit frommen Menschen verkehrt. Man denke nur an Herder, der Pfarrer war, oder an Lavater. Er wußte den Gottesglauben zu schätzen, wie der Ausspruch zeigt: „Mag die geistige Natur nur immer fortschreiten, mögen die Naturwissenschaften in immer breiterer Ausdehnung und in die Tiefe wachsen und der menschliche Geist sich erweitern wie er will, über die Hoheit und sittliche Kul⸗ tur des Christentums, wie es in dem Evangelium schim⸗ mert und leuchtet, wird er nicht hinauskommen.“
Selbst Prof. Häckel, der von vielen zitierte Kron⸗ zeuge des Unglaubens, sagte am Schlusse seines Lebens: „Die hohe praktische Bedeutung des Christentums, sein wirklicher Wert für höhere Ethik und veredelte Lebens—⸗ führung steht historisch außer Zweifel.“
Und doch gibt es Gottesleugner. Begreiflich! Viele sind es aus reiner Oberflächlichkeit. Sie haben niemals über die Fragen selbst nachgedacht. Sie reden nach, was andere ihnen sagen, die ebensowenig nachdachten wie sie selber, oder die ein Interesse daran haben, die Religion zu bekämpfen. Viele, die in dem Punkte eine feste Ueberzeugung zu haben glauben, merken nur nicht, daß ihre feste Ueberzeugung weiter nichts ist als eine von Freunden oder Agitatoren geschickt diktierte Ueber⸗ zeugung. An der Oberflächlichkeit ist oft Vielgeschäf⸗ tigkeit mitschuldig. Leider könnte man manchen auf den Grabstein schreiben:
Er schaffte dies, er schaffte das, Die arme Seele er vergaß.
Begreiflich ist, daß offenbare Schlechtigkeit viele zu Gottesleugnern macht. Ohne Herrgott läßt sich's besser schieben, wuchern, stehlen. Also fort mit dem unbe⸗ quemen Gott. Alles Schieberpack klatscht begeistert in
die Hände, wenn es heißt:„Es gibt keinen Gott“. Denn dann hat das Gewissen Ruhe. Man kann halt nicht Gott dienen und dem Mammon. Daß es eine Art from⸗ mer Schieber gibt, will ich gewiß nicht leugnen; deren Frömmigkeit ist aber weiter nichts, als elende Heuchelei. Man stellt sich fromm um des Ansehens oder des Bei⸗ spiels willen und:„damit dem Volk die Religion er⸗ halten wird“. Das Schlechteste an solch einem Mens don ist wirklich seine Frömmigkeit.
In gebildeten Kreisen ist wissenschaftlicher Koch⸗ mut oft die Ursache der Gottesleugnung. Dabet muß man allerdings betonen, daß die Gottesleugner in diesen Kreisen viel weniger zahlreich sind, als das Volk ge⸗ wöhnlich annimmt. Sie fallen hier nur mehr auf, zu—⸗ mal sie sich oft als Agitatoren betätigen. Aus Hochnau: wollen diese Menschen nicht glauben, was Jahrtausende geglaubt haben. Unter allen Umständen wollen sie weit über der Vergangenheit stehen, unter allen Umstö'der vorgeschrittener und vor allen Dingen modern sein. Einerlei ob mit Recht oder Unrecht. Daß wissenschaft⸗ licher Hochmut eine verbreitete Krankheit ist, weiß jeder, der diese Kreise kennt. Mit Recht sagt Paulus:„Wis⸗ sen blähet auf“. Er meint damit allerdings nicht wah⸗ res, tiefes Wissen, denn das macht sehr bescheiden und zurückhaltend. Er meint die auch heute weit verbreitete Halbwisserei. Wie viele blähen sich nicht in Hochmut,
die nicht einmal in ihrem Fache etwas wissen, sondern
nur ein sogen. Examen-Wissen mit sich herumschleppen. Noch schlimmer sind die, deren ganzes Wissen aus ein paar Broschüren niedrigster Sorte stammt. Sie halten gewaltige Reden über Religion und Bibel, ohne je eine Ahnung von wahrer Religiösität gehabt, ohne je die Bibel gelesen zu haben. Daher kommt es, daß man so oft Bibelworte verkehrt nennen hört. Schon wieder⸗ holt habe ich gehört und gelesen, daß in der Bibel stehe: „Selig sind die geistig Armen“, d. h. die Dummen. In Wirklichkeit heißt es:„Selig sind die geistlich Ar⸗ men“, d. h. die sozial Gedrückten, Leidenden. Persön⸗ lichkeiten wie Jesus oder Paulus wußten gewiß wahre Bildung zu schätzen. Tiefes, wahres Wissen führt zu Gott, nur die Halbwisserei führt von ihm weg. Sie ist, wie ich schon zeigte, mit ein paar Worten zufrieden. Auch Eigenbrödelei ist oft die Ursache des sogen. Unglaubens, der ja auch nur ein Glaube ist, denn die Richtigkeit des Unglaubens läßt sich wahrhaftig nicht wissenschaftlich beweisen. Nur das dumme Volk geht in die Kirche, sagen diese Hagestolze, die immer ihr Extra⸗ würstchen haben müssen, ich bin darüber hinaus. Als ich vor 11 Jahren aus Südösterreich nach Deutschland
zurückkehrte, hatte ich den Eindruck, daß man bei uns in
vielen Kreisen sehr aemütlos geworden ist. Dort unten an der deutschen Südmark hatte der nationale Kampf den Idealismus erhalten, hier bei uns hatt die Jagd nach Geld und Wohlleben Tausende zu reinen Nützlich— keitsmenschen, oberflächlichen Geldautomaten gemacht. Sie kannten nur eine Frage:„Wie, wo, wann, wieviel verdiene ich Geld, Geld, nichts als Geld!“ Solche Auto⸗ maten können gewiß Gott nicht finden. Die Bibel sagt mit Recht:„Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes. Es ist ihm eine Torheit und kann's nicht erkennen, denn es muß geistlich gerichtet sein.“ Der Ge— mütlose fühlt nichts von Gottes Welt, ebensowenig er etwas vernimmt vom Geiste der Musik. Bei ihm heißt es:„Religion ist Unsinn.“ Er lügt nicht, er sagt nur, was er fühlt.
Viele stehen zwar dem Gottesglauben sehr nahe, aber sie können desselben doch nicht froh werden, weil ihnen stets allerhand Zweifel zu schaffen machen. Wie kann es einen Gott geben, wenn die Ansichten über Gott und Religion so verschieden sind, sagen sie sich. Da gibt es Christen, Juden, Mohammedaner, Buddhisten. Jeder glaubt etwas anderes. Was ist dazu zu sagen. Nun, man soll die Unterschiede zwischen den Religionen nicht übertreiben. Schließlich ist es doch derselbe Herrgott, den sie alle anbeten, dasselbe Gefühl, das sie zur An⸗ betung treibt. Ich hatte einmal einen mohammedani⸗ schen Priester bei mir zu Gast, und wir haben uns lange und eingehend über die religiösen Fragen unterhalten, ohne Leidenschaft, im besten Einvernehmen. Wir schie⸗ den voneinander in der Gewißheit, daß wir derselben großen Idee dienen. Verschiedenartigkeit der Völker, Verschiedenartigkeit der Kulturen bedingt mit die reli⸗ giöse Verschiedenartigkeit. Es ist ganz natürlich, daß der Türke oder Inder Gott anders anbetet als der Deutsche. Es ist auch begreiflich, daß ein Volk niederer Kultur keine erhabene Gottesvorstellung hat. Nur Fa⸗ natismus und Unvernunft hat die bösen Glaubens- kämpfe hervorgerufen, die die Geschichte kennt. Wah⸗
res Christentum kann nicht intolerant sein, hat doch Christus am schärfsten die Intoleranz bekämpft. Ihm
waren die Pharisäer gerade deshalb zuwider, weil sie mit solchem Hochmut auf Andersgläubige herabsahen. Gerade um seiner Toleranz willen steht mir das Chri⸗ stentum so hoch, es ist mir die höchste Gottesoffenbarung. Viel zu wenig bekannt ist auch, daß evangelische Kreise vor Jahren religiöse Weltkongresse einberufen haben, auf denen Christen, Buddhisten, Mohammedaner, Kon⸗ suzianer friedlich beieinander saßen. Ich kann sehr gut der Ueberzeugung sein, daß das Christentum die höchste Religion ist, weil Jesus, der Gottessohn, Gott am besten verstand. Deswegen brauche ich noch lange nicht auf den Nichtchristen herabzusehen. Ich habe nur das Bedürfnis, ihn auf die Höhe des Christentums zu heben, auf die Höhe der Religion der Toleranz, der Religion der Liebe.
Vielen Zweiflern macht auch das Reden von Gottes
Eigenschaften viel Kopfzerbrechen. Sie sind aber selbst daran schuld, denn sie mißverstehen die christliche Lehre. Sie nehmen die Bilder, die das Christentum gebraucht, für die Wirklichkeit. Man muß sich doch sagen, daß dieses Reden von Gottes Eigenschaften ein Reden in Bildern ist. Wenn wir sagen, Gott ist unser Vater, so stellen wir uns Gott wahrhaftig nicht vor wie einen alten Mann in grauem Bart, der auf goldenem Stuhl auf den Wolken sitzt. Nur das Väterliche in seinem Wesen soll damit dargestellt werden. So ist es auch mit der Rede von dem persönlichen Gott. Nur weil die Per⸗ sönlichkeit das Höchste ist, was uns auf Erden begegnet,
nennen wir Gott eine Persönlichkeit. Er kann mehr sein
als das, aber es steht uns leider kein höherer Begriff zur Verfügung. Der Begriff„Kraft“ steht jedenfalls nicht höher. Wenn ein Haus gebaut wird, ist doch die Persönlichkeit des Baumeisters, der alles erdenkt und leitet, höher als die chemischen und physikalischen Kräfte, die beim Hausbau tätig sind. Wir sind uns wohl be⸗ wußt, daß alles Gott-Beschreiben-Wollen dem Lallen eines Kindes gleicht. Er ist zu groß, zu unfaßbar, als daß ihn Menschenverstand begreifen könnte.„Meine Gedanken sind nich: eure Gedanken“, spricht der Herr. Das Leid der Wels bringt viele in schwere Zweifel. 1 T,
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Wer mith bekennet.
Von Erwin Gros.
Hans Heeger war am ganzen Körper in Schweiß gebadet; die Zunge klebte ihm am Gaumen. Er tastete in der Dunkel⸗ heit nach dem Gefäß mit Wasser, das er allabendlich auf seine Kammer mitnahm, und trank es in langen Zügen leer. Dann legte er sich wieder in die Kissen, doch der Schlaf floh ibn, denn die Gedanken ließen ihm keine Ruhe. Wie eine wilde Meute ein Wild umstellt, daß es nicht ausbrechen kann, so umringten ihn die Gedanken und zerrten ihn hin und her.
Erst gegen Morgen fand er noch eine kurze Stunde der Ruhe und des Vergessens.
Mutter Vogelsberger war bei der Morgensuppe gar nicht mit ihm zufrieden; auch der Meister meinte:„Wenn man mal soviel Blut verloren hat, muß man nachher doppelt essen. Wenn ihr aber so auf dem Teller herumstochert, wie die letzten Tage, dann kann der Wind euch bald durch die Backen blasen.“
„Es geht wieder vorüber, man hat jetzt so allerhand in sich zu verwürgen!“
Da begann der gute Meister Vogelsberger, unterstützt von seiner Mutter, auf den Schultheißen loszudreschen; es war nur
gut, daß der Bescholtene nicht anwesend war, er hätte sich sicher
vor sich selber geschämt und wäre in ein Mauseloch gekrochen.
Lächelnd hörte Hans den zwei Femrichtern zu.— schmerzlich lächelnd:„Ach, ihr seid ja auf einer falschen Fährte. Nicht der Schultheiß, ich selbst bereite mir die bittere Pein.“
Gegen zehn Uhr schlich er wie einer, der auf bösen Pfaden wandelt, zum Rathaus. Einen scheuen Blick warf er nach der gegenüberliegenden lutherischen Kirche; dann stieg er eilig die Stufen hinan. Im Hintergrund des kleinen Betsaales, dem Ein gang gegenüber, war ein Hochaltar aufgebaut, der in seinem bunten Prunk mit dem kahlen, nüchternen Raum in seltsamem Gegensatze stand.
Hans Heeger setzte sich unmittelbar neben den Eingang. Es waren ungefähr zwanzig erwachsene Personen anwesend und gegen zehn Kinder. Der katholische Schulmeister, der bereits im Meßnergewand steckte, wollte Hans nötigen, auf den vorderen Bänken Platz zu nehmen, dieser aber weigerte sich entschieden.
Jetzt erschien der Priester, eine ehrwürdige Erscheinung, hin— ter ihm der Freiherr von Ingelheim, der Amtmann und seine Frau, zuletzt der Schultheiß Peter Michel. Alle nickten Hans Heeger zu. Der Freiherr nahm auf einem bereitgestellten Sessel Platz, die andern drei auf der vordersten Bank.
Der Gottesdienst begann, der Weihrauch zog durch den
Raum, in feierlichem Zuge wallten die Gesänge des Priesters und der Gemeinde daher. 5
Hans Heeger lauschte. Das Gemessene und Würdevolle der ganzen Handlung schlug ihn in Bann. Dann aber mühte er sich, in das Verständnis einzudringen. Doch eine fremde Sprache war es, die da gesprochen wurde,— klangvolle Worte, aber sinnlos erschienen sie ihm und sagten ihm nichts. Was sollte das alles bedeuten? Verwirrt und bedrückt saß er da.
„Hierher gehöre ich nicht!“ sprach es in ihm.
Und als der Priester die Monstranz emporhob, das Glöcklein des Ministranten ertönte, und alle tief zur Erde sich neigten, da klinkte Hans Heeger ganz leise die Tür auf und verschwand.
Als er auf der Straße stand, atmete er tief auf. Er rief einen kleinen Jungen herbei und gab ihm den Auftrag:„Gehe zu Meister Vogelsberger und sage, ich, der Hans Heeger, käme nicht zum Mittagessen. Ich ginge ein bißchen über Feld und käme gegen Abend heim!“
Der Junge lief spornstreichs davon. Hans aber ging lang— sam hinter ihm drein, ließ das Dorf hinter sich und schlug den Weg nach Rodheim ein, den er einst gekommen war. Er wollte mit sich selbst allein sein.
Nach dem Gottesdienst begleiteten der Amtmann und der Schultheiß den Freiherrn von Ingelheim in das Amtshaus. Die Frau Stubenrauch aber begab sich in das Haus des Schultheißen. Sie wollte mit Sybille verhandeln und Schwierigkeiten, die etwa von deren Seite erstehen könnten, hinwegräumen. Denn Peter Michel selbst hatte am Morgen die Frau Amtmännin um diesen Dienst gebeten! Er traute den eignen, staatsmännischen Fähig⸗ keiten in dieser Sache nicht viel zu; sie würden ihn im Stich lassen und sich verflüchtigen, wenn seine Frau mit den Augen, tiefer Wahrhaftigkeit voll, ihn anschaute.
Die Frau Amtmännin hielt ihre Sendung nicht eben für schwer. Sie war der festen Zuversicht, daß Sybille die Nachricht, die sie ihr zu bringen hatte, mit Jauchzen aufnehmen werde. Ve— denklicher erschien ihr, daß Hans Heeger nicht bis zum Ende des Gottesdienstes geblieben war. Sollte ex doch von der gewiesenen Bahn abspringen wollen? Doch auch darüber beruhigte sie sich;
in dem Jugendalter, darin Hans und Sybille standen, ist der Zug des Herzens und der Sturm des Blutes, der Mann und Weib zueinander reißt, stärker als alle Hindernisse und Be— denken. Darauf vertraute die kluge Frau Stubenrauch.
Sybille und ihre Mutter waren höchst erstaunt über den „fremden Besuch“. Was konnte die Frau wollen?
„Mein Mann ist nicht zu Hause,“ sagte Frau Margarete nach den Worten der Begrüßung.
„Ich will nicht zum Schultheißen, ich will zu euch, vorab zu eurer Tochter,“ antwortete Frau Stubenrauch.
Man setzte sich, Sybille voller Neugier, voller Zurückhaltung. Denn sie ahnte, ja, sie wußte, diese Frau kann meinem Kinde nichts Willkommenes u. Freudiges bringen.
Frau Stubenrauch begann nun ihre Rede; weit von hinten herum holte sie aus. Sie pries die Schönheit und Tugend Sybil⸗ lens, daß das Mädchen ganz rot wurde. Dann lobte sie Hans Heeger, daß Sybille noch röter wurde. Sie sprach von der allge— meinen Teilnahme des Dorfes an dem Bund der jungen Leute Auch sie und der Amtmann hätten von Anfang an, als sie von dem Widerstand des Schultheißen gehört hätten, überlegt, wie man ihnen helfen könne. Darauf hätten sie den Schultheißen kommen lassen; der wäre zuerst zäh gewesen wie Sohlenleder, dann aber habe er nachgegeben und willige in die Heirat, frei⸗ lich unter der Bedingung, daß der Eidam katholisch werde.
Eine tiefe Stille folgte diesen Worten.
„Ja, freut sie sich denn nicht, Jungfer Sybille?“ sagte die Frau Amtmännin.
Sybille schaute mit großen, verstörten Augen auf die Fra⸗ 8
gerin.
„Ob ich mich freue?“ erwiderte das Mädchen mit bebenden
Stimme.„Mein Hans wird doch nicht katholisch!“
Da lächelte die Frau Amtmännin außerordentlich liebens⸗ würdig:„Dann weiß sie eben nicht, Jungfer Sybille, wie lieb sie dem jungen Mann ist. Gerade vorhin ist er in unserer heili⸗ gen Messe gewesen. Seht, so ist der Weg geebnet, und man kann euch Glück wünschen.“
Da schüttelte Sybille den Kopf, schwere Tränen liefen über ihre Wangen:„Nun ist alles vorbei, nun ist alles vorbei,“ schluchzte sie, legte den Kopf auf den Tisch und begann bitterlich zu weinen.
Der Frau Stubenrauch war es in diesem Augenblick nicht
recht gemütlich zumute. Einmal erkannte sie, daß ihre Sendung gescheitert sei, zum andern war in ihr doch so viel mütterliches dern daß dieser hoffnungslose Schmerz hart wider ihr Herz stieß. 3 Frau Margarete Michel mühte sich unterdessen um ihre Tochter; endlich gelang es ihr, Sybille zu beruhigen. Das Mädchen erhob sich, ging mit gefaßtem Anstand auf die Frau Amtmännin zu und reichte ihr die Hand:„Ich danke der Frau Amtmännin herzlich für die Bemühung, aber auf diese Weise kommen wir nicht zusammen, der Hans und ich.“
„Aber warum denn nicht?“
Da sagte Sybille voll Nachdruck:„Wie kann ich den Hans
zum Manne nehmen, wenn ich ihm nicht trauen kann! Wie ka
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